Elektroniker für Automatisierungstechnik erreichen im KI-Resilienz-Check die Note 2,7. Seit dem Frühjahr 2026 schreibt ein KI-Agent von Siemens selbstständig Steuerungscode für Fertigungsanlagen. Die Freigabe an der laufenden Maschine gibt trotzdem ein Mensch. An dieser Freigabe hängt die Zukunft des Berufs.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDer Elektroniker für Automatisierungstechnik programmiert die Steuerungen, mit denen Fertigungsstraßen, Kläranlagen und Verkehrsleitsysteme laufen. Rund 2.200 junge Leute beginnen diese Ausbildung jedes Jahr, während Siemens einen KI-Agenten verkauft, der genau diese Programmierarbeit übernehmen soll. Dr. Web bewertet den Beruf wie die 30 Berufe aus dem Basisartikel zur KI-Resilienz von Ausbildungsberufen: nach dem Sechs-Kriterien-Raster auf der Schulnotenskala von 1 bis 6.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Beruf erreicht die Gesamtnote 2,7, getragen von Haftung, Sicherheitsregeln und der Inbetriebnahme an der realen Maschine.
- Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre im dualen System, zuständig ist die IHK, die Abschlussprüfung läuft gestreckt in zwei Teilen.
- Die Ausbildungsvergütung lag 2025 laut BIBB im Tarifschnitt bei 1.211 Euro im ersten und 1.475 Euro im vierten Ausbildungsjahr.
- Der Eigen Engineering Agent von Siemens schreibt Steuerungscode im TIA Portal selbstständig, freigeben muss den Code weiterhin ein Mensch.
- Betriebe schlossen 2025 bundesweit 2.211 neue Ausbildungsverträge ab, der Frauenanteil lag bei 8,1 Prozent.
Erst raten, dann lesen: Wie KI-fest tippen Sie den Elektroniker für Automatisierungstechnik?
Bevor der Tacho im dritten Kapitel die Note zerlegt, testen Sie Ihr Gespür für Steuerungen, Sensoren und Schaltschränke. Vorwissen brauchen Sie für die fünf Fragen nicht, ein gutes Bauchgefühl genügt.
1 Wie viele junge Leute haben 2025 bundesweit eine Ausbildung zum Elektroniker für Automatisierungstechnik begonnen? Aufklappen ↓
Lösung aufdecken ↓
2 Der KI-Agent von Siemens programmiert eine Anlage und schaltet die Anlage danach ohne Menschen scharf. Stimmt das? Aufklappen ↓
Lösung aufdecken ↓
3 Welche Aufgabe lässt sich partout nicht an eine KI abgeben? Aufklappen ↓
Lösung aufdecken ↓
4 Wie hoch lag die tarifliche Ausbildungsvergütung im ersten Jahr 2025 im Schnitt? Aufklappen ↓
Lösung aufdecken ↓
5 Welche KI-Resilienz-Note vergibt Dr. Web an den Elektroniker für Automatisierungstechnik? Aufklappen ↓
Lösung aufdecken ↓
Was macht ein Elektroniker für Automatisierungstechnik und wie läuft die Ausbildung ab?
Spanne 2025
Spanne 2025
Spanne 2025
Spanne 2025
Ein Elektroniker für Automatisierungstechnik plant, programmiert und prüft die Steuerungen automatisierter Anlagen. Die Fachkraft verbindet Sensoren, Antriebe und Bedienfelder mit einer speicherprogrammierbaren Steuerung, schreibt deren Programm, richtet Netzwerke ein und nimmt die Anlage in Betrieb. Die Ausbildungsverordnung nennt fünf Einsatzgebiete: Produktions- und Fertigungsautomation, Verfahrens- und Prozessautomation, Netzautomation, Verkehrsleitsysteme und Gebäudeautomation. Gearbeitet wird im Büro am Engineering-Rechner, im Schaltschrank und an der Maschine in der Werkhalle.
