Das Projekt von Mark Zuckerbergs Forschungsinstitut Biohub für offene Biologie-Daten wächst auf Zusagen über 1,57 Milliarden Euro, in Geld, Daten und Rechenzeit. Rund 261 Millionen Euro davon zahlen Meta, Google DeepMind und Isomorphic Labs. Im Gegenzug arbeiten die drei Unternehmen zuerst mit den Daten. Die EU stattete die Pilotphase ihres KI-Forschungsinstituts RAISE mit 107 Millionen Euro aus.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenZuckerbergs Biohub baut seine Virtual Biology Initiative aus: Am 7. Oktober verkündete das Institut in Redwood City gemeinsam mit dem US-Energieministerium und den National Institutes of Health (NIH) neue Zusagen.[1] Das Programm soll Zelldaten in bisher unerreichter Menge erzeugen, damit KI-Modelle vorhersagen können, wie Zellen auf Wirkstoffe und Veränderungen reagieren. Mark Zuckerberg steckt dabei in einer Doppelrolle: Biohub ist das philanthropische Projekt von ihm und Priscilla Chan, und Meta zählt zu den neuen Geldgebern.
Das Wichtigste in Kürze
- Biohub, das US-Energieministerium und die NIH bauen die Virtual Biology Initiative auf Zusagen über 1,57 Mrd. € aus.
- Meta, Google DeepMind und Isomorphic Labs zahlen zusammen rund 261 Mio. €, die Aufteilung hat Biohub nicht veröffentlicht.
- Kommerzielle Geldgeber dürfen während einer Sperrfrist zuerst mit den Daten arbeiten, staatlich finanzierte Daten sind ohne Frist zugänglich.
- Ein erster Datensatz soll in etwa einem Jahr vorliegen, belastbare Vorhersagemodelle in fünf Jahren.
Wer zahlt was für die virtuelle Zelle?

Das Energieministerium steuert über seine Genesis Mission in fünf Jahren mehr als 435 Mio. € für Labormessungen, Modellierung und Rechenleistung bei.[1] Die NIH bringen kein frisches Geld ein, sondern Datenbestände und Archive, in die zuvor mehr als 435 Mio. € Bundesgeld geflossen sind. Den Grundstock hatte Biohub im April selbst gelegt: 435 Mio. €, davon 348 Mio. € für neue Messtechnik wie die Kryo-Elektronentomografie und 87 Mio. € für Forschung außerhalb des Instituts.
Neu im Kreis der Geldgeber sind drei Tech-Unternehmen: Google DeepMind, die Alphabet-Tochter Isomorphic Labs und Meta investieren zusammen rund 261 Mio. €. Hinzu kommen Einrichtungen wie das Broad Institute und der Human Cell Atlas, Nvidia liefert Rechentechnik und Software. Biohub-Forschungschef Alex Rives beziffert die Lücke: Heutige Zelldatensätze umfassen Hunderte Millionen Zellen, ein genaues Vorhersagemodell braucht nach seiner Rechnung Milliarden und irgendwann Billionen.[2]
Warum zahlt Meta in ein Projekt von Zuckerbergs Institut?
Den Anreiz setzt eine Sperrfrist. „Mit kommerziellen Geldgebern haben wir Sperrfristen: einen Zeitraum, in dem die Gruppen mit den Daten arbeiten können, danach werden die Daten zur öffentlichen wissenschaftlichen Ressource“, sagte Rives der Nachrichtenagentur Reuters.[2] Für die staatlich finanzierte Arbeit gilt keine solche Frist. Wie lange der Vorsprung der Geldgeber dauert, hat Biohub nicht veröffentlicht.
Zuckerbergs gemeinnütziges Institut und sein Konzern rücken so enger zusammen. Seit November 2025 bündeln Zuckerberg und Chan ihre Philanthropie in Biohub, damals übernahm die Chan Zuckerberg Initiative das KI-Start-up EvolutionaryScale. Dessen Mitgründer Rives leitete bis 2023 das Protein-KI-Team von Meta, das der Konzern in seinem Sparjahr auflöste, und führt heute die Forschung von Biohub. Jetzt zahlt Meta in das Vorhaben ein und sichert sich frühen Zugriff auf Daten, um die auch Anthropic und OpenAI werben. Chan betont den offenen Charakter: „Wir haben das immer als Gemeingut betrachtet, nicht nur für eine Gruppe.“[2]
Biohub folgt einem Muster der KI-Branche. Anthropic baut ein eigenes Biolabor für die Wirkstoffsuche, die OpenAI Foundation fördert biologische und medizinische Datensätze mit mehr als 109 Mio. €.[2] Google DeepMind hatte im Juli das AlphaFold-Team auf die Gemini-Entwicklung verteilt und kauft sich nun in fremde Messdaten ein.
- Nov. 2025
Zuckerberg und Chan bündeln ihre Philanthropie in Biohub und übernehmen EvolutionaryScale.
- April 2026
Biohub startet die Virtual Biology Initiative mit 435 Mio. €.
- 7. Okt. 2026
US-Regierung und drei Tech-Unternehmen steigen ein, die Zusagen wachsen auf 1,57 Mrd. €.
- etwa 2027
Der erste Datensatz soll vorliegen.
- bis 2031
Ziel sind belastbare Vorhersagemodelle für das Verhalten von Zellen.
