Mineralwolle-Recycling war in Österreich bisher kaum möglich, alte Dämmwolle landete auf der Deponie. Knauf Insulation baut dafür im Kärntner Ferndorf Österreichs erste Anlage, 30 Millionen Euro schwer und ausgelegt auf 19.500 Tonnen im Jahr. Der Auslöser ist ein Verbot: Ab 2027 darf Mineralwolle im Land nicht mehr deponiert werden.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDämmwolle aus Abbruch und Sanierung galt lange als Problemabfall, sperrig, staubig und schwer wiederzuverwerten. Genau diesen Stoffstrom holt Knauf ab Ende 2026 zurück in die Produktion, herstellerunabhängig und für Glaswolle wie Steinwolle.
Das Wichtigste in Kürze
- 30 Millionen Euro investiert Knauf Insulation in Ferndorf in Kärnten, in Österreichs erste Recyclinganlage für Mineralwolle.
- 19.500 Tonnen Glas- und Steinwolle im Jahr soll die Anlage ab Ende 2026 verarbeiten, unabhängig vom Hersteller.
- Ab dem 1. Januar 2027 verbietet Österreich das Deponieren von Mineralwolle und macht Recycling zur Pflichtaufgabe der Bauwirtschaft.
- Ein patentiertes Schmelzverfahren macht aus Altwolle ein Granulat, das zurück in die Knauf-Werke geht.
Was zwingt Knauf zum Recycling der Dämmwolle?

Der Hebel ist ein Deponieverbot. Ab dem 1. Januar 2027 darf Mineralwolle in Österreich nicht mehr auf die Deponie, der bisher billigste Entsorgungsweg fällt damit weg. Das Material ist leicht und sperrig, es füllt Deponievolumen, ohne sich zu zersetzen. Für Bauherren, Sanierer und Abbruchunternehmen verschiebt das Verbot die Rechnung: Die Dämmwolle muss künftig getrennt gesammelt und einer Verwertung zugeführt werden.
Wie macht Knauf aus Altwolle neuen Rohstoff?
Die Anlage in Ferndorf nimmt Glaswolle, Steinwolle und Tektalan an, getrennt gesammelt in Big Bags und unabhängig vom Hersteller.[1] Ein patentiertes Schmelzverfahren wandelt das Material in ein einheitliches Granulat, das direkt in Werke der Knauf-Gruppe zurückfließt, etwa nach Slowenien. Gesammelt wird über das Rücknahmesystem RESULATION mit dem Logistikpartner ABCO. „Wir schonen natürliche Ressourcen und unterstützen die österreichische Bauwirtschaft dabei, regulatorische Vorgaben zu erfüllen“, sagt Joachim Wieltschnig, Geschäftsführer der Recyclinganlage. Am Standort, der seit 1924 Dämmstoffe fertigt, entstehen zunächst 15 Arbeitsplätze, bei Vollauslastung bis zu 25.
Ein Deponieverbot macht aus einer Entsorgungsfrage einen Rohstoffmarkt. Getrennt zurückgegebene Dämmwolle spart Gebühren und liefert der Bauwirtschaft genau das Material, das ihr sonst aus dem Ausland fehlt.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was heißt das für die Bauwirtschaft im DACH-Raum?
Österreich ist nur der Anfang. Die EU treibt mit ihrem Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft die Wiederverwertung von Baustoffen voran, und der Bausektor verursacht den größten Teil des Abfallaufkommens. Recycelter Beton funktioniert vielerorts, Mineralwolle dagegen wandert bisher meist auf die Deponie und geht als knapper Rohstoff verloren. Deutschland steuert über die Gewerbeabfallverordnung ebenfalls auf strengere Trennpflichten zu. Für Planer heißt das vor allem, Dämmstoffe schon beim Rückbau getrennt zu sammeln und über Rücknahmesysteme zu verwerten, statt sie in den Mischcontainer zu geben. Der Recyclinganteil wird zugleich zum Faktor in ESG-Berichten und öffentlichen Ausschreibungen.
Für Bauunternehmen im DACH-Raum lohnt der Blick auf den Zeitplan: Die Anlage geht Ende 2026 in Betrieb, kurz bevor das Verbot greift. Firmen mit Sanierungs- und Abbruchprojekten für 2027 sollten die getrennte Sammlung der Dämmwolle und die Dekarbonisierung ihrer Prozesse zusammen planen.
FAQ: Mineralwolle-Recycling bei Knauf
Warum baut Knauf eine Recyclinganlage für Mineralwolle?
Ab dem 1. Januar 2027 verbietet Österreich das Deponieren von Mineralwolle, damit fällt der bisher günstigste Entsorgungsweg weg. Knauf Insulation baut in Ferndorf in Kärnten Österreichs erste Anlage, die Glas- und Steinwolle recycelt und als Rohstoff in die Produktion zurückführt.
Wie viel Mineralwolle kann die Anlage verarbeiten?
Die Anlage in Ferndorf ist auf 19.500 Tonnen Glas- und Steinwolle pro Jahr ausgelegt und nimmt das Material herstellerunabhängig an. Der Betrieb startet Ende 2026, die Investition liegt bei rund 30 Millionen Euro.
Was passiert mit der alten Dämmwolle?
Gesammelt wird über das Rücknahmesystem RESULATION mit dem Partner ABCO. Ein patentiertes Schmelzverfahren wandelt die Altwolle in ein einheitliches Granulat um, das in Werke der Knauf-Gruppe zurückfließt und dort zu neuen Dämmstoffen wird.
Was bedeutet das Deponieverbot für Bauunternehmen?
Ab 2027 muss Mineralwolle aus Abbruch und Sanierung getrennt gesammelt und verwertet werden, statt auf die Deponie zu gehen. Planer sollten die getrennte Erfassung früh einplanen und Rücknahmesysteme nutzen, auch mit Blick auf ESG-Berichte und Ausschreibungen.
Quelle
[1] Knauf Insulation: „Knauf Insulation baut Österreichs erste Recyclinganlage für Mineralwolle“