Der Drahthersteller ASTA Energy Solutions steckt rund 17 Millionen Euro in eine eigene Kupfer-Recyclinganlage in Niederösterreich. Statt Kupfer teuer am Weltmarkt zu kaufen, will der Konzern den Rohstoff künftig aus Altmetall selbst gewinnen. Bis 2030 sollen gut zwei Drittel des verarbeiteten Kupfers aus dem Recycling stammen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenKupfer entscheidet über das Tempo der Energiewende, und der Preis dafür schwankt stark. ASTA Energy Solutions zieht daraus eine Konsequenz: Der österreichische Spezialist für hochpräzisen Kupferdraht baut in Oed bei Amstetten ein eigenes Recyclingwerk und will sich damit vom Kupfermarkt lösen.
Das Wichtigste in Kürze
- Rund 17 Millionen Euro fließen in eine Kupfer-Recyclinganlage in Oed, Niederösterreich, mit Produktionsstart Ende 2029.
- Der Anteil von Recyclingkupfer in der Fertigung soll bis 2030 auf 70 Prozent steigen.
- Das Werk gehört zur Initiative „Low Carbon Copper“, die ASTA beim Börsengang im Januar 2026 angekündigt hat.
- Ziel ist weniger Abhängigkeit vom schwankenden Kupfermarkt und mehr Versorgungssicherheit für die Kunden.
Was baut ASTA in Niederösterreich?

Eigenes Sekundärkupfer: ASTA Energy Solutions investiert rund 17 Millionen Euro in eine Recyclinganlage am Standort Oed und fertigt dort künftig Kupferdraht aus Altkupfer statt aus frisch geschmolzenem Primärmetall.[1] Die ersten Maschinen bestellt der Konzern noch 2026, die Produktion soll Ende 2029 anlaufen.
Der Drahthersteller beschäftigt rund 1.600 Menschen an sechs Standorten und liefert Kupferlösungen für Stromerzeugung, Stromübertragung und Elektromobilität. Mit dem Werk entsteht eine europäische Plattform, die Kupferdraht aus Sekundärkupfer herstellt und auf einer bereits laufenden Recyclingeinheit in Brasilien aufsetzt. „Eigenes Recycling macht uns unabhängiger vom Kupfermarkt und sichert unseren Kunden langfristig den Zugang zu hochwertigem Kupferdraht“, sagt Vorstandschef Karl Schäcke.[1]
Warum lohnt sich Recyclingkupfer?
Weniger Energie: Recyceltes Kupfer verbraucht beim Einschmelzen bis zu 85 Prozent weniger Energie als neu gefördertes Metall aus dem Bergwerk.[2] Altkupfer lässt sich zudem nahezu unbegrenzt wiederverwerten, ohne an Qualität zu verlieren.
Für ASTA zählt vor allem die Unabhängigkeit vom Preis. Der Kupferpreis kletterte zuletzt auf Rekordstände trotz voller Lager, während Nachfrage aus Stromnetzen, Rechenzentren und E-Autos die Reserven verknappt. Kupfer gilt als der stille Flaschenhals der Energiewende, weil Netze, Motoren und Ladepunkte enorme Mengen brauchen. Aus dem eigenen Kreislauf gewonnenes Metall koppelt die Kalkulation ein Stück weit von der Börse ab.
Auch große Abnehmer sichern sich längst ab: Siemens Energy etwa hat sich seinen Kupfernachschub bis 2032 vertraglich reserviert. „Die Anlage erfüllt unsere internen Renditeanforderungen und ist in der mittelfristigen Investitionsplanung bereits enthalten“, sagt Finanzvorständin Daniela Klauser.[1]
Rund die Hälfte des in Europa eingesetzten Kupfers stammt schon heute aus recycelten Quellen.
Eigenes Recycling ist für einen Kupferverarbeiter längst kein Nachhaltigkeitsprojekt mehr, sondern knallharte Risikovorsorge gegen den nächsten Preissprung.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt das für Europas Rohstoffstrategie?
Vorgabe aus Brüssel: Der EU Critical Raw Materials Act verlangt, bis 2030 mindestens ein Viertel des jährlichen Rohstoffverbrauchs aus Recycling zu decken.[3] Rund die Hälfte des in Europa genutzten Kupfers stammt bereits aus recycelten Quellen, und Werke wie das neue in Oed heben diesen Anteil weiter.
ASTA steht damit nicht allein. Der Hamburger Konzern Aurubis nahm zuletzt eine weltweit einmalige Recyclinganlage für strategische Metalle in Betrieb, und die Autoindustrie erprobt geschlossene Materialkreisläufe. Eine Grenze bleibt trotzdem: Recycling allein deckt den wachsenden Bedarf nicht. Fachleute rechnen damit, dass wiederverwertetes Kupfer selbst bei einer Verdopplung der Mengen langfristig höchstens ein Viertel der weltweiten Nachfrage bedient.
Für Industriekunden lohnt der Blick auf die Herkunft ihres Kupfers. Lieferverträge mit festen Recyclinganteilen und Preisgleitklauseln schützen vor dem nächsten Engpass, lange bevor die nächste Preisspitze die Kalkulation trifft.
FAQ: 17 Millionen Euro für den Kupferkreislauf
Was ist Sekundärkupfer?
Sekundärkupfer ist Kupfer, das aus Altmetall und Produktionsresten zurückgewonnen wird, statt aus Erz im Bergwerk. Beim Einschmelzen verbraucht recyceltes Kupfer bis zu 85 Prozent weniger Energie als Primärkupfer, und die Qualität bleibt gleich, weil sich das Metall nahezu unbegrenzt wiederverwerten lässt.
Wie viel investiert ASTA in das Recyclingwerk?
ASTA Energy Solutions investiert rund 17 Millionen Euro in die Kupfer-Recyclinganlage am Standort Oed in Niederösterreich. Die ersten Maschinen bestellt das Unternehmen noch 2026, die Produktion soll Ende 2029 starten. Bis 2030 soll der Anteil von Recyclingkupfer in der Fertigung auf 70 Prozent steigen.
Warum ist Kupfer für die Energiewende so wichtig?
Kupfer leitet Strom besonders gut und steckt deshalb in Stromnetzen, Windrädern, Rechenzentren und Elektroautos. Der Ausbau dieser Infrastruktur lässt die Nachfrage stark steigen, während neue Minen knapp und teuer sind. Recycling gilt als wichtigster Hebel, um die Versorgung in Europa zu sichern.
Was schreibt der EU Critical Raw Materials Act vor?
Der Critical Raw Materials Act der EU soll die Versorgung mit kritischen Rohstoffen sichern. Bis 2030 sollen mindestens 25 Prozent des jährlichen EU-Verbrauchs aus Recycling stammen, dazu kommen Ziele für Abbau und Verarbeitung in Europa. Das Gesetz gilt seit 2024.
Quellen
[1] ASTA Energy Solutions AG: „ASTA Energy Solutions AG investiert rund 17 Millionen Euro in neue Kupfer-Recyclinganlage in Österreich“
[2] Kupferverband: „Kupfer komplett wiederverwendbar: Recycling entscheidet über die Ökobilanz“
[3] Europäische Kommission: „Critical Raw Materials Act“
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