Eisenbahner im Betriebsdienst erreichen im KI-Resilienz-Check die Note 2,0 und landen damit im Spitzenfeld der Serie. In Hamburg rollen S-Bahnen schon ohne Zutun des Fahrers bis an den Bahnsteig. Überflüssig wird der Lokführer dadurch nicht, denn er sitzt weiterhin im Führerstand und greift ein, sobald etwas schiefläuft.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDer Eisenbahner im Betriebsdienst in der Ausbildung Lokführer und Transport ist heute im KI-Resilienz-Check an der Reihe. Die Branche sucht Lokführer so dringend wie kaum eine andere Fachkraft, und gleichzeitig testen Deutsche Bahn und Industrie Züge, die selbst beschleunigen und bremsen. Dr. Web bewertet den Beruf wie die 30 Berufe aus dem Serien-Basisartikel zur KI-Resilienz von Ausbildungsberufen: nach dem Sechs-Kriterien-Raster auf der Schulnotenskala von 1 bis 6.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Beruf erreicht die Gesamtnote 2,0, gestützt auf Führerschein, Haftung für Hunderte Fahrgäste und die Arbeit im Führerstand.
- Die Ausbildung dauert drei Jahre im dualen System, Grundlage ist die Lokführer- und Transportausbildungsverordnung von 2022.
- Die Deutsche Bahn zahlt seit Juli 2026 eine Ausbildungsvergütung von 1.324 Euro im ersten bis 1.531 Euro im dritten Jahr.
- Automatische Zugsteuerung übernimmt Beschleunigen, Bremsen und das punktgenaue Anhalten, der Lokführer überwacht und greift bei Störungen ein.
- Auf 100 offene Stellen kommen laut Allianz pro Schiene nur 51 arbeitsuchende Lokführer, der Bedarf wächst weiter.
Kurzer Bauchgefühl-Test: Ersetzt die Maschine den Lokführer?
Bevor der Tacho im dritten Kapitel die Note aufschlüsselt, sind Sie am Zug: fünf kurze Fragen rund um Führerstand, Fahrplan und Ausbildung. Vorwissen brauchen Sie nicht, ein gutes Bauchgefühl genügt.
1 Wie viele neue Ausbildungsverträge schlossen Betriebe 2024 bundesweit für angehende Lokführer im Betriebsdienst ab? Aufklappen ↓
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2 Auf deutschen Hauptstrecken fahren Personenzüge längst ohne Lokführer. Stimmt das? Aufklappen ↓
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3 Welche Aufgabe lässt sich im Führerstand partout nicht an die Automatik abgeben? Aufklappen ↓
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4 Wie hoch ist die Ausbildungsvergütung bei der Deutschen Bahn im ersten Jahr seit Juli 2026? Aufklappen ↓
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5 Welche KI-Resilienz-Note vergibt Dr. Web an den Eisenbahner im Betriebsdienst? Aufklappen ↓
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Was macht ein Eisenbahner im Betriebsdienst und wie läuft die Ausbildung ab?
Tarifschnitt 2024
Tarifschnitt 2024
DB ab 7/2026
DB ab 7/2026
Ein Eisenbahner im Betriebsdienst Lokführer und Transport bereitet Züge im Personen- oder Güterverkehr vor und fährt diese anschließend. Vor der Abfahrt prüft er Lok und Wagen, führt die Bremsprobe durch und kontrolliert, ob die Ladung richtig gesichert ist. Im Rangierbahnhof stellt er Wagen zu Zügen zusammen, kuppelt und entkuppelt. Unterwegs hält er Kontakt zum Fahrdienstleiter im Stellwerk, beobachtet Signale und Strecke und reagiert auf Störungen. Gearbeitet wird im Schichtdienst, nachts, am Wochenende und an Feiertagen.
