Stellantis trennt sich vollständig vom Carsharing-Geschäft der Marke „Free2move“, Käufer ist der Sanierungsspezialist Mutares. Damit endet ein Modell, das deutsche Autobauer einst als Zukunft der Stadtmobilität verkauft haben.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenVierzehn Städte in Europa und den USA, ein Käufer mit Spezialgebiet Sanierung: Das Carsharing von Free2move wechselt zum dritten Mal in sieben Jahren den Eigentümer. Stellantis hat die Vereinbarung am 28. Juli 2026 veröffentlicht, abgeschlossen werden soll der Verkauf bis Jahresende.[1] Den Kaufpreis nennen beide Seiten nicht.
Das Wichtigste in Kürze
- Stellantis gibt seinen gesamten Anteil am Carsharing von Free2move an Mutares ab, Abschluss Ende 2026.
- Betroffen sind Flotten in 14 Städten in Europa und den USA, der Kaufpreis bleibt unter Verschluss.
- Die deutsche Free-Floating-Flotte ist binnen eines Jahres um 9,5 Prozent auf rund 24.800 Fahrzeuge geschrumpft.
- Mutares kauft Randgeschäfte großer Konzerne, saniert sie und verkauft sie nach einigen Jahren weiter.
Warum trennt sich Stellantis vom Carsharing?
Free-Floating bindet Kapital rund um die Uhr und verdient nur in den wenigen Stunden, in denen ein Fahrzeug gebucht ist. Stellantis sortiert solche Geschäfte im Rahmen des Konzernplans FaSTLane 2030 aus.
Fixkosten laufen weiter: Abschreibung, Versicherung, Reinigung und das Umsetzen falsch abgestellter Autos kosten Geld, während der Zähler nur während der Buchung läuft. Ein Hersteller kann diese Lücke quersubventionieren, solange die Flotte zugleich als Schaufenster für eigene Modelle dient.
Fällt dieses Argument weg, bleibt ein Vermietgeschäft mit hohen Fixkosten und einem Restwertrisiko, das Fuhrparkleiter vom Wertverlust beim Elektroauto kennen. „Indem wir den Fokus auf das Kern-Automobilgeschäft schärfen, stärken wir unsere Fähigkeit, langfristig Leistung zu liefern“, sagt Virgilio Cerutti, Head of Business Development & Partnerships bei Stellantis.[1] Im Modellgeschäft setzt der Konzern derweil auf günstige Stromer wie die elektrische 2CV.
Was hat ein Sanierer mit Carsharing vor?
Mutares kauft Randgeschäfte großer Konzerne, richtet sie operativ neu aus und verkauft sie nach einigen Jahren weiter. Das Carsharing wird dabei zur eigenständigen Plattform im Mobilitätsgeschäft.
Sanierungslogik statt Autobauer-Strategie: „Das Carsharing-Geschäft von Free2move verbindet eine starke, international bekannte Marke mit klarem Potenzial für operative Verbesserungen“, sagt Johannes Laumann, Chief Investment Officer von Mutares.[1] Dasselbe Muster hat zuletzt die Übernahme des Autolicht-Geschäfts von Magna gezeigt.
Präzedenzfall ist die eigene Vorgeschichte der Marke. 2019 sind car2go von Daimler und DriveNow von BMW in Share Now aufgegangen, 2022 hat Stellantis den Anbieter übernommen, 2026 landet das Geschäft beim Sanierer. Kein Eigentümer hat das Carsharing bisher dauerhaft profitabel bekommen.
Carsharing scheitert selten an der App und fast immer an der Auslastung. Ein Sanierer streicht zuerst die Städte, in denen die Flotte stillsteht.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Drei Eigentümer in sieben Jahren
Was ändert sich für deutsche Städte und Fuhrparks?
Kurzfristig fährt die Flotte weiter, mittelfristig droht der Rückzug aus schwachen Städten. Kommunen prüfen jetzt am besten ihre Stellplatzverträge, Fuhrparkleiter ihre Mobilitätsbudgets.
Marktdaten zeigen die Richtung längst. Am 1. Januar 2026 hat der Bundesverband CarSharing 43.190 Carsharing-Fahrzeuge gezählt, 4,9 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.[2] Die Free-Floating-Flotte ist mit 9,5 Prozent doppelt so schnell geschrumpft, während stationsbasierte Anbieter zugelegt haben.
Regulierung verstärkt diesen Unterschied. Das Carsharinggesetz erlaubt Kommunen, reservierte Stellplätze anbieterbezogen zu vergeben, und dieses Vorrecht gilt für stationsbasierte Angebote. Für Free-Floating bleiben allgemeine Carsharing-Stellplätze ohne feste Zuordnung. Stationsbasiertes Carsharing erreicht deshalb 1.479 Kommunen, das freie Modell nur 53.[2]
Konsequenz für Unternehmen: Mobilitätsbudgets, die auf einem einzigen Free-Floating-Anbieter aufsetzen, brauchen eine zweite Option. Wie schnell Flottenentscheidungen kippen, hat die Kehrtwende der Schwarz-Gruppe bei E-Dienstwagen gezeigt. Und Städte, die auf die 15-Minuten-Stadt setzen, planen mit einem Angebot, dessen Eigentümer bereits den Ausstieg im Blick hat.
Am Betrieb ändert sich bis zum Abschluss nichts. Kündigungsfristen und zugesagte Mindestflotten prüfen Sie aber gerne jetzt, nicht erst nach dem Eigentümerwechsel. Die zweite große Stellschraube jeder elektrischen Flotte steckt ohnehin in den Ladetarifen für E-Autos.
Quellen
2 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- StellantisStellantis Announces Agreement to Sell Free2move’s Car-sharing Business to Mutares
- Bundesverband CarSharing e. V.Carsharing-Statistik 2026
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