Bertelsmanns Musiktochter BMG öffnet dem KI-Generator Suno ihren gesamten Katalog, von der Komposition bis zur fertigen Aufnahme. Zwei Wochen zuvor hatte das Landgericht München I dieselbe Firma noch zur Lizenz verurteilt. Aus dem Rechtsstreit über KI-Musik wird ein bezahltes Geschäftsmodell.

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BMG lizenziert dem KI-Musikdienst Suno weltweit ihr komplettes Repertoire aus Aufnahmen und Musikverlag. Der Deal vom 12. August ist die zweite Allianz eines großen Rechteinhabers mit dem Start-up, das monatelang das bevorzugte Ziel von Urheberrechtsklagen war.

Das Wichtigste in Kürze

  • BMG, die Musiksparte von Bertelsmann, lizenziert Suno global ihr Repertoire aus Label und Verlag.
  • Nur mit ausdrücklichem Opt-in fließt die Musik von BMG-Künstlern ins Training, samt Vergütung.
  • Der Vertrag deckt auch die frühere, ungefragte Nutzung von BMG-Werken als Trainingsmaterial ab.
  • BMG ist nach Warner Music der zweite Major. Universal und Sony klagen in den USA weiter.

Was BMG mit Suno vereinbart hat

Schallplatte, Lizenz-Tag, Geklärte Nutzungsrechte Aufkleber und Richterhammer auf weißem Grund
BMG lizenziert seinen kompletten Katalog an Suno. Gemeinsam entwickeln sie ein neues KI-Modell, das nur auf freigegebenem Material trainiert wird

BMG lizenziert Suno ihren kompletten Katalog aus Aufnahmen und Verlagsrechten, weltweit.[1] Beide Häuser wollen gemeinsam ein neues, lizenziertes Suno-Modell entwickeln, das ausschließlich auf freigegebenem Material aufsetzt.

Der Kern des Vertrags ist ein Opt-in. Nur bei aktiver Zustimmung fließen die Werke einer Urheberin ins Training und in die generierten Ausgaben. Im Gegenzug erhalten die Beteiligten eine Vergütung. Damit dreht Suno sein bisheriges Prinzip um: Das Start-up hatte seine Modelle mit ungefragt gesammelter Musik aus dem Netz trainiert. Der Vertrag bereinigt diese frühere Nutzung von BMG-Werken rückwirkend und macht die Herkunft der Trainingsdaten zum Wettbewerbsfaktor.

Celine Joshua, bei BMG als EVP für Global Marketing und Streaming zuständig, nennt die Bedingung: „Die Zukunft der KI in der Musik wird davon abhängen, ob Künstlerinnen und Songwriter im Mittelpunkt dieser Entwicklung stehen.“ Der Preis bleibt unter Verschluss.

Warum das Münchner Urteil den Deal erklärt

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Am 31. Juli 2026 gab das Landgericht München I der Verwertungsgesellschaft GEMA weitgehend recht.[2] Suno hatte weltbekannte Titel aus dem GEMA-Repertoire wie „Atemlos“ ohne Lizenz zum Training genutzt, gespeichert und reproduziert. Das Gericht untersagte diese Nutzung und rechnete das Training mit den Werken ausdrücklich hinzu. Zugleich sahen die Richter einen Verstoß gegen deutsches und US-Recht. Das Verfahren gilt als erstes europäisches Urteil zu Audio-KI.

Vor diesem Hintergrund liest sich die BMG-Lizenz als Marktantwort auf ein Gerichtsurteil. Was ein Münchner Richterspruch erzwungen hätte, kauft Suno bei einem deutschen Major freiwillig ein. Das Muster ist nicht neu: Warner Music schloss neun Monate zuvor als erster Major einen Pakt mit Suno, während Universal und Sony ihre US-Klagen weiterführen. Die Branche spaltet sich in Kläger und Lizenzgeber.