Seit dem 1. August 2022 gilt für den Beruf eine eigene Ausbildungsordnung. Zuvor existierte ein gemeinsamer Beruf mit den Fachrichtungen Lokführer und Transport sowie Fahrweg. Weil sich beide Tätigkeiten zu weit auseinanderentwickelt hatten, entstanden zwei eigenständige Berufe: der Lokführer und der Eisenbahner in der Zugverkehrssteuerung, der im Stellwerk die Weichen stellt. Die Lokführer- und Transportausbildungsverordnung vom 14. März 2022 legt fest, dass jeder Betrieb die Ausbildung in einem Einsatzgebiet vermittelt, im Güterverkehr oder im Personenverkehr.
Die Ausbildung dauert drei Jahre und läuft dual in Betrieb und Berufsschule, zuständig ist die Industrie- und Handelskammer. Die Abschlussprüfung ist gestreckt: Teil 1 findet im vierten Ausbildungshalbjahr statt, Teil 2 am Ende der Ausbildung. Der Prüfungsbereich „Zug- und Rangierfahrten durchführen“ zählt am stärksten. Parallel erwerben die Auszubildenden den Triebfahrzeugführerschein, den das Eisenbahn-Bundesamt ausstellt.
Bei der Vergütung liegt der Beruf deutlich über der gesetzlichen Mindestausbildungsvergütung von 724 Euro. Die Datenbank Ausbildungsvergütungen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) weist für 2024 tarifliche Durchschnittswerte von 1.195 Euro im ersten und 1.260 Euro im zweiten Jahr aus. Für das dritte Jahr nennt das BIBB wegen der Neuordnung keinen eigenen Wert. Die Deutsche Bahn zahlt seit dem 1. Juli 2026 je nach Ausbildungsjahr zwischen 1.324 und 1.531 Euro im Monat, dazu kommt Weihnachtsgeld.
| Ausbildungsjahr | Tariflicher Durchschnitt (BIBB, 2024) | Deutsche Bahn (ab 1. Juli 2026) |
|---|---|---|
| 1. Jahr | 1.195 € | 1.324 € |
| 2. Jahr | 1.260 € | zwischen 1.324 € und 1.531 € |
| 3. Jahr | kein eigener Wert ausgewiesen | 1.531 € |
Einen bestimmten Schulabschluss schreibt die Verordnung nicht vor, die Deutsche Bahn verlangt mindestens den Hauptschulabschluss und gute Deutschkenntnisse. Entscheidend sind die medizinische und die psychologische Tauglichkeit, die anerkannte Ärzte und Psychologen feststellen. Das Mindestalter für den Führerschein liegt bei 20 Jahren. Mit einem medizinisch-psychologischen Gutachten dürfen auch 18- und 19-Jährige fahren, allerdings nur unter einfachen Bedingungen: im Rangierdienst oder auf wenigen bekannten Strecken mit höchstens 120 Kilometern pro Stunde.
Welche Note bekommt der Eisenbahner im Betriebsdienst im KI-Resilienz-Check?
Die Gesamtnote 2,0 stellt den Beruf in die Spitzengruppe der Serie. Das Sechs-Kriterien-Raster im nächsten Kapitel zerlegt die Note in ihre Bestandteile.
Die Note 2,0 bringt den Lokführer in die Spitzengruppe der Serie. Nur der Büchsenmacher liegt mit 1,6 klar davor, der Chirurgiemechaniker folgt mit 2,2 knapp dahinter. Alle drei Berufe verbindet dasselbe Muster: Ein staatliches Zulassungsregime trifft auf eine Haftung, bei der ein Fehler Menschenleben kosten kann.
Für eine bessere Note fehlt die Bindung an den Ort. Anders als der Büchsenmacher an der Werkbank arbeitet der Lokführer an einer Maschine, die sich technisch schon heute ohne Hand am Fahrschalter bewegen lässt. Die Hamburger S-Bahn und die Versuche mit automatisierten Loks zeigen, dass die reine Fahrtätigkeit automatisierbar ist. Vor einer schlechteren Note schützt den Beruf das Regelwerk, denn ohne Triebfahrzeugführerschein darf niemand einen Zug fahren, und für Züge ohne Fahrer im offenen Netz fehlen Zulassungen, Technik und Rechtsrahmen gleichermaßen.
