Die Bildungskrise erreicht Werkstätten, Büros und Kliniken mit ein paar Jahren Verzögerung. Bei PISA 2025 verfehlte ein Drittel der 15-Jährigen das Grundniveau in Mathematik, für 2040 rechnet das Berliner Bildungsmodell EduSim mit 44,6 Prozent. Die 15-Jährigen von heute sollen in wenigen Jahren Maschinen warten, Pflegepläne schreiben und Software prüfen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenPISA klingt für Geschäftsführer und Personalchefs nach Schulpolitik. Die Lücken von 2025 zeigen sich aber schon bald in Bewerbungsmappen, Ausbildungsverträgen und Schichtplänen. Dieser Beitrag prüft die Bildungsprognose bis 2040 und zeigt, was sie für Fachkräfte, Hochschulen und den Wirtschaftsstandort bedeutet.
Das Wichtigste in Kürze
- Bei PISA 2025 verfehlte rund ein Drittel der 15-Jährigen in Mathematik und Lesen das Grundniveau, doppelt so viele wie 2015.
- Das Bildungsmodell EduSim des Berliner FiBS rechnet für 2040 mit 44,6 Prozent unter dem Mathe-Grundniveau und für den Jahrgang 2025 mit 41,8 Prozent weniger Hochschulabschlüssen als beim Jahrgang 2000.
- Bis 2040 erreichen 13,3 Millionen Erwerbspersonen das Rentenalter. Schon heute beklagen 94 Prozent der Ausbildungsbetriebe mangelnde Ausbildungsreife.
- Wirksame Hebel sind bekannt: frühe Sprachförderung, mehr Lernzeit, Geld nach Bedarf und gut geführte Schulen. Hamburg zeigt, dass Sprachtests und zusätzliche Lernzeit wirken.
1 Wie viele deutsche 15-Jährige verfehlten bei PISA 2025 das Grundniveau in Mathematik? Aufklappen ↓
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2 Wer hat das Bildungsmodell EduSim entwickelt? Aufklappen ↓
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3 Wie viele Erwerbspersonen erreichen bis 2040 das Rentenalter von 67 Jahren? Aufklappen ↓
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4 Wie viel Prozent der Ausbildungsbetriebe beklagen laut DIHK-Umfrage 2026 mangelnde Ausbildungsreife? Aufklappen ↓
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5 Welches Land hielt laut IQB-Bildungstrend 2024 sein Mathe-Niveau in Klasse 9 stabil? Aufklappen ↓
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Wie tief ist der Absturz bei PISA 2025 wirklich?

So tief wie nie: Mit 464 Punkten in Mathematik, 465 im Lesen und 486 in den Naturwissenschaften erreichten deutsche 15-Jährige 2025 die niedrigsten Werte seit Beginn der PISA-Studien. Rund ein Drittel verfehlt in Mathematik und im Lesen das Grundniveau. Deutschland ist damit OECD-Mittelmaß.
Die Ergebnisse der neunten PISA-Runde hat die OECD am 8. September 2026 veröffentlicht. Getestet wurden in Deutschland rund 6.700 Jugendliche an etwa 250 Schulen aller Schularten. In den Naturwissenschaften, dem Schwerpunkt dieser Runde, liegt Deutschland erstmals seit 2006 nicht mehr über dem OECD-Durchschnitt. Selbst beim ersten PISA-Test im Jahr 2000 schnitten die Jugendlichen besser ab als heute, obwohl dieses Ergebnis damals als „PISA-Schock“ galt.
Der Einbruch geht nicht allein auf die Corona-Jahrgänge zurück. Samuel Greiff, der den deutschen Teil der Studie an der Technischen Universität München leitet, spricht von einem eindeutigen Abwärtstrend. Seit 2015 hat Deutschland in Mathematik 42 Punkte verloren, im Lesen 44 und in den Naturwissenschaften 23. Nach dem Maßstab, den das Berliner FiBS verwendet, entsprechen 25 PISA-Punkte etwa einem Schuljahr.
| Bereich | PISA 2015 | PISA 2022 | PISA 2025 | Unter Kompetenzstufe II (2025) | Veränderung seit 2015 |
|---|---|---|---|---|---|
| Mathematik | 506 | 475 | 464 | 34 % | +17 Prozentpunkte |
| Lesen | 509 | 480 | 465 | 32 % | +15 Prozentpunkte |
| Naturwissenschaften | 509 | 492 | 486 | 27 % | +10 Prozentpunkte |
Aussagekräftiger als der Mittelwert ist die Verteilung. Kompetenzstufe II markiert nach der Definition der Studie die Fähigkeiten, die Jugendliche brauchen, um Ausbildung, Beruf und Alltag sicher zu bewältigen. Im Lesen und in Mathematik hat sich der Anteil darunter seit 2015 verdoppelt. 21 Prozent der 15-Jährigen erreichen dieses Niveau in keinem der drei Bereiche. Zugleich schrumpft die Spitze: Nur noch 3 Prozent schaffen in allen drei Fächern die höchsten Stufen.
