Chery bezieht die Airbag-Steuergeräte für seine künftig in der EU gebauten Modelle von Aumovio, gefertigt in den europäischen Werken des Zulieferers. Auf E-Autos, die Chery aus China einführt, erhebt die EU 20,7 Prozent Ausgleichszoll, zusätzlich zum regulären Einfuhrzoll von 10 Prozent.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenAm 15. Oktober haben Aumovio und Chery eine Kooperation für Europa verkündet, die Airbag-Steuergeräte sind der erste konkrete Auftrag daraus. Der Frankfurter Zulieferer stellt dafür in ausgewählten Projekten seine Entwicklung und sein europäisches Werksnetz bereit.[1] Bisher lief die Partnerschaft in China, wo Aumovio Chery seit 1999 mit Bremssystemen, Steuergeräten, Sensoren und Displays beliefert. „Erstmals arbeiten wir mit einem chinesischen Autohersteller daran, dessen Geschäft in Europa aufzubauen und zu vergrößern“, sagt Vorstandschef Philipp von Hirschheydt.
Das Wichtigste in Kürze
- Aumovio fertigt Airbag-Steuergeräte für Cherys in Europa gebaute Modelle in eigenen europäischen Werken.
- Die Kooperation kann in ausgewählten Projekten von der Entwicklung bis zur Fertigung reichen.
- Auf E-Autos aus China zahlt Chery in der EU 20,7 Prozent Ausgleichszoll, für Hybride haben sich EU und China auf eine Einfuhrquote verständigt.
- Bis 2027 will Chery in 27 EU-Märkten mit 1.143 Verkaufs- und Servicestandorten vertreten sein.
Warum will Chery in Europa bauen?

Seit dem 30. Oktober 2024 belegt die EU batterieelektrische Pkw aus China mit Ausgleichszöllen. Chery fällt unter den Satz von 20,7 Prozent, den die Verordnung kooperierenden Herstellern außerhalb der Stichprobe auferlegt.[2] Für Hybride haben sich EU und China am 9. Oktober auf eine Einfuhrquote verständigt. Ein in Spanien gebautes Auto fällt unter keine der beiden Regeln.
Gebaut werden soll im früheren Nissan-Werk in Barcelona, das Chery gemeinsam mit dem spanischen Hersteller Ebro nutzt. Laut Reuters hat Chery den Start dort mehrfach verschoben, geplant war ursprünglich 2024, zuletzt nannte der Konzern 2026. Denselben Weg gehen andere chinesische Konzerne: Geely steigt bei Fords Werk in Valencia ein, BYD plant zwei weitere Werke in Europa.
Die EU-Kommission hat am 4. März den Industrial Accelerator Act vorgeschlagen. Nach dem Entwurf können Investitionen über 100 Millionen Euro in Branchen wie Batterien und Elektroautos Auflagen unterliegen, sofern das Herkunftsland des Investors 40 Prozent der Weltproduktion stellt.[3] Die Auflagen können Arbeitsplätze, Forschung, den Einkauf in der EU und Gemeinschaftsunternehmen betreffen. Ein Netz europäischer Zulieferer wie Aumovio deckt den Einkauf ab, bevor das Gesetz steht.
Was gewinnt Aumovio mit dem Auftrag?
Für Aumovio wird ein chinesischer Hersteller zum Kunden in Europa. Schon der erste Serienauftrag für die rein elektronische Bremse des Zulieferers kam aus China, und beim früheren Mutterkonzern Continental sieht Vorstandschef Christian Kötz in Chinas Autobauern eine Chance. Schaeffler dagegen schrieb 240 Millionen Euro ab, weil europäische Autobauer ihre Stückzahlen in China kürzen.
Auf der Pariser Autoschau kündigte Chery an, 2026 in 20 EU-Märkten mit 687 Verkaufs- und Servicestandorten vertreten zu sein, 2027 in 27 Märkten mit 1.143 Standorten.[4]
Brüssel verlangt für jedes E-Auto aus Cherys chinesischen Werken zusammen 30,7 Prozent Zoll, Aumovio verdient am Umweg über Europa.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Aumovio liefert Bremssysteme, Steuergeräte, Sensoren und Displays
für Chery gilt der Satz von 20,7 %
Auflagen für große Investitionen, etwa zu Arbeitsplätzen und Einkauf in der EU
Airbag-Steuergeräte aus europäischen Werken von Aumovio
Was heißt das für Zulieferer im deutschsprachigen Raum?
Chinesische Hersteller suchen für ihre europäischen Werke Lieferanten, die vor Ort fertigen und die EU-Regeln kennen. Aumovio führt sein Wissen über die Regulierung ausdrücklich als Beitrag zur Kooperation an.[1] Liefern Sie Elektronik oder Kunststoffteile an große Zulieferer, fragen Sie gezielt nach deren Projekten mit chinesischen Herstellern in Europa.
Kalkulieren Sie die Stückzahlen solcher Projekte vorsichtig. Wann Chery in Barcelona anläuft, steht nach mehreren Verschiebungen nicht fest, und in Kraft treten dürfte der Industrial Accelerator Act nach Einschätzung der Kanzlei BCLP nicht vor 2027. Halten Sie Herkunftsnachweise bereit, falls Vorgaben zum Einkauf in der EU kommen.
Quellen
4 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- AumovioAUMOVIO and Chery to extend their cooperation to Europe
- EUR-LexDurchführungsverordnung (EU) 2024/2754, konsolidierte Fassung (Stand 11.02.2026)
- Europäische KommissionIndustrial Accelerator Act: strengthening Europe’s clean industrial base
- Chery AutomobileFor EU. For Family: CHERY at the Paris Motor Show
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