Ausbildungsberufe gibt es in Deutschland genau 325 und kaum jemand kennt mehr als ein Dutzend davon. Zwischen dem Kfz-Mechatroniker mit zehntausenden neuen Azubis pro Jahr und dem Bogenmacher, den fast niemand auf dem Schirm hat, liegt eine Vielfalt, die keine Berufsberatung an einem Nachmittag abdeckt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDieser Überblick zeigt dir alle anerkannten Ausbildungsberufe auf einmal, sortiert nach sechs Berufsfeldern und ergänzt um den echten Verdienst-Median aus der Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Das Herzstück ist ein Finder, der dich mit drei Fragen zu den Berufen führt, die zu dir passen.
Das Wichtigste in Kürze
- In Deutschland sind aktuell 325 Ausbildungsberufe anerkannt, Stand 1. Oktober 2025 laut dem Bundesinstitut für Berufsbildung.
- Die Berufe verteilen sich auf sechs Felder, vom Handwerk mit den meisten Berufen bis zu Gesundheit und Soziales mit den wenigsten.
- Der Verdienst schwankt je nach Feld erheblich, von rund 2.700 Euro im Gastgewerbe bis über 5.000 Euro im kaufmännischen Bereich.
- Die meisten Ausbildungen dauern drei Jahre, ein kleiner Teil zwei oder dreieinhalb.
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Wie viele Ausbildungsberufe gibt es in Deutschland?
Das Bundesinstitut für Berufsbildung führt die amtliche Liste und veröffentlicht sie jedes Jahr neu. In der Ausgabe 2026 stehen 324 anerkannte Ausbildungsberufe nach Berufsbildungsgesetz und Handwerksordnung, dazu kommt der Schiffsmechaniker als Sonderfall außerhalb dieser beiden Rechtsgrundlagen. Zusammen ergibt das 325 Berufe zum Stichtag 1. Oktober 2025.
Die Zahl bewegt sich und zwar nach unten. Zum Ausbildungsbeginn 2025 sind sieben modernisierte Berufe in Kraft getreten, im Jahr davor hat das Verzeichnis noch 327 Berufe ausgewiesen. Der Rückgang hat einen unspektakulären Grund: Verwandte Berufe werden zusammengelegt, damit die Ausbildung breiter aufgestellt bleibt.
Wer daraus schwindende Vielfalt liest, liegt falsch. Eine Zusammenlegung nimmt niemandem einen Beruf weg, sondern bündelt verwandte Tätigkeiten unter einem moderneren Dach. Der Verlust an Katalognummern ist ein Gewinn an Durchlässigkeit. Genau das liegt im Interesse der Auszubildenden, weil ein breiter zugeschnittener Beruf nach der Lehre mehr Türen offen lässt.
Jeder anerkannte Ausbildungsberuf in Deutschland, alphabetisch von A bis Z.
325 Berufe, ein Land, drei Farben. Den passenden findest du im Finder oben.
Ein Beispiel macht das greifbar. Aus mehreren früheren Einzelberufen der Medienproduktion ist über die Jahre der moderne Mediengestalter geworden, der Bild, Ton und digitale Ausspielung unter einem Abschluss vereint. Statt drei enger Berufe mit unsicherer Zukunft trägt ein breiter Beruf die technische Entwicklung mit.
Nicht in dieser Liste stehen die schulischen Ausbildungsberufe im Gesundheits- und Sozialwesen, also Logopädie, Ergotherapie oder Diätassistenz. Diese Berufe folgen einer eigenen Rechtsgrundlage und werden nicht dual ausgebildet, also nicht im Wechsel von Betrieb und Berufsschule. Der Finder oben bildet deshalb die duale Welt ab, die den Kern der deutschen Berufsausbildung ausmacht.
Wie stark diese Welt genutzt wird, zeigt eine zweite Zahl der BIBB-Erhebung. Für das Ausbildungsjahr bis zum 30. September 2025 sind 475.950 neue Ausbildungsverträge geschlossen worden, ein Rückgang von 2,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Fast zwei Drittel davon sind auf junge Männer entfallen, gut ein Drittel auf junge Frauen. Diese Schieflage zieht sich durch fast alle technischen Berufsfelder und hat sich über Jahre kaum bewegt.
