Hand aufs Herz: Haben Sie beim Kauf Ihres Elektroautos oder beim nächsten Investitionsgespräch schon einmal nach dem Kobaltlieferanten gefragt? Die OECD veröffentlichte Ende April 2026 ihren aktuellen Rohstoff-Bericht mit einem Befund, der europäische Industriebetriebe aufhorchen lassen sollte: Kobalt und Mangan, zentrale Batterie-Rohstoffe, sind inzwischen zu rund 70 Prozent von mindestens einer Exportbeschränkung betroffen. Seit 2009 hat sich die Zahl aller Exportbeschränkungen auf kritische Rohstoffe verfünffacht.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- 70 Prozent der globalen Kobalt- und Mangan-Exporte unterlagen 2022 bis 2024 mindestens einer Exportbeschränkung
- Graphit liegt bei 47 Prozent, Seltene Erden bei 45 Prozent – alle drei sind Kernbestandteile von Lithium-Ionen-Batterien
- Exportbeschränkungen haben sich seit 2009 verfünffacht und stehen auf Allzeithoch
- China kontrolliert rund 70 Prozent der globalen Versorgung bei Seltenen Erden und Graphit, über 90 Prozent bei Germanium und Magnesium
Was die OECD-Zahlen konkret bedeuten

Der OECD-Bericht wertet 80 Produzentenländer und 65 Rohstoffe aus. Das Ergebnis zeigt ein strukturelles Muster: Länder in Afrika und Asien, die lange kaum Exportbeschränkungen einführten, holen auf. Fünf Länder, namentlich China, Indien, Argentinien, Vietnam und Burundi, stehen für über die Hälfte aller neuen Maßnahmen seit 2009. Der Mechanismus ist dabei immer ähnlich.
Ein Produzentenland begrenzt die Ausfuhr eines Rohstoffs, um die eigene Verarbeitungsindustrie zu bevorzugen. Das treibt Preise, verengt verfügbare Mengen auf den Weltmärkten und verstärkt die ohnehin hohe Konzentration in der Lieferkette. Für Europa, das bei Kobalt, Graphit und Seltenen Erden fast vollständig auf Importe angewiesen ist, wächst damit ein Risiko, das sich nicht kurzfristig durch neue Bergbauprojekte auflösen lässt.
Besonders heikel ist die Überschneidung der betroffenen Rohstoffe mit den Technologiesektoren, die Europa als strategisch einstuft. Kobalt und Mangan stecken in Batteriezellen für Elektroautos. Graphit ist Anodenmaterial in nahezu jeder Lithium-Ionen-Zelle. Seltene Erden sind unverzichtbar für Permanentmagnete in Windkraftanlagen und Antriebsmotoren.
Europa hat beim Critical Raw Materials Act die richtigen Schlussfolgerungen gezogen, aber zu spät. Die OECD-Zahlen zeigen, dass Exportbeschränkungen seit 2009 fünfmal so hoch sind. Das lässt sich nicht durch Bergbauprojekte in Sachsen oder Recyclingquoten wegdiskutieren.“
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Wie die EU mit dem Critical Raw Materials Act gegensteuert

Die EU hat mit dem Critical Raw Materials Act reagiert. Bis 2030 sollen mindestens zehn Prozent des jährlichen EU-Bedarfs an strategischen Rohstoffen in Europa abgebaut, 40 Prozent in der EU verarbeitet und 25 Prozent durch Recycling gedeckt werden. Außerdem gilt: Kein strategischer Rohstoff soll zu mehr als 65 Prozent aus einem einzigen Drittstaat stammen. Diese Ziele sind ambitioniert.
Fachleute des Tschechischen Geologischen Dienstes bezweifeln, dass die Abbau-Ziele bis 2030 erreichbar sind, weil mehrere Schlüsselmaterialien auf europäischem Boden schlicht nicht in ausreichender Menge vorkommen. Parallel läuft der Ende 2025 beschlossene EU-Aktionsplan RESourceEU, der drei Milliarden Euro für kurzfristige Lieferkapazitäten freimacht und ein Europäisches Zentrum für kritische Rohstoffe zur Marktbeobachtung aufbaut.
Was das für den deutschen E-Auto-Markt bedeutet

Kobalt und Mangan bestimmen mit, was eine Batteriezelle kostet und wie lange sie hält. Gestiegene Rohstoffpreise fließen mittelfristig in Batteriepreise ein und treffen Unternehmen, die heute in Elektroflotten investieren. Wer die Gesamtkosten im Blick behalten will: Unsere Übersicht der Ladetarife 2026 zeigt, wie sich laufende Ladekosten bereits heute entwickeln. Parallel dazu analysiert der Artikel zur Akku-Degradation beim E-Auto, welche Zellchemien besonders langlebig sind und welche Rohstoffe dabei entscheidend sind. Rohstoffdruck und Marktwachstum laufen derzeit parallel.
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