Siemens feierte am Technology Campus Erlangen Richtfest für den ersten Neubau. Das Logistik- und Servicezentrum soll bis 2027 Platz für bis zu 300 Beschäftigte bieten, bis 2030 plant der Konzern dort ein Entwicklungszentrum für Leistungselektronik. Insgesamt fließen 500 Millionen Euro in den Standort, während Siemens in der Automatisierung deutschlandweit 2.600 Stellen abbaut.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenAm Siemens Technology Campus Erlangen steht ein Jahr nach der Grundsteinlegung der Rohbau des ersten Gebäudes, gegossen aus rund 7.700 Kubikmetern CO₂-reduziertem Beton.[1] Vom Richtfest in der Frauenauracher Straße berichteten die Nürnberger Nachrichten am 7. Oktober.
Das Wichtigste in Kürze
- Siemens investiert 500 Millionen Euro in Erlangen, die Hälfte seines Deutschland-Programms von einer Milliarde Euro.
- Der erste Neubau mit rund 7.000 Quadratmetern soll bis 2027 Logistik, Service und Automation bündeln.
- Bis 2030 folgen ein Entwicklungszentrum für Leistungselektronik und zusätzliche Fertigung.
- Parallel baut die Sparte Digital Industries bis Ende September 2027 in Deutschland 2.600 Stellen ab.
Was baut Siemens in Erlangen?

Der erste Bauabschnitt umfasst rund 7.000 Quadratmeter.[2] Im Gebäude liegen künftig Materialversorgung, Werkstätten, Service und eine flexible Automation beieinander. Ein vollautomatisches Hochregallager hängt über eine rund 24 Meter lange Förderbrücke direkt an der bestehenden Elektronikfertigung.[1]
Das Projekt steht damit zwischen Grundsteinlegung und Inbetriebnahme. Den Grundstein legte Siemens am 22. September 2025, der zweite Bauabschnitt existiert bisher nur als Plan: Bis 2030 will der Konzern dort neue Umrichter und Steuerungen entwickeln und zusätzliche Produktionsflächen bauen.[2] Eine öffentliche Förderung nennt Siemens nicht.
Die 300 Plätze im Neubau beschreiben die Kapazität des Gebäudes. Wie viele Stellen zusätzlich entstehen, beziffert Siemens nicht. In Erlangen arbeiten nach Konzernangaben schon heute rund 3.000 Beschäftigte an Komponenten für Automatisierung und Digitalisierung.[2]
Warum baut Siemens aus, während die Automatisierung schrumpft?
Im März 2025 kündigte Siemens an, weltweit rund 6.000 Stellen zu streichen, davon 2.850 in Deutschland.[3] Am stärksten betroffen ist das Automatisierungsgeschäft der Sparte Digital Industries mit 2.600 Stellen in Deutschland, abzubauen bis Ende September 2027 ohne betriebsbedingte Kündigungen. Als Grund nannte der Konzern volle Lager bei Kunden und Händlern sowie einen deutschen Markt, der seit zwei Jahren schrumpfte.
Mit dem Campus setzt Siemens auf die Leistungselektronik. Umrichter regeln, wie schnell und präzise Motoren in Maschinen laufen. Der Markt für Umrichter wächst mit jeder elektrifizierten Fabrik und mit Rechenzentren, die große Strommengen effizient wandeln müssen. Entwicklung und Fertigung am selben Ort verkürzen den Weg vom Prototyp zur Serie. Diese Kopplung plant Siemens bis 2030 in Erlangen.
Andere Hersteller gehen den umgekehrten Weg: Semikron Danfoss verlagert Teile seiner Fertigung von Flensburg in die Slowakei. Den Personalbestand in Deutschland wollte Siemens laut eigener Mitteilung von 2025 trotz des Abbaus etwa konstant halten, weil der Konzern in wachsenden Bereichen neue Leute einstellte.[3]
Was bedeutet der Campus für die Region Nürnberg?
In der Metropolregion stehen dem Neubau Abbaupläne der Industrie gegenüber. Bosch will im Nürnberger Werk bis Ende 2029 rund 900 der 1.800 Stellen abbauen. Ersatz für die Pumpenfertigung bietet der Siemens-Campus nicht: Dort sucht der Konzern vor allem Entwickler, Logistiker und Elektroniker.
Siemens führt den Campus als Vorzeigeprojekt der Initiative „Made for Germany“. Das Geld stammt allerdings aus der Investitionsstrategie von 2023, also aus der Zeit vor der Initiative.[2] Bei den übrigen Zusagen ist ebenfalls offen, wie viel der 850 Milliarden Euro neues Geld ist.
Ein Richtfest beweist noch keine Arbeitsplätze. Belastbar wird die Zusage erst, sobald Siemens in Erlangen Umrichter entwickelt und fertigt.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Personalverantwortliche in Franken konkurrieren ab 2027 mit Siemens um Fachkräfte für Elektronik und Automation. Der Konzern verändert die Berufe dabei selbst: Ein KI-Agent von Siemens schreibt inzwischen Steuerungscode, die Freigabe bleibt beim Elektroniker für Automatisierungstechnik. Zulieferer der Elektronikfertigung sollten den zweiten Bauabschnitt verfolgen, denn erst dort entscheidet Siemens, welche Fertigung nach Erlangen kommt.
Quellen
[1] Nürnberger Nachrichten: „Siemens investiert 500 Millionen Euro: Was Erlangen erwartet und was sich bald noch tut“ (07.10.2026)
[2] Siemens: „Siemens startet Leuchtturmprojekt der Made for Germany Initiative“ (22.09.2025)
[3] ZDFheute, mit Siemens-Mitteilung: „Siemens will weltweit rund 6.000 Jobs streichen“ (18.03.2025)
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