Wie setzt sich die Note aus dem Sechs-Kriterien-Raster zusammen?
Die Infografik zeigt zwei Bestnoten bei Haftung und Regulierung, eine 2 bei der physischen Präsenz und drei Mittelwerte. Jede der sechs Einzelnoten hängt an einer konkreten Tätigkeit im Berufsalltag, die folgenden Abschnitte begründen jede Note einzeln.
Physische Präsenz (Note 2)
Der Lokführer sitzt im Führerstand, läuft vor der Abfahrt den Zug ab, kuppelt Wagen im Rangierbahnhof und prüft Bremsen und Ladung am Fahrzeug. Nach einer Notbremsung steigt er aus und sieht selbst nach. Für die 1 reicht das nicht, denn die reine Fahrt lässt sich aus der Ferne steuern: DB Cargo erprobt seit Oktober 2025 auf der niederländischen Betuweroute eine automatisiert fahrende Lok, deren Fahrt ein Team per Fernüberwachung verfolgt.
Empathie und Vertrauen (Note 3)
Im Personenverkehr sitzen Hunderte Menschen hinter dem Führerstand, die dem Fahrer ihr Leben anvertrauen, ohne ihn je zu sehen. Die Ausbildungsverordnung verlangt ausdrücklich Kundenkommunikation, etwa bei Durchsagen, bei Verspätungen oder bei einer Evakuierung auf freier Strecke. Im Güterverkehr fällt dieser Teil fast weg. Die Mischung aus stillem Vertrauen und seltenem direkten Kontakt ergibt die mittlere Note 3.
Urteilskraft und Haftung (Note 1)
Ein Lokführer bewegt Züge mit mehreren Hundert Tonnen Gewicht und einem Bremsweg von bis zu einem Kilometer. Er entscheidet, ob ein Signal gilt, ob ein Hindernis im Gleis liegt und ob er nach einer Störung weiterfahren darf. Im Prüfungsbereich „Eisenbahnbetrieb im Regelbetrieb sowie bei Abweichungen und Störungen“ steht genau diese Urteilskraft im Mittelpunkt. Ein Fehler kann Menschenleben kosten, und der Fahrer haftet persönlich, auch strafrechtlich. Das Kriterium verdient deshalb die Bestnote 1.
Regulatorische Hürde (Note 1)
Ohne Triebfahrzeugführerschein darf in Deutschland niemand einen Zug fahren. Das Eisenbahn-Bundesamt stellt das Dokument nach der Triebfahrzeugführerscheinverordnung aus, die auf einer EU-Richtlinie beruht. Hinzu kommen die Zusatzbescheinigung für Fahrzeugbaureihen und Strecken, regelmäßige Tauglichkeitsuntersuchungen und Fortbildungen. Jeder automatisierte Zug braucht zudem eine eigene Zulassung. Dieses doppelte Schutzregime für Mensch und Maschine ergibt die Note 1.
Routineanteil (Note 3)
Viele Fahrten gleichen sich: dieselbe Strecke, derselbe Fahrplan, dieselben Halte. Genau diese Routine übernimmt die automatische Zugsteuerung zuerst. Dagegen stehen Bauarbeiten, Langsamfahrstellen, gestörte Signale und Umleitungen, die jede Schicht anders machen. Aus dieser Mischung folgt die Note 3.
Digitalisierungsgrad (Note 3)
Im Führerstand zeigt ein Tablet den elektronischen Fahrplan, das Zugsicherungssystem überwacht die Geschwindigkeit, und Funk läuft digital. Auf ausgebauten Strecken übermittelt das europäische Zugsicherungssystem ETCS die Fahrerlaubnis direkt ins Fahrzeug. Weite Teile des deutschen Netzes arbeiten aber noch mit älterer Signaltechnik und mechanischen Stellwerken, deshalb bleibt die Note bei 3.
