Adobe erweitert die Kamera-App Project Indigo um ein AI Playground für generative Bearbeitung direkt nach dem Auslösen. Die Rechenarbeit übernimmt Googles Modell Nano Banana, nicht Adobes eigenes Firefly. Marketing-Abteilungen im DACH-Raum stellt der Start vor eine Kennzeichnungsfrage.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenMarc Levoy hielt sein Handy vor eine Bronzeskulptur, und Project Indigo verwandelte die Figur in das Foto eines lebenden Menschen. Der Adobe Fellow berichtet von erstaunten Blicken der Museumsbesucher. Seit dem 20. Juli 2026 läuft die Funktion als öffentliches Experiment.
Das Wichtigste in Kürze
- AI Playground startet in Project Indigo 1.1, kostenlos für einen zufällig ausgewählten Nutzeranteil
- Vier Bereiche decken Objektbearbeitung, Stile, Bildkritik und freie Prompts ab
- Googles Nano Banana rechnet in der Cloud, Adobe hält sich Firefly weiter offen
- Ein eigenes ML-Modell hebt die SDR-Ausgabe zurück auf HDR
Was kann das AI Playground?

Generative Bildbearbeitung scheiterte bisher am Arbeitsweg. Fotografen exportieren die Aufnahme, laden sie in eine Web-Oberfläche und tippen einen Prompt, der selten beim ersten Wurf trifft. Der Umweg gleicht einem Fotolabor, das erst am nächsten Tag aufmacht.
Ein Sparkle-Knopf unter dem Bild öffnet vier Sektionen. Unter Objektbearbeitung schalten Sie Kategorien wie Passanten oder parkende Autos weg und legen die Schärfentiefe nachträglich flach. Die Stile-Sektion rendert dieselbe Aufnahme als Federzeichnung oder als Tuschelinie mit Farblasur. Hinter jedem Knopf sitzt ein von Adobe ausgearbeiteter Prompt.
Interessanter finden wir die Bildkritik. Ein Knopf liefert eine Bewertung der Aufnahme, ein zweiter schlägt einen zweiten Versuch am selben Ort vor. Nutzen bringt dieser Ratschlag nur in einer Kamera-App, solange der Fotograf noch vor dem Motiv steht. Adobe passt die Prompts gerade an einzelne Telefonmodelle an, weil ein iPhone weder Blende noch stufenlosen Zoom kennt.
Adobe betreibt das Bildmodell des Konkurrenten in der eigenen Kamera und gewichtet damit Tempo höher als Modellsouveränität. Für Unternehmen heißt das: Die Kennzeichnung der Bearbeitung gehört in die eigene Richtlinie, nicht in die Hoffnung auf ein unsichtbares Wasserzeichen.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Die Modellwahl trägt eine Pointe. Levoy prägte bei Google bis 2020 die Rechenfotografie der Pixel-Kameras, jetzt rechnet ausgerechnet Nano Banana in einer Adobe-App. Firefly bleibt im Rennen, vor allem beim Entfernen von Störobjekten.
Für Unternehmen zählt der Kennzeichnungsteil. Nano Banana setzt Googles unsichtbares SynthID-Wasserzeichen, zusätzlich arbeitet Adobe an Content Credentials der Content Authenticity Initiative. Ab dem 2. August 2026 greift die EU-Kennzeichnungspflicht für KI-Bilder, und bis dahin braucht jede Marketingabteilung eine schriftliche Regel, welche Eingriffe in Kundenmaterial erlaubt bleiben.
Die Teilnahme läuft ohne Anmeldung, nur für wenige Prozent der Nutzer und nur über einige Wochen. Adobe erfasst dabei die Knopfdrücke, nicht die Bilder und nicht die Prompts. Eine Bezahlvariante kündigt Levoy für den Fall an, dass die Funktion ankommt.
Prüfen Sie die Funktion an unkritischem Material, bevor Kundenbilder durch die Cloud laufen. Für Pressefotos und Produktaufnahmen mit Beweischarakter bleibt die unbearbeitete Datei die einzig belastbare Grundlage.
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