Die Beliebtheit verteilt sich extrem ungleich über den Katalog. Allein auf den Kfz-Mechatroniker sind 2024 rund 23.650 neue Verträge junger Männer entfallen, gefolgt vom Fachinformatiker mit etwa 15.800 und vom Elektroniker mit gut 14.000. Bei den jungen Frauen führt die medizinische Fachangestellte mit über 16.000 Neuverträgen. Sechs Berufe decken auf jeder Seite fast ein Drittel aller Abschlüsse ab, während dutzende andere Berufe im Verzeichnis kaum zweistellige Zahlen erreichen.
Diese Konzentration hat eine unbequeme Kehrseite. Ein Gutteil der 325 Berufe existiert praktisch nur noch auf dem Papier, weil kaum ein Betrieb dafür ausbildet. Der Finder zeigt dir bewusst auch diese Nischen, denn ein seltener Beruf ist oft ein Beruf mit wenig Konkurrenz und guten Chancen für den, der ihn sucht.
Hinter der nüchternen Zahl 325 steckt also eine sehr lebendige Landschaft. Manche Berufe verschwinden leise, weil ihre Technik veraltet, andere entstehen neu, weil eine ganze Branche sie braucht. Der Beruf des Gestalters für immersive Medien etwa hat vor wenigen Jahren noch gar nicht existiert und steht heute im Verzeichnis. Diese ständige Bewegung ist ein gutes Zeichen, denn ein starres Berufssystem würde an der Wirklichkeit vorbei ausbilden.
Wie sind die Ausbildungsberufe unterteilt?

Für dieselbe Menge an Berufen gibt es drei gängige Ordnungssysteme und jedes beantwortet eine andere Frage. Das erste fragt, wer die Ausbildung verantwortet. Das zweite fragt, welche Tätigkeit dahintersteckt. Das dritte, unseres, fragt schlicht, in welche Lebensrichtung ein Beruf zeigt.
Das amtliche System des Bundesinstituts für Berufsbildung sortiert nach Zuständigkeitsbereich. Der größte ist Industrie und Handel mit 172 Berufen, gefolgt vom Handwerk, das allein oder gemeinsam mit Industrie und Handel für über hundert Berufe steht. Kleinere Bereiche bilden der öffentliche Dienst, die Landwirtschaft, die Hauswirtschaft, die Freien Berufe und die Seeschifffahrt.
Der Zuständigkeitsbereich klingt nach Bürokratie, hat aber einen sehr praktischen Kern. Er entscheidet, welche Kammer deinen Ausbildungsvertrag einträgt und deine Prüfung abnimmt, die Industrie- und Handelskammer oder die Handwerkskammer. Für dich als Azubi bedeutet das unterschiedliche Prüfungsausschüsse, unterschiedliche Anlaufstellen und im Handwerk den späteren Weg zum Meister.
Fachlich ordnet die Bundesagentur für Arbeit die Berufe über die Klassifikation der Berufe von 2010, kurz KldB. Diese Systematik bündelt alle Tätigkeiten in 35 Berufshauptgruppen, von Land- und Forstwirtschaft bis zu den darstellenden Berufen. Die Gliederung ist präzise, doch für die Berufswahl zu fein gerastert, weil kaum ein Jugendlicher in Hauptgruppen denkt.
Wir haben diese 35 Gruppen deshalb zu sechs Feldern gebündelt, die näher an der Alltagssprache liegen. Die sechs Felder bilden die primäre Sortierung im Finder und ihre Größen sagen schon einiges über die Struktur der deutschen Ausbildungslandschaft.
- Handwerk ist mit 158 Berufen das mit Abstand größte Feld, vom Dachdecker über den Tischler bis zum Bäcker.
- Industrie und technische Berufe folgen mit 63 Berufen, darunter der Fachinformatiker und der Mechatroniker.
