Heidelberg Materials sichert sich 70 Prozent am peruanischen Zementhersteller Cementos Inka, einem Betrieb mit zwei Mahlwerken und rund 270 Beschäftigten. Der DAX-Konzern zahlt dafür etwa das Sechsfache des Jahresgewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen und baut in Lima und Pisco keinen einzigen Brennofen. Hinter dem kleinen Zukauf steckt die Antwort auf eine teure europäische Rechnung: den CO2-Preis.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenAm 8. September 2026 hat Heidelberg Materials einen bindenden Vertrag über die Mehrheit an Caliza Cemento Inca unterschrieben, dem Unternehmen hinter der Marke Cementos Inka.[1] Der Kaufpreis bleibt vertraulich, doch eine Kennziffer verrät die Logik: rund das Sechsfache des erwarteten Jahres-EBITDA, gezahlt für einen Betrieb, der selbst keinen Klinker brennt.
Das Wichtigste in Kürze
- 70 Prozent an Cementos Inka: zwei Mahlwerke mit zusammen 1,3 Millionen Tonnen Jahreskapazität und zwei Transportbetonwerke nahe Lima und Pisco.
- Asset-light-Modell: Heidelberg Materials liefert Klinker über sein Handelsnetz und mahlt vor Ort, statt einen teuren Brennofen zu bauen.
- Bewertung bei rund dem sechsfachen EBITDA, Abschluss bis Oktober 2026, keine kartellrechtliche Freigabe nötig.
- Der Schritt verbindet schlankes Wachstum im Ausland mit der Dekarbonisierung im Inland.
Was kauft Heidelberg Materials in Peru?

Zwei Mahlwerke und zwei Betonwerke gehen mehrheitlich an den Baustoffkonzern. Caliza Cemento Inca, 2007 gegründet und mit rund 270 Beschäftigten, produziert nahe der Hauptstadt Lima und der Hafenstadt Pisco bis zu 1,3 Millionen Tonnen Zement im Jahr.[1] Hakan Gurdal, im Vorstand für das Handelsgeschäft zuständig, nennt den Zukauf „eine wertsteigernde Akquisition, die unseren disziplinierten Umgang mit Kapital widerspiegelt, mit Fokus auf attraktive Märkte mit starkem Wachstumspotenzial“.
Warum baut der Konzern keinen eigenen Ofen?
Der Brennofen ist der teuerste und schmutzigste Teil jeder Zementfabrik. Das Brennen von Klinker, dem Kernbestandteil des Zements, verlangt über 1.400 Grad und setzt große Mengen CO2 frei. Cementos Inka betreibt keinen solchen Drehrohrofen, sondern mahlt zugelieferten Klinker und mischt Beton. Das Fachwort dafür lautet „asset-light“: Heidelberg Materials versorgt den Betrieb über sein globales Handelsnetz mit Klinker und spart sich die milliardenschwere Brennanlage. Die Rechnung geht vom ersten Jahr an auf, weil die Übernahme sofort zum Gewinn je Aktie beiträgt und wenig Kapital bindet. Ähnlich diszipliniert kaufte zuletzt Henkel fünf kleinere Firmen zu, statt ein großes Ziel zu stemmen.
Heidelberg Materials kauft dort zu, wo nur gemahlen wird, und verlagert sein Wachstum in Märkte, die der europäische CO2-Preis nicht erreicht. Der eigentliche Hebel dieses Geschäfts liegt nicht in Lima, sondern in Brüssel.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet der Deal für deutsche Entscheider?
Der CO2-Grenzausgleich der EU läuft seit dem 1. Januar 2026 im scharfen Modus. Importeure von Zement, Stahl oder Dünger oberhalb von 50 Tonnen müssen sich als CBAM-Anmelder registrieren und Zertifikate für die enthaltenen Emissionen kaufen.[2] Zusammen mit dem steigenden Preis im EU-Emissionshandel wird das Brennen von Klinker in Europa Jahr für Jahr teurer. Heidelberg Materials reagiert darauf zweigleisig: Im norwegischen Brevik fängt der Konzern seit 2025 rund 400.000 Tonnen CO2 pro Jahr ab, etwa die Hälfte der Werksemissionen, und vermarktet den Klinker als nahezu klimaneutralen Zement.[3] Parallel stützt das schlanke Mahlgeschäft in Wachstumsmärkten wie Peru die Bilanz, während im Inland Konzerne wie BASF ihre Dampferzeugung elektrifizieren, um den CO2-Preis zu drücken. Für Einkäufer im Bau heißt das konkret: Die Herkunft des Zements bestimmt den Preis künftig mit, und die CBAM-Meldepflicht trifft jeden, der selbst über der Schwelle importiert. Bauunternehmen sollten ihre Lieferkette und die eigene CBAM-Meldepflicht vor der ersten Erklärung am 30. September 2027 prüfen.
FAQ: Heidelberg Materials kauft Cementos Inka
Wie viel zahlt Heidelberg Materials für Cementos Inka?
Den genauen Kaufpreis nennen beide Seiten nicht. Bekannt ist nur die Bewertung von rund dem Sechsfachen des erwarteten Jahres-EBITDA. Übernommen werden 70 Prozent, der Abschluss ist bis Oktober 2026 geplant und braucht keine kartellrechtliche Freigabe.
Was bedeutet asset-light bei einem Zementhersteller?
Asset-light heißt, dass der Betrieb keinen eigenen Klinkerofen baut, sondern zugelieferten Klinker nur mahlt und zu Zement und Beton verarbeitet. Das spart die teuerste und emissionsreichste Anlage einer Zementfabrik und bindet deutlich weniger Kapital.
Was ist CBAM und ab wann gilt der scharfe Modus?
CBAM ist der CO2-Grenzausgleich der EU. Seit dem 1. Januar 2026 läuft die scharfe Phase: Importeure von Zement, Stahl, Dünger, Aluminium und Wasserstoff über 50 Tonnen kaufen Zertifikate für die enthaltenen Emissionen. Die erste Erklärung ist bis 30. September 2027 fällig.
Warum kauft Heidelberg Materials ausgerechnet in Peru?
Peru gilt als Wachstumsmarkt mit steigendem Infrastruktur- und Baubedarf. Über das Mahlwerk-Modell wächst der Konzern dort, ohne eine teure Brennanlage zu errichten, und liefert den Klinker über sein weltweites Handelsnetz.
Was hat der Standort Brevik mit dem Deal zu tun?
Im norwegischen Brevik betreibt Heidelberg Materials die erste industrielle CO2-Abscheidung der Zementbranche und fängt rund 400.000 Tonnen CO2 pro Jahr ab. Der Peru-Zukauf und Brevik folgen derselben Strategie: im Inland dekarbonisieren, im Ausland schlank wachsen.
Quellen
[1] Heidelberg Materials: „Heidelberg Materials takes majority stake in Peru-based Cementos Inka“
[2] Europäische Kommission: „CBAM definitive regime“
[3] Heidelberg Materials: „Eröffnung der CCS-Anlage in Brevik“
Mehr Newshunger?
- Fünf Milliarden für fünf Zukäufe: Wie Henkel sich Wachstum einkauft
- Nächster Chemie-Zukauf: Mutares übernimmt Symrises US-Terpengeschäft
- Daimler Truck: Gewinn bricht um 48 Prozent ein, neues US-Werk kommt trotzdem
- Israel blockiert Hapag-Lloyds ZIM-Übernahme
- Evonik klettert auf Baa1: Moody’s belohnt den Schuldenabbau in der Chemiekrise
- Chinas Griff nach MediaMarkt: Brüssel nimmt die Ceconomy-Übernahme ins Visier