Blue Origins New-Glenn-Rakete ist am Donnerstagabend beim Hotfire-Test auf dem Startplatz in Cape Canaveral explodiert. Die Rakete war vollgetankt und für die NG-4-Mission vorbereitet, die Amazon Kuiper-Satelliten ins All bringen sollte. Verletzte gibt es keine, aber für Bezos‘ Raumfahrtprogramm ist es der schwerstmögliche Rückschlag.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- New Glenn explodiert um ca. 21 Uhr ET beim Hotfire-Test an Launch Complex 36, Cape Canaveral
- Keine Verletzten – Blue Origin, FAA und Space Force bestätigen volle Personensicherheit
- Die Rakete war für Mission NG-4 vorbereitet, die Amazon Kuiper-Internetsatelliten transportieren sollte
- New Glenn war erst am 22. Mai nach einem FAA-Grounding wieder für den Betrieb freigegeben worden
- Die FAA ermittelt – der Test lag außerhalb des lizenzierten FAA-Rahmens
Was ist passiert?
Blue Origin führte am Donnerstagabend einen statischen Triebwerkstest der vollgetankten New-Glenn-Rakete durch – eine Routineprozedur vor dem nächsten Start. Um etwa 21 Uhr ET kam es zur Explosion. Ein riesiger Feuerball stieg über dem Launch Complex 36 auf, erschütterte Häuser entlang der Florida Space Coast und war auf Live-Streams von SpaceflightNow und NASASpaceFlight.com zu sehen. Blue Origin bestätigte kurz darauf in einem Statement auf X: „We experienced an anomaly during today’s hotfire test. All personnel have been accounted for.“ Die FAA erklärte, der Test habe nicht unter einer FAA-Lizenz stattgefunden und eine Untersuchung werde eingeleitet.
Laut TechCrunch handelt es sich um eine der größten Raketenexplosionen in der jüngeren US-Geschichte. Vergleiche mit der Falcon-9-Explosion von 2016 auf demselben Gelände wurden bereits gezogen. SpaceX-Chef Elon Musk kommentierte auf X: „Most unfortunate. Rockets are hard.“
Was bedeutet das für Amazon Kuiper?
Die NG-4-Mission hatte eigentlich Amazon Kuiper-Satelliten ins Low-Earth-Orbit bringen sollen – Teil von Amazons milliardenschweren Gegenprogramm zu Starlink. New Glenn war dafür eine zentrale Trägerrakete. Durch die Explosion verzögert sich das Kuiper-Programm weiter, nachdem der Dienst ohnehin erst Anfang 2026 in begrenzten Regionen gestartet war. Wie lange das Programm pausiert, hängt von der Untersuchungstiefe und dem Ausmaß der Startplatzschäden ab.
Für Blue Origin selbst ist der Zeitpunkt besonders bitter: New Glenn war erst am 22. Mai nach einem FAA-Grounding wieder freigegeben worden, nachdem beim dritten Flug am 19. April eine Anomalie an der zweiten Stufe aufgetreten war. Die Freigabe hatte gerade einmal sechs Tage gehalten.
Blue Origin hat in kurzer Zeit zwei schwere Rückschläge kassiert. Das Timing ist brutal: Starlink dominiert den LEO-Markt, Amazon Kuiper kämpft um Anschluss und die einzige eigene Trägerrakete liegt in Trümmern.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Welche Rolle Amazon im KI- und Infrastruktur-Wettbewerb spielt, beleuchtet der Artikel zur OpenAI Deployment Company. Den größeren Kontext des Technologiewettbewerbs zwischen den großen US-Playern liefert der KI-Börsengang-Vergleich auf Dr. Web.