Mehr Newshunger?
6. April 2026
Reading Time: 5 minutes

Wie teuer werden die KI-Börsengänge von OpenAI & Anthropic?

Markus Seyfferth

Markus Seyfferth

Autor Dr. Web
4.8
(5)

OpenAI und Anthropic steuern auf historische Börsengänge zu. Vertrauliche Finanzdokumente des Wall Street Journal zeigen erstmals, wie massiv die Trainingskosten für neue KI-Modelle beide Unternehmen belasten.

OpenAI plant, allein 2028 rund 105 Mrd. Euro für Rechenleistung auszugeben. Der daraus resultierende Verlust von etwa 74 Mrd. Euro würde den jedes anderen börsennotierten Unternehmens in der Geschichte übersteigen.

Das Wichtigste in Kürze

  • OpenAI erwartet 2028 Trainingskosten von 105 Mrd. Euro und einen Verlust von 74 Mrd. Euro
  • Ohne Trainingskosten wären beide Firmen schon 2026 knapp profitabel
  • Anthropic rechnet seine Cloud-Partnerumsätze brutto, OpenAI netto: Die Zahlen sind nicht direkt vergleichbar
  • Beide verdoppeln ihren Umsatz 2026, getrieben durch Enterprise-Kunden

Was kostet es, ein digitales Gehirn zu bauen?

Ein verrosteter, orangefarbener Tresor mit offener Tür, aus dem ein warmes, helles Licht scheint und auf dem
Ein verrosteter, orangefarbener Tresor mit offener Tür, aus dem ein warmes, helles Licht scheint und auf dem „$121B“ steht

Der grösste Posten in den Bilanzen beider Startups sind die Trainingskosten für neue KI-Modelle. Jeder Intelligenzsprung kostet mehr als der vorherige. OpenAI plant bis 2030 jährliche Trainingsausgaben von über 87 Mrd. Euro, Anthropic deutlich weniger, aber mit ähnlicher Tendenz.

Die Kosten sind so enorm, dass beide Unternehmen zwei verschiedene Gewinnkennzahlen ausweisen: eine mit Trainingskosten, eine ohne. Klammert man die Forschungsausgaben aus, steuern beide 2026 auf einen kleinen operativen Gewinn vor Steuern zu. Rechnet man sie ein, erreicht OpenAI die Gewinnschwelle erst in den 2030er-Jahren. Anthropic erwartet diesen Meilenstein früher.

Ein OpenAI-Sprecher betonte, das Unternehmen priorisiere Wachstum gegenüber Gewinn und könne die Trainingsausgaben drosseln, erwarte aber eine starke Rendite auf die Investitionen.

Warum wächst der Umsatz trotzdem exponentiell?

Grünes Sparschwein mit Flugzeugtriebwerk, aus dem Geld und Gold fliegen
Risikokapitalgeber finanzieren Verluste von OpenAI und Anthropic, da beide zu schnellsten Tech-Unternehmen gehören und 2026 Umsätze verdoppeln wollen

Risikokapitalgeber akzeptieren die Verluste, weil OpenAI und Anthropic zu den am schnellsten wachsenden Unternehmen der Techgeschichte zählen. Beide erwarten 2026 eine Umsatzverdopplung, hauptsächlich getrieben durch Geschäftskunden. Dass OpenAI parallel auch seine Belegschaft von 4.500 auf 8.000 Mitarbeiter verdoppelt, unterstreicht das Tempo.

Anthropic überraschte OpenAI im Herbst mit einer neuen Version seines Coding-Tools Claude Code. OpenAI reagierte, indem es seinen Codex-Assistenten ausbaute und den Vertrieb an Enterprise-Kunden verstärkte.

Die Umsatzvergleiche beider Firmen sind allerdings nicht direkt vergleichbar. Anthropic verbucht Verkäufe über Cloud-Partner wie Amazon und Google als eigenen Umsatz, OpenAI tut das nicht. Eine Anthropic-Sprecherin erklärte, dies entspreche den gängigen Bilanzierungsstandards.