Andere Tests bestätigen das Bild und setzen früher an. Im IQB-Bildungstrend 2024 verfehlten 34,1 Prozent der Neuntklässler den Mindeststandard für den mittleren Schulabschluss in Mathematik, 2018 lag der Anteil bei 24,3 Prozent. In der Grundschule erreichte laut der Lesestudie IGLU 2021 gut ein Viertel der Viertklässler nicht die Kompetenzstufe III, 2001 lag der Anteil bei 17 Prozent. Die Lücken entstehen also lange vor dem PISA-Test mit 15 Jahren, spätestens in der Grundschule.
Besonders hart trifft der Rückgang Kinder aus sozial schwachen Familien. Der Abstand zwischen dem sozial privilegiertesten und dem am stärksten benachteiligten Viertel beträgt in den Naturwissenschaften 125 Punkte, im OECD-Schnitt 85. Nur 2 Prozent der Jugendlichen aus benachteiligten Familien erreichen hohe Kompetenzen, bei privilegierten rund 25 Prozent. Laut PISA-Team ist dieser Zusammenhang in Deutschland etwa dreimal so stark wie in Kanada.
Auch die Rahmenbedingungen haben sich verschlechtert. 52 Prozent der Jugendlichen besuchen Schulen, deren Leitung den Unterricht durch Lehrkräftemangel beeinträchtigt sieht, im OECD-Schnitt 39 Prozent. 2025 kamen 13,4 Prozent der neu eingestellten Lehrkräfte als Seiteneinsteiger ohne Lehramtsausbildung, ein so hoher Anteil wie seit mindestens zehn Jahren nicht mehr. In Brandenburg lag der Anteil bei 52,6 Prozent.
- Tiefstwerte: In allen drei PISA-Bereichen schnitt Deutschland 2025 so schlecht ab wie nie seit dem Jahr 2000.
- Doppelt so viele: Im Lesen und in Mathematik fehlt einem Drittel der 15-Jährigen das Grundniveau, doppelt so vielen wie 2015.
- Frühe Lücken: IQB-Test und IGLU zeigen denselben Trend schon in der Grundschule und in Klasse 9.
Was zeigt die Bildungsprognose für das Jahr 2040?

Ohne Kurswechsel verfehlen im Jahr 2040 44,6 Prozent der 15-Jährigen das Grundniveau in Mathematik, so das Basisszenario des Bildungsmodells EduSim. 2015 lag dieser Anteil bei 17,2 Prozent, 2025 bereits bei 34,4 Prozent. Die Zahl für 2040 ist eine Modellrechnung, die beiden anderen sind gemessen.
Hinter EduSim steht das Berliner Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS) unter Direktor Dieter Dohmen. Am 25. September 2026 hat das Institut das Modell öffentlich vorgestellt. EduSim verfolgt einen Geburtsjahrgang von der Kita über die Schule bis in Ausbildung, Studium und Arbeitsmarkt, für Deutschland und alle 16 Länder. Zehn Module laufen in einem Durchgang, verankert in der amtlichen Statistik.
Der Kniff des Modells liegt im Vergleich dreier Jahrgänge. Die Kinder des Jahrgangs 2000 saßen 2015 im PISA-Test, der Jahrgang 2010 im Jahr 2025. Für den Jahrgang 2025, der erst 2040 getestet würde, rechnet das FiBS ein Basisszenario, das die gemessene Entwicklung gedämpft fortschreibt. Von den Kompetenzen aus schließt das Modell auf Abschlüsse und Berufswege.
Die Brücke dafür liefern Daten des Nationalen Bildungspanels, kalibriert an den amtlichen Zahlen von 2015. Die Übergangsquoten in Ausbildung und Studium hält EduSim auf dem Stand von 2024 fest, damit allein der Effekt der sinkenden Kompetenzen sichtbar wird. Nach Einschätzung des FiBS dürfte die ausgewiesene Wirkung deshalb eher eine Untergrenze sein: Die Übergangsquote vom Hauptschulabschluss in eine duale Ausbildung ist seit 2015 tatsächlich um 17 Prozentpunkte gefallen.