- Handel und Logistik zählt 36 Berufe, vom Einzelhandelskaufmann bis zur Fachkraft für Lagerlogistik.
- Dienstleistung und Gastgewerbe bringt es auf 32 Berufe, etwa den Koch oder die Fachkraft für Veranstaltungstechnik.
- Büro, Verwaltung und Kaufmännisches umfasst 24 Berufe, darunter den meistgewählten kaufmännischen Beruf überhaupt.
- Gesundheit, Pflege und Soziales ist mit 12 dualen Berufen am kleinsten, weil viele Gesundheitsberufe schulisch ausgebildet werden.
Dass das Handwerk fast die Hälfte aller Berufe stellt, überrascht viele. Der Grund liegt in der Ausdifferenzierung der Gewerke. Wo ein Laie pauschal einen Handwerker sieht, unterscheidet die Handwerksordnung zwischen Stuckateur, Estrichleger, Fliesenleger und einem Dutzend weiterer Spezialisierungen. Diese Tiefe ist ein Erbe der Zunftgeschichte, das sich bis heute im Verzeichnis hält.
Die sechs Felder sind bewusst grob, denn sie sollen der Orientierung dienen, nicht der amtlichen Genauigkeit. Ein Beruf wie der Bäcker gehört fachlich zur Lebensmittelherstellung, landet bei uns aber im Handwerk, weil dort seine Lebenswelt liegt. Für eine feinere Suche filterst du im Finder zusätzlich nach Ausbildungsdauer und nach dem Bereich, in dem gelernt wird.
Kein Ordnungssystem ist dabei besser als das andere, denn jedes dient einem anderen Zweck. Die Kammern brauchen den Zuständigkeitsbereich für die Prüfungsorganisation, die Statistiker brauchen die KldB für den Vergleich über Jahrzehnte. Für die persönliche Suche taugt beides wenig. Genau diese Lücke füllen die sechs Felder im Finder, die vom Ergebnis her gedacht sind statt von der Verwaltung.
Was verdient man in welchem Berufsfeld?

Hier trennt sich die Spreu vom Weizen und hier tut Ehrlichkeit not. Die folgende Tabelle zeigt das mittlere Bruttomonatsentgelt je Berufsfeld, gemessen als Median aller Vollzeitbeschäftigten zum Stichtag 31. Dezember 2025. Der Wert stammt aus der Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit, der größten Entgeltdatenquelle des Landes.
| Berufsfeld | Verdienst-Median | Spanne der Berufsgruppen |
|---|---|---|
| Büro, Verwaltung und Kaufmännisches | 5.046 € | 4.037 bis 6.088 € |
| Industrie und technische Berufe | 4.520 € | 3.708 bis 6.114 € |
| Handwerk | 3.706 € | 2.847 bis 5.521 € |
| Gesundheit, Pflege und Soziales | 3.418 € | 2.270 bis 4.385 € |
| Handel und Logistik | 3.276 € | 3.111 bis 5.287 € |
| Dienstleistung und Gastgewerbe | 3.070 € | 2.632 bis 4.598 € |
Eine Einschränkung gehört sofort dazu, sonst führt die Tabelle in die Irre. Der Median misst alle Beschäftigten eines Berufsfelds über sämtliche Erfahrungsstufen, vom frischen Gesellen bis zum Abteilungsleiter mit zwanzig Dienstjahren. Der Wert ist kein Einstiegsgehalt und im technischen Feld ziehen studierte Fachkräfte den Schnitt zusätzlich nach oben.
Trotzdem lohnt der Blick, denn das Gefälle ist real und über die Jahre stabil. Das kaufmännische Feld und die technischen Berufe liegen deutlich vorn, das Gastgewerbe und Teile der Körperpflege bilden das Schlusslicht. Der niedrigste Wert im ganzen Verzeichnis findet sich mit rund 2.270 Euro im Umfeld der Friseurberufe, der höchste mit über 6.100 Euro in der Informationstechnik.
