Deutschland bekommt seinen bislang größten Batteriespeicher. In Förderstedt in Sachsen-Anhalt entsteht eine Anlage mit 300 Megawatt Leistung, abgesichert über einen langfristigen Vermarktungsvertrag.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDer Batteriegroßspeicher in Förderstedt zeigt, wie privat finanzierte Speicher heute wirtschaftlich tragfähig werden. Next Kraftwerke und der Entwickler Eco Stor haben dafür ein fünfjähriges Tolling-Agreement geschlossen. Der erste 100-Megawatt-Block geht ab November 2026 ans Netz.
Das Wichtigste in Kürze
- Next Kraftwerke und Eco Stor sicherten den 300-Megawatt-Speicher Förderstedt mit einem fünfjährigen Tolling-Vertrag ab.
- Drei Blöcke zu je 100 Megawatt gehen gestaffelt in Betrieb, der erste ab November 2026.
- Nach vollständiger Inbetriebnahme 2027 erreicht die Anlage mehr als 700 Megawattstunden Kapazität.
Was steckt hinter dem Tolling-Vertrag?

Ein Tolling-Agreement verteilt das Risiko zwischen Speicherbesitzer und Vermarkter neu. Next Kraftwerke zahlt Eco Stor eine feste Vergütung für 80 Prozent der Speicherleistung und darf die Anlage dafür eigenverantwortlich an den Märkten einsetzen. Die restlichen 20 Prozent laufen über eine marktpreisorientierte Vergütung.
Vermarktet wird der Speicher am Day-Ahead-, Intraday- und Regelenergiemarkt. Diese Cross-Market-Optimierung holt aus jeder Kilowattstunde den höchsten Erlös heraus. Finanziert ist das Projekt vollständig privat, ohne öffentliche Förderung, getragen unter anderem von den Investoren NIC und X-Elio.
Warum braucht der Solarstrom diese Speicher?

Solar- und Windstrom fallen dann an, wenn Sonne und Wind es vorgeben, nicht wenn der Verbrauch es braucht. Großspeicher puffern diese Schwankungen und verschieben den Strom in die Stunden mit Bedarf. Bedingung statt Beiwerk lautet die neue Rolle der Batterie im System.
Der Markt wächst entsprechend schnell. Die Kapazität stationärer Batteriespeicher in Deutschland hat sich binnen fünf Jahren mehr als verfünffacht. Wie viel Solarstrom inzwischen ins Netz fließt, zeigt die Auswertung zur Photovoltaik im ersten Quartal 2026.
Der Speicher ist die fehlende Hälfte der Energiewende. Ohne ihn produziert Deutschland Solarstrom für den Mittag und sitzt am Abend im Dunkeln.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Eco-Stor-Geschäftsführer Georg Gallmetzer ordnet das Projekt als Signal ein: „Wir wollen die Kooperation auch als Zeichen verstanden wissen, dass der Markt längst weiter ist, als es Politik und Regulierung sind.“ Für Betriebe mit eigener Erzeugung lohnt der genaue Blick auf Vermarktungsmodelle.