Vier-Stunden-Batteriespeicher liefern Spitzenstrom günstiger als neue Gasturbinen: In allen 43 Märkten, die Wood Mackenzie durchgerechnet hat, liegt der Akku vorn. Deutschland schreibt bis Jahresende trotzdem 9 Gigawatt für Kraftwerke aus, die zehn Stunden am Stück einspeisen können. Ein Vier-Stunden-Speicher fällt durch dieses Raster.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenBatteriespeicher sind für Wood Mackenzie inzwischen die günstigste Antwort auf die abendliche Lastspitze. Das Analyseunternehmen aus Edinburgh verglich in seinem Kostenbericht vom 8. Oktober 2026 die Stromgestehungskosten von Akkus mit vier Stunden Speicherdauer und offenen Gasturbinen.[1] „Dieser wirtschaftliche Wandel ist eindeutig und verstärkt sich“, sagt Principal Analyst Ahmed Jameel Abdullah.
Das Wichtigste in Kürze
- Wood Mackenzie sieht Vier-Stunden-Batteriespeicher in allen 43 untersuchten Märkten vor offenen Gasturbinen.
- In Europa stiegen die Investitionskosten für Batteriespeicher 2026 erstmals seit drei Jahren, um rund 2 Prozent.
- Das StromVKG verlangt in den ersten Ausschreibungen zehn Stunden Einspeisung am Stück, ohne diese Hürde bieten Speicher erst ab Mai 2027 mit.
Warum verliert die Gasturbine ausgerechnet bei der Spitzenlast?

Offene Gasturbinen springen an, sobald der Bedarf im Stromnetz für einige Stunden seine Spitze erreicht, meist am Abend. Die Baukosten verteilen sich deshalb auf wenige Betriebsstunden im Jahr, dazu kommen Brennstoff und CO₂-Zertifikate. Ein Vier-Stunden-Speicher deckt dieses Zeitfenster ab und speichert mittags billigen Solarstrom.
„Engpässe bei Gasturbinen und schwankende Brennstoffpreise treiben die Kosten für Spitzenlast nach oben, während die wachsende Batterieproduktion die Speicherkosten weiter drückt“, sagt Abdullah. In Nahost und Afrika kostet die Megawattstunde aus dem Vier-Stunden-Speicher laut Wood Mackenzie 2026 umgerechnet rund 104 Euro, für 2035 erwartet das Unternehmen etwa 70 Euro.[1]
Wird der Akku in Europa noch billiger?
Kurzfristig wird der Akku teurer: In Europa stiegen die schlüsselfertigen Investitionskosten für Batteriespeicher 2026 um rund 2 Prozent. Die Zellpreise lagen wegen starker Nachfrage und teurerem Lithium etwa 10 Prozent über dem Tiefstand von 2025. Bis 2031 erwarten die Analysten 12 Prozent niedrigere Kosten als 2026, danach flacht der Rückgang ab, weil sich der Lithiumpreis 2029 ungefähr verdoppeln soll.[1]
Europa hat laut den Analysten die höchsten fossilen Erzeugungskosten aller untersuchten Regionen, ab 2030 sollen die CO₂-Kosten sogar die Brennstoffkosten übersteigen.[1] Hierzulande brachten Großbatteriespeicher im Frühjahr 2026 erstmals mehr Kapazität ans Netz als alle Heimspeicher zusammen.
Wann dürfen Speicher in Deutschland mitbieten?
Warum fällt der Vier-Stunden-Speicher durch die deutsche Ausschreibung?
Das StromVKG lässt in den Ausschreibungen für Langzeitkapazitäten nur Anlagen zu, die mindestens zehn Stunden am Stück 80 Prozent ihrer installierten Leistung einspeisen können.[2] Stromspeicher zählen nach dem Gesetz zwar als Erzeugungsanlagen,[3] ein Vier-Stunden-Akku schafft diese zehn Stunden aber nicht. Gesucht sind laut Bundesnetzagentur Anlagen, die über längere Zeit gesichert Strom liefern.[4] Gemeint sind lange Flauten ohne Wind und Sonne, nicht die Abendspitze aus dem Kostenvergleich.
Je Runde vergibt die Behörde bis zu 4.500 Megawatt, die Gebotstermine liegen am 8. September und am 29. Dezember 2026.[5] Die Zuschläge der ersten Runde folgen bis zum 3. November,[4] davon hängt auch das Gaskraftwerk RDK9 der EnBW in Karlsruhe ab. Ohne Zehn-Stunden-Hürde bieten Speicher erst in der Ausschreibung für Erzeugungskapazitäten am 18. Mai 2027 mit, ausgeschrieben sind dort 2 Gigawatt.[6]
Für die Abendspitze ist der Akku längst die billigere Wahl. Die windstille Winterwoche bezahlt Deutschland weiterhin mit Gas.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Für Betriebe und Projektierer folgen daraus zwei Prüfpunkte:
- Lastspitzen kappen: Prüfen Sie gerne, ob ein eigener Speicher Ihre höchste Viertelstunde im Jahr senkt, nach ihr richtet sich der Leistungspreis im Netzentgelt.
- Wiederladezeit einplanen: Energiebegrenzte Anlagen müssen die Zehn-Stunden-Fähigkeit laut StromVKG spätestens nach drei Stunden wieder erreichen.[2]
Evonik warnt vor einer Lücke zwischen dem Kohleausstieg 2030 und den ersten neuen Gaskraftwerken ab 2031. Bis dahin hängt die Versorgung im Winter weiter am Erdgas.
Quellen
[1] Wood Mackenzie: Four-hour battery storage now beats gas peaking on cost globally (8. Oktober 2026)
[2] Bundesministerium der Justiz: § 12 StromVKG, Ausschreibungen für Langzeitkapazitäten und Erzeugungskapazitäten
[3] Bundesministerium der Justiz: § 2 StromVKG, Begriffsbestimmungen
[4] Bundesnetzagentur: Pressemitteilung zur ersten Ausschreibung nach dem StromVKG (21. Juli 2026)
[5] Bundesministerium der Justiz: § 4 StromVKG, Gebotstermine und Ausschreibungsvolumen für Langzeitkapazitäten
[6] Bundesministerium der Justiz: § 5 StromVKG, Gebotstermin und Ausschreibungsvolumen für Erzeugungskapazitäten
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