Ein zweiter Geldbetrag zählt für den Anfang oft mehr als das spätere Gehalt, nämlich die Ausbildungsvergütung. Auszubildende in Deutschland verdienen während der Lehre im Mittel rund 1.280 Euro brutto im Monat, auch das eine Zahl der Bundesagentur für Arbeit zum Stichtag Ende 2025. Die Spanne ist groß, denn Bau und Industrie zahlen tariflich deutlich mehr als Friseurhandwerk oder Floristik.
Ein Blick auf die Extreme macht das Gefälle plastisch. Am oberen Ende steht die Informationstechnik mit einem Median von über 6.100 Euro, dazu die Finanzdienstleistung mit rund 5.600 Euro. Am unteren Ende liegen die Friseurberufe bei etwa 2.270 Euro, knapp gefolgt von Teilen der Gastronomie und der Reinigung. Zwischen diesen Polen liegt fast der Faktor drei. Diese Distanz begleitet einen Berufstätigen ein Leben lang.
Diese Zahlen gehören auf den Tisch, auch wenn sie unbequem sind. Eine Berufsberatung, die das Gastgewerbe empfiehlt, ohne den Verdienstabstand zur Industrie zu nennen, hilft niemandem. Genau deshalb steht der Verdienst-Median bei uns direkt auf jeder Berufskarte im Finder und du sortierst die Liste mit einem Klick nach den bestbezahlten Berufen.
Der meistgewählte kaufmännische Ausbildungsberuf und der bestbezahlte sind bei uns nicht derselbe und diese Lücke sollte in jeder Berufsberatung auf dem Tisch liegen. Dr. Web schreibt die Verdienstzahl an jeden Beruf, weil Beschönigen den Jugendlichen keinen Gefallen tut.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Wichtig bleibt die Einordnung, dass Geld nur eine Achse von mehreren ist. Ein hoch bezahlter Beruf mit Dauerstress und Schichtdienst kann sich schlechter anfühlen als ein solider Beruf mit geregeltem Feierabend. Der Verdienst gibt eine Richtung vor, die endgültige Rechnung stellst du selbst auf.
Zwei, drei oder dreieinhalb Jahre, was steckt hinter der Dauer?

Die Regeldauer ist im Verzeichnis für jeden Beruf festgeschrieben und sie fällt überraschend einheitlich aus. Von den 325 Berufen dauern 247 genau drei Jahre, 53 dauern dreieinhalb Jahre und nur 25 sind auf zwei Jahre angelegt. Die Dauer verrät dabei mehr über den Beruf, als es auf den ersten Blick scheint.
Die zweijährigen Berufe sind oft als Einstieg gedacht und bleiben anschlussfähig. Der Verkäufer etwa deckt die ersten zwei Jahre des dreijährigen Einzelhandelskaufmanns ab, die Fachkraft für Lagerlogistik baut auf dem zweijährigen Fachlageristen auf. Der Start mit zwei Jahren verbaut also nichts, sondern hält sich eine Tür für das dritte Jahr offen.
Diese kurzen Ausbildungen haben allerdings einen Preis, den unser eigener KI-Resilienz-Check immer wieder aufdeckt. Fast jede zweijährige Ausbildung liegt in der Bewertung hinter ihrem dreijährigen Gegenstück, gemessen an Verdienst und Beschäftigungssicherheit. Ein Jahr mehr Ausbildung kauft in vielen Fällen Jahre an Sicherheit, das zeigt der direkte Vergleich von Fachlagerist und Fachkraft für Lagerlogistik.
Am anderen Ende stehen die dreieinhalbjährigen Berufe und dort ballt sich die Technik. Kfz-Mechatroniker, Elektroniker und Industriemechaniker brauchen das zusätzliche halbe Jahr, weil ihre Ausbildungsordnung schlicht mehr Stoff vorschreibt. Der Aufwand zahlt sich meist aus, denn diese Berufe gehören zu den gefragtesten und am besten bezahlten im gewerblich-technischen Bereich.
