Stellantis hat am 19. Mai 2026 das Projekt E-Car offiziell angekündigt: eine Familie kompakter Elektroautos für mehrere Konzernmarken, Produktionsstart 2028 im italienischen Werk Pomigliano d’Arco. Die Gewerkschaften nennen einen Zielpreis von 15.000 €. Die Ankündigung kommt als Reaktion auf den Vormarsch chinesischer Anbieter in Europa.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenGeht es Ihnen auch so? Vor wenigen Jahren galt das A-Segment als verlorenes Terrain in Europa, der Fiat Panda als Auslaufmodell. Stellantis kehrt das Spiel jetzt um und greift genau das Segment an, das BYD, Leapmotor und Dacia gerade dominieren.
- Stellantis-CEO Antonio Filosa bestätigt: Pomigliano produziert ab 2028 die neue E-Car-Familie für mehrere Konzernmarken
- Die Gewerkschaften Fim, Fiom und Uilm geben den Zielpreis mit rund 15.000 € an
- Das Werk Pomigliano hat eine Kapazität von fast 300.000 Fahrzeugen pro Jahr und baut bislang Fiat Panda und Alfa Romeo Tonale
- Die EU-Kommission schafft parallel die neue Fahrzeugklasse M1E für E-Autos unter 4,2 m Länge mit CO₂-Super-Credits
Was steckt hinter dem 15.000-Euro-Versprechen?

Die Ankündigung kommt zwei Tage vor Filosas Investor-Day in Detroit am 22. Mai. Pomigliano gilt als zentrales Element der Italien-Strategie und soll mehrere Marken bedienen. Konkrete Modellbezeichnungen hat Stellantis nicht genannt, der Fiat-Markenchef Olivier François hat aber eine Einstiegs-Variante unterhalb des Grande Panda auf der STLA-City-Plattform angedeutet.
Die EU-Kommission flankiert das Vorhaben mit der neuen Fahrzeugklasse M1E. Diese Klasse sieht E-Autos unter 4,2 m Länge vor, die in Europa gebaut werden und für Hersteller als 1,3 Fahrzeuge in der CO₂-Flottenbilanz zählen. Das senkt die effektiven Produktionskosten und macht das Einstiegssegment für Konzerne wieder kalkulierbar.
Der italienische Schachzug ist klüger, als er auf den ersten Blick wirkt. Stellantis nimmt die EU-Förderlogik mit, sichert das Werk in Süditalien gewerkschaftlich und positioniert sich mit europäischer DNA gegen BYDs Vormarsch. Deutsche Hersteller müssen sich entscheiden, ob sie das A-Segment den Chinesen und den Italienern überlassen wollen. Aussitzen ist 2026 keine Option mehr.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Warum drängt Stellantis ausgerechnet jetzt ins A-Segment?

Die Zulassungsstatistik aus Italien für April 2026 erklärt den Druck. Auf den ersten Plätzen im Kleinwagen-BEV-Segment stehen Leapmotor T03 mit 4.090 Einheiten, Citroën E-C3 mit 1.170 und der BYD Dolphin Surf mit 509. Der erste deutsche Konzern-Vertreter, der Škoda Elroq, taucht erst auf Platz 12 mit 231 Einheiten auf. Dass BYD seine EU-Neuzulassungen im ersten Quartal 2026 um 169,7 Prozent gesteigert hat, verschärft die Lage.
Volkswagen plant zwar mit dem ID. Polo eine eigene Kleinwagen-Familie, hat aber seit dem Ende des e-Up! keinen erschwinglichen Stromer im Portfolio. Die Lücke unter 20.000 € wird seither von chinesischen Anbietern und Dacia besetzt. Stellantis will diesen Markt durch lokale Produktion zurückerobern und nutzt dafür die in Pomigliano vorhandene Fertigung mit ihrer langen Kleinwagen-Tradition.
Was bedeutet das für deutsche Käufer und den Flottenbetrieb?

Für Privatkäufer ist die Wartezeit lang: Frühestens Ende 2028 stehen die ersten E-Cars beim Händler. Bis dahin bleibt der Markt in Bewegung. E-Autos haben im April 2026 erstmals Benziner überholt, der Marktanteil reiner Stromer liegt bei 25,8 Prozent. Die BAFA-Förderung startete am 19. Mai 2026 und gewährt für berechtigte Privathaushalte bis zu 6.000 € pro BEV.
Flottenmanager und Gewerbekunden sollten den Termin 2028 in der Beschaffungsplanung verankern. Drei Hebel stechen ins Auge. Zunächst die Plattform-Frage: STLA City wird mehrere Marken bedienen, was die Ersatzteil- und Service-Logistik vereinfacht. Parallel dazu die Förderlandschaft: Die neue E-Auto-Prämie 2026 läuft bis 2029, ein E-Car-Käufer könnte den Endpreis durch Kombination mit BAFA-Förderung deutlich drücken. Schließlich die Betriebskosten: Die Ladetarife 2026 entscheiden über die Wirtschaftlichkeit über die gesamte Halterdauer.
Welche Risiken bleiben offen?

Drei Unsicherheiten stehen über dem Projekt. Stellantis hat den Technologie-Partner für die Batterie- und Plattform-Entwicklung nicht genannt. Branchenbeobachter vermuten einen chinesischen Lieferanten, was die EU-Förderlogik unterlaufen könnte. Daneben bleibt die Frage offen, ob die 15.000 € als Listenpreis oder als Endkundenpreis nach Förderung gemeint sind. Und auch die genaue Modellpalette steht aus: Stellantis spricht von „mehreren Marken“, konkrete Fahrzeuge wurden bisher nicht vorgestellt.
Für deutsche Spediteure und Mittelständler mit gemischter Flotte bleibt zunächst der Blick auf die E-Lkw-Realität 2026 relevant. Im schweren Verkehr dominiert Mercedes-Benz, im A-Segment der Pkw-Flotte stehen die nächsten zwei Jahre weiter im Zeichen chinesischer Hersteller.
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