Autoland Deutschland bleibt auch 2026 ein Land auf Rädern, doch der Markt steht unter Druck. Die Städte wollen Fläche zurück, der Staat verdient kräftig mit, und zwischen Bestand und Neuwagenmarkt klafft eine Lücke, die kaum jemand auf dem Schirm hat. Wir ordnen die Zahlen ein und schauen dabei über den Tellerrand der reinen Zulassungsstatistik.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- Zum 1. Januar 2026 waren 49.486.487 Pkw in Deutschland zugelassen, der gesamte Kfz-Bestand lag bei 61,3 Millionen Fahrzeugen.
- Im Bestand gehören 88,3 Prozent der Pkw Privatleuten, bei den Neuzulassungen sind dagegen fast zwei Drittel gewerblich.
- Benzin und Diesel dominieren den Bestand mit zusammen über 86 Prozent, während im Mai 2026 bereits jedes vierte neu zugelassene Auto rein elektrisch fuhr.
- Ein Neuwagen kostete 2025 im Schnitt 44.560 Euro, ein durchschnittlicher Pkw ist 10,9 Jahre alt.
- Der Staat kassiert am Auto jährlich rund 43 Milliarden Euro allein aus Kfz- und Energiesteuer, die Mehrwertsteuer nicht eingerechnet.
Autonarr?
1 Wie viele Pkw waren zum 1. Januar 2026 in Deutschland zugelassen? Aufklappen ↓
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2 Wem gehören die meisten Pkw im Bestand? Aufklappen ↓
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3 Wie hoch war der gewerbliche Anteil bei den Neuzulassungen im April 2026? Aufklappen ↓
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4 Welcher Antrieb dominiert den deutschen Pkw-Bestand? Aufklappen ↓
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5 Wie viele neu zugelassene Autos fuhren im Mai 2026 rein elektrisch? Aufklappen ↓
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6 Was kostete ein Neuwagen 2025 private Käufer im Schnitt? Aufklappen ↓
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7 Wie alt ist ein durchschnittlicher Pkw in Deutschland? Aufklappen ↓
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8 Welche Steuer bringt dem Staat am meisten ein? Aufklappen ↓
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9 Wie viele Menschen arbeiten direkt in der deutschen Autoindustrie? Aufklappen ↓
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10 Warum wird Parken in den Städten zunehmend zum Politikum? Aufklappen ↓
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Wie viele Autos hat Deutschland wirklich, und auf wen kommen sie?

Die runde Zahl von 50 Millionen Autos hält sich hartnäckig, stimmt aber nicht ganz. Zum Stichtag 1. Januar 2026 zählte das Kraftfahrt-Bundesamt exakt 49.486.487 Pkw, ein Plus von 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Rechnet man Lkw, Busse, Krafträder und Anhänger hinzu, kommt der gesamte Kraftfahrzeugbestand auf 61,3 Millionen Einheiten.
Setzt man die Pkw ins Verhältnis zur Einwohnerzahl von rund 83,5 Millionen, ergeben sich etwa 593 Pkw je 1.000 Einwohner. Anders gesagt: Auf rechnerisch jeden zweiten Menschen im Land kommt ein eigener Personenwagen, vom Säugling bis zur Hochbetagten.
Das KBA selbst weist beim Landesvergleich aus, wo die meisten Fahrzeuge stehen:
| Bundesland | Kfz-Bestand (gesamt) | Rang |
|---|---|---|
| Nordrhein-Westfalen | 14.222.714 | 1 |
| Bayern | 12.561.237 | 2 |
Die hohen absoluten Zahlen sind vor allem eine Frage der Einwohnerdichte. Spannender ist das Verhältnis: In ländlichen Flächenkreisen liegt die Pkw-Dichte deutlich über dem Bundesschnitt, während sie in Großstädten wie Berlin merklich darunter bleibt.
Genau dort, wo Politik den Individualverkehr zurückdrängen will, besitzen die Menschen ohnehin am seltensten ein eigenes Auto. Auf dem Land dagegen bleibt der Wagen schlicht alternativlos.
Im europäischen Vergleich liegt Deutschland im oberen Mittelfeld. Der EU-Schnitt liegt bei rund 574 Pkw je 1.000 Einwohner, Spitzenreiter sind Italien mit 684 und Polen mit über 700. Deutschland rangiert mit seinen knapp 593 also leicht darüber, aber keineswegs an der Spitze.
Bemerkenswert ist ein anderer Befund der EU-Statistik: Die Metropolregionen Berlin und Wien gehören mit Werten um 340 zu den am schwächsten motorisierten Regionen Europas. Die Großstadt und das Auto vertragen sich schon heute messbar schlechter.
Wem gehören diese Autos: privat, Firma oder Gewerbe?