Die gewichtete Gesamtrechnung
Physische Präsenz, Empathie, Urteilskraft und regulatorische Hürde zählen doppelt, Routineanteil und Digitalisierungsgrad einfach. Mit den sechs Einzelnoten ergibt die Rechnung (2×2) + (3×2) + (1×2) + (1×2) + (3×1) + (3×1) = 20 Punkte. Geteilt durch die Gewichtssumme 10 folgt ohne Rundung die Note 2,0.
Welche Teilaufgaben übernehmen KI und Automatik zuerst?

Am weitesten fortgeschritten ist die Fahrautomatik im Nahverkehr. Auf der Hamburger S-Bahn-Linie S2 fahren seit dem ITS-Weltkongress im Oktober 2021 vier Züge auf dem 23 Kilometer langen Abschnitt zwischen Berliner Tor und Aumühle hochautomatisiert. Die Technik heißt ATO over ETCS. Der Zug beschleunigt, bremst und hält selbstständig am Bahnsteig, der Triebfahrzeugführer überwacht und greift nur bei Störungen ein. Fachleute sprechen von Automatisierungsstufe GoA 2.
Im Projekt Digitaler Knoten Stuttgart soll die Deutsche Bahn mehr als 500 Fahrzeuge für Regional- und S-Bahn-Verkehr mit derselben Technik ausrüsten. Laut Digitaler Schiene Deutschland behält der Lokführer auch dort die Verantwortung: Er rüstet das Fahrzeug auf, beobachtet den Bahnsteig, schließt die Türen und startet die Weiterfahrt per Knopfdruck. Folgende Teilaufgaben geraten zuerst unter Druck:
- Beschleunigen, Bremsen und Anhalten: übernimmt die automatische Zugsteuerung bereits im Hamburger S-Bahn-Betrieb.
- Energiesparendes Fahren nach Fahrplan: Software berechnet die optimale Geschwindigkeit, damit ein Zug pünktlich ankommt und weniger Strom verbraucht.
- Abdrücken im Rangierbahnhof: DB Cargo lässt mit Bosch Engineering und ITK Engineering eine vollautomatische Abdrücklok entwickeln, die Zulassung ist bis Ende 2027 geplant, der Einsatz ab 2028.
- Fahrten in die Abstellanlage: Züge mit Sensoren und Kameras sollen künftig ohne Fahrer zur Bereitstellung und zurück rollen.
Im Güterverkehr testet DB Cargo seit Oktober 2025 eine Lok, die das Unternehmen als europaweit erste für den automatisierten Betrieb ausgerüstet hat. Die Vectron-Lok fährt ein Jahr lang auf der Betuweroute zwischen Rotterdam und der deutschen Grenze. Die Lok beschleunigt, bremst und hält selbst, ein Lokführer bleibt aus Sicherheitsgründen an Bord. Entwickelt haben das System das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Hitachi und das Unternehmen Remoot. Seriös lässt sich nur die Richtung abschätzen: Zuerst verschwindet der Handgriff am Fahrschalter, der Mensch im Führerstand bleibt noch lange.
Wie verwundbar ein digitalisierter Betrieb bleibt, zeigte der Ausfall des Zugfunks, der Züge zwei Stunden lang zum Stehen brachte. Ohne Funkverbindung fährt auch kein automatischer Zug, ein erfahrener Lokführer kennt dagegen die Rückfallebene auf Signal und Fahrplan.
Welche Arbeit im Führerstand bleibt unersetzbar menschlich?
- −Beschleunigen, Bremsen und Anhalten nach Fahrplan
- −Energiesparendes Fahren per Software
- −Abdrücken im Rangierbahnhof
- −Fahrten in die Abstellanlage
- +Lage im Störfall beurteilen und entscheiden
- +Zug nach Notbremsung prüfen und sichern
- +Fahrgäste informieren und evakuieren
- +Haftung für Zug, Ladung und Menschen
Der wichtigste Grund für die hohe Resilienz liegt im Störfall. Ein Baum liegt im Gleis, ein Signal zeigt dunkel, ein Fahrgast bricht zusammen, eine Oberleitung reißt. Solche Lagen folgen keinem Muster, das sich vorab trainieren ließe. Der Lokführer muss entscheiden, ob er anhält, zurücksetzt oder mit dem Fahrdienstleiter eine Weiterfahrt auf schriftlichen Befehl vereinbart.