Grundlage ist die Verordnung über die Berufsausbildung in den industriellen Elektroberufen vom 24. Juli 2007, zuletzt 2018 überarbeitet. Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre im dualen System, zuständig ist die Industrie- und Handelskammer. Seit 2018 können Betriebe zusätzlich die Qualifikationen Digitale Vernetzung, Programmierung und IT-Sicherheit vermitteln. Mit Abitur oder guten Leistungen lässt sich die Lehrzeit auf Antrag verkürzen.
Die Abschlussprüfung läuft gestreckt. Teil 1 liegt etwa zur Mitte der Ausbildung und zählt 40 Prozent, Teil 2 am Ende zählt 60 Prozent. Im zweiten Teil wiegt der Arbeitsauftrag am schwersten: Der Prüfling führt entweder einen betrieblichen Auftrag von bis zu 18 Stunden durch oder bearbeitet eine praktische Aufgabe, jeweils mit anschließendem Fachgespräch. Hinzu kommen die schriftlichen Bereiche Systementwurf, Funktions- und Systemanalyse sowie Wirtschafts- und Sozialkunde.
Die BIBB-Gesamtübersicht der tariflichen Vergütungen 2025 führt den Beruf mit eigenen Werten für die Industrie. Die Tabelle zeigt den Tarifschnitt als obere Marke. Nicht tarifgebundene Betriebe dürfen den Branchentarif um bis zu 20 Prozent unterschreiten, daraus ergibt sich die untere Marke.
| Ausbildungsjahr | Untergrenze ohne Tarifbindung (80 Prozent) | Tarifschnitt Industrie (BIBB, 2025) |
|---|---|---|
| 1. Jahr | 969 € | 1.211 € |
| 2. Jahr | 1.026 € | 1.283 € |
| 3. Jahr | 1.104 € | 1.380 € |
| 4. Jahr | 1.180 € | 1.475 € |
Das vierte Jahr durchlaufen Azubis nur zur Hälfte, weil die Ausbildung nach 42 Monaten endet. Zum Vergleich: Elektroniker im Handwerk erhielten 2025 im ersten Jahr 979 Euro. Einen bestimmten Schulabschluss schreibt die Verordnung nicht vor. In der Praxis erwarten viele Betriebe mindestens die mittlere Reife, dazu gute Noten in Mathematik, Physik und Informatik sowie Freude am logischen Denken.
Welche Note bekommt der Elektroniker für Automatisierungstechnik im KI-Resilienz-Check?
Die Gesamtnote 2,7 stellt den Beruf gleichauf mit dem Eisenbahner in der Zugverkehrssteuerung. Das Sechs-Kriterien-Raster im nächsten Kapitel zerlegt die Note in ihre Bestandteile.
Mit der Note 2,7 steht der Elektroniker für Automatisierungstechnik gleichauf mit dem Fahrdienstleiter aus der Zugverkehrssteuerung und dem Destillateur. Der Elektroanlagenmonteur liegt mit 2,5 zwei Zehntel vorn, der Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik mit 2,4 sogar drei. Alle drei Elektroberufe teilen Haftung und Sicherheitsregeln. Der Automatisierer verliert Punkte, weil ein großer Teil seiner Arbeit am Bildschirm stattfindet, also genau dort, wo KI-Werkzeuge zuerst ankommen.
Für eine bessere Note fehlt dem Beruf ein persönlicher Befähigungsnachweis mit staatlicher Kontrolle, wie ihn der Lokführer mit seinem Triebfahrzeugführerschein besitzt. Vor einer schlechteren Note schützt den Beruf die Maschine selbst. Ein Programm läuft erst dann sicher, nachdem jemand an der echten Anlage geprüft hat, ob Not-Halt, Lichtgitter und Schutztür tatsächlich greifen. Diese Prüfung verlangt Anwesenheit, Messgerät und eine Unterschrift.
Wie setzt sich die Note aus dem Sechs-Kriterien-Raster zusammen?