Wie die Kurven verlaufen, entscheidet die Wahl des Trendfensters. Aus den vier PISA-Erhebungen seit 2015 bildet das FiBS sieben mögliche Fenster. Bewusst gewählt hat das Institut das mildeste, die Jahre 2015 bis 2018 vor der Pandemie. Das Ergebnis nennt das FiBS „die günstigste Lesart“. Selbst in dieser freundlichen Rechnung landen 2040 in Mathematik 44,5 Prozent unter dem Grundniveau, fast genau so viele wie im Basisszenario. Im Lesen läge der Anteil bei 48,6 Prozent, in den Naturwissenschaften bei 33,9 Prozent.
Schreibt man stattdessen den linearen Trend der Jahre 2015 bis 2025 fort, läge der Anteil in Mathematik bei 57,9 Prozent, im Lesen bei 52,9 und in den Naturwissenschaften bei 35,5 Prozent. Der Mittelwert in Mathematik fiele in der günstigsten Lesart von 506 Punkten im Jahr 2015 auf rund 434 Punkte. Beim FiBS-Maßstab von 25 Punkten pro Schuljahr läge der Jahrgang 2025 damit rechnerisch knapp drei Schuljahre hinter dem Jahrgang 2000.
Wie steil der Weg zurück wäre, zeigt eine einfache Rechnung. Um 2040 wieder 500 Punkte in Mathematik zu erreichen, müsste Deutschland von heute 464 Punkten aus jedes Jahr 2,4 Punkte zulegen. Als stärksten Anstieg seit 2000 weist das FiBS 1,88 Punkte pro Jahr aus. Gemessen am fortgeschriebenen Abwärtstrend fehlen bis zur Marke sogar 96 Punkte, die nötige Aufholrate gegenüber dem Trend beziffert das FiBS deshalb auf 6,4 Punkte pro Jahr.
Wie belastbar ist diese Prognose?
Ein Modell ist nur so gut wie seine Trefferquote, deshalb lohnt der Blick auf die Bilanz, die das FiBS selbst offenlegt. Im Juli 2026 veröffentlichte das Institut eine eigene Schätzung für PISA 2025 mit Spannen für sechs Werte. Die Richtung stimmte sechsmal, doch nur ein Wert lag sicher in der Spanne, zwei lagen am Rand, drei außerhalb. Im Lesen lag die Prognose 11,7 Punkte zu hoch.
Aufschlussreich ist das Vorzeichen des Fehlers. Den Anteil der Schwachen hat das Modell in allen drei Fächern unterschätzt, um bis zu 5,2 Prozentpunkte. Das FiBS selbst nennt seine Prognose deshalb „zu freundlich, nicht zu pessimistisch“. Wer die Zahlen für 2040 als Alarmismus abtut, sollte diese Bilanz kennen.
Einige Einschränkungen gehören trotzdem zur Einordnung. Der Wert für 2040 ist ausdrücklich ein Szenario und keine Vorhersage. Alle Abschluss- und Arbeitsmarktwerte sind Modellrechnungen, auch für die älteren Jahrgänge. Eine wissenschaftlich begutachtete Veröffentlichung zum Modell haben wir nicht gefunden, Tabellen und Rechenweg gibt das FiBS nur auf Anfrage heraus. Außerdem bietet die Firma Neomera das Modell Schulen, Schulträgern und Ländern an. An Neomera ist FiBS-Direktor Dohmen beteiligt. Das Institut legt diese Verbindung selbst offen; wir nennen sie der Transparenz halber.
- Knapp drei Schuljahre: So weit läge der Jahrgang 2025 in Mathematik selbst in der günstigsten Lesart hinter dem Jahrgang 2000.
- Steiler Weg: Für 500 Mathe-Punkte bis 2040 müsste Deutschland jedes Jahr schneller zulegen als je seit 2000 gemessen.
- Zu freundlich: Bei PISA 2025 hat das Modell den Anteil der Schwachen in allen drei Fächern unterschätzt.
Warum wird aus der Bildungskrise eine Fachkräftekrise?

Schwache Grundkompetenzen versperren vielen Jugendlichen den Weg in Ausbildung und Studium. Zugleich überschreiten bis 2040 rund 13,3 Millionen Erwerbspersonen das Rentenalter von 67 Jahren, fast jede dritte heutige Arbeitskraft. Weniger und schlechter vorbereiteter Nachwuchs trifft auf eine Welle von Abgängen.