BMG verkauft Suno die Erlaubnis, die ein Münchner Gericht dem Dienst kurz zuvor abgesprochen hatte. Der Streit um KI-Musik entscheidet sich künftig über den Preis, nicht mehr allein vor Gericht.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
KI-Musik unter Lizenz: der Suno-Deal in Zahlen

Wie aus dem Urheberrechtsstreit ein bezahltes Geschäftsmodell wird

31.07.2026
Das Landgericht München I verurteilt Suno, das erste europäische Urteil zu Audio-KI.
Opt-in
Nur freigegebene Aufnahmen und Kompositionen fließen ins Training, gegen Vergütung.
Warner + BMG
Zwei Rechteinhaber lizenzieren Suno. Universal und Sony klagen in den USA weiter.
02.08.2025
Seit diesem Tag verlangt der EU AI Act Transparenz über die Trainingsdaten großer KI-Modelle.

Was das für Entscheider im DACH-Raum bedeutet

Für Unternehmen, die KI-Musik in Werbung, Video oder Produkten einsetzen, verschiebt sich die Rechtslage. Werkzeuge wie Suno oder Googles KI-Musikmodell drängen längst in die Produktion. Ein Modell, das mit lizenziertem, per Opt-in freigegebenem Material trainiert wurde, senkt das Haftungsrisiko. Bei einem ungefragt trainierten Modell bleibt dieses Risiko bestehen.

Der regulatorische Rahmen zieht in dieselbe Richtung. Der EU AI Act verpflichtet Anbieter großer KI-Basismodelle seit dem 2. August 2025, eine hinreichend detaillierte Zusammenfassung der Trainingsdaten zu veröffentlichen und eine Urheberrechts-Richtlinie vorzuhalten.[3] Dazu gehört eine Selbstverpflichtung auf das EU-Urheberrecht, die den Rechtevorbehalt aus Artikel 4 der DSM-Richtlinie achtet. Damit können Rechteinhaber die maschinelle Textauswertung ihrer Werke untersagen. Ein lizenzierter Katalog erfüllt diese Pflicht dokumentiert, ein ungefragt gesammeltes Trainingsset nicht.

Konkret heißt das: Vor dem nächsten KI-Song im Kampagnenvideo gehört die Herkunft der Trainingsdaten geklärt und der Rechtestatus am Output schriftlich fixiert. Bisher griffen Marketingteams oft zu lizenzfreier Musik. Rechteinhaber wiederum sichern sich mit einem maschinenlesbaren Vorbehalt die Wahl zwischen Lizenzgebühr und Klage.

FAQ: BMG und Suno

Was ist Suno?

Suno ist ein KI-Dienst, der aus Texteingaben komplette Musikstücke samt Gesang erzeugt. Der US-Anbieter zählt zu den bekanntesten Generatoren für KI-Musik und stand ab 2024 im Zentrum mehrerer Urheberrechtsklagen von Musikkonzernen.

Hat BMG Suno wegen Urheberrechtsverletzung verklagt?

Nein, BMG hat mit Suno einen Lizenzvertrag geschlossen und keine Klage eingereicht. Geklagt hatte in Deutschland die Verwertungsgesellschaft GEMA, die im Juli 2026 vor dem Landgericht München I weitgehend recht bekam.

Dürfen Unternehmen mit Suno erzeugte Musik kommerziell nutzen?

Die kommerzielle Nutzung bleibt heikel, solange unklar ist, ob das zugrunde liegende Modell mit lizenziertem Material trainiert wurde. Der geplante, gemeinsam mit BMG entwickelte Suno-Katalog soll für diese Fälle Rechtssicherheit schaffen.

Welche Musikkonzerne haben einen Lizenzvertrag mit Suno?

Bislang haben Warner Music und BMG Lizenzverträge mit Suno geschlossen. Universal Music und Sony Music führen dagegen in den USA weiterhin Urheberrechtsklagen gegen das Unternehmen.

Bekommen Künstler Geld, wenn ihre Musik für KI-Training genutzt wird?

Beim Vertrag zwischen BMG und Suno gilt ein Opt-in. Nur bei aktiver Zustimmung fließt die Musik ins Training. Die beteiligten Urheber erhalten dafür eine Vergütung.

Quellen

[1] BMG: „BMG and Suno Announce Global Strategic Alliance“

[2] GEMA: „Gericht entscheidet pro Musikschaffende: GEMA setzt sich gegen Suno durch“

[3] Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung), Artikel 53: EUR-Lex

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