Auf freier Strecke schickt zudem keine Leitstelle schnell jemanden vorbei. Nach einer Notbremsung geht der Lokführer den Zug ab, prüft Wagen und Bremsen und sichert die Unfallstelle. Mit Fahrgästen an Bord organisiert er im Ernstfall die Evakuierung. Diese Aufgaben erfordern Anwesenheit und eine Person, die Anweisungen gibt, denen Menschen in einer Stresslage folgen.
Weitere Grenzen ziehen der Zustand des Netzes und das Recht. Fahrerlose Züge der höchsten Stufe GoA 4 fahren in Deutschland bisher nur auf abgeschotteten U-Bahn-Strecken wie in Nürnberg. Im offenen Netz mit Bahnübergängen, Güterzügen und Rangierbewegungen fehlen die Voraussetzungen, und ETCS als technische Grundlage erreicht bislang nur einen kleinen Teil der deutschen Strecken. Der Lokführer im Führerstand bleibt damit auf absehbare Zeit die letzte Sicherheitsinstanz.
Wie verändert sich der Arbeitsalltag im Führerstand?
Der Lokführer wandelt sich vom Fahrer zum Überwacher. Auf automatisierten Strecken steuert er den Zug nicht mehr von Hand, sondern kontrolliert die Technik, beobachtet Strecke und Bahnsteig und übernimmt, sobald die Automatik ausfällt. Der Rollenwechsel verlangt neue Fähigkeiten: Diagnose am Fahrzeug, Umgang mit Software und ein Verständnis für ETCS. Die Ausbildungsverordnung von 2022 führt digitale Kommunikation bereits als festen Ausbildungsinhalt auf.
Gleichzeitig sucht die Branche dringend Personal. Laut Allianz pro Schiene kommen auf 100 offene Stellen nur 51 arbeitsuchende Lokführer, die Arbeitslosenquote in der Berufsgruppe lag zuletzt bei 1,7 Prozent. Das Bündnis rechnet mit einem Bedarf von 5.000 bis 10.000 zusätzlichen Lokführern pro Jahr, getrieben von der geplanten Verlagerung von Verkehr auf die Schiene. Im ersten Quartal 2024 stieg die Zahl der Stellenangebote um mehr als 13 Prozent auf 3.222.
Die Automatik nimmt dem Lokführer den Fahrschalter ab, nicht die Verantwortung. Solange ein Zug im offenen Netz auf Bahnübergänge, Baustellen und Menschen im Gleis trifft, braucht er vorn jemanden, der entscheidet und haftet. Die Note 2,0 verdankt der Beruf dieser Haftung, nicht einer rückständigen Technik. Zu wenige Lokführer bremsen die Bahn heute stärker aus als jeder Algorithmus.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Die Ausbildungszahlen steigen, reichen aber nicht. Laut BIBB schlossen Betriebe 2024 bundesweit 1.110 neue Ausbildungsverträge für den Beruf ab, 2020 lag die Zahl noch bei 804. Seit 2018 haben zudem mehr als 7.000 Quereinsteiger den Beruf über Bildungsgutscheine der Bundesagentur für Arbeit erlernt. Mit dem Bedarf von mehreren Tausend neuen Lokführern im Jahr hält dieses Wachstum trotzdem nicht Schritt.
Beim Verdienst liegt der Beruf über vielen vergleichbaren Fachberufen. Laut Allianz pro Schiene verdienen Lokführer im Median 3.735 Euro brutto im Monat (2023), bei der Deutschen Bahn liegen die Gehälter zwischen 3.750 und 4.666 Euro, Schichtzulagen kommen dazu. Der Tarifabschluss zwischen Deutscher Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL aus dem Frühjahr 2024 senkt die Referenzarbeitszeit schrittweise bis 2029 auf 35 Wochenstunden. Längere Arbeitszeiten bleiben auf Wunsch möglich.
