Horizon Robotics liefert die Rechenchips für Chinas Fahrassistenten und sitzt Nvidia inzwischen im Nacken. Im ersten Halbjahr 2026 kletterte der Anteil des Pekinger Herstellers bei den Plattformen fürs städtische autonome Fahren auf rund 23 Prozent, während der Marktführer aus den USA fast zehn Punkte verlor. Volkswagen steht mittendrin: Der Konzern entwickelt seine China-Assistenz genau mit diesem Zulieferer.

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Am 3. September meldete Horizon Robotics die 15-millionste ausgelieferte Recheneinheit seiner Journey-Reihe. Wenige Tage später kündigte Firmengründer Yu Kai an, den Weltmarktführer Nvidia im chinesischen Hochleistungssegment schon 2027 überholen zu wollen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Horizon Robotics kam im ersten Halbjahr 2026 bei den Rechenplattformen fürs städtische autonome Fahren auf rund 23 Prozent Marktanteil unter Chinas Eigenmarken, Nvidia verlor fast zehn Punkte.
  • Der Spitzenchip Journey 6P mit 560 TOPS steuert künftig auch autonome Lieferfahrzeuge von JD Logistics, laut chinesischen Branchenberichten bis zu eine Million Stück in drei Jahren.
  • Gründer Yu Kai will mit der nächsten Chip-Generation Journey 7 im Jahr 2027 an Nvidia vorbeiziehen.
  • Volkswagen entwickelt seine China-Assistenz im Gemeinschaftsunternehmen CARIZON mit Horizon, Einsatz rund 2,4 Milliarden Euro.

Wie nah ist Horizon Robotics an Nvidia?

Zwei graue Quader mit Ziffern 1 und 2 auf orangefarbenem Sockel
Horizon Robotics erhöht Marktanteil bei Urban-NOA-Plattformen auf 23 Prozent, während Nvidia um zehn Punkte verliert

Der Abstand schmilzt. Nach eigenen Zahlen hielt Horizon Robotics im ersten Halbjahr 2026 rund 23 Prozent der Rechenplattformen fürs städtische autonome Fahren (Urban NOA) unter Chinas Eigenmarken, gut fünf Punkte mehr als zuvor. Nvidia blieb zwar die Nummer eins, büßte aber fast zehn Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr ein.[1]

560 TOPS Rechenleistung. Der Journey 6P, seit 2025 zuerst im Chery verbaut, rechnet mit 560 TOPS und bildet die Spitze einer Familie, von der bis Anfang September 2026 über 15 Millionen Einheiten ausgeliefert waren. Für 2026 peilt die Firma mehr als fünf Millionen Chips an, für 2027 rund sieben Millionen. Chinas Autobauer entwickeln zunehmend eigene Recheneinheiten, so hat Xpeng gerade seinen dritten eigenen KI-Chip aktiviert.

Was verrät der Deal mit JD Logistics?

Roboter statt Kuriere. Der nächste Wachstumshebel liegt jenseits des Pkw. Laut chinesischen Branchenberichten sicherte sich Horizon mit dem Journey 6P einen Zuschlag für die autonomen Lieferfahrzeuge von JD Logistics, mit einem Ausbauziel von bis zu einer Million Fahrzeugen über drei Jahre. JD selbst hat angekündigt, bis 2030 drei Millionen Roboter, eine Million autonome Fahrzeuge und 100.000 Drohnen zu beschaffen.

Heimische Chips rücken nach. Der Vorstoß fügt sich in Chinas Drang zur Chip-Selbstversorgung. Wo US-Exportkontrollen Nvidias Spitzenchips bremsen, füllen einheimische Anbieter die Lücke, vom Roboter-Lidar von RoboSense bis zu den Fahrchips von Horizon. Dieselbe Chipfamilie treibt Personenwagen und Lieferroboter, das senkt die Kosten und bindet Entwickler an die Plattform.

Chinas Fahrchips sind längst kein Billigersatz mehr, sondern eine strategische Wahl, die Europas Autobauer bewusst treffen. Volkswagen zeigt, dass die Assistenz von morgen an einem Zulieferer hängt, der offen den Marktführer angreift.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet das für Volkswagen und Europa?