Hier wird es interessant, weil sich Bestand und Neuwagenmarkt fast spiegelbildlich verhalten. Im Bestand sind rund 43,7 Millionen Pkw (88,3 Prozent) auf private Halter zugelassen, nur 5,7 Millionen (11,6 Prozent) gewerblich. Das Auto auf der Straße ist also ganz überwiegend Privatbesitz.
Auch gut: Vanlife oder Standlife: Wem gehört der Bordstein?
Bei den Neuzulassungen kehrt sich das Bild um. Im April 2026 wurden 64,6 Prozent aller Neuwagen gewerblich zugelassen und nur 35,4 Prozent privat. Über die ersten Monate des Jahres bewegte sich der gewerbliche Anteil stabil um die Marke von zwei Dritteln.
| Kategorie | Privat | Gewerblich |
|---|---|---|
| Pkw-Bestand (01.01.2026) | 88,3 % | 11,6 % |
| Neuzulassungen (April 2026) | 35,4 % | 64,6 % |
Daraus folgt eine handfeste Marktlogik. Der Neuwagenmarkt ist im Kern ein Firmenmarkt: Fuhrparks, Leasinggesellschaften, Autovermieter und Dienstwagenflotten bestimmen, was zuerst auf die Straße kommt.
Privatkäufer steigen meist erst eine Runde später ein, wenn diese Fahrzeuge nach zwei bis vier Jahren als Gebrauchte weitergereicht werden. Wer den deutschen Automarkt verstehen will, schaut also zuerst auf die Beschaffungsabteilungen der Unternehmen, nicht auf die privaten Haushalte.
Verbrenner, Diesel oder Strom: Was steht auf deutschen Straßen?

Im Bestand regiert weiter der Verbrennungsmotor, und das mit großem Abstand. Die Aufschlüsselung des KBA zum 1. Januar 2026:
| Antriebsart | Bestand (Pkw) | Anteil |
|---|---|---|
| Benzin | 29.343.732 | 59,3 % |
| Diesel | 13.385.662 | 27,0 % |
| Hybrid (inkl. Plug-in) | 4.362.563 | 8,8 % |
| Elektro (BEV) | 2.034.260 | 4,1 % |
| Flüssiggas, Erdgas, Wasserstoff | unter 0,8 % | Rest |
Benzin und Diesel zusammen stellen also gut 86 Prozent des Bestands. Reine Elektroautos haben zwar erstmals die Zwei-Millionen-Marke überschritten, bleiben gemessen am Gesamtbestand mit 4,1 Prozent aber eine kleine Minderheit.
Der Neuwagenmarkt erzählt eine andere Geschichte. Im Mai 2026 hatte bereits jedes vierte neu zugelassene Auto einen reinen Elektroantrieb, der BEV-Anteil lag bei 25,0 Prozent und damit fast 40 Prozent über dem Vorjahr. Zwischen dem, was verkauft wird, und dem, was fährt, liegt also eine ganze Fahrzeuggeneration.
Diese Schere erklärt, warum der Umbau der Flotte so zäh wirkt. Ein durchschnittlicher Pkw bleibt fast elf Jahre auf der Straße. Selbst wenn ab heute jeder Neuwagen elektrisch wäre, dauerte es über ein Jahrzehnt, bis der Verbrenner aus dem Bestand verschwände. Der Markt dreht sich schnell, der Bestand dreht sich langsam.
Neu oder gebraucht: Wo läuft der eigentliche Automarkt?

