Im Fox-News-Interview bezifferte Jeff Bezos sein eigenes Engagement selbst: 28 Milliarden Dollar, rund 24,4 Mrd. €, hat der Amazon-Gründer seit dem Jahr 2000 in Blue Origin gesteckt. An die Börse soll das Raumfahrtunternehmen frühestens in einigen Jahren gehen. Den ersten Prüfstein für künftige Anleger liefert der Neustart der New-Glenn-Rakete, den Blue Origin nach der Explosion vom Mai für Dezember plant.

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„Ich denke, Blue Origin wird irgendwann an die Börse gehen“, sagte Jeff Bezos am 7. Oktober im Gespräch mit Bret Baier, Moderator der Fox-News-Sendung Special Report, aufgezeichnet in der Raketenfabrik in Cape Canaveral.[1] Einen Termin nannte der Gründer nicht, der Börsengang liege „einige Jahre“ entfernt. Mit dem Satz rückt das Ende der Zeit näher, in der Bezos allein über Geld und Zeitplan bei Blue Origin entschied.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bezos hält einen Börsengang von Blue Origin für sinnvoll, nennt aber keinen Termin; ein Antrag bei der US-Börsenaufsicht ist nicht bekannt.
  • Sein eigenes Investment seit 2000 beziffert der Amazon-Gründer auf 28 Mrd. Dollar, rund 24,4 Mrd. €.
  • In der ersten Runde mit fremden Geldgebern sammelte Blue Origin 2026 rund 8,7 Mrd. € ein, bei einer Bewertung von 113 bis 122 Mrd. €.
  • Im Dezember soll New Glenn wieder fliegen, Amazon braucht die Rakete für den Ausbau seines Satellitennetzes Leo.

Was hat Bezos über den Börsengang gesagt?

Raketenmodell mit Notiz „Anteile bald zu haben“, Münzstapel und Kassa-Schild auf weißem Grund
Bezos hält Börsengang von Blue Origin für sinnvoll, hat aber keinen konkreten Plan eingereicht. Zeitpunkt und Banken sind noch offen

Den Börsengang hält Bezos für folgerichtig: „Wahrscheinlich ist es sinnvoll, dass Blue Origin irgendwann ein börsennotiertes Unternehmen wird.“ Einen Antrag bei der Börsenaufsicht SEC hat Blue Origin nicht öffentlich gemacht, Banken und Börsenplatz sind offen. Der Börsengang bleibt damit eine Absicht ohne Zeitplan. Fremdes Geld hatte Bezos lange abgelehnt: „Ich wollte eigentlich keine externen Investoren aufnehmen, bis ich sicher war, dass es für sie eine gute Investition wäre.“[1]

Die 28 Mrd. Dollar, die Bezos nach eigener Aussage persönlich investiert hat,[1] liegen unter der bisher bekannten Summe. Das Wall Street Journal hatte im September aus internen Unterlagen rund 30 Mrd. Dollar errechnet, die Beteiligung an der aktuellen Finanzierungsrunde eingeschlossen. Die Differenz entspricht etwa dem Anteil von 2 Mrd. Dollar, den Bezos in dieser Runde beisteuert. Die Unterlagen samt Umsatzplan hat Dr. Web Ende September ausgewertet.

Warum öffnet Bezos Blue Origin für Aktionäre?

Seit der ersten Außenfinanzierung hat Bezos Miteigentümer. Im Juli sammelte Blue Origin rund 8,7 Mrd. € ein, davon laut Fortune 3,5 Mrd. € vom Investor Coatue und 1,7 Mrd. € von Bezos selbst. Geldgeber, die zu einer Bewertung von 113 bis 122 Mrd. € eingestiegen sind, wollen ihre Anteile später verkaufen können. Für diesen Ausstieg ist ein Börsengang der übliche Weg, Bezos‘ Satz stellt ihn den neuen Investoren in Aussicht.

Das Tempo gibt der Rivale vor. SpaceX ging am 12. Juni an die Nasdaq und sammelte rund 65 Mrd. € ein, so viel wie kein Börsengang zuvor. Elon Musk brachte dabei nur rund 5 % der Aktien in den Streubesitz und behielt die Kontrolle. Bis zum Börsengang vergingen bei SpaceX 24 Jahre seit der Gründung. Blue Origin ist gut eineinhalb Jahre älter als SpaceX. Wie Bezos seine Kontrolle nach einem Börsengang sichern will, ließ der Gründer offen.

Der Kapitalbedarf wächst mit den Aufträgen. Blue Origin baut eine Mondlandefähre für das Artemis-Programm der NASA, eine bemannte Landung hält Bezos schon 2028 für möglich. Amazon hat 24 New-Glenn-Starts für sein Satellitennetz Leo gebucht, und Rechenzentren im All nannte Bezos im Interview ein sinnvolles Ziel. Laut Wall Street Journal soll der Umsatz von Blue Origin von 1,2 Mrd. € in diesem Jahr auf über 26 Mrd. € im Jahr 2030 steigen. Als börsennotiertes Unternehmen müsste Blue Origin diesen Plan Quartal für Quartal belegen.

Blue Origin auf dem Weg an die Börse
Was Bezos investiert hat, was die neuen Geldgeber zahlen und welche Termine anstehen, Stand 8. Oktober 2026
Geld von Bezos
24,4 Mrd. €
So viel hat der Gründer nach eigener Aussage seit dem Jahr 2000 in Blue Origin investiert.
Erste Außenrunde
8,7 Mrd. €
Erstmals zahlen fremde Geldgeber ein, allen voran Coatue mit 3,5 Mrd. €. Bezos legt selbst 1,7 Mrd. € dazu.
Bewertung
113–122 Mrd. €
Der Wert liegt beim rund Hundertfachen des für 2026 geplanten Umsatzes von 1,2 Mrd. €.
Börsengang
in einigen Jahren
Bezos hält den Schritt für sinnvoll, ein Antrag bei der SEC ist nicht bekannt.
Vom Privatprojekt zum Börsenkandidaten
  1. Sept. 2000

    Bezos gründet Blue Origin, rund eineinhalb Jahre vor SpaceX.