Die Infografik zeigt drei Zweien bei Präsenz, Haftung und Regulierung, dazu zwei schwache Werte bei Empathie und Digitalisierungsgrad. Anders als beim Elektroanlagenmonteur liegt die Schwachstelle nicht in der Werkstattroutine, sondern im Rechner. Jede der sechs Einzelnoten hängt an einer konkreten Tätigkeit, die folgenden Abschnitte begründen jede Note einzeln.
Physische Präsenz (Note 2)
Sensoren justieren, Feldbusleitungen stecken, Antriebe parametrieren und den ersten Probelauf an der Maschine begleiten: Diese Arbeiten geschehen in der Halle. Einen großen Teil der Programmierung erledigt der Automatisierer dagegen am Schreibtisch. Viele Anlagen lassen sich außerdem per Fernwartung diagnostizieren und aktualisieren. Mit einem digitalen Zwilling testen Betriebe Programme sogar virtuell, bevor die echte Maschine steht. Für die Bestnote reicht der Anteil der Arbeit vor Ort deshalb nicht.
Empathie und Vertrauen (Note 4)
Ansprechpartner sind Konstrukteure, Anlagenfahrer, Instandhalter und Projektleiter des Kunden. Vertrauen zählt vor allem bei der Übergabe, weil der Betreiber sich auf dokumentierte Sicherheitsprüfungen verlassen muss. Fürsorge, Beratung oder Verkauf gehören aber nicht zum Kern der Arbeit. Mit Privatkunden hat der Automatisierer praktisch nie zu tun, das Raster vergibt deshalb die Note 4.
Urteilskraft und Haftung (Note 2)
Ein Fehler im Steuerungsprogramm kann eine Presse zur falschen Zeit schließen oder einen Roboter in den Arbeitsbereich eines Menschen fahren lassen. Sicherheitsfunktionen wie Not-Halt, Lichtgitter und Türverriegelung plant die Fachkraft nach der Norm DIN EN ISO 13849 und weist ihre Wirkung an der Anlage nach. Bei der Inbetriebnahme entscheidet die Fachkraft vor Ort, ob eine Anlage laufen darf. Die Gesamtverantwortung für die Maschine trägt allerdings der Hersteller, deshalb verfehlt das Kriterium knapp die Bestnote.
Regulatorische Hürde (Note 2)
Die Unfallverhütungsvorschrift DGUV Vorschrift 3 erlaubt Arbeiten an elektrischen Anlagen nur einer Elektrofachkraft oder Personen unter deren Aufsicht. Ab dem 20. Januar 2027 gilt zudem die neue EU-Maschinenverordnung 2023/1230. Sicherheitsbauteile mit selbstlernendem Verhalten stuft das Regelwerk in die strengste Klasse ein, deren Konformität eine unabhängige Prüfstelle bewerten muss. Eine persönliche staatliche Zulassung kennt der Industrieberuf allerdings nicht, deshalb vergibt das Raster hier die Note 2.
Routineanteil (Note 3)
Wiederkehrend sind Variablenlisten anlegen, Standardbausteine kopieren und anpassen sowie Bedienbilder nach Vorlage bauen. Jede Anlage bringt aber andere Sensoren, andere Abläufe und andere Störungen mit. Die Prüfungsordnung widmet einen eigenen Prüfungsbereich der Funktions- und Systemanalyse, also der Fehlersuche in laufenden Systemen. Aus dieser Mischung ergibt sich die mittlere Note 3.
Digitalisierungsgrad (Note 4)
Hier liegt die Schwachstelle des Berufs. Steuerungsprogramme entstehen vollständig digital in Engineering-Plattformen wie dem TIA Portal von Siemens, das nach Herstellerangaben rund 600.000 Menschen nutzen. Schaltpläne kommen als Datei aus der Elektrokonstruktion, Anlagen melden ihre Zustände über das Netzwerk. Diese durchgängige Datenkette bietet KI-Werkzeugen die ideale Angriffsfläche, daraus folgt die Note 4.