Wer beim Wort Automarkt an glänzende Neuwagen denkt, verkennt die Mengenverhältnisse. Auf jeden Neuwagen kommen grob zwei Halterwechsel bei Gebrauchten. Allein im April 2026 wechselten 666.856 Kfz auf dem Gebrauchtwagenmarkt den Halter, während im selben Monat 249.163 Neuwagen zugelassen wurden.
Das eigentliche Volumengeschäft ist also der Gebrauchtwagen. Für die meisten Haushalte ist der Gang zum Neuwagenhändler die Ausnahme, der Gebrauchtkauf die Regel.
Bei den Marken führt im Bestand klar Volkswagen, doch die Importmarken holen kontinuierlich auf:
- VW bleibt mit 20,8 Prozent Bestandsanteil die mit Abstand häufigste Marke.
- Mercedes (9,6 %), Opel (7,7 %), BMW (7,0 %), Audi (6,7 %) und Ford (6,6 %) folgen.
- Skoda ist mit 5,8 Prozent die stärkste Importmarke und legt zugleich am deutlichsten zu.
Das Etikett Importmarke führt dabei in die Irre. Skoda und Seat zählt die Statistik als Importeure, beide gehören jedoch zum Volkswagen-Konzern in Wolfsburg. Umgekehrt fertigen klassisch deutsche Marken längst zu großen Teilen jenseits der Grenze, Opel etwa in Spanien, der VW-Konzern in Tschechien und Mexiko.
Ob ein Auto deutsch ist, sagt also wenig darüber aus, wo es gebaut wurde oder wem der Gewinn zufließt.
Was neu zugelassen wird, sieht völlig anders aus als das, was tatsächlich fährt.
Der deutsche Pkw-Bestand wirkt träge und privat, der Neuwagenmarkt dagegen gewerblich und elektrisch. Zwei Kennzahlen zeigen die Schere besonders deutlich.
Was kostet ein Auto, und wie lange fährt es?

Autofahren ist teurer geworden, und zwar spürbar. Laut DAT-Report 2026 zahlten private Käufer 2025 im Schnitt 44.560 Euro für einen Neuwagen, ein Plus von 2,4 Prozent gegenüber den 43.530 Euro des Vorjahres. Zum Vergleich: 2016 lag der Gebrauchtwagenpreis im Schnitt noch bei rund 11.430 Euro.
Beim Gebrauchtwagen lohnt ein genauer Blick, weil zwei verschiedene Zahlen kursieren:
- Der Transaktionspreis privater Käufer lag 2025 laut DAT bei 18.310 Euro, leicht unter Vorjahr.
- Die Inseratspreise auf Online-Börsen lagen mit rund 27.800 Euro deutlich höher, weil dort tendenziell jüngere und hochwertigere Fahrzeuge angeboten werden.
Beide Werte sind korrekt, sie messen nur Unterschiedliches. Der Transaktionspreis bildet ab, was tatsächlich bezahlt wird, der Inseratspreis, was zunächst aufgerufen wird.
Hinzu kommt das Alter. Der durchschnittliche Pkw war zum 1. Januar 2026 genau 10,9 Jahre alt, dazu kamen 822.537 als Oldtimer zugelassene Pkw. Die Deutschen kaufen ihre Autos teuer und fahren sie lange.
Der Kaufpreis ist allerdings nur die Spitze. Die wahren Kosten entstehen über die Jahre: Wertverlust, Versicherung, Steuer, Sprit, Wartung und Stellplatz. Der ADAC beziffert die Vollkosten eines durchschnittlichen Pkw auf rund 87,65 Cent pro gefahrenem Kilometer, der größte Einzelposten ist dabei nicht der Sprit, sondern der Wertverlust.
Über ein ganzes Autofahrerleben summiert sich das auf knapp eine halbe Million Euro. Wie sich diese Rechnung im Detail zusammensetzt und ob sich der eigene Wagen in der Stadt überhaupt lohnt, rechnen wir in Macht Sie Ihr Auto frei oder arm? vor.
Und dann ist da das Stehzeit-Paradox. Ein Privatauto wird im Schnitt nur etwa eine Stunde am Tag bewegt und steht die übrigen 23 Stunden.
Ein über 44.000 Euro teures Anschaffungsgut verbringt also den weit überwiegenden Teil seines Lebens regungslos am Straßenrand oder in der Garage, auf einer Fläche von rund 12,5 Quadratmetern. Genau diese Erkenntnis führt direkt zu den Konfliktfeldern weiter unten.
Wie viel kassiert der Staat am Auto?

