Zum Jahresende schließt INVEHO die Güterwagen-Werkstätten in Woffleben im Südharz und in Brandenburg an der Havel. Das französische Unternehmen bündelt seine Instandhaltung in Deutschland künftig im thüringischen Altenburg. Als Grund nennt INVEHO Kunden, die ihre Fracht von der Schiene auf die Straße verlagern.

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Die Güterwagen-Werkstatt in Woffleben, einem Ortsteil von Ellrich im Landkreis Nordhausen, beschäftigt 220 Menschen und schließt Ende 2026.[1] Für den zweiten Standort in Brandenburg an der Havel mit rund 80 Beschäftigten bestätigte die Stadtverwaltung das Aus zum 31. Dezember.[2]

Das Wichtigste in Kürze

  • INVEHO schließt Woffleben (220 Beschäftigte) und Brandenburg an der Havel (rund 80) zum 31. Dezember 2026.
  • INVEHO konzentriert seine deutsche Güterwagen-Instandhaltung danach in Altenburg.
  • Beschäftigte können nach Altenburg wechseln oder in eine Transfergesellschaft gehen, dazu zahlt INVEHO Abfindungen.

Was schließt INVEHO, und was bleibt?

Güterwaggon Modell mit orangefarbener Aufschrift
INVEHO übernahm 2021 die drei deutschen Villmann-Werkstätten mit 450 Mitarbeitern. Das Werk Brandenburg an der Havel instand seit 1996 Güterwagen

INVEHO gehört zum Wagenvermieter Streem, früher Ermewa, an dem der kanadische Pensionsfonds CDPQ und der Vermögensverwalter DWS beteiligt sind. Anfang 2021 übernahm INVEHO die drei deutschen Werkstätten der Villmann-Gruppe mit damals 450 Beschäftigten.

Seit 1996 setzt das Werk in Brandenburg an der Havel Güterwagen und Radsätze instand. Zum Angebot gehört auch die Reinigung von Kesselwagen. Die Wurzeln des Standorts reichen bis zum früheren Stahl- und Walzwerk der Stadt zurück.[2]

Die Schließung ist beschlossen, die Umsetzung läuft. Beschäftigte, die über den September hinaus Kundenaufträge abarbeiten, erhalten eine zusätzliche Zahlung. Abbau und Räumung der Anlagen dauern laut nnz bis ins Frühjahr 2027.[1] In den bisherigen Berichten kommen Betriebsrat und Gewerkschaft nicht zu Wort.

Warum lohnen sich die Werkstätten nicht mehr?

Güterwagen kommen nach festen Fristen und nach Schäden in die Werkstatt. Bleiben Wagen auf dem Abstellgleis, verschieben sich Revisionen oder entfallen. Die Auslastung sinkt, die Kosten für Hallen und Personal bleiben. INVEHO spricht von Werkstattkapazität, die über dem Bedarf des Marktes liegt, und von Verlusten über einen längeren Zeitraum.[1]

Im Einzelwagenverkehr holen Rangierloks einzelne Wagen an den Gleisanschlüssen der Kunden ab und stellen sie in Rangierbahnhöfen zu Zügen zusammen. Bundesweit bietet diesen Dienst nur DB Cargo an. Die Bahntochter schreibt weiter Verluste und muss nach den Vorgaben der EU-Kommission bis Ende 2026 ohne Ausgleich des Konzerns auskommen. Im Sommer 2025 spielte DB Cargo laut dem Fachportal trans.info Kürzungen im Einzelwagenverkehr von bis zu 80 Prozent durch.

Die Kesselwagen-Reinigung in Brandenburg hängt zusätzlich an der Chemie. In der Branche stellen Betriebe wie Leuna Polyamid die Produktion ein, und mit jeder stillgelegten Anlage rollen weniger Kesselwagen.

INVEHO: Zwei Werkstätten schließen, eine bleibt
Beschäftigte je Standort und der Weg zur Schließung
220
Beschäftigte zählt die Werkstatt in Woffleben im Landkreis Nordhausen
rund 80
Beschäftigte arbeiten am Standort Brandenburg an der Havel
Altenburg
bleibt als einziger deutscher INVEHO-Standort für die Instandhaltung von Güterwagen
450
Beschäftigte hatten die drei Werkstätten, als INVEHO sie 2021 übernahm
Von der Übernahme bis zum Rückbau
Januar 2021
INVEHO übernimmt drei Werkstätten der Villmann-Gruppe.
Herbst 2026
INVEHO kündigt die Schließung von Woffleben und Brandenburg an.
Bis Dezember 2026
Die Beschäftigten arbeiten offene Kundenaufträge ab.
31. Dezember 2026
Beide Werkstätten stellen den Betrieb ein.
Frühjahr 2027
Abbau und Räumung der Anlagen enden.

Was bedeutet das Aus für den Südharz und Brandenburg?

Oberbürgermeister Daniel Keip nennt die Schließung einen „schmerzhaften Verlust“ für Brandenburg an der Havel. Jens Tober von der Wirtschaftsförderung verweist auf den Bahnstandort Kirchmöser, der Fachkräfte für die Instandhaltung von Schienenfahrzeugen brauchen könnte.[2] Der Wechsel nach Altenburg bedeutet für beide Belegschaften einen Arbeitsweg von weit über 100 Kilometern.

Im Osten ist die INVEHO-Schließung nicht die einzige dieser Wochen: Anfang Oktober kündigte Breyden an, die Eisengießerei in Ueckermünde mit 320 Stellen zu schließen.

Verwaiste Gleisanschlüsse leeren auch die Werkstätten. INVEHO gibt zwei von drei deutschen Standorten auf, bevor die digitale Kupplung neue Umrüstaufträge bringt.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Wagenhalter und Verlader mit eigenen Kesselwagen sollten Revisionstermine für 2027 früher anfragen, denn zwei Werkstätten in Mittel- und Ostdeutschland fallen weg. Der Umbau von Güterwagen auf die Digitale Automatische Kupplung verspricht den Werkstätten neue Arbeit, doch die Serie lässt auf sich warten: Bisher hat die ÖBB Rail Cargo Group den ersten Ausrüstungsvertrag an Knorr-Bremse vergeben. Arbeitgeber im Südharz und an der Havel finden zum Jahreswechsel erfahrene Fachkräfte aus der Güterwagen-Instandhaltung auf dem Arbeitsmarkt.

Quellen

[1] Neue Nordhäuser Zeitung (nnz): „Waggon-Werkstatt in Woffleben wird dicht gemacht“ (05.10.2026)

[2] Stadt Brandenburg an der Havel, via Brandenburg live: „Schließung von INVEHO BRB zum 31. Dezember 2026: Stadt setzt auf Perspektiven für Beschäftigte und Fläche“ (07.10.2026)

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