Die Dreijahres-Ausbildung bleibt der Normalfall und der breite Mittelweg. Diese Regeldauer reicht vom Bäcker über den Bankkaufmann bis zur medizinischen Fachangestellten und deckt damit fast jedes Berufsfeld ab. Bei starken Leistungen lässt sich eine dreijährige Ausbildung zudem um bis zu ein Jahr verkürzen, etwa mit Abitur oder mit sehr guten Noten in der Berufsschule.
Im Finder kannst du gezielt nach Dauer filtern, wenn dir eine kurze Ausbildung wichtiger ist als eine bestimmte Branche. Die Auswahl schrumpft dann sichtbar, denn zweijährige Berufe sind mit 25 Einträgen die klare Minderheit. Genau dieser Effekt macht im Finder auf einen Blick deutlich, wie schmal das Angebot für schnelle Abschlüsse tatsächlich ist.
Ein Zwischenschritt gehört zu jeder Ausbildung, nämlich die Zwischenprüfung oder die gestreckte Abschlussprüfung in ihrem ersten Teil. Diese Prüfung fällt meist in die Mitte der Ausbildung und zählt in vielen Berufen bereits zur Endnote. Die Ausbildungsdauer ist damit kein reines Absitzen von Jahren, sondern ein getakteter Weg mit festen Kontrollpunkten.
Die Dauer entscheidet außerdem darüber, wie schnell du eigenes Geld verdienst. Zwei Jahre bis zum Abschluss bedeuten zwei Jahre früher ein volles Gehalt statt der Ausbildungsvergütung. Für viele junge Menschen mit knapper Kasse zählt genau das. Der spätere Verdienstnachteil der kurzen Berufe steht also gegen einen frühen Startvorteil. Diese Rechnung fällt für jeden anders aus, je nachdem, ob schneller Verdienst oder langfristige Sicherheit schwerer wiegt. Der Finder hilft dir, beide Größen nebeneinanderzulegen, indem er Dauer und Verdienst-Median auf jeder Karte gemeinsam zeigt.
Welcher Beruf passt zu dir?

Genau diese Frage nimmt dir der Finder oben ab und er tut es ohne Anmeldung und ohne Werbung. Drei Fragen genügen: In welche Richtung soll es gehen, wie lange darf die Ausbildung dauern und wo möchtest du lernen. Nach jeder Antwort zählt der große Zähler die passenden Berufe herunter und zeigt dir sofort, wie stark deine Wahl die Auswahl eingrenzt.
Verdienst und Dauer sind zwei harte Kriterien, doch sie sind nicht die einzigen. Ob ein Beruf körperlich fordert oder am Schreibtisch stattfindet, wie sicher er in zehn Jahren noch gebraucht wird, ob er sich für eine spätere Selbstständigkeit eignet, all das entscheidet mit. Die Berufswahl ist am Ende eine sehr persönliche Rechnung mit mehr als einer Unbekannten.
Die Körperlichkeit eines Berufs wird in Steckbriefen gern verschwiegen, entscheidet aber über Jahrzehnte mit. Ein Dachdecker arbeitet bei jedem Wetter in der Höhe, eine medizinische Fachangestellte steht den ganzen Tag, ein Bankkaufmann sitzt. Keine dieser Varianten ist besser, doch sie passen zu sehr unterschiedlichen Menschen und dieser Abgleich gehört an den Anfang jeder Entscheidung.
Eine weitere Achse hat in den letzten Jahren stark an Gewicht gewonnen, nämlich die Zukunftsfestigkeit gegenüber künstlicher Intelligenz und Automatisierung. Wie stark ein Beruf davon betroffen ist, prüfen wir Beruf für Beruf im laufenden KI-Resilienz-Check. Die Ergebnisse fließen nach und nach als Schulnote in diesen Finder ein, sodass die Übersicht mit jedem veröffentlichten Check vollständiger wird.