VWs China-Wette. Für den deutschen Marktführer ist Horizon kein ferner Name. Über das 2023 gegründete Gemeinschaftsunternehmen CARIZON, an dem die VW-Softwaretochter Cariad 60 und Horizon 40 Prozent hält, entwickelt der Konzern seine Fahrassistenz für den chinesischen Markt; Volkswagen steckt dort rund 2,4 Milliarden Euro hinein.[2] Die erste Stufe rollt seit dem dritten Quartal 2026 über sieben elektrische Modelle der drei China-Gemeinschaftsunternehmen aus, ein Level-3-System soll ab dem zweiten Halbjahr 2027 folgen.

Software-Kurswechsel in Wolfsburg. Zugleich baut Volkswagen seine Softwaresparte um und ersetzt Eigenentwicklungen der Cariad zunehmend durch Technik von Xpeng und Rivian. Für Europas Zulieferer heißt der Aufstieg von Horizon, dass die Wertschöpfung beim assistierten Fahren nach China wandert. Günstige, leistungsfähige Chips verschieben zugleich den Wertverlust beim Elektroauto, während Europa bei der Zulassung noch bremst, etwa beim erst in Teilen erlaubten Fahrassistenten von Tesla. Fuhrparks und Werkstätten sollten Herkunft und Update-Fähigkeit der Fahr-Software beim Einkauf vertraglich festhalten.

Horizon Robotics in Zahlen
Chinas Herausforderer bei Chips fürs autonome Fahren, erstes Halbjahr 2026
23 %
Anteil bei Rechenplattformen fürs städtische autonome Fahren unter Chinas Eigenmarken
15 Mio.
kumuliert ausgelieferte Journey-Fahrchips, Stand 3. September 2026
2,4 Mrd. €
Einsatz von Volkswagen im Gemeinschaftsunternehmen CARIZON
247 Mio. €
Halbjahresumsatz 2026, plus 33 Prozent gegenüber dem Vorjahr

FAQ: Horizon Robotics gegen Nvidia

Was macht Horizon Robotics?

Horizon Robotics ist ein 2015 gegründeter chinesischer Chiphersteller, der Recheneinheiten und Software für Fahrassistenz und autonomes Fahren entwickelt. Die Chipreihe Journey steckt in Personenwagen und zunehmend in autonomen Lieferfahrzeugen. Das Unternehmen ist seit 2024 in Hongkong börsennotiert.

Ist Horizon Robotics eine Konkurrenz für Nvidia?

Ja, bei Chips fürs autonome Fahren in China. Im ersten Halbjahr 2026 hielt Horizon rund 23 Prozent der Rechenplattformen fürs städtische autonome Fahren unter Chinas Eigenmarken, Nvidia blieb Marktführer, verlor aber fast zehn Punkte. Gründer Yu Kai will 2027 im Hochleistungssegment vorbeiziehen.

Was ist der Journey 6P?

Der Journey 6P ist der leistungsstärkste Fahrchip von Horizon Robotics mit 560 TOPS Rechenleistung. Er kam 2025 zuerst in einem Modell von Chery auf die Straße und bildet die Spitze der Journey-Familie, von der bis September 2026 über 15 Millionen Einheiten ausgeliefert waren.

Was hat Volkswagen mit Horizon Robotics zu tun?

Volkswagen entwickelt seine Fahrassistenz für China im Gemeinschaftsunternehmen CARIZON, das die VW-Softwaretochter Cariad 2023 mit Horizon Robotics gegründet hat. Cariad hält 60, Horizon 40 Prozent. Volkswagen investiert dort rund 2,4 Milliarden Euro, ein Level-3-System ist ab dem zweiten Halbjahr 2027 geplant.

Warum setzt China auf eigene Fahrchips?

US-Exportkontrollen erschweren den Zugang zu Nvidias Spitzenchips, deshalb fördert China die eigene Chip-Versorgung. Heimische Anbieter wie Horizon Robotics oder RoboSense liefern Recheneinheiten und Sensorik für Autos und Roboter zu niedrigeren Kosten und binden die Entwickler an ihre Plattformen.

Quellen

[1] Horizon Robotics: Investor Relations, Halbjahresergebnis 2026

[2] Volkswagen Group: Gemeinschaftsunternehmen CARIZON von CARIAD und Horizon Robotics

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