Li Auto hat seinen ersten eigenen KI-Chip über 50.000 Mal verbaut, jetzt soll ihn auch die Konkurrenz kaufen können. Der chinesische Hersteller öffnet gleich drei Kerntechniken für den Fremdverkauf: den Mach-Chip, die Leistungselektronik aus Siliziumkarbid und den Range-Extender. Aus dem Autobauer wird ein Zulieferer, der an den Fahrzeugen anderer Marken mitverdient.

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Wie das Wirtschaftsportal 36Kr exklusiv berichtet und Sina Finance aufgreift, hat Li Auto die Chip-Sparte auf höchster Ebene bereits zur Ausgründung freigegeben und im Juli 2026 eine eigene Gesellschaft für das Fremdgeschäft gegründet.[1] Die selbst entwickelte Batterie bleibt vorerst tabu, weil sie als zu kundenspezifisch für einen Verkauf an Dritte gilt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Li Auto bietet drei Kerntechniken extern an: den Mach-Chip, Siliziumkarbid-Module und den Range-Extender.
  • Der Chip Mach M100 läuft in Serie und wurde über 50.000 Mal ausgeliefert; die Siliziumkarbid-Sparte wurde ausgegliedert und sucht Kapital.
  • Die eigene Batterie bleibt im Haus, weil sie zu eng auf einzelne Modelle zugeschnitten ist.
  • Für Bosch, ZF und Infineon wächst ein Wettbewerber heran, der Chip und Leistungselektronik zugleich liefert.

Was verkauft Li Auto künftig extern?

Metallener Kühlkörper mit Holzsockel und Anhängeetikett
Li Auto stellt drei Technologie-Bausteine frei: den KI-Chip Mach M100 mit über 50.000 Auslieferungen, Siliziumkarbid-Leistungselektronik und den Range-Extender

Drei Bausteine gibt Li Auto frei. Der Mach M100, der erste selbst entwickelte KI-Chip des Herstellers, läuft in Serie und wurde nach Unternehmensangaben über 50.000 Mal ausgeliefert. Die Leistungselektronik aus Siliziumkarbid steckt inzwischen in einer eigenständigen Gesellschaft, die frisches Kapital am Markt sucht und einen Börsengang vorbereitet. Auch den Range-Extender, mit dem sich Li Auto von reinen Stromern abhebt und den zuletzt auch Xiaomi kopiert hat, dürfen künftig andere Hersteller beziehen. Nur die eigene Batterie bleibt intern, weil sie zu stark auf einzelne Modelle zugeschnitten ist.

Warum wird der Autobauer zum Zulieferer?

Höhere Margen und Skaleneffekte treiben den Schritt. Ein eigener Chip und eine Siliziumkarbid-Fertigung rechnen sich erst über große Stückzahlen, die ein einzelner Autobauer allein kaum erreicht. Jeder verkaufte Baustein verteilt die Entwicklungskosten auf mehr Schultern und wirft im chinesischen Preiskrieg mehr ab als ein weiteres Auto. Firmenchef Li Xiang begründet den Aufwand nüchtern: „Chips zu bauen ist bei uns kein Mitläufer-Geldverbrennen, sondern löst Probleme, an denen die Zulieferer scheitern.“

Ein Branchenmuster zeichnet sich ab. Erst in dieser Woche öffnete XPeng seinen Turing-Chip samt Elektronik-Architektur für andere Autobauer, BYD verkauft seine Halbleiter längst über eine eigene Sparte und Huawei rüstet ganze Marken mit Fahrzeug-KI aus. Aus Chinas Preiskrieg wächst so eine zweite Ebene des Wettbewerbs: der Handel mit der Technik dahinter.

Ein Autobauer, der seinen eigenen KI-Chip, die Leistungselektronik und den Range-Extender an die Konkurrenz verkauft, greift genau die Wertschöpfung an, von der Bosch, ZF und Infineon leben. Li Auto verdient künftig auch am Auto des Wettbewerbers mit.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Li Auto vom Autobauer zum Zulieferer
Was der Hersteller künftig verkauft und was intern bleibt
> 50.000
ausgelieferte Mach-M100-Chips, Li Autos erster selbst entwickelter KI-Chip, jetzt auch für andere
3
extern verkaufte Bausteine: Mach-Chip, Siliziumkarbid-Module und Range-Extender
Juli 2026
Gründung der eigenständigen Chip-Gesellschaft für das Fremdgeschäft
10 Mrd. €
Investition in die ESMC-Chipfabrik Dresden, Europas Wette auf eigene Autochips

Was bedeutet das für Europas Zulieferer?

Ein neuer Rivale entsteht ausgerechnet bei der Leistungselektronik, einer Stärke europäischer Hersteller. Siliziumkarbid-Module sind das Feld von Infineon, STMicroelectronics und Bosch; eine ausgegliederte chinesische Firma mit Börsenplänen drückt hier zusätzlich auf die Preise. Gleichzeitig ringt Europa mit der Zehn-Milliarden-Wette auf eigene Autochips in Dresden um Unabhängigkeit, während chinesische Autobauer ihre Chips schon verkaufen. Für klassische Zulieferer wie Continental verschiebt sich die Rolle vom Lieferanten zum Konkurrenten.

Für deutsche Autobauer und Zulieferer lohnt der nüchterne Vergleich. Beim nächsten Technik-Fahrplan steht die Frage an: Eigenentwicklung oder Zukauf beim chinesischen Herausforderer, der Chip, Leistungselektronik und Antrieb aus einer Hand anbietet.

Quelle

[1] Sina Finance (nach 36Kr): „Li Auto beginnt Technik zu verkaufen: Mach-Chip, Siliziumkarbid und Range-Extender starten den Fremdverkauf“ (18. September 2026)

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