Die Gasversorgung im Winter 2026/27 hängt an Speichern, die Anfang September nur zu 53 Prozent gefüllt sind. So niedrig lagen die Füllstände zu dieser Jahreszeit seit Beginn der Aufzeichnungen nie. Für Einkauf und Budget deutscher Unternehmen beginnt ein nervöser Herbst.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenWie sicher die Gasversorgung durch den Winter trägt, entscheidet sich in den nächsten acht Wochen. Bis zum 1. November bleibt technisch ein Füllstand von rund 77 Prozent erreichbar, doch das Tempo der Einspeicherung reicht bislang nicht. Die Initiative Energien Speichern warnt vor einem Zeitfenster, das sich schließt.
Das Wichtigste in Kürze
- Anfang September 2026 sind die deutschen Gasspeicher zu rund 53 Prozent gefüllt, rund 18 Prozentpunkte niedriger als ein Jahr zuvor.
- Bis zum 1. November bleiben technisch rund 77 Prozent möglich, nötig wäre dafür mehr Gas als in den vergangenen drei Monaten zusammen.
- Bei einem normalen Winter genügen 77 Prozent, bei extremer Kälte drohen im Januar tägliche Unterdeckungen von über 25 Prozent.
- Grund für die schwache Befüllung sind fehlende Preisanreize, verschärft durch höhere Gaspreise seit der Sperrung der Straße von Hormus.
Warum sind die Speicher so leer?

Die Wiederbefüllung stockt seit dem Frühjahr. Anfang September lagen die deutschen Gasspeicher bei rund 53 Prozent, ein Niveau, das im Vorjahr schon Ende Juni erreicht war. Dass Deutschlands Winter überhaupt so stark am Gas hängt, schlüsselt der Fachartikel zur Erdgas-Abhängigkeit im Detail auf. Fast jede zweite Wohnung heizt mit Gas, dazu kommen Industrie und Stromerzeugung.
Reichen 77 Prozent für den Winter 2026/27?
Die Modellrechnungen von INES zeigen zwei Szenarien. Bei einem normalen Winter genügt ein Füllstand von rund 77 Prozent zum 1. November, um die Versorgung bis zum Frühjahr zu sichern; die Speicher fielen dann bis zum 1. April 2027 auf etwa 38 Prozent. Bei extremer Kälte trägt dieser Puffer nicht, an einzelnen Januartagen klafft eine Lücke von über 25 Prozent. Den vollständigen Befund liefert das September-Update der Gas-Szenarien.
Was treibt die Zurückhaltung am Markt?
Hinter der schwachen Einspeicherung steckt ein Anreizproblem. Beim Einlagern verdienen Händler an der Spanne zwischen Sommer- und Winterpreis derzeit kaum etwas, teils rutscht diese Differenz ins Minus. Verschärft haben die Lage die höheren Gaspreise seit der Sperrung der Straße von Hormus. Ohne wirtschaftliche Tragfähigkeit bleiben gebuchte Kapazitäten ungenutzt.
Sebastian Heinermann, Geschäftsführer von INES, bringt den Kern auf den Punkt: Die Befüllung müsse „wirtschaftlich tragfähig sein, damit sie von Marktakteuren auch tatsächlich realisiert werden kann.“
Ein leerer Speicher im September ist noch kein kalter Januar. Das eigentliche Risiko sitzt am Spotmarkt, und dort steht besser da, wer seinen Gaseinkauf jetzt in Tranchen absichert, statt im Dezember auf mildes Wetter zu hoffen.“
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was Unternehmen jetzt einplanen
Für Einkäufer heißt das konkret, den Bedarf über feste Tranchen und Festpreisanteile abzusichern, statt im Winter dem Spotmarkt ausgeliefert zu sein. Zum dauerhaften Senken der Gasabhängigkeit taugen mittelfristig zwei Bausteine, Erdwärme und Großspeicher. Das nächste INES-Update folgt am 10. November, bis dahin zählt jede eingespeicherte Kilowattstunde.