Nordex erweitert seine Onshore-Plattform Delta4000 um eine Turbine, die vor allem eines groß macht: den Rotor. Die neue N193/7.X spannt 193 Meter Durchmesser auf und trägt einteilige Rotorblätter von 95 Metern Länge, bei einer Nennleistung von 7,3 Megawatt. Für den deutschen Markt kommt sie zunächst gedrosselt, mit höchstens 6,6 Megawatt.

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An Schwachwindstandorten im Binnenland zählt nicht die höchste Leistung, sondern der Ertrag über das Jahr. Genau dort setzt der Hamburger Hersteller an. Der größere Rotor überstreicht mehr Fläche und erntet auch bei wenig Wind mehr Strom, die gedrosselte Leistung sorgt für viele Volllaststunden. Hinter der Modellpflege steckt damit ein Rechenexempel über Standortqualität, Genehmigungen und die deutschen Ausschreibungsregeln.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nordex ergänzt die Delta4000-Reihe um die N193/7.X mit 193-Meter-Rotor, 95-Meter-Blatt und 7,3 Megawatt Nennleistung.
  • Für den deutschen Markt liefert der Konzern die Anlage zunächst auf 6,6 Megawatt gedrosselt aus.
  • Laut Nordex erntet die Turbine an Schwach- und Mittelwindstandorten bis zu 14 Prozent mehr Strom als die Vorgängerin N175/6.X.
  • Die Serienfertigung soll 2029 anlaufen.

Was macht die neue Turbine anders?

Windrad mit Straßenschildern und weißem Hintergrund
Windkraftanlage mit 193-Meter-Rotordurchmesser überstreicht 29.000 Quadratmeter Fläche und erzielt bis zu 14 Prozent höheren Ertrag als Vorgängermodell

Der Sprung liegt in der Fläche. Mit 193 Metern überstreicht der Rotor rund 29.000 Quadratmeter, fast so viel wie vier Fußballfelder. Je mehr Fläche eine Turbine bei gleicher Leistung überstreicht, desto niedriger ihre spezifische Flächenleistung und desto mehr Stunden im Jahr läuft sie unter Volllast. Nordex beziffert den Mehrertrag gegenüber der N175/6.X mit bis zu 14 Prozent an typischen Schwach- und Mittelwindstandorten.[1]

Bewährte Technik steckt im Rest der Anlage. Maschinenhaus und Steuerung übernimmt der Hersteller weitgehend aus der laufenden Delta4000-Reihe, neu sind vor allem Rotor und Blatt. „Die N193/7.X ist das nächste Kapitel in der Erfolgsgeschichte der Delta4000-Plattform“, sagt José Luis Blanco, Vorstandschef der Nordex Group.[1] Der Konzern fährt seit Monaten volle Auftragsbücher ein, zuletzt mit Großaufträgen in den USA und der Türkei.

Warum drosselt Nordex die Anlage für Deutschland?

Widersprüchlich wirkt der Schritt zunächst: eine 7,3-Megawatt-Turbine, die im wichtigsten europäischen Windmarkt nur 6,6 Megawatt liefern darf. Der Grund liegt im deutschen Ausschreibungssystem. Deutschland vergibt die Windförderung über Auktionen, in denen der Ertrag relativ zu einem Referenzstandort zählt.

Gütefaktor heißt die entscheidende Größe. Eine große Rotorfläche auf gedrosselter Leistung hebt diesen Wert, weil die Anlage auch bei schwachem Wind gleichmäßig einspeist. Zugleich entlastet die niedrigere Nennleistung den Netzanschluss, dessen Kapazität an vielen Binnenstandorten der eigentliche Flaschenhals ist.[1]

Die spannende Zahl ist nicht die Leistung, sondern der Rotor. Im deutschen Wind zählt längst der Ertrag über das Jahr, nicht das größte Typenschild am Generator.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Die Nordex N193/7.X in Zahlen
Warum ein großer Rotor an schwachen Standorten gewinnt
193 m
Rotordurchmesser, mit einteiligen 95-Meter-Blättern
6,6 MW
gedrosselte Leistung für Deutschland (7,3 MW international)
+14 %
Mehrertrag gegenüber der N175/6.X an Schwachwind, laut Nordex
2029
geplanter Start der Serienfertigung

Was bedeutet das für den deutschen Windausbau?

Der Zeitplan dämpft die Euphorie. Die Serienfertigung startet erst 2029, bis dahin bleibt die N193/7.X ein Versprechen auf dem Datenblatt. Im Wettbewerb steht sie schon jetzt gegen Vestas, dessen V172 mit 7,2 Megawatt und 172-Meter-Rotor dieselbe Nische bedient. Der Wettlauf läuft nicht mehr über die Nennleistung, sondern über den Rotordurchmesser. Auch beim Rivalen Siemens Energy läuft das Windgeschäft wieder profitabel, der Markt zieht insgesamt an.

Für Projektierer und Stadtwerke im Binnenland verschiebt sich die Rechnung. Nicht der Standort mit dem stärksten Wind gewinnt die Ausschreibung, sondern der mit dem besten Verhältnis aus Rotorfläche, Genehmigung und Netzanschluss. Der Engpass liegt dabei oft nicht an der Technik, sondern an der Genehmigung. Für den weiteren Ausbau der Windkraft zählt der Rotor damit mehr als das größte Typenschild.

Was ist die Nordex N193/7.X?

Die N193/7.X ist eine neue Onshore-Windturbine der Delta4000-Reihe von Nordex. Die Anlage kombiniert einen 193-Meter-Rotor mit einteiligen 95-Meter-Blättern und 7,3 Megawatt Nennleistung und zielt auf Schwach- bis Mittelwindstandorte.

Warum ist die Turbine für Deutschland auf 6,6 Megawatt gedrosselt?

Für den deutschen Markt liefert Nordex die N193/7.X zunächst mit höchstens 6,6 Megawatt aus. Die gedrosselte Leistung optimiert die Projektwirtschaftlichkeit an schwächeren Standorten und erleichtert Genehmigung und Netzanschluss, deren Kapazität im Binnenland oft der Engpass ist.

Ab wann ist die N193/7.X verfügbar?

Nordex hat die Turbine im September 2026 vorgestellt. Die Serienfertigung soll 2029 anlaufen. Bis dahin bleibt die Anlage angekündigt, konkurriert aber schon jetzt mit vergleichbaren Schwachwindmodellen anderer Hersteller wie der Vestas V172.

Quelle

[1] Nordex Group: „Nordex Group expands its Delta4000 series with new N193/7.X turbine“

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