OpenAI vs. Anthropic: Die Finanzen vor dem Börsengang
Trainingskosten 2028 (Prognose)
OpenAI
105
Mrd. Euro
Anthropic
~30
Mrd. Euro
Gewinnschwelle (inkl. Training)
OpenAI
2030+
fruehestens
Anthropic
~2028
laut Prognose
Inferenzkosten als Anteil am Umsatz
OpenAI > 50 %
Anthropic > 50 %
Ohne Trainingskosten wären beide 2026 knapp profitabel. Mit Trainingskosten verbrennt OpenAI bis zu 74 Mrd. Euro pro Jahr. Die IPO-Investoren sollen die Luecke schliessen.
3D-Buchstaben „AJ“ in Blau/Orange mit Notiz „RECHNUNG: Sehr teuer! (+MwSt.)“ auf Weiß
Inferenzkosten verschlingen über 50% des Umsatzes. Beide Unternehmen hoffen auf IPO-Investoren und fallende Technologiekosten

Beide Unternehmen werden in den kommenden Jahren gewaltige Mengen an Kapital verbrennen und setzen auf ihre IPO-Investoren als Finanzierungsquelle. Die sogenannten Inferenzkosten, also die Ausgaben für die Verarbeitung von Nutzeranfragen, fressen bei beiden derzeit mehr als die Hälfte des Umsatzes. Dieser Anteil soll sinken, weil die Technologie günstiger wird.

Nur ein Bruchteil der ChatGPT-Nutzer zahlt für den Dienst. OpenAI generiert also für einen grossen Teil seiner Inferenzkosten keinerlei Umsatz. Bei Anthropic stammt der Grossteil der Einnahmen aus dem Enterprise-Geschäft. Ob die aktuelle Diskussion über das Ende der KI-Euphorie den Appetit der Börsenanleger dämpft, bleibt abzuwarten.

Um die gewaltigen Kapitalmengen aufzunehmen, arbeiten Investmentbanken an neuen Regeln. Die Nasdaq kündigte an, neu gelisteten Unternehmen einen schnelleren Zugang zu ihrem Index zu ermöglichen. Das erschliesst breitere Kapitalpools und könnte den Weg für die grössten Tech-IPOs aller Zeiten ebnen.

Quellen

Wall Street Journal: An Inside Look at OpenAI and Anthropic’s Finances Ahead of Their IPOs – wsj.com/tech/ai/openai-anthropic-ipo-finances-04b3cfb9

Mehr KI-Newshunger?

Jetzt mit Freunden & Kollegen teilen
,

Wie hilfreich fanden Sie diese Seite? Schreiben Sie Kritik und Anregungen auch gerne in die Kommentare!

Durchschnittliche Bewertung 4.8 / 5. Anzahl Bewertungen: 5

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

  • Verändert Claude Mythos die Cybersicherheit?

    Verändert Claude Mythos die Cybersicherheit?

    27 Jahre lang überlebte eine Sicherheitslücke in OpenBSD jede menschliche Prüfung. Eine KI brauchte Stunden. Claude Mythos hat innerhalb weniger Wochen tausende bisher unbekannte Sicherheitslücken in allen großen Betriebssystemen und Browsern aufgespürt….

Dr. Web Newsletter

Zum Newsletter anmelden

Kommen Sie wie über 6.000 andere Abonnenten in den Genuss des Dr. Web Newsletters. Als Dankeschön für Ihre Anmeldung erhalten Sie das große Dr. Web Icon-Set: 970 Icons im SVG-Format – kostenlos.

Es kam zu einen Fehler. Wahrscheinlich ist das unsere Schuld. Schreiben Sie uns gerne an kontakt@drweb.de
„✓ Bitte prüfen Sie Ihr Postfach und bestätigen Sie Ihre Anmeldung.“
Das große Dr. Web Icon-Set mit über 970 individuell anpassbaren Icons im SVG Format.