Einen Tag vor dem geplanten Start mit Amazon-Leo-Satelliten an Bord zündete Blue Origins New Glenn am 28. Mai 2026 auf dem Startplatz LC-36 in Cape Canaveral die sieben BE-4-Triebwerke zum abschließenden Static-Fire-Test. Die Triebwerke zündeten, doch statt eines kontrollierten Abbrenntests stieg ein massiver Feuerball auf, der sämtliche Gebäude im Umkreis erschütterte. Berichte über Verletzte gab es keine.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie strukturellen Schäden sind erheblich: Nach Angaben von Spaceflight Now wurden der Transporter-Erektor und mindestens ein Blitzschutzturm schwer beschädigt oder zerstört. LC-36 ist Blue Origins einzige Abschussrampe für New Glenn. Eine Instandsetzung dürfte Monate in Anspruch nehmen, ein neuer Startversuch vor 2027 gilt bereits als ambitioniertes Ziel.
New Glenn NG-4 sollte der erste von 24 vertraglich gebuchten Starts für Amazons Satelliten-Internetnetz Leo werden. Das Netz soll Starlink von SpaceX direkt herausfordern. Zum Zeitpunkt der Explosion befanden sich keine Satelliten an Bord der Rakete, da der Payload noch nicht zum Startplatz gebracht worden war. Für Blue Origin und Amazon bedeutet die erzwungene Pause trotzdem einen erheblichen Zeitverlust beim Aufbau der Konstellation.
Laut Spaceflight Now könnte sich der Schaden am Startplatz auch auf United Launch Alliance auswirken: Deren Vulcan-Rakete nutzt ebenfalls BE-4-Triebwerke aus dem Blue-Origin-Portfolio. Sollte die Ursache im Triebwerkssystem selbst liegen, könnte die Untersuchung auch Vulcan-Starts verzögern. Blue Origin hat die Ursache noch nicht identifiziert. Jeff Bezos schrieb auf X, das Unternehmen werde alles Nötige wieder aufbauen und zurück in den Betrieb kommen. Das Geschäftsmodell und die strategische Position von SpaceX als dominierendem Startanbieter erklärt Dr. Web im Fachartikel SpaceX-Geschäftsmodell: Falcon 9, Starlink und mehr.
Das Wichtigste in Kürze

- Blue Origins New Glenn explodierte am 28. Mai 2026 beim Static-Fire-Test auf LC-36 in Cape Canaveral.
- Transporter-Erektor und mindestens ein Blitzschutzturm wurden schwer beschädigt oder zerstört.
- Ein neuer Startversuch vor 2027 gilt als ambitioniertes Ziel.
- NASA-Mondprogramm: Blue Origin sollte noch 2026 eine robotische Mondlandefähre transportieren.
- Amazon-Leo-Aufbau: 24 gebuchte New-Glenn-Starts für das Starlink-Konkurrenzprogramm sind vorerst in der Schwebe.
Was bedeutet das für NASAs Mondprogramm?

NASA hatte erst am Dienstag, 27. Mai, konkrete Vertragsvergaben für das Mondbasisprogramm bekanntgegeben: Blue Origin sollte per New Glenn eine robotische Mondlandefähre noch im Herbst 2026 transportieren. Zusätzlich ist Blue Moons Mark-2-Landefähre als zweites Human-Landing-System neben SpaceX Starship für zukünftige Artemis-Missionen vorgesehen. NASA-Administrator Jared Isaacman kündigte auf X an, die Behörde werde gemeinsam mit Blue Origin und weiteren Partnern die Ursache untersuchen und danach über konkrete Auswirkungen auf Artemis und das Mondbasisprogramm informieren.
Blue Origin hatte 2026 gerade erst Fahrt aufgenommen. Dieser Rückschlag trifft nicht nur das Unternehmen, sondern verschiebt reale Zeitfenster im gesamten NASA-Mondkalender — und das in einem Moment, in dem SpaceX durch die Starship-Ermittlungen der FAA ebenfalls gebremst wird.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Amazon Kuiper: Konkurrent zu Starlink verliert seinen Transporter

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