
Wie teuer werden die KI-Börsengänge von OpenAI & Anthropic?

Markus Seyfferth
Autor Dr. WebOpenAI und Anthropic steuern auf historische Börsengänge zu. Vertrauliche Finanzdokumente des Wall Street Journal zeigen erstmals, wie massiv die Trainingskosten für neue KI-Modelle beide Unternehmen belasten.
OpenAI plant, allein 2028 rund 105 Mrd. Euro für Rechenleistung auszugeben. Der daraus resultierende Verlust von etwa 74 Mrd. Euro würde den jedes anderen börsennotierten Unternehmens in der Geschichte übersteigen.
Das Wichtigste in Kürze
- OpenAI erwartet 2028 Trainingskosten von 105 Mrd. Euro und einen Verlust von 74 Mrd. Euro
- Ohne Trainingskosten wären beide Firmen schon 2026 knapp profitabel
- Anthropic rechnet seine Cloud-Partnerumsätze brutto, OpenAI netto: Die Zahlen sind nicht direkt vergleichbar
- Beide verdoppeln ihren Umsatz 2026, getrieben durch Enterprise-Kunden
Was kostet es, ein digitales Gehirn zu bauen?

Der grösste Posten in den Bilanzen beider Startups sind die Trainingskosten für neue KI-Modelle. Jeder Intelligenzsprung kostet mehr als der vorherige. OpenAI plant bis 2030 jährliche Trainingsausgaben von über 87 Mrd. Euro, Anthropic deutlich weniger, aber mit ähnlicher Tendenz.
Die Kosten sind so enorm, dass beide Unternehmen zwei verschiedene Gewinnkennzahlen ausweisen: eine mit Trainingskosten, eine ohne. Klammert man die Forschungsausgaben aus, steuern beide 2026 auf einen kleinen operativen Gewinn vor Steuern zu. Rechnet man sie ein, erreicht OpenAI die Gewinnschwelle erst in den 2030er-Jahren. Anthropic erwartet diesen Meilenstein früher.
Ein OpenAI-Sprecher betonte, das Unternehmen priorisiere Wachstum gegenüber Gewinn und könne die Trainingsausgaben drosseln, erwarte aber eine starke Rendite auf die Investitionen.
Warum wächst der Umsatz trotzdem exponentiell?

Risikokapitalgeber akzeptieren die Verluste, weil OpenAI und Anthropic zu den am schnellsten wachsenden Unternehmen der Techgeschichte zählen. Beide erwarten 2026 eine Umsatzverdopplung, hauptsächlich getrieben durch Geschäftskunden. Dass OpenAI parallel auch seine Belegschaft von 4.500 auf 8.000 Mitarbeiter verdoppelt, unterstreicht das Tempo.
Anthropic überraschte OpenAI im Herbst mit einer neuen Version seines Coding-Tools Claude Code. OpenAI reagierte, indem es seinen Codex-Assistenten ausbaute und den Vertrieb an Enterprise-Kunden verstärkte.
Die Umsatzvergleiche beider Firmen sind allerdings nicht direkt vergleichbar. Anthropic verbucht Verkäufe über Cloud-Partner wie Amazon und Google als eigenen Umsatz, OpenAI tut das nicht. Eine Anthropic-Sprecherin erklärte, dies entspreche den gängigen Bilanzierungsstandards.

Beide Unternehmen werden in den kommenden Jahren gewaltige Mengen an Kapital verbrennen und setzen auf ihre IPO-Investoren als Finanzierungsquelle. Die sogenannten Inferenzkosten, also die Ausgaben für die Verarbeitung von Nutzeranfragen, fressen bei beiden derzeit mehr als die Hälfte des Umsatzes. Dieser Anteil soll sinken, weil die Technologie günstiger wird.
Nur ein Bruchteil der ChatGPT-Nutzer zahlt für den Dienst. OpenAI generiert also für einen grossen Teil seiner Inferenzkosten keinerlei Umsatz. Bei Anthropic stammt der Grossteil der Einnahmen aus dem Enterprise-Geschäft. Ob die aktuelle Diskussion über das Ende der KI-Euphorie den Appetit der Börsenanleger dämpft, bleibt abzuwarten.
Um die gewaltigen Kapitalmengen aufzunehmen, arbeiten Investmentbanken an neuen Regeln. Die Nasdaq kündigte an, neu gelisteten Unternehmen einen schnelleren Zugang zu ihrem Index zu ermöglichen. Das erschliesst breitere Kapitalpools und könnte den Weg für die grössten Tech-IPOs aller Zeiten ebnen.
Quellen
Wall Street Journal: An Inside Look at OpenAI and Anthropic’s Finances Ahead of Their IPOs – wsj.com/tech/ai/openai-anthropic-ipo-finances-04b3cfb9
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