Was bedeutet das für angehende Azubis und Betriebe?

Für angehende Azubis ist der Beruf eine der sichersten Wetten auf dem Ausbildungsmarkt. Die Deutsche Bahn garantiert die Übernahme, und private Eisenbahnunternehmen werben ebenfalls um Nachwuchs. Ob statt der Lehre ein Studium besser passt, klärt unser Beitrag zu Ausbildung oder Studium, verwandte Berufe samt Verdienst stehen im Ausbildungsberufe-Finder. Klären sollten Sie vorab die eigene Tauglichkeit: Seh- und Hörtest sowie psychologischer Eignungstest sind Pflicht und schließen manche Bewerber aus.
Die schwächste Stelle im Raster bleibt die reine Fahrtätigkeit. Angehende Lokführer stellen sich deshalb besser breiter auf: Wer Fahrzeugtechnik, Störungsdiagnose und ETCS beherrscht, wird im automatisierten Betrieb zur gesuchten Fachkraft, weil genau diese Aufgaben beim Menschen bleiben. Nach einigen Jahren öffnen Fortbildungen zum Fachwirt für den Bahnbetrieb oder zum geprüften Meister für Bahnverkehr den Weg in Disposition und Führung.
Vor der Unterschrift lohnen drei Vorabklärungen. Ein Praktikum oder eine Führerstandsmitfahrt zeigt, ob Schichtdienst und lange Stunden allein im Führerstand zum eigenen Leben passen. Die Wahl des Einsatzgebiets prägt den Alltag: Im Güterverkehr fahren Sie oft nachts und weit, im Personenverkehr haben Sie Fahrgäste und feste Takte. Zuletzt entscheidet der Arbeitgeber über Tarif und Standort, denn Deutsche Bahn und private Anbieter zahlen unterschiedlich.
Ausbildungsbetriebe holen die Automatik am besten schon heute in die Lehre, statt die Technik als ferne Zukunft zu behandeln. Simulatoren mit ATO-Modus, Übungen zur Übernahme bei Systemausfall und Grundlagen der Fahrzeugdiagnose machen Azubis fit für den Führerstand von morgen. Betriebe, die jetzt zu wenig ausbilden, verlieren doppelt: Erfahrene Kräfte scheiden aus, und der Wettbewerb um den Nachwuchs wird härter.
Der Lokführer verliert den Griff zum Fahrschalter und behält alles, was nach einer Störung passiert. Diese Verantwortung sichert ihm im KI-Resilienz-Check die Note 2,0.
Glossar: 12 wichtige Fachbegriffe zum Eisenbahner im Betriebsdienst
Abdrücklok
Eine Abdrücklok schiebt im Rangierbahnhof Güterwagen langsam über einen künstlichen Hügel, den Ablaufberg. Von dort rollen die Wagen einzeln in die richtigen Gleise und werden zu neuen Zügen zusammengestellt. DB Cargo lässt eine vollautomatische Abdrücklok entwickeln.
ATO
ATO steht für Automatic Train Operation, die automatische Zugsteuerung. Das System übernimmt Beschleunigen, Bremsen und Anhalten nach Fahrplan. In Kombination mit ETCS heißt die Technik ATO over ETCS, im Einsatz etwa bei der Hamburger S-Bahn.
Bremsprobe
Die Bremsprobe ist eine vorgeschriebene Prüfung vor der Abfahrt. Der Lokführer oder ein Wagenprüfer kontrolliert, ob die Bremsen aller Wagen anlegen und wieder lösen. Ohne erfolgreiche Bremsprobe darf ein Zug nicht losfahren.
EBuLa
EBuLa steht für elektronischer Buchfahrplan und La, das Verzeichnis der Langsamfahrstellen. Das System zeigt dem Lokführer auf einem Bildschirm im Führerstand Strecke, Geschwindigkeiten und Halte an und ersetzt das frühere Papierheft.