Ein Muster zeigt sich dabei schon jetzt. Berufe mit körperlicher Präsenz und persönlicher Haftung stehen stabiler da als reine Schreibtischtätigkeiten. Der Anlagenmechaniker im dritten Obergeschoss lässt sich schwerer wegautomatisieren als die Sachbearbeitung, die eine Software Stück für Stück übernimmt. Solche Befunde verschieben die Rangfolge der Berufe spürbar, sobald du über das reine Gehalt hinausschaust.
Ein ehrlicher Rat zum Schluss dieses Kapitels: Kein Finder und kein Test ersetzt das Ausprobieren. Ein Praktikum von einer Woche verrät über einen Beruf mehr als jede Tabelle, weil du Geruch, Tempo und Ton der Branche nur vor Ort spürst. Nutze die Übersicht oben, um deine Auswahl auf eine Handvoll Berufe einzugrenzen. Dann geh in genau diese Betriebe hinein und mach dir ein eigenes Bild.
Wie geht es nach der Lehre weiter?

Der Gesellenbrief oder das Prüfungszeugnis ist ein Anfang, kein Endpunkt. Das deutsche System der beruflichen Fortbildung hält für fast jeden Ausbildungsberuf einen klar geregelten Aufstiegsweg bereit und dieser Weg ist genauso zertifiziert wie die Ausbildung selbst.
Im Handwerk führt die Königsstraße über den Meister. Der Meisterbrief berechtigt zur Ausbildung eigener Lehrlinge und in den zulassungspflichtigen Handwerken der Anlage A der Handwerksordnung ist er die Voraussetzung, um einen eigenen Betrieb zu führen. Damit ist der Meister nicht nur ein Titel, sondern der Schlüssel zur Selbstständigkeit.
In Industrie und Handel heißen die Stufen anders, das Prinzip bleibt gleich. Fachwirt, Fachkaufmann, geprüfter Techniker und Betriebswirt stehen für eine Aufstiegsfortbildung, die im Deutschen Qualifikationsrahmen teils auf einer Stufe mit dem Bachelor liegt. Der geprüfte Betriebswirt erreicht sogar das Niveau des Masters, ganz ohne Hörsaal.
Wichtig für alle, die später doch studieren möchten: Ein Meisterbrief oder eine vergleichbare Aufstiegsfortbildung öffnet in Deutschland den Hochschulzugang auch ohne Abitur. Die Ausbildung ist damit keine Sackgasse, sondern eine von mehreren Startbahnen in Richtung akademischer Abschluss.
Für die Berufswahl heißt das: Rechne den Aufstiegsweg von Anfang an mit ein, nicht nur das Einstiegsgehalt. Ein Beruf mit mäßigem Startlohn, aber klarer Meister- oder Technikerperspektive kann über zehn Jahre attraktiver sein als ein besser bezahlter Einstieg ohne Ausbaustufe. Welcher Beruf welche Wege eröffnet, prüfen wir im KI-Resilienz-Check und in unserer Serie zu den einzelnen Ausbildungsberufen Schritt für Schritt.
Eine dritte Richtung neben Aufstieg und Studium bleibt der Wechsel in einen verwandten Beruf. Die duale Ausbildung vermittelt breite Grundlagen, die sich übertragen lassen, etwa vom Einzelhandel in den Großhandel oder vom Koch in die Systemgastronomie. Ein einmal gelernter Beruf legt dich nicht für vierzig Jahre fest, sondern öffnet ein Feld verwandter Tätigkeiten.
Am Ende steht eine einfache Botschaft. Die Wahl des Ausbildungsberufs ist wichtig, aber sie ist keine Entscheidung für die Ewigkeit. Dieser Überblick und der Finder darüber sollen dir den ersten Schritt erleichtern, den Rest schreibt dein eigener Weg durch Betrieb, Fortbildung und die Berufe, die es heute noch gar nicht gibt. Nimm dir die Zeit für diese eine Entscheidung, denn kaum eine andere prägt die nächsten Jahre so unmittelbar wie die Wahl des ersten Berufs.
