Aurubis hat im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 ein operatives Vorsteuerergebnis von 149 Millionen Euro erzielt und hebt die Jahresprognose ans obere Ende der Spanne. Trotzdem gab die Aktie am Berichtstag deutlich nach. Der Grund steckt nicht in den Zahlen, sondern im Zeitplan für das US-Recyclingwerk Richmond.

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374 Millionen Euro operatives Ergebnis nach neun Monaten, ein Plus von 31 Prozent: Europas größter Kupferproduzent verdient prächtig am hohen Metallpreis. Für Entscheider, die auf Kupfer angewiesen sind, steckt in der Meldung aber eine unbequeme Botschaft über die Kosten der Elektrifizierung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das operative Ergebnis vor Steuern stieg nach neun Monaten um 31 Prozent auf 374 Millionen Euro, im dritten Quartal allein auf 149 Millionen Euro.
  • Aurubis erwartet fürs Gesamtjahr nun das obere Ende der Prognosespanne von 425 bis 525 Millionen Euro operativem Ergebnis.
  • Treiber sind hohe Metall- und Edelmetallpreise, kräftige Schwefelsäureerlöse und ein besseres Recyclinggeschäft, weniger das Mengenwachstum.
  • Das US-Recyclingwerk Richmond läuft erst 2026/27 und 2027/28 voll an, weshalb die Aktie trotz Rekordgewinn nachgab.

Warum hebt Aurubis die Prognose an?

Skulptur: Kupferbarren mit Maulwurf, Notiz
Aurubis profitiert von hohen Kupfer- und Edelmetallpreisen sowie gestiegenen Schwefelsäureerlösen. Das operative Vorsteuerergebnis stieg im Q3 auf 149 Millionen Euro, nach neun Monaten um 31 Prozent auf 374 Millionen Euro

Aurubis verdient vor allem am hohen Kupfer- und Edelmetallpreis, an gestiegenen Schwefelsäureerlösen und am Recyclinggeschäft, nicht an mehr verkaufter Menge. Das operative Vorsteuerergebnis kletterte im dritten Quartal auf 149 Millionen Euro, nach 57 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Nach neun Monaten steht ein Plus von 31 Prozent auf 374 Millionen Euro.

„Unser Fokus auf das Multimetall-Geschäft zahlt sich aus. Wir liefern Verlässlichkeit, selbst in einem sehr anspruchsvollen Marktumfeld“, sagt Vorstandschef Toralf Haag.[1] Für das Geschäftsjahr 2025/26 rechnet der Konzern jetzt mit dem oberen Ende der Spanne von 425 bis 525 Millionen Euro.

Die Anhebung ruht damit auf zyklischen Stützen. Steigt der Kupferpreis, wächst die Spanne zwischen Einkauf und Verkauf des Metalls, und die Schwefelsäure aus der Kupferhütte bringt gerade zusätzliche Erlöse. Beides kann drehen, sobald die Rohstoffmärkte kippen.

Warum fällt die Aktie trotz Rekordgewinn?

Die Börse schaut über den Rückenwind vom Metallpreis hinweg auf das strukturelle Wachstum aus dem US-Werk Richmond, das langsamer anläuft als erhofft. Die neue Recyclinganlage in Richmond, Georgia, soll Aurubis unabhängiger vom schwankenden Metallpreis machen. Ihre erste Ausbaustufe läuft aber erst im Geschäftsjahr 2026/27 voll an, die zweite 2027/28.[1]

Bis das Werk Gewinn abwirft, bleibt der Konzern am Auf und Ab der Rohstoffmärkte hängen. Schon die Hamburger Recyclinganlage, die Aurubis im Juli in Betrieb genommen hat, zeigt den langen Weg vom Bau bis zum ersten Ertrag. Auch bei Salzgitter hob zuletzt ein Industriekonzern die Prognose an, ohne dass die Anleger dem teuren Umbau blind vertrauten.

Aurubis: Rekordgewinn trifft Zeitplan-Risiko
Neun Monate im Geschäftsjahr 2025/26, Europas größter Kupferproduzent
374 Mio. €
operatives Ergebnis vor Steuern nach neun Monaten, plus 31 Prozent zum Vorjahr
149 Mio. €
operatives Ergebnis allein im dritten Quartal, nach 57 Mio. € ein Jahr zuvor
425–525 Mio. €
Prognosespanne fürs Gesamtjahr, jetzt am oberen Ende erwartet
2027/28
Geschäftsjahr, in dem das US-Werk Richmond die zweite Ausbaustufe voll erreicht
rund 4-malSo viel mehr Kupfer steckt in einem Elektroauto als in einem Verbrenner. Die Nachfrage aus E-Mobilität, Netzausbau und KI-Rechenzentren hält die Kupferproduzenten auf Jahre ausgelastet.

Aurubis führt das Dilemma der Rohstoffwende vor: Der hohe Kupferpreis füllt heute die Kasse, die Unabhängigkeit davon entsteht erst mit Recyclingwerken, die Jahre bis zum ersten Gewinn brauchen.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Was bedeutet der Kupferbedarf für die Elektrifizierung?

Kupfer ist der physische Flaschenhals der Energiewende: Elektroautos, Stromnetze, Windräder und KI-Rechenzentren brauchen davon immer mehr, und diese Nachfrage hält Produzenten wie Aurubis auf Jahre ausgelastet. Ein Elektroauto verbaut rund viermal so viel Kupfer wie ein Verbrenner, dazu kommen Ladepunkte und der Netzausbau.

Aurubis steht in dieser Nachfrage als größter europäischer Produzent und einer der weltgrößten Recycler. Sekundärkupfer aus Schrott senkt die Importabhängigkeit, ein zentrales Ziel des EU Critical Raw Materials Act, der bis 2030 einen höheren Recyclinganteil in Europa vorschreibt.[2]

Für Entscheider im DACH-Raum bleibt Kupfer ein Kosten- und Lieferrisiko. Bei elektrifizierten Flotten und neuen Rechenzentren kalkulieren Unternehmen mit einem Metall, dessen Preis zuletzt Rekordstände erreichte. Langfristige Lieferverträge, wie sie sich Siemens Energy bis 2032 gesichert hat, und ein höherer Recyclinganteil dämpfen dieses Risiko, ohne den Engpass ganz aufzulösen.

Quellen

[1] Aurubis AG: „Aurubis moves full-year guidance to upper end of forecast range after notably improved Q3“ (6. August 2026)

[2] Europäische Kommission: „Critical Raw Materials Act“

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