Die gewichtete Gesamtrechnung
Physische Präsenz, Empathie, Urteilskraft und regulatorische Hürde zählen doppelt, Routineanteil und Digitalisierungsgrad einfach. Mit den sechs Einzelnoten ergibt die Rechnung (2×2) + (4×2) + (2×2) + (2×2) + (3×1) + (4×1) = 27 Punkte. Geteilt durch die Gewichtssumme 10 folgt ohne Rundung die Note 2,7.
Welche Teilaufgaben übernimmt die KI zuerst?

Den größten Sprung macht die Programmierung. Siemens brachte im Frühjahr 2026 den Eigen Engineering Agent auf den Markt, einen KI-Agenten für das TIA Portal. Laut Siemens plant der Agent Automatisierungsaufgaben, schreibt den Steuerungscode, konfiguriert Geräte und prüft das Ergebnis selbst, bis definierte Qualitätsziele erreicht sind. Im Juni 2026 kamen zwei Funktionen hinzu: Der Agent liest Schaltpläne aus der Elektrokonstruktion ein und erzeugt ein Projekt aus einer Maschinenbeschreibung in Alltagssprache.
Laut Siemens erprobten mehr als 100 Unternehmen in 19 Ländern den Agenten, der Aufgaben zwei- bis fünfmal schneller erledige als der Mensch und die Effizienz im Engineering um bis zu 50 Prozent steigere. Unabhängig belegt sind diese Zahlen nicht. Wie Dr. Web bereits zum Siemens-Agenten für die Fabrikprogrammierung berichtete, bleibt die Freigabe des Codes für die reale Anlage beim Betreiber. Folgende Teilaufgaben geraten zuerst unter Druck:
- Standardcode schreiben: KI-Agenten erzeugen Bausteine in den Sprachen der Norm IEC 61131-3 bereits heute, verbreitet ist der Einsatz vor allem bei Pilotkunden.
- Variablen und Hardware anlegen: Der Eigen-Agent übernimmt Geräte und Verbindungen seit Juni 2026 direkt aus den Konstruktionsdaten.
- Bedienbilder erstellen: Einfache Visualisierungen für das Bedienpanel entstehen aus Textanweisungen.
- Dokumentation und Übersetzung: Kommentare, Projektdokumentation und mehrsprachige Meldetexte erzeugt die KI in Sekunden.
Seriös abschätzen lässt sich vor allem die Richtung. Große Maschinenbauer mit vielen ähnlichen Anlagen stellen zuerst um, weil sich dort Standards und Bibliotheken für die KI lohnen. Kleine Sondermaschinenbauer und Betreiber alter Anlagen mit gewachsenen Programmen folgen später. Eine KI, die nur neue Projekte kennt, hilft wenig bei einer Steuerung aus dem Jahr 2005, deren Programmierer längst in Rente ist.
Parallel verschiebt sich die Arbeit in Richtung Sicherheit. Mit jeder vernetzten Maschine wächst die Angriffsfläche. Der Cyber Resilience Act verpflichtet Hersteller seit dem 11. September 2026, ausgenutzte Schwachstellen zu melden. Wie Anlagenbauer ihre Steuerungen darauf vorbereiten, zeigen die Beispiele GEA mit einer neuen Anlagensteuerung und Krones bei der IIoT-Sicherheit. Diese Absicherung übernimmt keine KI von allein.
Welche Arbeit an der Maschine bleibt unersetzbar menschlich?
- −Standardbausteine im Steuerungsprogramm schreiben
- −Variablen und Geräte aus Schaltplänen anlegen
- −Einfache Bedienbilder erzeugen
- −Dokumentation und Meldetexte übersetzen
- +Sicherheitsfunktionen an der Anlage prüfen und freigeben
- +Inbetriebnahme mit echten Sensoren und Antrieben
- +Fehlersuche in gewachsenen Altanlagen
- +KI-Code prüfen und verantworten
Der wichtigste Grund für die Resilienz liegt in der Inbetriebnahme. Im Programm sieht ein Näherungsschalter immer sauber aus, an der Maschine sitzt er einen Millimeter zu weit weg, flattert bei Vibration oder liefert bei Öl und Staub falsche Signale. Ein Förderband läuft schneller als berechnet, ein Ventil schaltet träger als im Datenblatt. Solche Abweichungen findet nur, wer mit Messgerät und Laptop an der Anlage steht und beobachtet.
