Binnen 24 Stunden haben Volvo Cars und Mercedes-Benz ihre Zusammenarbeit mit Nvidia beim automatisierten Fahren ausgebaut. Beide übernehmen vom Chipkonzern neben den Rechnern auch die Sensorarchitektur, die Fahrsoftware und das Sicherheitssystem. Volkswagen hatte genau dieses Gesamtpaket laut Spiegel vor zwei Wochen abgelehnt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen„Nvidia ist unser wichtigster strategischer Partner beim automatisierten Fahren“, sagt Jörg Burzer, Technikvorstand von Mercedes-Benz.[2] Am 22. September hatte sein Konzern zusätzlich die Fahrsoftware des Londoner Start-ups Wayve für Serienautos eingekauft. Bei der Software für die nächsten Elektroauto-Generationen bilden sich zwei Lager: Hersteller, die bei Nvidia das ganze System kaufen, und Hersteller, die nur ein KI-Modell lizenzieren.
Das Wichtigste in Kürze
- Volvo Cars baut in einer kommenden Modellgeneration auf Nvidias Rechner- und Sensorarchitektur Hyperion samt Software.
- Mercedes-Benz weitet die Partnerschaft auf Anwendungen der Stufe 4 aus, etwa Robotaxis der Oberklasse.
- Volkswagen setzt laut Spiegel auf Wayve, um Chipwahl und Integration in eigener Hand zu behalten.
- Die Stadtassistenz von Mercedes soll Ende 2026 in ersten deutschen Städten starten.
Was übernehmen Volvo und Mercedes von Nvidia?

Den Kern bildet Hyperion, Nvidias Referenzplattform für Bordrechner und Sensoranordnung, die bis September Drive Hyperion hieß.[3] Dazu kommen die Fahrsoftware Alpamayo Stack, deren KI-Modell Verkehrssituationen bewertet, und das Sicherheitssystem Halos. Halos stellt dem trainierten KI-Modell ein klassisch programmiertes Sicherheitssystem zur Seite, das parallel mitrechnet.[3]
Volvo Cars will die Plattform erstmals in einem Auto der nächsten Generation einsetzen, als Teil der größten Modelloffensive der Firmengeschichte. Das System soll Volvo-Fahrer von Tür zu Tür unterstützen, von der Autobahn über die Innenstadt bis zum Parkplatz, und schrittweise Fahrten erlauben, bei denen der Fahrer den Blick von der Straße nehmen darf.[1] Termine nennt Volvo nicht. „Volvo steht seit fast 100 Jahren für Sicherheit im Auto“, sagt Konzernchef Håkan Samuelsson, der den Posten spätestens im Oktober 2027 an Klaus Zellmer übergibt.[1]
Bei Mercedes-Benz arbeitet Hyperion mit dem hauseigenen Betriebssystem MB.OS zusammen. Die gemeinsame Software soll Stadtfahrten vom Start bis zum Ziel übernehmen und das Auto selbständig einparken. Später sollen darauf Anwendungen der SAE-Stufe 4 aufbauen, darunter Robotaxis der Oberklasse.[2]
Warum kauft nicht jeder Hersteller das ganze Paket?
Das Komplettpaket spart einem Autobauer Jahre eigener Entwicklung, bindet ihn aber an Nvidias Chips, Sensoranordnung und Software-Fahrplan. Volkswagen hat sich laut Spiegel deshalb für Wayve entschieden: Das Londoner Start-up liefert nur das KI-Modell, das auf Rechnern verschiedener Chiphersteller läuft. Mit Nvidias Gesamtpaket hätten nach Aussage eines VW-Verantwortlichen rund 1.000 Beschäftigte der Softwaretochter Cariad keine Arbeit mehr gehabt.
Mercedes sichert sich mehrfach ab. Für westliche Märkte arbeitet der Konzern mit Nvidia, in China mit Momenta.[4] Parallel baut Mercedes die KI-Fahrsoftware von Wayve in Serienautos ein. Auch Stellantis bezieht die Fahrassistenz für Peugeot und Jeep von Momenta.
Volvo und Mercedes erkaufen sich bei Nvidia Zeit, Volkswagen behält mit Wayve die Hoheit über Chip und Integration.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für Dienstwagen und Flotten?
In Deutschland soll die Stadtassistenz MB.DRIVE ASSIST PRO laut Burzer Ende 2026 in einzelnen Städten starten und Anfang 2027 bundesweit folgen, nach einem Handelsblatt-Bericht zuerst in Stuttgart und München.[4] Das System arbeitet auf Stufe 2: Der Fahrer bleibt verantwortlich und muss jederzeit eingreifen können.[3]
Für das Fahren mit abgewandtem Blick, das Volvo anstrebt, gilt in Deutschland § 1b des Straßenverkehrsgesetzes. Der Fahrer darf sich bei einer automatisierten Fahrfunktion vom Verkehr abwenden, muss aber so wahrnehmungsbereit bleiben, dass er die Steuerung auf Aufforderung sofort übernimmt.[5]
Fuhrparkleiter sollten bei Bestellungen für 2027 klären, welche Assistenzstufe die gewählte Ausstattung tatsächlich freischaltet und wer die Software-Updates liefert. In die Dienstwagenregelung gehört der Hinweis, dass auf Stufe 2 der Fahrer die Verantwortung trägt.
Quellen
5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Nvidia NewsroomVolvo Cars and NVIDIA Expand Partnership to Advance Safe Automated Driving
- Nvidia NewsroomMercedes-Benz and NVIDIA Expand Strategic Partnership to Advance Safe Highly Automated Driving in the Next Decade
- Nvidia BlogNVIDIA DRIVE AV Software Debuts in All-New Mercedes-Benz CLA (5. Januar 2026, Namensänderung zu Hyperion im September 2026 nachgetragen)
- electriveNeuer Fahrassistent von Mercedes ab Ende 2026 in Deutschland verfügbar
- Gesetze im Internet§ 1b StVG: Rechte und Pflichten des Fahrzeugführers bei Nutzung automatisierter Fahrfunktionen (abgerufen am 16. Oktober 2026)
Mehr Newshunger?
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