Das Auto ist eine verlässliche Einnahmequelle, und die Kfz-Steuer ist dabei nur der sichtbarste, keineswegs der größte Posten. Sie spülte zuletzt rund 9,4 Milliarden Euro jährlich in den Bundeshaushalt.
Deutlich mehr holt der Staat an der Zapfsäule. Allein die Energiesteuer auf Kraftstoffe brachte 2024 folgende Beträge:
| Quelle | Aufkommen 2024/2025 |
|---|---|
| Energiesteuer Diesel | 18,2 Mrd. € |
| Energiesteuer Benzin | 15,3 Mrd. € |
| Kfz-Steuer | 9,4 Mrd. € |
| Summe (ohne Mehrwertsteuer) | rund 43 Mrd. € |
Rund 43 Milliarden Euro also, und das ist konservativ gerechnet. Auf den Kaufpreis, auf die Energiesteuer und auf nahezu jede Werkstattrechnung kommt zusätzlich die Mehrwertsteuer obendrauf, die in dieser Summe noch gar nicht enthalten ist.
Daraus ergibt sich ein politisches Spannungsfeld, das selten offen ausgesprochen wird. Der Umstieg auf das Elektroauto, den die Politik fördert, untergräbt zugleich eine der stabilsten Einnahmequellen des Bundes.
Ein E-Auto zahlt keine Energiesteuer auf Sprit und war bei Erstzulassung bis Ende 2025 zudem von der Kfz-Steuer befreit. Je erfolgreicher die Verkehrswende, desto größer das Loch im Haushalt. Wir halten das für die eigentliche, weil unbequeme Debatte hinter der Antriebsfrage.
Die bekannteste Autosteuer ist zugleich die kleinste.
Rund 43 Milliarden Euro zieht der Staat jährlich aus Kfz- und Energiesteuer. Doch das Verhältnis überrascht: Die Kfz-Steuer, die jeder Halter kennt, ist nur ein Fünftel des Ganzen.
Wie sehr hängt Deutschland an der Autoindustrie?

Autoland Deutschland meint nicht nur die Fahrzeuge auf der Straße, sondern auch die Branche dahinter. Und die ist ein Schwergewicht. Die deutsche Autoindustrie beschäftigt rund 770.000 Menschen direkt und bleibt gemessen am Umsatz die größte Industriebranche des Landes. 2023 entfielen 17 Prozent aller deutschen Exporte auf Autos und Teile.
Diese Abhängigkeit hat eine Kehrseite. Gerät die Branche ins Wanken, wackelt ein erheblicher Teil der deutschen Wirtschaftsleistung mit.
Und genau das passiert: Chinesische Hersteller drängen auf den Markt, der Umstieg auf Elektro verschlingt Milliarden, und mehrere Konzerne haben massiven Stellenabbau angekündigt. Der Bestand auf der Straße wirkt stabil, das industrielle Fundament darunter ist es nicht.
Warum die Branche gerade jetzt an gleich sechs Stellen zugleich unter Druck gerät, von BYD über das Händlernetz bis zur Software im Cockpit, sezieren wir ausführlich in Wer killt die deutsche Autoindustrie?. Für diesen Marktreport genügt der Befund: Das Land hängt wirtschaftlich stärker am Auto, als die reine Zahl der Zulassungen vermuten lässt.
Warum wird Parken zum Politikum?

Das Stehzeit-Paradox trifft auf einen Engpass: Fläche. Ein Auto, das 23 Stunden am Tag steht, belegt dauerhaft öffentlichen Raum, der in wachsenden Städten zunehmend knapp und damit teuer wird. Was jahrzehntelang gratis war, wird nun bepreist.
Ein Auto fährt im Schnitt eine Stunde am Tag. Den Rest steht es.
Ein Privatauto wird täglich nur etwa eine Stunde bewegt. Die übrigen 23 Stunden belegt es dauerhaft Fläche, während in der Anschaffung viel Geld gebunden ist.
Immer mehr Kommunen bewirtschaften ihren Parkraum aktiv, und die Gebühren steigen. Mehrere Städte haben die Sätze fürs Anwohnerparken in den vergangenen Jahren deutlich angehoben, einzelne Kommunen verlangen inzwischen dreistellige Jahresbeträge, wo früher eine symbolische Gebühr genügte. Die Richtung ist klar: Parken soll teurer werden, um Fläche umzuverteilen.
Dahinter steckt eine schlichte Rechnung. Ein einziger Parkplatz am Straßenrand belegt rund zwölf Quadratmeter, die alternativ für Radwege, Lieferzonen, Außengastronomie oder Begrünung zur Verfügung stünden. In einer dicht bebauten Innenstadt ist dieser Raum schlicht nicht vermehrbar.
Wer 44.560 Euro in ein Auto steckt, das täglich 23 Stunden steht, finanziert im Grunde den teuersten Stillstand der Republik. Das Autoland Deutschland wird nicht an der Antriebsfrage scheitern, sondern an der Quadratmeterfrage.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Stadt gegen Auto: Wer gewinnt die Innenstadt?