Ebenso menschlich bleibt die Abnahme der Sicherheitsfunktionen. Bevor eine Maschine in Produktion geht, prüft die Fachkraft, ob der Not-Halt jeden gefährlichen Antrieb stoppt, ob das Lichtgitter bei jedem Eingriff auslöst und ob eine geöffnete Schutztür den Roboter anhält. Das Ergebnis landet im Prüfprotokoll mit Namen und Datum. Kein KI-Agent kann diese Verantwortung übernehmen, weil ein Softwarewerkzeug nicht haftet.
Menschlich bleibt schließlich die Prüfung der KI selbst. Ein Programm, das ein Agent in Minuten schreibt, muss jemand lesen, verstehen und gegen die Anforderungen der Anlage abgleichen. Fachkräfte, die nicht mehr selbst programmieren können, erkennen auch den Fehler im generierten Code nicht. Das Programmierhandwerk verliert deshalb nicht an Wert, sondern wird zur Kontrollkompetenz.
Wie verändert sich der Arbeitsalltag in der Automatisierungstechnik?
Der Automatisierer wandelt sich vom Programmierer zum Prüfer und Inbetriebnehmer. Statt jede Zeile selbst zu tippen, beschreibt die Fachkraft Anforderungen, lässt den Agenten einen Entwurf erstellen und prüft das Ergebnis erst in der Simulation und danach an der Anlage. Die gesparte Zeit fließt in Tests, Sicherheitsnachweise und Netzwerkschutz. Fachkräfte mit diesen Fähigkeiten bekommen die anspruchsvolleren Projekte.
Der Bedarf an Elektrofachkräften bleibt hoch. Laut dem Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung des Instituts der deutschen Wirtschaft blieben 2025 in der elektrischen Betriebstechnik rechnerisch 13.011 offene Stellen ohne passend qualifizierte Arbeitslose, in der Bauelektrik sogar 16.270. Beide Berufsgruppen gehören zu den fünf größten Engpassberufen auf Fachkraftniveau. Eine eigene Zahl für die Automatisierungstechnik weist die Studie nicht aus, das Nachbarfeld zeigt aber die Richtung.
Beim Elektroniker für Automatisierungstechnik erledigt ein KI-Agent bereits einen Teil der Kernarbeit. Die Note 2,7 ist trotzdem kein Abgesang. Ein Agent, der Steuerungscode schreibt, braucht jemanden, der den Code lesen, an der Maschine testen und für die Sicherheit geradestehen kann. Azubis, die nur Bausteine kopieren wollen, sollten sich umorientieren. Azubis, die verstehen wollen, warum eine Anlage stoppt, haben einen Beruf mit Zukunft gewählt.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Die Ausbildungszahlen bleiben stabil. Laut BIBB-Erhebung schlossen Betriebe 2025 bundesweit 2.211 neue Verträge ab, nach 2.340 im Jahr 2024 und dem Höchstwert von 2.400 im Jahr 2023. Der Frauenanteil lag 2025 bei 8,1 Prozent. In der Rangliste aller Ausbildungsberufe nach Neuabschlüssen steht der Beruf bundesweit auf Platz 48.
Beim Verdienst startet der Beruf gut. Der WSI-Lohnspiegel der Hans-Böckler-Stiftung nennt für Berufseinsteiger ein mittleres Monatsgehalt von 3.640 Euro brutto, nach zehn Berufsjahren 4.300 Euro, jeweils bei 38 Wochenstunden. Im Westen verdienen die Fachkräfte mit 4.370 Euro deutlich mehr als im Osten mit 3.770 Euro. Mit einer Fortbildung zum Industriemeister Elektrotechnik, zum Techniker oder mit einem Studium steigen Gehalt und Verantwortung weiter.
