Kupfer im Überfluss, Preis auf Rekordhoch: Wie passt das zusammen?

Markus Seyfferth
Autor Dr. Web
3 Min. Lesezeit
Kupfer im Überschuss, Preis am Rekord: Wie passt das?

Die International Copper Study Group rechnet für 2026 nicht mehr mit einem Defizit, sondern mit einem kleinen Überschuss. Trotzdem notiert Kupfer nahe seiner Rekordmarke. Hinter dem Widerspruch steckt eine strukturelle Knappheit, die für Netzbetreiber und Rechenzentren zum Kostenfaktor wird.

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Der Kupferpreis hält sich hartnäckig nahe seinem Allzeithoch, obwohl die wichtigste Branchenprognose den Markt 2026 erstmals seit Jahren wieder ins Plus dreht. Die International Copper Study Group hat ihre Erwartung im April auf einen Überschuss von rund 96.000 Tonnen korrigiert, zuvor stand ein Defizit von 150.000 Tonnen im Raum. An den Terminbörsen kostet Kupfer dennoch rund 12 Euro je Kilogramm.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die ICSG erwartet für 2026 einen Angebotsüberschuss von etwa 96.000 Tonnen, eine Kehrtwende gegenüber der Defizitprognose vom Oktober.
  • Auslöser sind eine schwächere Nachfrage außerhalb Asiens und mehr Recyclingkupfer, nicht neue Minen.
  • Die raffinierte Produktion wächst 2026 nur um 0,4 Prozent, weil Konzentrate knapp bleiben.
  • Rechenzentren und Stromnetze treiben die Nachfrage langfristig, der Preis liegt bei rund 12 Euro je Kilogramm.

Warum bleibt Kupfer teuer, obwohl ein Überschuss droht?

Kupferdrahtspule auf schwarzem Kissen, daneben ein Preisschild auf weißem Grund
Kupferüberschuss 2026 erwartet: Schwächere Nachfrage in EU und Japan sowie mehr Recycling führen zur Trendwende, während Raffinerieproduktion kaum wächst

Der prognostizierte Überschuss entsteht nicht, weil plötzlich mehr Kupfer aus dem Boden kommt. Die ICSG begründet die Kehrtwende mit einer gedämpften Nachfrage, vor allem in der EU und in Japan, sowie mit gestiegener Sekundärproduktion aus Schrott. Auf der Angebotsseite bleibt es eng, denn die raffinierte Produktion legt 2026 nur um 0,4 Prozent zu, weil den Hütten die Konzentrate fehlen.

Hinter den Kulissen sinken die Erzgehalte vieler Minen unter 0,7 Prozent, und neue Projekte brauchen oft 10 bis 15 Jahre bis zur ersten Förderung. Störungen wie der Ausfall der Grasberg-Mine in Indonesien zeigen, wie schnell die schmalen Puffer kippen. China steht weiterhin für rund 58 Prozent des weltweiten Verbrauchs und gibt die Preisrichtung mit vor.

Der Markt ist bilanziell knapp im Plus und fühlt sich trotzdem an wie ein Engpass. Beim Kupfer zahlt die Energiewende den Preis dafür, dass zwei Jahrzehnte zu wenig in neue Minen geflossen ist.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Was heißt das für Netze und Rechenzentren?

Miniaturfigur einer Seiltänzerin auf einem Kupferkabel vor weißem Hintergrund
Rechenzentren für künstliche Intelligenz treiben die Kupfernachfrage in die Höhe. J.P. Morgan prognostiziert für 2026 einen Bedarf von 475.000 Tonnen, ein großes KI-Rechenzentrum benötigt bis zu 50.000 Tonnen

Eine neue Nachfrageschicht kommt aus den Rechenzentren. J.P. Morgan veranschlagt den Kupferbedarf der Branche für 2026 auf rund 475.000 Tonnen, ein einzelnes großes KI-Rechenzentrum bindet bis zu 50.000 Tonnen. Mit jedem Netzausbau und jeder neuen Server-Halle wächst die Zahl der Abnehmer, die um dieselben Tonnen konkurrieren.

Auch die Elektrifizierung des Verkehrs hängt an Kupfer, denn ein E-Auto enthält ein Mehrfaches der Menge eines Verbrenners. Planen Sie Ausbauprojekte, gehört der Kupferpreis früh in die Kalkulation, ähnlich wie ihn Betreiber bei der Ladeinfrastruktur längst einpreisen.

Für die nächsten Quartale zählt weniger die exakte Bilanzzahl als die Frage, wie verlässlich Nachschub und Recycling laufen. Sichern Sie langfristige Liefermengen vertraglich ab und kalkulieren Sie Preisaufschläge ein. Ein Überschuss von 96.000 Tonnen ist bei einem Weltverbrauch von fast 29 Millionen Tonnen kein Polster, das beruhigt.

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Markus Seyfferth
Autor
ist seit 2019 geschäftsführender Gesellschafter von Dr. Web. Er verantwortet die redaktionelle Ausrichtung des Dr. Web Magazins und bringt seine Expertise in den Bereichen Webdesign, Webentwicklung, WordPress, SEO sowie Online Marketing ein. Zudem verfasst er regelmäßig Fachartikel, um sein Wissen und seine Erfahrungen zu teilen und anderen im Online Marketing weiterzuhelfen.
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