  2. Jan. 2026

    Blue Origin stoppt die Touristenflüge mit New Shepard für mindestens zwei Jahre.

  3. 28. Mai 2026

    New Glenn explodiert beim Triebwerkstest auf der einzigen Startrampe.

  4. 12. Juni 2026

    SpaceX geht an die Nasdaq und sammelt rund 65 Mrd. € ein.

  5. Juli 2026

    Erste Finanzierungsrunde mit fremden Geldgebern über rund 8,7 Mrd. €.

  6. 7. Okt. 2026

    Bezos bei Fox News: Ein Börsengang ist sinnvoll, aber erst in einigen Jahren.

  7. Dez. 2026

    Geplanter Neustart von New Glenn, wichtig für Amazons Satellitennetz Leo.

Bezos hat 26 Jahre lang allein entschieden, wann eine Rakete fertig ist. Mit Aktionären muss er jede Verschiebung im nächsten Quartalsbericht erklären.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Was bedeutet ein Börsengang von Blue Origin für Europa?

Für die europäische Raumfahrt zeigt die Runde vor allem ein Kapitalgefälle. Isar Aerospace aus Ottobrunn bei München gilt mit über 400 Mio. € als Europas am höchsten finanzierter Raketenbauer und erreichte im September beim zweiten Flug den Orbit. Blue Origin holte in einer einzigen Runde rund das Zwanzigfache. Europäische Geldgeber setzen bereits auf beide Seiten des Atlantiks: Die Porsche SE ist an Isar Aerospace beteiligt und stieg im September beim US-Start-up Stoke Space ein.

Unternehmen, die Standorte per Satellit anbinden wollen, sollten zuerst auf den Dezember schauen. Amazon Leo braucht New Glenn für den Ausbau, und die Explosion auf der einzigen Startrampe hat den ersten Leo-Start der Rakete um Monate verzögert. Gelingt der Neustart, gewinnt die Alternative zu Starlink an Tempo. Verträge für Satelliten-Internet sollten deshalb einen Anbieterwechsel offenhalten.

Ein Börsengang brächte zudem Transparenz. Börsennotierte US-Unternehmen müssen der SEC Quartalsberichte vorlegen,[2] bisher kennt die Öffentlichkeit Blue Origins Zahlen nur aus Medienberichten über interne Unterlagen. Beim Börsengang von SpaceX konnten Privatanleger im DACH-Raum über einen von der Bafin gebilligten Prospekt zeichnen. Ob Blue Origin denselben Weg geht, steht noch nicht fest.

Wie viel Vermögen hinter solchen Projekten steckt, zeigt der Beitrag zu den 15 reichsten Tech-Milliardären. Weitere Meldungen über die prägenden Köpfe der Branche sammelt das Archiv der Tech-Titanen.

FAQ: Bezos stellt einen Börsengang von Blue Origin in Aussicht

Geht Blue Origin an die Börse?

Jeff Bezos rechnet damit, dass Blue Origin irgendwann an die Börse geht, wie der Gründer am 7. Oktober 2026 bei Fox News sagte. Einen Termin nannte Bezos nicht, der Schritt liege einige Jahre entfernt. Einen Antrag bei der US-Börsenaufsicht SEC hat Blue Origin nicht öffentlich gemacht.

Wie viel Geld hat Jeff Bezos in Blue Origin investiert?

Nach eigener Aussage hat Bezos seit der Gründung im Jahr 2000 rund 28 Milliarden Dollar in Blue Origin gesteckt, umgerechnet etwa 24,4 Milliarden Euro. Das Geld stammt aus dem Verkauf von Amazon-Aktien. Das Wall Street Journal nannte im September rund 30 Milliarden Dollar, inklusive seines Beitrags zur aktuellen Runde.

Wer hat außer Bezos in Blue Origin investiert?

Im Juli 2026 nahm Blue Origin erstmals Geld von externen Investoren auf, insgesamt rund 8,7 Milliarden Euro. Laut Fortune stammen davon etwa 3,5 Milliarden Euro vom Investor Coatue. Bezos selbst beteiligte sich mit rund 1,7 Milliarden Euro an der Runde.

Wie viel ist Blue Origin wert?

In der ersten Finanzierungsrunde mit fremden Geldgebern wurde Blue Origin mit 130 bis 140 Milliarden Dollar bewertet, umgerechnet 113 bis 122 Milliarden Euro. Für 2026 plant das Unternehmen laut Wall Street Journal einen Umsatz von rund 1,2 Milliarden Euro.

Kann man Aktien von Blue Origin kaufen?

Nein, Blue Origin ist ein privates Unternehmen und nicht an der Börse notiert. Aktien sind frühestens nach einem Börsengang erhältlich, den Bezos erst in einigen Jahren erwartet. Konkurrent SpaceX ist seit dem 12. Juni 2026 an der Nasdaq gelistet.

Quellen

[1] Fox News (Stepheny Price): „Jeff Bezos reveals his vision for America’s next frontier, from AI to the moon“, Interview mit Bret Baier in Special Report, 7. Oktober 2026

[2] U.S. Securities and Exchange Commission, Investor.gov: „Form 10-Q“, abgerufen am 8. Oktober 2026

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