Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat am 7. Mai 2026 erstmals einen Bericht zur IT-Sicherheit der öffentlichen Ladeinfrastruktur vorgelegt. Gemeinsam mit dem Bundesministerium für Verkehr (BMV) analysiert die Behörde die Sicherheitslage, benennt konkrete Schwachstellen und zeigt Handlungsfelder auf. Die Quintessenz: Die Cybersicherheit der öffentlichen Ladeinfrastruktur hat „erhebliches Verbesserungspotenzial“.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenWann haben Sie zuletzt darüber nachgedacht, wer eigentlich die Software in der Ladesäule absichert, an der Ihr Firmenwagen geladen wird? Genau diese Lücke schließt das BSI mit dem neuen Bericht. Für Flottenbetreiber, Hoteliers mit Ladepunkten und Mittelständler mit Wallbox auf dem Mitarbeiterparkplatz wird die Frage zur Pflichtaufgabe.
Das Wichtigste in Kürze
- BSI-Bericht erschienen am 7. Mai 2026, gemeinsam mit dem Bundesministerium für Verkehr
- Schwachstellen vor allem auf Kommunikationsprotokollebene und in der eingesetzten Software
- Folgen eines Angriffs reichen von Mobilitätseinschränkungen bis zu Stromnetz-Ausfällen
- Das BSI stuft öffentliche Ladepunkte als Teil kritischer Infrastruktur ein
Warum dieser Bericht der erste seiner Art ist

Bisher fehlte für die deutsche Ladeinfrastruktur ein konsolidierter Sicherheitsblick. Hersteller, Netzbetreiber und Ladesäulenbetreiber arbeiten mit jeweils eigenen Schutzkonzepten, gemeinsame Standards entstehen erst nach und nach. Die BSI-Veröffentlichung fasst die aktuelle Lage erstmals zusammen, beschreibt bestehende Schutzmaßnahmen und legt Schwachstellen offen.
Gemeinsames Projekt von BSI und BMV: Die beiden Behörden haben den Bericht zusammen erarbeitet, was die Bedeutung für die Bundespolitik unterstreicht. Adressaten sind Hersteller, Netzbetreiber und Ladesäulenbetreiber gleichermaßen.
Was die Analyse konkret findet
Zwei Schwachstellenfelder benennt der Bericht besonders deutlich. Kommunikationsprotokolle sind das eine: Auf der Ebene zwischen Auto, Ladesäule und Backend fehlen häufig durchgängige Sicherheitsmaßnahmen. Das zweite Feld ist die eingesetzte Software, in der bekannte Lücken nicht konsequent geschlossen werden.
Positiv hebt das BSI hervor, dass TLS-basierte Ladekommunikation und abgesicherte Backend-Verbindungen in Teilen bereits etabliert sind. Beim Zertifikatsmanagement und in der Authentifizierung sieht die Behörde dennoch klaren Nachholbedarf.
Welche Folgen ein erfolgreicher Angriff hätte

Die Bandbreite der möglichen Schäden ist groß. Mobilitätseinschränkungen sind das eher harmlose Szenario: Eine ganze Ladepark-Region wird unbenutzbar, Pendler bleiben liegen, Flotten verlieren Tagesumsatz. Gravierender wird es, wenn manipulierte Ladevorgänge Fahrzeugbatterien beschädigen oder die Lade-Hardware selbst zerstört wird.
Das Worst-Case-Szenario betrifft das Stromnetz. Weil viele Ladepunkte mit hoher Leistung gleichzeitig steuerbar sind, könnte ein koordinierter Angriff die Netzfrequenz destabilisieren. Genau deshalb stuft das BSI öffentliche Ladepunkte als Teil kritischer Infrastruktur ein.
Wenn das Stromnetz Teil der Angriffsfläche wird, kann ein Cybervorfall nicht nur einzelne Autos lahmlegen, sondern ganze Industriezonen. Der BSI-Bericht ist die Vorwarnung, jetzt zu handeln, statt nach dem ersten Vorfall zu reagieren.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was Flottenbetreiber jetzt tun sollten

Vier Schritte gehören auf die Liste. Zunächst Inventar aufnehmen: Welche Ladepunkte nutzen Ihre Mitarbeiter regelmäßig, welche Wallboxen stehen auf dem Firmengelände? Parallel dazu Hersteller-Updates konsequent einspielen, vor allem an Wallboxen mit Cloud-Anbindung. Backend-Kommunikation gehört auf den Prüfstand: Läuft sie verschlüsselt, sind die Zertifikate aktuell? Im letzten Schritt sollten Sie Vertragsklauseln mit Lade-Betreibern um konkrete Sicherheitsstandards ergänzen.
Der Bericht steht ab sofort auf der Website des BSI zum Download bereit. Hersteller und Betreiber bekommen damit eine konkrete Grundlage, ihre Sicherheitsarchitektur gegen die genannten Schwachstellen abzugleichen.
E-Mobilität ist mehr als Cybersecurity

Sicherheit ist ein Teil der Entscheidung für oder gegen E-Flotten. Vier Service-Artikel auf Dr. Web liefern die andere Hälfte der Gleichung: Welche Ladetarife im Vergleich günstig sind, ob sich die Wärmepumpe für die Reichweite im Winter lohnt, wie schnell Batterien altern und was die neue E-Auto-Prämie 2026 wirklich bringt.
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