Der nächste Chef von Volvo Cars ist ein Mann des Volkswagen-Konzerns. Klaus Zellmer, bislang Vorstandsvorsitzender von Škoda Auto, übernimmt spätestens zum 1. Oktober 2027 die Führung des schwedischen Autobauers, den der chinesische Geely-Konzern kontrolliert. Der Wechsel wiegt schwer, weil Zellmer eine der profitabelsten Volumenmarken Europas verlässt und einen Rivalen in chinesischer Hand durch den Elektro-Umbau steuern soll.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenVolvo bestätigte die Berufung am 20. September 2026. Amtsinhaber Håkan Samuelsson, 2025 eigens für die Sanierung zurückgeholt, bleibt bis zur Übergabe und hat den langfristigen Nachfolger vorbereitet. Für Entscheider steckt in der Personalie eine Standortfrage: Deutschlands Autobauer verlieren Führungskräfte an Konkurrenten, die ihnen gerade den Heimatmarkt streitig machen.
Das Wichtigste in Kürze
- Klaus Zellmer, Vorstandschef von Škoda Auto, wird spätestens zum 1. Oktober 2027 Präsident und CEO von Volvo Cars.
- Volvo Cars gehört mehrheitlich dem chinesischen Geely-Konzern; Zellmer soll den Umbau zur reinen Elektromarke führen.
- Vorgänger Håkan Samuelsson kam 2025 für die Sanierung zurück und begleitet den Übergang.
- Zellmer bringt mehr als 30 Jahre Autoerfahrung mit, darunter über 20 Jahre bei Porsche und einen Vorstandsposten bei Volkswagen Pkw.
Warum holt sich Geely ausgerechnet einen VW-Manager?

Volvo Cars steckt in einem teuren Umbau. Der Konzern will vollständig auf Elektroantrieb umstellen und bis 2040 klimaneutral wirtschaften, kämpft aber mit schwacher Nachfrage nach reinen Stromern und dem Preisdruck chinesischer Anbieter. 2025 kamen elektrifizierte Modelle auf 46 Prozent des Absatzes, der Rest verteilt sich weiter auf Hybride und Verbrenner.[1]
Genau hier passt Zellmers Bilanz. Bei Škoda hat er eine Volumenmarke durch die Elektrowende geführt, ohne die Rendite zu opfern, und mit günstigen Stromern wie dem Elroq neue Käuferschichten erschlossen. Verwaltungsratschef Eric Li begründet die Wahl mit dieser Doppelrolle aus Premium- und Volumengeschäft.
„Klaus Zellmer verbindet tiefe Branchenkenntnis mit breiter internationaler Führungserfahrung und einer starken Bilanz beim Umbau von Organisationen“, sagt Eric Li, Verwaltungsratsvorsitzender von Volvo Cars.
Was der Wechsel über die Talentwanderung verrät
Zellmers Weg ist kein Einzelfall. Geely verstärkt sich in Europa seit Jahren mit erfahrenem Führungspersonal und hält neben Volvo auch Polestar, Lotus, Zeekr und den Kleinwagenhersteller smart. So entsteht ein Marken-Kosmos von der Kompaktklasse bis zum Premiumsegment, dessen Vertrieb der Konzern zunehmend bündelt, etwa wenn Volvo ab 2027 den Europa-Verkauf von Geelys Lynk & Co übernimmt.
Für den Volkswagen-Konzern kommt der Abgang zur Unzeit. Der Mutterkonzern steckt in einer Ergebniskrise und hat seine Gewinnprognose gerade erst wegen einer Milliardenabschreibung auf Porsche gesenkt. Ausgerechnet an der profitablen Volumenmarke Škoda klafft nun eine Lücke an der Spitze.
Ein deutscher Volumenprofi soll den chinesisch kontrollierten Autobauer Volvo elektrisch machen. Die Kompetenz für bezahlbare Elektromobilität liegt damit längst nicht mehr allein bei den deutschen Konzernen.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was der Wechsel für die deutsche Autoindustrie bedeutet
Für deutschsprachige Entscheider reicht die Personalie über einen einzelnen Chefsessel hinaus. Chinesische Hersteller wie BYD gewinnen in Europa rasant Marktanteile, und über seine europäischen Marken greift Geely die Platzhirsche zusätzlich von innen an. Die passende Führung dafür findet der Konzern offenbar mühelos bei den deutschen Wettbewerbern.
Die deutschen Autobauer stehen damit doppelt unter Druck. Die Konzerne verlieren Marktanteile an chinesische Marken und zugleich Manager, die den Umstieg auf bezahlbare Stromer beherrschen. Genau auf diesem Feld punktet Volkswagen mit günstigen Modellen wie dem ID. Polo gerade selbst.
Zwei Fragen entscheiden über die Folgen: wen Škoda als Nachfolger präsentiert, und ob Zellmer seine Rendite-Disziplin auch unter chinesischer Eigentümerschaft durchhält. Die lange Frist bis Oktober 2027 verschafft beiden Seiten Zeit für einen geordneten Übergang.
Quelle
[1] Volvo Cars: „The Board of Volvo Cars appoints Klaus Zellmer as President and CEO“ (Pressemitteilung, 20. September 2026)
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