Daimler Truck hat im zweiten Quartal 2026 nur noch 128 Millionen Euro verdient, fast die Hälfte weniger als ein Jahr zuvor. Schuld sind vor allem die US-Zölle. Ausgerechnet dort, im teuren Zollmarkt, plant der Lkw-Bauer jetzt ein neues Werk.

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Bei Daimler Truck gehören der Gewinneinbruch und die Standortentscheidung zusammen. Der Ausweg heißt Produktion hinter der Zollmauer. Genau den geht der Konzern jetzt in Nordamerika.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Konzernüberschuss fiel im zweiten Quartal 2026 von 245 auf 128 Millionen Euro, ein Minus von 48 Prozent, während der Umsatz um 5 Prozent auf rund 12,3 Milliarden Euro stieg.
  • Ursache sind die US-Zölle; Absatz und Auftragseingang legten dagegen zu, der Auftragseingang um 27 Prozent auf 74.448 Fahrzeuge.
  • Ein neues Werk in Nordamerika soll ab 2029 Bau- und Fernverkehrs-Lkw fertigen und über die Jahre Tausende Stellen schaffen, Baustart ist Ende 2026.
  • Nach der Anerkennung des US-Wertschöpfungsanteils durch das US-Handelsministerium hob Daimler Truck die Jahresprognose auf 3,6 bis 4,1 Milliarden Euro bereinigtes Ergebnis an.

Warum bricht der Gewinn trotz Rekordabsatz ein?

Modell einer Zollschranke vor einem Modell einer US-Fabrik mit einem „Geschlossen“-Schild
Daimler Truck steigert Absatz um 8 Prozent auf 86.707 Fahrzeuge, Auftragseingang springt um 27 Prozent, Umsatz wächst auf 12,3 Milliarden Euro

Der Absatz stimmt: Zwischen April und Juni setzte Daimler Truck 86.707 Lkw und Busse ab, 8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Auftragseingang sprang um 27 Prozent auf 74.448 Fahrzeuge.[1] Auch der Umsatz legte um 5 Prozent auf rund 12,3 Milliarden Euro zu.

Die Zölle drücken. Der Konzernüberschuss fiel dennoch von 245 auf 128 Millionen Euro, ein Minus von 48 Prozent. Jeder Lkw, der aus Mexiko oder Übersee in die USA rollt, verteuert sich durch die Einfuhrzölle und belastet die Marge stärker, als das Mengenwachstum sie hebt.

Warum baut Daimler Truck jetzt in den USA?

Das neue Werk von Daimler Truck North America soll ab 2029 Bau- und Fernverkehrs-Lkw fertigen, Baustart ist Ende 2026, über die Jahre entstehen Tausende Stellen.[2] Vorstandschefin Karin Radström nennt es einen Baustein der Wachstumspläne für Nordamerika, wo der Konzern auch das autonome Fahren vorantreibt.

Nähe schlägt Zoll. Was im Land gebaut wird, trifft kein Einfuhrzoll. Genau darauf zielt die Standortwahl: Das US-Handelsministerium erkannte kurz zuvor den US-Wertschöpfungsanteil von Daimler Truck an, was die Zolllast senkt und die Marge schon im zweiten Halbjahr entlastet.[1] Auf dieser Grundlage hob der Konzern die Jahresprognose auf 3,6 bis 4,1 Milliarden Euro bereinigtes Ergebnis an.

Daimler Truck im zweiten Quartal 2026

Der Gewinn bricht ein, das Geschäft wächst trotzdem

Absatz+8 %
Auftragseingang+27 %
128 Mio. €
Konzernüberschuss, minus 48 Prozent zum Vorjahr
838 Mio. €
Bereinigtes EBIT im zweiten Quartal 2026
2029
Produktionsstart des neuen US-Werks, Baustart Ende 2026

Ein Werk, das erst 2029 anläuft, ändert an den heutigen Zöllen nichts. Der Konzern wettet darauf, dass der starke US-Markt die schwache Heimat noch jahrelang überstrahlt.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was die US-Wette für die deutsche Industrie bedeutet

Daimler Truck steht mit dem Muster nicht allein. Auch Traton meldet einen kräftigen US-Auftragsschub, dessen Ertrag jedoch nicht voll in der Kasse ankommt. Mercedes-Benz wiederum verkauft Anteile am früheren Tochterkonzern, um eigene Rückkäufe zu finanzieren. Der Nutzfahrzeugmarkt läuft zweigeteilt: Nordamerika stark, Europa zäh.

Kapital wandert ab. Wächst die Produktion in den USA, fließen Investitionen und Jobs dorthin, während die deutschen Werke zugleich die strengen EU-Flottenziele stemmen müssen. Für Zulieferer und Logistiker im DACH-Raum heißt das, den Blick nach Nordamerika zu richten und mit einem langsameren Heimatmarkt zu planen.

Der nächste Beleg kommt mit den Neunmonatszahlen im Herbst. Bis dahin entscheidet sich, ob die höhere Prognose trägt, während die Zölle bleiben und Europa schwächelt.

Quellen

[1] Daimler Truck: „Daimler Truck raises full-year 2026 guidance on improved outlook for Trucks North America“ (7. August 2026)

[2] Daimler Truck: „Daimler Truck North America plans to build new U.S. manufacturing facility“ (7. August 2026)

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