Glossar zu den Ausbildungsberufen

Anerkannter Ausbildungsberuf
Ein Beruf, für den eine staatliche Ausbildungsordnung nach Berufsbildungsgesetz oder Handwerksordnung gilt. Nur diese Berufe dürfen dual ausgebildet werden und führen zu einem bundesweit anerkannten Abschluss. Das Bundesinstitut für Berufsbildung führt das amtliche Verzeichnis.
Ausbildungsordnung
Die rechtliche Grundlage eines Ausbildungsberufs. Das Dokument legt Dauer, Inhalte, Prüfungen und das Berufsbild fest und gilt bundesweit einheitlich. Bei einer Modernisierung wird die Ausbildungsordnung überarbeitet, damit die Ausbildung zum aktuellen Stand der Technik passt.
Ausbildungsvergütung
Das Geld, das Auszubildende während der Lehre monatlich erhalten. Die Vergütung steigt mit jedem Ausbildungsjahr und unterscheidet sich stark nach Branche und Tarifbindung. Seit 2020 gilt eine gesetzliche Mindestvergütung, die jährlich angehoben wird.
Berufsbildungsgesetz (BBiG)
Das zentrale Gesetz für die duale Berufsausbildung in Deutschland. Der Text regelt Rechte und Pflichten von Betrieb und Auszubildenden, Prüfungen und die Anerkennung von Berufen. Die meisten Ausbildungsberufe beruhen auf diesem Gesetz.
Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)
Die staatliche Fachbehörde, die die berufliche Bildung erforscht und das Verzeichnis der anerkannten Ausbildungsberufe führt. Das BIBB erhebt außerdem jährlich die Zahl der neu geschlossenen Ausbildungsverträge und liefert damit die Datenbasis für die Ausbildungsmarktbilanz.
Duale Ausbildung
Das deutsche Ausbildungsmodell, bei dem die Lehre parallel im Betrieb und in der Berufsschule stattfindet. Der Betrieb vermittelt die Praxis, die Berufsschule die Theorie. Dieses Modell gilt international als Vorbild und unterscheidet Deutschland von rein schulischen Systemen.
Deutscher Qualifikationsrahmen (DQR)
Ein achtstufiges Raster, das Bildungsabschlüsse vergleichbar macht. Eine dreijährige Ausbildung liegt in der Regel auf Stufe vier, der Meister oder Fachwirt auf Stufe sechs und damit auf einer Ebene mit dem Bachelor. Der DQR macht die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung sichtbar.
Handwerksordnung (HwO)
Das Gesetz, das die Ausbildung und Berufsausübung im Handwerk regelt. Die Anlage A listet die zulassungspflichtigen Handwerke, für deren selbstständige Ausübung ein Meisterbrief nötig ist. Berufe der Anlage B lassen sich auch ohne Meister selbstständig führen.
Klassifikation der Berufe (KldB 2010)
Das amtliche Ordnungssystem für alle Berufe in Deutschland, gepflegt von der Bundesagentur für Arbeit. Die Systematik gliedert Tätigkeiten in Hauptgruppen, Gruppen und Gattungen und dient als Grundlage für Statistiken zu Beschäftigung und Verdienst.
Median
Der mittlere Wert einer nach Größe geordneten Reihe. Beim Verdienst bedeutet er, dass die eine Hälfte der Beschäftigten mehr und die andere Hälfte weniger verdient. Der Median ist bei Gehältern aussagekräftiger als der Durchschnitt, weil einzelne Spitzenverdiener ihn nicht verzerren.
Modernisierung
Die Überarbeitung einer Ausbildungsordnung, damit ein Beruf zu neuen Techniken und Anforderungen passt. Digitalisierung und Nachhaltigkeit sind aktuell die häufigsten Treiber. Modernisierte Berufe treten meist zum Ausbildungsbeginn im August oder September in Kraft.
Zuständigkeitsbereich
Die Institution, die eine Ausbildung betreut und die Prüfungen abnimmt. Für die meisten Berufe ist das die Industrie- und Handelskammer oder die Handwerkskammer, daneben gibt es Bereiche für den öffentlichen Dienst, die Landwirtschaft und die Freien Berufe.