Über die Parkgebühr hinaus greifen viele Städte direkt in den Verkehr ein. Umweltzonen, verkehrsberuhigte Bereiche, autofreie Quartiere und ausgewiesene Ruhezonen sollen die Innenstädte vom Durchgangsverkehr entlasten und das Stadtklima verbessern. Der Individualverkehr wird dort nicht verboten, aber gezielt unattraktiver gemacht.
Die Argumente beider Seiten lassen sich nüchtern gegenüberstellen:
| Position der Städte | Position der Autonutzer |
|---|---|
| Weniger Fläche für Autos schafft Platz für Menschen, Rad und Aufenthalt | Erreichbarkeit für Pendler, Handwerk und Lieferverkehr leidet |
| Saubere Luft und weniger Lärm steigern Lebensqualität | Einzelhandel in der Innenstadt verliert Laufkundschaft |
| Klimaziele erfordern weniger motorisierten Verkehr | Auf dem Land fehlt die Alternative zum Auto |
Beide Seiten haben belastbare Argumente, und genau das macht den Konflikt so zäh. Die Stadt sieht knappe Fläche und Klimaziele, die Pendlerin aus dem Umland sieht eine fehlende Alternative. Eine pauschale Lösung gibt es nicht, weil Berlin-Mitte und ein Eifeldorf schlicht verschiedene Welten sind.
Dass die niedrigsten Motorisierungsraten Europas ausgerechnet in Berlin und Wien gemessen werden, zeigt aber: In der gut angebundenen Großstadt verliert das eigene Auto bereits von selbst an Bedeutung.
Für Entscheider ist die Richtung dennoch eindeutig. Der Trend zu weniger Auto in der Innenstadt ist gesetzt und wird sich fortsetzen, unabhängig vom jeweiligen Antrieb. Auch das saubere Elektroauto braucht zwölf Quadratmeter Stellfläche.
Was bedeutet das für deutsche Unternehmen?

Für Unternehmen ist der Befund mehr als eine Statistik, weil sie den Neuwagenmarkt dominieren. Wer zwei Drittel der Neuzulassungen verantwortet, trägt auch die Hauptlast der anstehenden Veränderungen.
Drei konkrete Handlungsfelder zeichnen sich ab:
- Fuhrpark und Antrieb. Die Förderung kippt zugunsten des Elektroautos, während die steuerliche Privilegierung des Verbrenner-Dienstwagens auf der Kippe steht. Wer heute langfristig least, sollte die Antriebsfrage strategisch entscheiden, nicht nach Gewohnheit.
- Standort und Erreichbarkeit. Büros in Innenstadtlagen verlieren an Pkw-Erreichbarkeit. Bei Standortentscheidungen gewinnt die Anbindung an den öffentlichen Verkehr gegenüber der Zahl der Firmenparkplätze.
- Mitarbeitermobilität. Das Dienstwagenmodell stößt in Großstädten an Grenzen, wo Parken teuer und Fläche knapp wird. Mobilitätsbudgets, Jobtickets und Poolfahrzeuge werden zum relevanten Baustein der Mitarbeiterbindung.
Das Auto bleibt für deutsche Unternehmen wichtig, doch seine Rolle verschiebt sich vom selbstverständlichen Statusobjekt zum bewusst kalkulierten Kostenfaktor. Genau diese Verschiebung sollten Entscheider jetzt einpreisen, statt sie auszusitzen.
Glossar: Wichtige Begriffe zum Autoland Deutschland

