Google Ads lässt Werbetreibende den Conversion Lift von Such- und Performance-Max-Kampagnen selbst messen, bisher brauchten sie dafür einen Google-Betreuer. Zugang erhalten Konten mit mindestens 1.000 beobachteten Conversions und einem Studienbudget von umgerechnet rund 4.350 Euro. In Deutschland entscheidet zusätzlich die Einwilligungsquote im Cookie-Banner, ob ein Test belastbare Zahlen liefert.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenConversion Lift beantwortet die Frage, die jedes Attributionsmodell offenlässt: Wie viele der gezählten Käufe wären ohne Anzeige ausgeblieben? Die Google-Ads-Hilfe führt Such- und Performance-Max-Kampagnen inzwischen als unterstützte Kampagnentypen für das Messverfahren.[1] Branchenmedien meldeten die Öffnung am 7. Oktober.
Das Wichtigste in Kürze
- Berechtigte Konten starten Conversion-Lift-Studien für Such- und Performance-Max-Kampagnen selbst.
- Voraussetzung sind 1.000 beobachtete Conversions und rund 4.350 Euro Budget je Studie.
- Eine Kontrollgruppe ohne Anzeigen macht sichtbar, welche Käufe die Werbung tatsächlich auslöst.
- Im EWR hängt die Aussagekraft am Consent Mode.
Wie misst Conversion Lift den echten Werbeeffekt?

Kern des Verfahrens ist die Kontrollgruppe: Google teilt die Nutzer per Zufall auf und blendet die gemessenen Kampagnen für einen Teil aus. Die Differenz zwischen beiden Gruppen ergibt die zusätzlichen Conversions. Den Anteil der Kontrollgruppe können Werbetreibende auf bis zu 50 Prozent anheben, eine Studie läuft mindestens sieben Tage. Google rät zu mehr als 14 Tagen, weil Studien mit langem Kaufzyklus sonst bis zu 17 Prozent weniger absoluten Lift ausweisen.[1]
Vor dem Start gibt die Einrichtung eine Teststärke zwischen 50 und 95 Prozent an. Liegt der Wert unter 90 Prozent, schlägt Google ein höheres Budget vor und wertet das Ergebnis nur als Richtwert.[1]
Warum reicht die Attribution bei Performance Max nicht aus?
Ein Attributionsmodell verteilt den Erfolg auf Klicks und Kontaktpunkte, prüft aber nicht, ob die Anzeige den Kauf ausgelöst hat. Ohne Ausschlüsse landen Performance-Max-Anzeigen auch bei Markensuchen und vor Bestandskunden, also vor Käufern, die vermutlich ohnehin bestellt hätten. Im Bericht stehen deren Käufe trotzdem als Kampagnenerfolg. Erst ein Test mit Kontrollgruppe trennt solche Mitnahmeeffekte von echten Zusatzverkäufen.
Den Weg zum Selbsttest ebnete Google in Etappen. Im November 2025 senkte der Konzern die Mindestausgabe für Inkrementalitätsexperimente von umgerechnet mehr als 87.000 Euro auf rund 4.350 Euro und versprach mit neuen statistischen Modellen bis zu 50 Prozent häufiger eindeutige Ergebnisse.[2] Auf der Marketing Live im Mai folgte das Marketing-Mix-Modell Meridian in Analytics 360.
Bemerkenswert bleibt die Rollenverteilung: Google verkauft die Anzeigen, steuert die Gebote, setzt seit Kurzem sogar Website-Rabatte automatisch in Anzeigen und misst nun auch deren Wirkung. Ein Abgleich mit den Umsätzen aus Shop oder CRM bleibt sinnvoll, wie ein Test mit Bot-Installationen über Google Ads belegte.
So läuft eine Studie ab
Ein Holdout-Test zeigt, welche Verkäufe Performance Max wirklich bringt. Den Prüfstand stellt allerdings der Anbieter, der die Anzeigen verkauft.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet der Selbsttest für Werbetreibende in Deutschland?
Die Einwilligung wird zum Engpass. Für die Schwelle von 1.000 Conversions zählen nur beobachtete, keine modellierten.[1] Lehnen Besucher das Tracking im Cookie-Banner ab, sieht Google deren Käufe nicht direkt. Die Hilfe nennt den Consent Mode deshalb als Grundlage für belastbare Daten im EWR, eine regionale Einschränkung der Funktion erwähnt Google nicht.
- Messgrößen ergänzen: Formularstarts oder Seitenaufrufe als zusätzliche Messgröße erhöhen nach Googles Auswertung die Chance auf ein klares Ergebnis.
- Tracking abstimmen: Google empfiehlt den erweiterten Consent Mode. In diesem Modus sendet das Tag schon vor der Einwilligung cookielose Pings, was § 25 TDDDG berühren kann.[3] Klären Sie diesen Schritt gerne vorher mit Ihrem Datenschutzbeauftragten.
- Ganze Kampagnentypen testen: Sieht die Kontrollgruppe weiter andere Anzeigen Ihres Kontos, sinkt die Chance, Lift zu erkennen.
Wie die Kampagnenart ihr Budget auf die Kanäle verteilt, erklärt unser Überblick zu Google Ads Performance Max. Hilfe beim Messkonzept bieten die Dienstleister aus unserem Google-Ads-Agentur-Vergleich.
FAQ: Google Ads öffnet Conversion Lift für Suche und Performance Max
Was ist Conversion Lift in Google Ads?
Conversion Lift misst, wie viele Conversions eine Kampagne zusätzlich auslöst. Google vergleicht dafür Nutzer, die Anzeigen sehen, mit einer zufällig gebildeten Kontrollgruppe ohne Anzeigen. In der deutschen Oberfläche heißt das Verfahren „Conversion-Steigerung“.
Was unterscheidet Inkrementalität von Attribution?
Attribution verteilt eine Conversion auf die Klicks und Kontakte davor, auch wenn der Kauf ohne Werbung ebenfalls zustande gekommen wäre. Inkrementalität misst per Kontrollgruppe nur die Käufe, die ohne Anzeige ausgeblieben wären.
Was ist eine Holdout-Gruppe?
Eine Holdout-Gruppe ist der Teil der Zielgruppe, dem eine Werbeplattform die getesteten Anzeigen bewusst nicht ausspielt. Das Kaufverhalten dieser Gruppe dient als Vergleichswert, aus dem sich der echte Werbeeffekt berechnen lässt.
Was ist der Consent Mode von Google?
Der Consent Mode übergibt die Einwilligung aus dem Cookie-Banner an Google-Tags. Lehnt ein Besucher ab, setzen die Tags keine Werbe-Cookies, Google schätzt die fehlenden Conversions dann per Modell. Im erweiterten Modus senden die Tags schon vor der Entscheidung cookielose Pings.
Was ist Performance Max in Google Ads?
Performance Max ist ein Kampagnentyp, der mit einem Budget und einem Satz von Assets alle Werbeflächen von Google bespielt, darunter Suche, YouTube, Display, Discover, Gmail und Maps. Die Verteilung auf die Kanäle steuert Google anhand des gewählten Conversion-Ziels selbst.
Quellen
[1] Google-Ads-Hilfe: „Conversion-Steigerung basierend auf Nutzern einrichten“
[2] Google Ads, John Chen: „Strengthen media measurement and ROI clarity with incrementality testing improvements“
[3] Gesetze im Internet: „§ 25 TDDDG: Schutz der Privatsphäre bei Endeinrichtungen“
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