ETCS
ETCS ist das European Train Control System, das einheitliche europäische Zugsicherungssystem. Das System überträgt Fahrerlaubnis und Höchstgeschwindigkeit per Funk oder über Balisen im Gleis direkt ins Fahrzeug und überwacht den Zug durchgehend.
Fahrdienstleiter
Der Fahrdienstleiter sitzt im Stellwerk und regelt die Zugfolge auf seinem Abschnitt. Er stellt Weichen und Signale und gibt dem Lokführer bei Störungen Anweisungen, etwa einen schriftlichen Befehl zur Vorbeifahrt an einem gestörten Signal.
GoA
GoA steht für Grade of Automation und beschreibt die Stufen der Zugautomatisierung von 0 bis 4. Bei GoA 2 fährt der Zug automatisch, ein Fahrer überwacht. Bei GoA 4 fährt der Zug ganz ohne Personal an Bord, wie in der Nürnberger U-Bahn.
LZB
Die LZB ist die linienförmige Zugbeeinflussung. Ein Kabel im Gleis überträgt laufend Daten zwischen Zug und Zentrale, sodass Züge schneller als 160 Kilometer pro Stunde fahren dürfen. Das System gilt als Vorläufer von ETCS.
PZB
Die PZB ist die punktförmige Zugbeeinflussung, das verbreitetste Zugsicherungssystem in Deutschland. Magnete am Gleis prüfen an Signalen, ob der Lokführer ein Warnsignal bestätigt und rechtzeitig bremst. Andernfalls löst das System eine Zwangsbremsung aus.
Rangieren
Beim Rangieren bewegen Eisenbahner Fahrzeuge innerhalb eines Bahnhofs oder einer Anlage, um Züge zu bilden, zu trennen oder abzustellen. Rangierfahrten laufen langsamer und nach eigenen Regeln, oft mit Funk zwischen Lokführer und Rangierbegleiter.
Sifa
Die Sifa ist die Sicherheitsfahrschaltung im Führerstand. Der Lokführer muss in regelmäßigen Abständen ein Pedal oder einen Taster betätigen. Bleibt die Bestätigung aus, etwa weil der Fahrer bewusstlos ist, bremst der Zug automatisch.
Zusatzbescheinigung
Die Zusatzbescheinigung ergänzt den Triebfahrzeugführerschein. Das Eisenbahnunternehmen stellt das Dokument aus und legt fest, welche Fahrzeugbaureihen und welche Strecken der Lokführer fahren darf. Für jede neue Baureihe braucht er eine eigene Schulung.
FAQ: Eisenbahner im Betriebsdienst: Am Zug entscheidet der Mensch, nicht die Cloud
Wie lange dauert die Ausbildung zum Eisenbahner im Betriebsdienst?
Die Ausbildung dauert drei Jahre im dualen System aus Betrieb und Berufsschule. Die Abschlussprüfung ist gestreckt: Teil 1 liegt im vierten Ausbildungshalbjahr, Teil 2 am Ende der Ausbildung. Bei guten Leistungen lässt sich die Ausbildung verkürzen.
Ab welchem Alter dürfen Sie einen Zug fahren?
Das Mindestalter für den Triebfahrzeugführerschein liegt bei 20 Jahren. Mit einem medizinisch-psychologischen Gutachten erteilt das Eisenbahn-Bundesamt die Fahrberechtigung schon ab 18 Jahren, dann aber nur für den Rangierdienst oder wenige bekannte Strecken bis 120 Kilometer pro Stunde.
Was verdient ein Lokführer nach der Ausbildung?
Laut Allianz pro Schiene lag das mittlere Bruttogehalt von Lokführern 2023 bei 3.735 Euro im Monat. Bei der Deutschen Bahn liegen die Gehälter zwischen 3.750 und 4.666 Euro, dazu kommen Zulagen für Nacht-, Sonntags- und Feiertagsarbeit.