Bestand
Bestand bezeichnet die Gesamtzahl aller zu einem Stichtag zugelassenen Fahrzeuge. Das Kraftfahrt-Bundesamt erhebt ihn jährlich zum 1. Januar. Er ist von den Neuzulassungen zu unterscheiden, die nur den jährlichen Zugang messen.
Neuzulassung
Neuzulassung meint die erstmalige Anmeldung eines fabrikneuen Fahrzeugs. Die monatlichen Zahlen gelten als wichtiger Frühindikator für die Konjunktur der Automobilbranche und unterscheiden sich strukturell stark vom Bestand.
Halterstruktur
Die Halterstruktur beschreibt die Aufteilung der zugelassenen Fahrzeuge auf private und gewerbliche Halter. Sie verläuft bei Bestand und Neuzulassung gegensätzlich und erklärt die Dominanz der Firmen im Neuwagengeschäft.
Motorisierungsrate
Die Motorisierungsrate gibt die Zahl der Pkw je 1.000 Einwohner an. Sie erlaubt den Vergleich zwischen Ländern und Regionen unabhängig von deren Größe. Im EU-Schnitt liegt sie bei rund 574.
BEV
BEV steht für Battery Electric Vehicle, also ein rein batterieelektrisches Fahrzeug ohne Verbrennungsmotor. Davon abzugrenzen sind Hybride und Plug-in-Hybride, die zusätzlich einen Verbrenner an Bord haben.
Energiesteuer
Die Energiesteuer ist eine Bundessteuer auf Kraftstoffe wie Benzin und Diesel. Sie übertrifft das Aufkommen der Kfz-Steuer deutlich und macht den größten Teil der staatlichen Einnahmen rund ums Auto aus.
Kfz-Steuer
Die Kfz-Steuer wird auf das Halten eines Fahrzeugs erhoben und bemisst sich seit 2009 maßgeblich am CO₂-Ausstoß. Ihr Aufkommen steht vollständig dem Bund zu.
Transaktionspreis
Der Transaktionspreis ist der tatsächlich bezahlte Kaufpreis eines Fahrzeugs. Er liegt beim Gebrauchtwagen meist deutlich unter dem Inseratspreis, weil günstigere Fahrzeuge in den Online-Börsen unterrepräsentiert sind.
Wertverlust
Der Wertverlust ist die Differenz zwischen Anschaffungspreis und aktuellem Marktwert. Er gilt als größter Einzelposten der Autokosten, ein Neuwagen verliert in den ersten Jahren oft die Hälfte seines Werts.
Parkraumbewirtschaftung
Die Parkraumbewirtschaftung umfasst alle kommunalen Maßnahmen, mit denen öffentlicher Parkraum bepreist und gesteuert wird. Dazu zählen Parkgebühren, Anwohnerparkausweise und Bewohnerparkzonen.
Umweltzone
Eine Umweltzone ist ein räumlich begrenztes Gebiet, das nur Fahrzeuge mit ausreichender Schadstoffplakette befahren dürfen. Sie dient der Verbesserung der Luftqualität in belasteten Innenstädten.
Quellen

- Kraftfahrt-Bundesamt — Der Fahrzeugbestand am 1. Januar 2026 — https://www.kba.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/Fahrzeugbestand/2026/pm09_fz_bestand_pm_komplett.html — besucht am 16.06.2026
- Kraftfahrt-Bundesamt — Bestand an Pkw nach Haltern und Antriebsarten (PDF zur PM 09/2026) — https://www.kba.de/SharedDocs/Downloads/DE/Pressemitteilungen/2026/pm_09_2026_bestand_01_26.pdf — besucht am 16.06.2026
- Kraftfahrt-Bundesamt — Zwei-Millionen-Marke bei reinen Elektro-Pkw überschritten — https://www.kba.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/Allgemein/2026/pm08_2026_elektro_pkw.html — besucht am 16.06.2026
- Kraftfahrt-Bundesamt — Fahrzeugzulassungen im April 2026 — https://www.kba.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/Fahrzeugzulassungen/2026/pm18_2026_n_04_26_pm_komplett.html — besucht am 16.06.2026
- ADAC — Pkw-Neuzulassungen Mai 2026 — https://www.adac.de/news/neuzulassungen-kba/ — besucht am 16.06.2026
- Statistisches Bundesamt — Energiesteuer auf Benzin und Diesel 2024 — https://www.destatis.de/DE/Themen/Staat/Steuern/Verbrauchsteuern/energiesteuer.html — besucht am 16.06.2026
- Statistisches Bundesamt — Steuereinnahmen 2025 — https://www.destatis.de/DE/Themen/Staat/Steuern/Steuereinnahmen/steuereinnahmen.html — besucht am 16.06.2026
- Statistisches Bundesamt — Bevölkerung Deutschlands Ende 2025 — https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/01/PD26_032_124.html — besucht am 16.06.2026
- Auto-Medienportal — DAT-Report 2026: Neuwagen- und Gebrauchtwagenpreise 2025 — https://www.auto-medienportal.net/artikel/detail/69318 — besucht am 16.06.2026
- ACEA — Motorisation rates in the EU by country — https://www.acea.auto/figure/motorisation-rates-in-the-eu-by-country-and-vehicle-type/ — besucht am 16.06.2026
- Eurostat — Passenger cars per inhabitant 2023 — https://ec.europa.eu/eurostat/web/products-eurostat-news/w/ddn-20250521-1 — besucht am 16.06.2026