Huawei rückt ins Zentrum der chinesischen Autoindustrie. Am 11. August unterzeichnete der staatliche Konzern China Changan gemeinsam mit dem ICT-Riesen in Shenzhen einen strategischen Rahmenvertrag, der von KI-Produkten über allgemeine und fahrzeugspezifische KI-Modelle bis zu einer gemeinsamen Digitalbasis, Rechenleistung und Software reicht. Damit wächst der US-sanktionierte Netzwerkausrüster zum Hirn immer weiterer Fahrzeuge.

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Der Pakt reicht weit über das bisherige Gemeinschaftsunternehmen hinaus. Bislang kooperierte Changan vor allem über die Premiummarke Avatr mit Huaweis ausgegliederter Autosparte Yinwang. Jetzt öffnen sich fünf Marken für den Partner, von Avatr über Deepal bis zur Nutzfahrzeugtochter Kaicheng. Die Zusammenarbeit greift zudem auf Cloud, digitale Energie und Personal aus.[1]

Das Wichtigste in Kürze

  • Changan und Huawei schlossen am 11. August in Shenzhen einen Rahmenvertrag über KI-Modelle, Rechenleistung, Cloud und Software fürs Auto.
  • Fünf Changan-Marken sind eingebunden, von Avatr über Deepal bis zur Nutzfahrzeugmarke Kaicheng.
  • Huaweis Autosparte Yinwang wird auf rund 14,8 Milliarden Euro taxiert, Changan hält darüber schon 10 Prozent.
  • Für Europas Zulieferer verschiebt sich die wertvollste Schicht des Autos, Rechenchip, Betriebssystem und Assistenz-KI, zu einem einzigen Anbieter.

Warum bündelt Changan seine Marken bei Huawei?

Lenkrad mit „2026“-Button verbunden durch Drähte mit fünf Spielzeugautos
Huawei beliefert Autohersteller mit Software, Betriebssystemen und KI-Assistenten, da diese nun den Fahrzeugwert bestimmen statt Motor und Getriebe

Weil der Wert im Auto von der Mechanik in die Software wandert. Rechenleistung, Betriebssystem und Assistenz-KI entscheiden heute über den Aufpreis, nicht mehr Hubraum oder Getriebe. Huawei bietet genau diese Schicht als horizontaler Zulieferer an und verkauft sie an die halbe Branche.

Wie ernst der Konzern das Geschäft nimmt, zeigt die Bewertung der Autosparte. Huawei bündelte den Bereich 2024 in der Tochter Yinwang, angesetzt mit rund 14,8 Milliarden Euro (EZB-Referenzkurs Mitte August 2026, rund 7,78 Yuan je Euro).[2] Im selben Jahr sprang ihr Umsatz um 474 Prozent auf etwa 3,4 Milliarden Euro, erstmals mit Gewinn.

Für Changan ist der Schritt konsequent. Über Avatr hält der Konzern bereits 10 Prozent an Yinwang, für die er rund 1,48 Milliarden Euro zahlte, abgeschlossen im Oktober 2025.[2] Der neue Rahmenvertrag zieht diese Bindung nun über den gesamten Markenkosmos.

Wer liefert die Software im chinesischen Auto?

Zunehmend Huawei selbst. Neben Changan bezieht eine wachsende Allianz die Fahrsoftware vom gleichen Haus, darunter Seres mit der Marke AITO, Chery mit Luxeed und BAIC mit Stelato. Der Konzern verkauft dabei in drei Stufen: reine Bauteile, das Baukastenmodell Huawei Inside und die enge Produktpartnerschaft, in der Huawei bis in Design und Vertrieb mitredet.

Der Zeitpunkt passt zum Umbruch im Markt. Auch westliche Hersteller kaufen die Intelligenz zunehmend vor Ort ein: Volkswagen setzt bei der Assistenz seiner China-Modelle auf Chips von Horizon Robotics, Porsche holt sich beim Rivalen XPeng CO2-Hilfe und Technik. Im Juli lag der Anteil der Stromer an Chinas Neuwagen erstmals über 60 Prozent.

Huawei muss keine eigene Automarke bauen, um die Autoindustrie zu beherrschen. Der Zulieferer von Betriebssystem, Rechenchip und Assistenz-KI kassiert an jedem verkauften Wagen mit, ganz gleich, welches Logo vorn klebt.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Huawei im chinesischen Auto in Zahlen
Der Rahmenvertrag mit Changan und die Bewertung der Autosparte Yinwang
5 Marken
Avatr, Deepal, Qiyuan, Changan und Kaicheng unter einem Partner
14,8 Mrd. €
Bewertung von Huaweis Autosparte Yinwang
+474 %
Umsatzsprung der Sparte 2024 auf rund 3,4 Milliarden Euro, erstmals mit Gewinn
1,48 Mrd. €
Changans 10-Prozent-Anteil an Yinwang über die Marke Avatr
60 %
Anteil der E-Autos an Chinas Neuwagen erstmals über 60 Prozent (Juli 2026)

Was bedeutet das für VW, Mercedes und Europas Zulieferer?

Kurz gesagt: wachsende Abhängigkeit. Die wertvollste Schicht des Autos, Rechenleistung und Software, konsolidiert sich in China bei einem einzigen horizontalen Anbieter. Genau diese Ebene wollten Bosch, Continental und ZF eigentlich selbst besetzen.

Die deutschen Hersteller kämpfen zugleich mit eigenen Baustellen. Mercedes verlor gerade mitten im Umbau seinen Software-Chef für das Betriebssystem MB.OS, während Volkswagen den günstigen ID. Polo für 25.000 Euro in einem Markt startet, in dem der Konzern die Software für China längst bei Partnern zukauft.

Für Entscheider bleibt eine klare Aufgabe. Prüfen Sie, welche chinesische Software und Rechenleistung schon in der eigenen Lieferkette steckt, und behalten Sie die EU-Auflagen für einen US-sanktionierten Anbieter im Blick. Chinas Chip-Autarkie wächst von heimischen KI-Chips bis zur Fahrzeug-KI weiter.

Quellen

[1] China Changan / Huawei: China Changan und Huawei unterzeichnen strategischen Rahmenvertrag

[2] Caixin Global: Avatr and Seres Chiefs Join Yinwang Board With Each Holding 10% Stake

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