Was unterscheidet den Beruf vom Eisenbahner in der Zugverkehrssteuerung?
Der Eisenbahner im Betriebsdienst Lokführer und Transport fährt und rangiert Züge. Der Eisenbahner in der Zugverkehrssteuerung arbeitet im Stellwerk und regelt die Zugfolge. Bis 2022 waren beide Tätigkeiten Fachrichtungen eines gemeinsamen Berufs.
Können Quereinsteiger Lokführer werden?
Ja. Eisenbahnunternehmen und Bildungsträger bieten Umschulungen an, die oft die Bundesagentur für Arbeit per Bildungsgutschein finanziert. Seit 2018 sind laut Allianz pro Schiene mehr als 7.000 Menschen auf diesem Weg in den Beruf gewechselt.
Kann KI den Lokführer ersetzen?
Auf absehbare Zeit nicht. Automatische Zugsteuerung übernimmt Beschleunigen, Bremsen und Anhalten, doch der Lokführer überwacht, entscheidet im Störfall und haftet. Deshalb erreicht der Beruf im KI-Resilienz-Check die Note 2,0.
Quellen
Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) | Datenbank Ausbildungsvergütungen, Tarifliche Ausbildungsvergütungen 2024 | https://www.bibb.de/de/ausbildungsverguetung.php | besucht am 26.09.2026
Bundesamt für Justiz | Lokführer- und Transportausbildungsverordnung (LTAusbV) vom 14. März 2022 | https://www.gesetze-im-internet.de/ltausbv/BJNR043310022.html | besucht am 26.09.2026
Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) | Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge 2020 bis 2024 (Erhebung zum 30. September) | https://www.bibb.de/dokumente/pdf/naa309/naa309_2024_tab074_0bund.pdf | besucht am 26.09.2026
Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) | Berufesuche: Eisenbahner/-in im Betriebsdienst Lokführer/-in und Transport | https://www.bibb.de/dienst/berufesuche/de/index_berufesuche.php/profile/apprenticeship/eilok22 | besucht am 26.09.2026
Deutsche Bahn | Deine Ausbildung als Lokführer:in | https://db.jobs/de-de/berufe/lokfuehrer/ausbildung | besucht am 26.09.2026
Eisenbahn-Bundesamt | Triebfahrzeugführer jünger als 20 Jahre | https://www.eba.bund.de/DE/Themen/Tfz-Fuehrerscheinstelle/Triebfahrzeugfuehrerschein/Tf-juenger-als-20/tf-juenger-als-20_inhalt.html | besucht am 26.09.2026
Allianz pro Schiene | Daten, Zahlen, Fakten zum Thema Lokführer | https://www.allianz-pro-schiene.de/themen/arbeitsplaetze/lokfuehrer/ | besucht am 26.09.2026
Allianz pro Schiene | Bedarf an Lokführerinnen und Lokführern wächst weiter | https://www.allianz-pro-schiene.de/presse/pressemitteilungen/bedarf-lokfuehrer-waechst/ | besucht am 26.09.2026
S-Bahn Hamburg | Digitale S-Bahn Hamburg | https://www.s-bahn-hamburg.de/wir/digitale-s-bahn-hamburg | besucht am 26.09.2026
Digitale Schiene Deutschland | Hochautomatisiertes Fahren im Digitalen Knoten Stuttgart | https://digitale-schiene-deutschland.de/en/news/2025/ATO_GoA2_DKS | besucht am 26.09.2026
DB Cargo | Automatisierte Lokomotive feiert Premiere | https://www.dbcargo.com/rail-de-de/logistik-news/ATO-startet-Probebetrieb-13438618 | besucht am 26.09.2026
ITK Engineering | ITK Engineering und DB Cargo entwickeln vollautomatische Rangierlok zur Serienreife | https://www.itk-engineering.de/presse/itk-engineering-und-db-cargo-entwickeln-vollautomatische-rangierlok-zur-serienreife/ | besucht am 26.09.2026