Im Werk Figueruelas bei Saragossa hat Stellantis am 16. Oktober die Serienfertigung des Leapmotor B10 gestartet. Das Elektro-SUV läuft dort neben Opel Corsa und Peugeot 208 vom Band und entgeht so dem EU-Ausgleichszoll von 20,7 Prozent. Brüssel kann den Zoll allerdings auf eingeführte Teile ausweiten, falls eine Montage nur dem Zollsparen dient.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen„Die Elektrowende muss auch eine industrielle Wende sein“, sagte Stellantis-Vertreterin Silvia Vernetti zum Produktionsstart.[1] Dahinter steht ein Auslastungsproblem: Die europäischen Werke von Stellantis waren 2025 laut Konzernchef Antonio Filosa nur zu rund 60 Prozent ausgelastet.[2]
Das Wichtigste in Kürze
- Seit 16. Oktober baut Stellantis den Leapmotor B10 in Spanien, geplant sind zunächst 40.000 Autos im Jahr.
- 2027 sollen drei weitere Leapmotor-Modelle folgen, 2028 ein Opel-SUV mit Leapmotor-Technik.
- Auf Leapmotor-Elektroautos aus China werden 20,7 Prozent Ausgleichszoll und 10 Prozent Einfuhrzoll fällig.
- Nebenan bauen CATL und Stellantis ein Werk für Lithium-Eisenphosphat-Zellen (LFP), der Start ist für Ende 2026 geplant.
Warum baut Stellantis ein chinesisches Auto in Spanien?

Stellantis begründet die Wahl von Figueruelas, wo auch der Lancia Ypsilon entsteht, unter anderem mit freier Kapazität.[1] Der B10 ist 4,51 Meter lang und fährt mit LFP-Akkus von 56,2 oder 67,1 kWh, in der stärksten Version bis zu 434 Kilometer nach WLTP. In Deutschland kostet er ab 32.900 Euro.[2]
Für Leapmotor ist Saragossa der zweite Anlauf in Europa, nachdem die Montage des Kleinwagens T03 im polnischen Tychy gestoppt wurde. Ab 2027 sollen in Spanien die Modelle B05, B03X und B03 dazukommen, ab 2028 ein Opel-SUV mit Elektronik, Batterie und Antrieb von Leapmotor.[2] Andere chinesische Hersteller gehen denselben Weg: BYD will die Serienfertigung im ungarischen Szeged im vierten Quartal aufnehmen, Chery will im früheren Nissan-Werk in Barcelona fertigen.
Was bringt die Fertigung in der EU beim Zoll?
Auf Elektroautos von Leapmotor mit Ursprung in China erhebt die EU seit Ende Oktober 2024 einen Ausgleichszoll von 20,7 Prozent, zusätzlich zum regulären Einfuhrzoll von 10 Prozent.[3] Ein in Spanien gebauter B10 fällt nicht darunter, solange er zollrechtlich als europäisches Erzeugnis gilt.
Gegen Umgehung kann die Kommission vorgehen: Die Antisubventionsverordnung erlaubt ihr, Ausgleichszölle auf eingeführte Teile auszuweiten.[4] Voraussetzung ist unter anderem ein Fertigungsprozess, für den außer dem Zoll keine hinreichende wirtschaftliche Begründung besteht. Stellantis kann auf die schwache Auslastung seiner Werke verweisen. Wie viele Teile des B10 aus China kommen, haben die Partner nicht beziffert.
Mit ihrer Zollmauer holt die EU chinesische Technik in europäische Werke, statt sie draußen zu halten.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Woher kommen künftig die Zellen?
Neben dem Autowerk bauen CATL und Stellantis seit November 2025 ein Zellwerk für LFP-Batterien, dieselbe Zellchemie wie im B10. Ab Ende 2026 soll das Werk bis zu 50 Gigawattstunden im Jahr liefern, die Investition beziffert CnEVPost auf 4,04 Milliarden Euro.[5] Mit Zellen aus dem Nachbarwerk stiege der europäische Anteil am Wert des Autos, denn die Batterie ist sein teuerstes Bauteil.
Für Zulieferer im deutschsprachigen Raum ist wichtig, dass die EU-Kommission Vorgaben für Batteriezellen aus europäischer Fertigung vorgeschlagen hat. Jedes weitere Modell in Saragossa erhöht den Bedarf an Teilen aus Europa. Flottenkunden sollten nicht mit sinkenden Preisen rechnen: Einen niedrigeren Preis für den B10 aus Spanien hat Leapmotor nicht angekündigt.
Quellen
5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Stellantis MediaStellantis and Leapmotor officially start B10 production in Zaragoza
- electriveStellantis startet Produktion des Leapmotor B10 in Spanien
- EUR-LexDurchführungsverordnung (EU) 2024/2754, Ausgleichszoll auf batteriebetriebene Elektrofahrzeuge aus China (konsolidierte Fassung, abgerufen am 19. Oktober 2026)
- EUR-LexVerordnung (EU) 2016/1037, Artikel 23 Umgehung (abgerufen am 19. Oktober 2026)
- CnEVPostCATL breaks ground on battery plant in Spain
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