Zum Vergleich: Die EU-Kommission stattete die Pilotphase ihres KI-Forschungsinstituts RAISE mit 107 Mio. € aus.
Biohub nennt die Zelldaten ein Gemeingut, Meta und Google nutzen sie trotzdem zuerst.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet Zuckerbergs Datenprojekt für Europa?
Die EU-Kommission startete im November 2025 das virtuelle Institut RAISE und finanziert die Pilotphase mit 107 Mio. € aus Horizon Europe,[3] weitere 600 Mio. € sind für Rechenzeit in KI-Gigafabriken vorgesehen. Die Zusagen rund um Biohub erreichen fast das Fünfzehnfache dieses Pilotbudgets. Schon im Juni hatten die USA Japan als ersten Partner ihrer Genesis Mission gewonnen.
Unter den beteiligten Einrichtungen sind mit dem britischen Wellcome Sanger Institute und dem schwedischen Human Protein Atlas zwei europäische, ein deutsches Institut führt Biohub nicht auf.[1] Auch politisch orientiert sich Zuckerberg an Washington: Ende September unterschrieb der Meta-Chef Trumps KI-Abkommen, den KI-Verhaltenskodex der EU-Kommission hat Meta bislang nicht unterzeichnet.
Für Pharma- und Biotech-Unternehmen im DACH-Raum stellt sich eine Kostenfrage. Bayer, Boehringer Ingelheim und Evotec setzen bereits auf KI in der Wirkstoffsuche. Nach Ablauf der Sperrfrist können diese Unternehmen die Zelldaten frei nutzen, den Vorsprung bekommen nur die Geldgeber. Biohub will als Nächstes Pharmakonzerne und Stiftungen ansprechen.[2] Forschungsleiter sollten deshalb früh klären, ob ihnen ein Einstieg den Vorsprung wert ist oder ob die öffentlichen Datensätze für die eigenen Modelle genügen.
Wie groß die Vermögen hinter solchen Stiftungen sind, zeigt der Beitrag über die 15 reichsten Tech-Milliardäre. Weitere Meldungen über die prägenden Köpfe der Branche sammelt das Archiv der Tech-Titanen.
FAQ: Zuckerbergs Biohub und die offenen Zelldaten
Was ist die Virtual Biology Initiative von Biohub?
Die Virtual Biology Initiative ist ein Programm von Biohub, dem gemeinnützigen Forschungsinstitut von Mark Zuckerberg und Priscilla Chan. Das Programm erzeugt offene Zelldaten, mit denen KI-Modelle vorhersagen sollen, wie Zellen auf Wirkstoffe und Veränderungen reagieren. Gestartet ist das Vorhaben im April 2026.
Wie viel Geld fließt in das Biohub-Projekt?
Seit dem 7. Oktober 2026 summieren sich die Zusagen auf 1,8 Milliarden Dollar, rund 1,57 Milliarden Euro, in Geld, Daten und Rechenzeit. Biohub und das US-Energieministerium stellen je rund 435 Millionen Euro, Meta, Google DeepMind und Isomorphic Labs zusammen etwa 261 Millionen Euro.
Warum beteiligt sich Meta an Biohub?
Meta zählt mit Google DeepMind und Isomorphic Labs zu den kommerziellen Geldgebern. Diese Unternehmen arbeiten während einer Sperrfrist zuerst mit den Daten, danach werden die Daten öffentlich. Mark Zuckerberg führt Meta und hat Biohub 2016 mit Priscilla Chan gegründet.
Sind die Biohub-Daten frei verfügbar?
Die Daten werden öffentlich, allerdings nicht alle sofort. Was staatliche Stellen finanzieren, ist ohne Sperrfrist zugänglich. Daten, die kommerzielle Geldgeber bezahlen, stehen erst nach einer Sperrfrist allen offen. Wie lange diese Frist läuft, hat Biohub nicht veröffentlicht.
Was plant Europa bei KI für die Forschung?
Die EU-Kommission startete im November 2025 das virtuelle Institut RAISE und finanziert die Pilotphase mit 107 Millionen Euro aus Horizon Europe. Für Rechenzeit in KI-Gigafabriken sind weitere 600 Millionen Euro vorgesehen. An der Biohub-Initiative ist bisher kein deutsches Institut beteiligt.
Quellen
[1] Biohub: „International, cross-sector collaboration commits nearly $2 billion to build foundational data for AI models to predict and treat disease“, Pressemitteilung, 7. Oktober 2026
[2] Reuters: „US government, Google join Zuckerberg-backed Biohub in $1.8 billion push for AI biology data“, Interviews mit Priscilla Chan und Alex Rives, 7. Oktober 2026
[3] Europäische Kommission: „Commission launches ‘Resource for AI Science in Europe’“, Pressemitteilung IP/25/2578, 3. November 2025
Mehr Newshunger?
- Anthropic baut ein eigenes Biolabor für die KI-Wirkstoffsuche
- Vom Kurzvideo zur Wirkstoffsuche: ByteDance verselbstständigt die KI-Pharmasparte Anew Labs
- Boehringer lizenziert Owkins KI-Forscher K Pro für die Wirkstoffsuche
- Meta verbucht KI-Rechenzentren als Forschung: Die Steuergutschrift stieg auf 3,4 Milliarden Euro
- Zuckerberg muss im nächsten Social-Media-Suchtprozess erneut aussagen
- Claude Science als Beta verfügbar: Anthropics KI-Umgebung für Forscher