Was bedeutet das für angehende Azubis und Betriebe?

Für angehende Azubis bietet der Beruf eine gute Mischung aus Technik, Programmierung und Arbeit an echten Maschinen. Ob statt der Lehre ein Studium der Automatisierungstechnik oder Elektrotechnik besser passt, klärt unser Beitrag zu Ausbildung oder Studium. Verwandte Berufe wie den Mechatroniker samt Verdienst finden Sie im Ausbildungsberufe-Finder. Beide Wege führen in eine Branche, die dringend Nachwuchs sucht.
Am schwächsten schneidet der Beruf im Raster beim Digitalisierungsgrad ab. Angehende Automatisierer setzen deshalb besser auf die Aufgaben, die im Raster die Note retten: Inbetriebnahme, Sicherheitstechnik und Fehlersuche. Die Zusatzqualifikation IT-Sicherheit lohnt sich besonders, weil Cyber Resilience Act und Maschinenverordnung Cybersicherheit ab 2027 zur Pflicht für jede neue Maschine machen. Fragen Sie im Bewerbungsgespräch ruhig nach, ob Azubis auch auf Inbetriebnahmen mitfahren oder nur im Büro programmieren.
Das Programmieren von Grund auf zu lernen, lohnt sich trotz KI-Agent. Nur Fachkräfte mit eigenem Verständnis von Steuerungslogik erkennen, ob ein generiertes Programm eine gefährliche Lücke enthält. Den Umgang mit dem Agenten selbst lernen Sie in wenigen Wochen, das Verständnis für Anlagen braucht Jahre.
Ausbildungsbetriebe legen den Schwerpunkt am besten auf Prüfung und Diagnose. Übungsanlagen mit eingebauten Fehlern, frühe Mitarbeit bei Inbetriebnahmen und Aufgaben, bei denen Azubis KI-generierten Code auf Fehler durchsuchen, bereiten auf den Teil des Berufs vor, der bleibt. Betriebe, die ihre Azubis nur Standardbausteine kopieren lassen, bilden für genau die Aufgabe aus, die der KI-Agent zuerst übernimmt.
Der Elektroniker für Automatisierungstechnik gibt das Tippen von Standardcode an die KI ab und behält Inbetriebnahme, Sicherheitsprüfung und Kontrolle. Diese Verantwortung an der laufenden Maschine sichert dem Beruf im KI-Resilienz-Check die Note 2,7.
Glossar: 12 wichtige Fachbegriffe zum Elektroniker für Automatisierungstechnik
Digitaler Zwilling
Ein digitaler Zwilling ist das virtuelle Abbild einer realen Maschine oder Anlage. Automatisierer testen daran Steuerungsprogramme, bevor die echte Anlage steht. Der Zwilling spart Zeit auf der Baustelle, ersetzt die Prüfung an der realen Maschine aber nicht.
Feldbus
Ein Feldbus verbindet Sensoren, Aktoren und Antriebe mit der Steuerung über ein gemeinsames Kommunikationsnetz. Verbreitete Systeme sind Profinet, EtherCAT und Profibus. Der Automatisierer konfiguriert die Teilnehmer, vergibt Adressen und prüft die Verbindungen.
Funktionale Sicherheit
Unter funktionaler Sicherheit verstehen Fachleute alle Steuerungsfunktionen, die Menschen vor Gefahren einer Maschine schützen. Normen wie DIN EN ISO 13849 legen fest, wie zuverlässig eine Sicherheitsfunktion arbeiten muss und wie Hersteller diese Zuverlässigkeit nachweisen.
Gestreckte Abschlussprüfung
Bei der gestreckten Abschlussprüfung legen Azubis die Prüfung in zwei zeitlich getrennten Teilen ab. Beim Elektroniker für Automatisierungstechnik zählt Teil 1 zur Mitte der Ausbildung 40 Prozent, Teil 2 am Ende 60 Prozent der Gesamtnote.