FAQ: Ausbildungsberufe im Überblick

Wie viele Ausbildungsberufe gibt es 2026 in Deutschland?
In der Ausgabe 2026 des Verzeichnisses der anerkannten Ausbildungsberufe zählt das Bundesinstitut für Berufsbildung 324 nach Berufsbildungsgesetz und Handwerksordnung anerkannte Berufe. Zusammen mit dem Schiffsmechaniker als Sonderfall ergibt das 325 Ausbildungsberufe, Stand 1. Oktober 2025. Die Zahl sinkt seit Jahren leicht, weil verwandte Berufe zusammengelegt werden.
Welche Ausbildungsberufe werden am häufigsten gewählt?
Bei den jungen Männern führt der Kraftfahrzeugmechatroniker die Rangliste des Bundesinstituts für Berufsbildung seit Jahren an, gefolgt vom Fachinformatiker, vom Elektroniker und vom Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. Bei den jungen Frauen steht die Medizinische Fachangestellte an der Spitze. Das BIBB rät ausdrücklich davon ab, daraus auf die beliebtesten Berufe zu schließen, weil die Häufigkeit auch vom Angebot abhängt.
Welcher Ausbildungsberuf verdient am meisten?
Über alle Erfahrungsstufen gemessen liegen die kaufmännischen und die technischen Berufe vorn. Nach der Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit erreichen die Informationstechnik und die Finanzdienstleistung die höchsten Verdienst-Mediane von über 6.000 Euro brutto im Monat. Das Gastgewerbe und Teile der Körperpflege bilden mit rund 2.700 Euro das andere Ende. Die genannten Werte sind kein Einstiegsgehalt, sondern der Median aller Beschäftigten.
Wie lange dauert eine Ausbildung in Deutschland?
Die Regeldauer steht in der Ausbildungsordnung jedes Berufs. Von den 325 anerkannten Ausbildungsberufen dauern 247 genau drei Jahre, 53 dauern dreieinhalb Jahre und 25 sind auf zwei Jahre angelegt. Bei guten Leistungen lässt sich die Ausbildung häufig um ein halbes bis ein ganzes Jahr verkürzen.
Was ist der Unterschied zwischen dualer und schulischer Ausbildung?
Die duale Ausbildung findet parallel im Betrieb und in der Berufsschule statt und beruht auf dem Berufsbildungsgesetz oder der Handwerksordnung. Die schulische Ausbildung läuft überwiegend an einer Berufsfachschule und folgt einer eigenen Rechtsgrundlage. Viele Gesundheits- und Sozialberufe wie Logopädie oder Ergotherapie werden schulisch ausgebildet und stehen deshalb nicht im Verzeichnis der dualen Ausbildungsberufe.
Kann man sich mit einem Ausbildungsberuf selbstständig machen?
Ja, besonders im Handwerk ist der Weg klar geregelt. In den zulassungspflichtigen Handwerken der Anlage A der Handwerksordnung ist der Meisterbrief die Voraussetzung für einen eigenen Betrieb. In vielen anderen Berufen ist die Selbstständigkeit auch ohne Meister möglich. Der Meisterbrief öffnet zusätzlich den Zugang zur Hochschule, auch ohne Abitur.
Quellen
Bundesinstitut für Berufsbildung | Verzeichnis der anerkannten Ausbildungsberufe 2026 | https://www.bibb.de/dienst/publikationen/de/21008 | besucht am 04.08.2026
Bundesinstitut für Berufsbildung | Rangliste der Neuabschlüsse bei Ausbildungsberufen 2025 | https://www.bibb.de/de/pressemitteilung_219433.php | besucht am 04.08.2026
Statistik der Bundesagentur für Arbeit | Sozialversicherungspflichtige Bruttoarbeitsentgelte, Stichtag 31.12.2025 | https://statistik.arbeitsagentur.de | besucht am 04.08.2026
Bundesagentur für Arbeit | Klassifikation der Berufe 2010 | https://statistik.arbeitsagentur.de | besucht am 04.08.2026