HMI
HMI steht für Human Machine Interface, die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine. Gemeint ist meist ein Bedienpanel mit Touchscreen, auf dem Anlagenfahrer Zustände sehen, Werte eingeben und Störmeldungen quittieren.
IEC 61131-3
Die Norm IEC 61131-3 definiert die Programmiersprachen für speicherprogrammierbare Steuerungen. Zu diesen Sprachen gehören der Kontaktplan, die Funktionsbausteinsprache und der Strukturierte Text. KI-Agenten erzeugen Code bereits in diesen Sprachen.
Maschinenverordnung
Die EU-Maschinenverordnung 2023/1230 löst ab dem 20. Januar 2027 die bisherige Maschinenrichtlinie ab. Die Verordnung regelt die Sicherheitsanforderungen an Maschinen, schließt Cybersicherheit ein und stellt Sicherheitsbauteile mit selbstlernendem Verhalten unter strengere Prüfpflichten.
Not-Halt
Der Not-Halt ist eine Sicherheitsfunktion, die eine Maschine im Gefahrenfall schnellstmöglich stillsetzt. Der rote Pilztaster auf gelbem Grund gehört zur Grundausstattung fast jeder Maschine. Automatisierer prüfen bei der Inbetriebnahme, ob der Taster jeden gefährlichen Antrieb zuverlässig stoppt.
Prozessleitsystem
Ein Prozessleitsystem steuert und überwacht große verfahrenstechnische Anlagen, etwa in der Chemie, der Wasserwirtschaft oder in Kraftwerken. Anlagenfahrer bedienen das System aus einer Messwarte, Automatisierer richten Regelkreise, Bildschirme und Alarme ein.
SPS
Eine SPS ist eine speicherprogrammierbare Steuerung, also ein Industrierechner, der Eingangssignale von Sensoren auswertet und nach seinem Programm Ausgänge wie Motoren oder Ventile schaltet. Die SPS gilt als Herzstück fast jeder automatisierten Anlage.
TIA Portal
Das TIA Portal ist die Engineering-Plattform von Siemens, in der Automatisierer Steuerungen programmieren, Hardware konfigurieren und Bedienbilder erstellen. Siemens hat die Software 2026 um den Eigen Engineering Agent erweitert, der Aufgaben per KI selbstständig bearbeitet.
Virtuelle Inbetriebnahme
Bei der virtuellen Inbetriebnahme läuft das echte Steuerungsprogramm gegen ein Simulationsmodell der Anlage. Fehler im Ablauf fallen so vor dem Aufbau auf. Die Abnahme der Sicherheitsfunktionen an der realen Maschine bleibt trotzdem Pflicht.
FAQ: Elektroniker für Automatisierungstechnik: Die KI automatisiert, jemand programmiert sie
Wie lange dauert die Ausbildung zum Elektroniker für Automatisierungstechnik?
Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre im dualen System aus Betrieb und Berufsschule, zuständig ist die IHK. Die Abschlussprüfung läuft gestreckt in zwei Teilen, Teil 1 zählt 40 Prozent und Teil 2 60 Prozent. Mit Abitur oder guten Leistungen lässt sich die Lehrzeit auf Antrag verkürzen.
Was unterscheidet den Elektroniker für Automatisierungstechnik vom Mechatroniker?
Der Mechatroniker verbindet Mechanik, Elektrik und Steuerungstechnik und baut häufig ganze Baugruppen auf. Der Elektroniker für Automatisierungstechnik konzentriert sich stärker auf Steuerungen, Programmierung, Netzwerke und die Inbetriebnahme automatisierter Anlagen. Beide Ausbildungen dauern dreieinhalb Jahre.
Was verdient ein Elektroniker für Automatisierungstechnik nach der Ausbildung?
Der WSI-Lohnspiegel nennt für Berufseinsteiger ein mittleres Monatsgehalt von 3.640 Euro brutto bei 38 Wochenstunden, nach zehn Berufsjahren 4.300 Euro. Im Westen liegt der Mittelwert mit 4.370 Euro deutlich über dem Osten mit 3.770 Euro.
Welche Voraussetzungen brauchen Sie für die Ausbildung?
Einen bestimmten Schulabschluss schreibt die Verordnung nicht vor, viele Betriebe erwarten mindestens die mittlere Reife. Gute Noten in Mathematik, Physik und Informatik, logisches Denken und Interesse an Technik und Programmierung sind wichtig. Farbsehen hilft bei der Arbeit an Leitungen und Klemmen.
Welche Weiterbildungen gibt es nach der Ausbildung?
Typische Aufstiegswege sind der Geprüfte Industriemeister Fachrichtung Elektrotechnik, der staatlich geprüfte Techniker Elektrotechnik oder Automatisierungstechnik und ein Studium der Elektrotechnik, Mechatronik oder Automatisierungstechnik. Zertifikate in funktionaler Sicherheit und Industrial Security ergänzen das Profil.
Kann KI den Elektroniker für Automatisierungstechnik ersetzen?
Auf absehbare Zeit nicht. KI-Agenten wie der Eigen Engineering Agent von Siemens schreiben bereits Steuerungscode, die Freigabe für die reale Anlage bleibt aber beim Menschen. Inbetriebnahme, Sicherheitsprüfung und die Kontrolle des generierten Codes sichern dem Beruf im KI-Resilienz-Check die Note 2,7.
Quellen
Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) | Tarifliche Ausbildungsvergütungen in dualen Ausbildungsberufen 2025, Bundesgebiet | https://www.bibb.de/dokumente/pdf/2025_Dav-Gesamtübersicht_Ausbildungsvergütungen_Bundesgebiet.pdf | besucht am 29.09.2026
Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) | Datenbank Ausbildungsvergütungen | https://www.bibb.de/de/ausbildungsverguetung.php | besucht am 29.09.2026
Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) | Rangliste 2025 der Ausbildungsberufe nach Anzahl der Neuabschlüsse (Tabelle 67) | https://www.bibb.de/de/211102.php | besucht am 29.09.2026
Bundesamt für Justiz | Verordnung über die Berufsausbildung in den industriellen Elektroberufen (IndElAusbV) vom 24. Juli 2007 | https://www.gesetze-im-internet.de/indelausbv_2007/BJNR167800007.html | besucht am 29.09.2026
Bundesamt für Justiz | Berufsbildungsgesetz, § 17 Vergütungsanspruch und Mindestvergütung | https://www.gesetze-im-internet.de/bbig_2005/__17.html | besucht am 29.09.2026
Siemens AG | Siemens takes AI for the physical world to the next level with two new Eigen Engineering Agent capabilities | https://press.siemens.com/global/en/pressrelease/siemens-takes-ai-physical-world-next-level-two-new-eigen-engineering-agent | besucht am 29.09.2026
Siemens AG | Siemens showcases the future of autonomous production at SPS 2025 | https://press.siemens.com/global/en/pressrelease/siemens-showcases-future-autonomous-production-sps-2025 | besucht am 29.09.2026
Institut der deutschen Wirtschaft, KOFA | Jahresrückblick 2025: Schwacher Arbeitsmarkt | https://www.kofa.de/daten-und-fakten/studien/jahresrueckblick-2025/ | besucht am 29.09.2026
Hans-Böckler-Stiftung, WSI-Lohnspiegel | Gehaltsauswertung für Elektroniker/innen für Automatisierungstechnik (Industrie) | https://www.lohnspiegel.de/gehaltsinfos/elektroniker_in_fuer_automatisierungstechnik_industrie_26122117.html | besucht am 29.09.2026
Amt für Veröffentlichungen der EU | Verordnung (EU) 2023/1230 über Maschinen | https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2023/1230/oj | besucht am 29.09.2026