Die Zahl stammt vom Statistischen Bundesamt, Stand Juni 2026. Mit den Babyboomern verlassen die geburtenstärksten Jahrgänge die Betriebe, während von unten zu wenig nachwächst. 2025 kamen in Deutschland 654.300 Kinder zur Welt, so wenige wie seit 1946 nicht mehr. Die Kultusministerkonferenz rechnet deshalb ab 2029 mit sinkenden Schülerzahlen, bis 2040 um 694.000 auf 10,58 Millionen.
Weniger Köpfe ließen sich verkraften, wären sie besser ausgebildet, doch die Betriebe erleben das Gegenteil. In der Ausbildungsumfrage 2026 der Deutschen Industrie- und Handelskammer beklagen 94 Prozent der gut 14.000 befragten Unternehmen eine mangelnde Ausbildungsreife, ein neuer Höchststand. 41 Prozent sehen oft oder immer Defizite beim elementaren Rechnen, 36 Prozent beim schriftlichen Ausdruck in Deutsch.
Der Ausbildungsmarkt zeigt dabei ein paradoxes Bild. Im Herbst 2025 blieben laut Bundesinstitut für Berufsbildung 54.400 Ausbildungsstellen unbesetzt, gleichzeitig suchten 84.400 Bewerberinnen und Bewerber vergeblich, so viele wie seit 2010 nicht mehr. Angebot und Nachfrage finden nicht zueinander, weil Anforderungen, Regionen und Fähigkeiten nicht zusammenpassen. Knapp die Hälfte der Ausbildungsbetriebe konnte 2025 nicht alle Plätze besetzen, 2015 lag der Anteil bei knapp einem Drittel.
Bei regulären Stellen sieht die Lage ähnlich aus. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zählte 2025 im Schnitt 16 Bewerbungen je Neueinstellung, 2022 lag der Wert noch bei neun. Aus Sicht der Betriebe waren davon nur gut vier geeignet, also 28 Prozent. Mehr Bewerbungen bedeuten nicht automatisch mehr Passung.
Ohne Schulabschluss bleibt oft auch der Weg in den Beruf verschlossen
Am unteren Rand wächst eine Gruppe, aus der kaum Fachkräfte hervorgehen. 7,8 Prozent der Jugendlichen verließen 2024 die allgemeinbildende Schule ohne ersten Schulabschluss, 2020 lag die Quote bei 6,0 Prozent. Für 2025 rechnet die Kultusministerkonferenz mit 63.600 Abgängern ohne Abschluss, bis 2032 steigt die Zahl auf 68.200.
Laut Berufsbildungsbericht 2026 bleiben 79,2 Prozent der Menschen ohne Schulabschluss auch ohne Berufsabschluss. Insgesamt hatten 2024 schon 18,8 Prozent der 20- bis 34-Jährigen keinen Berufsabschluss, das sind 2,76 Millionen junge Erwachsene. Im Basisszenario von EduSim liegt dieser Anteil für den Jahrgang 2025 ebenfalls bei 18,8 Prozent, beim Jahrgang 2000 rechnerisch bei 15 Prozent.
Aktuell ist die Fachkräftelücke konjunkturell kleiner geworden. Das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung des Instituts der deutschen Wirtschaft zählte im März 2026 noch 357.091 Stellen, für die rechnerisch keine passend qualifizierten Arbeitslosen bereitstanden, 7,8 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Die MINT-Lücke stieg dagegen bis August 2026 wieder auf 153.300 Personen. Allein der demografische Wandel kostet die MINT-Berufe bis 2034 rund 138.600 Beschäftigte. Die schwache Konjunktur überdeckt das strukturelle Problem nur vorübergehend.
- Paradox: 54.400 Ausbildungsplätze blieben 2025 leer, während 84.400 Bewerber leer ausgingen.
- Ohne Abschluss: Die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss steigt laut KMK bis 2032 auf 68.200.
- Nur vertagt: Die MINT-Lücke wächst schon wieder, trotz schwacher Konjunktur.
Was kostet die Bildungskrise den Wirtschaftsstandort?

Der PISA-Rückgang seit 2022 entspricht langfristig einem Verlust von 3 bis 4 Prozent des Erwerbseinkommens, gemessen am Stand von 2018 sogar 9 bis 10 Prozent, rechnet das ifo-Institut vor. Hochgerechnet auf die Volkswirtschaft summiert sich der Schaden auf Billionenbeträge.
Die Rechnung stammt von Ludger Wößmann, Leiter des ifo-Zentrums für Bildungsökonomik. Am Tag der PISA-Veröffentlichung, dem 8. September 2026, beschrieb der Münchner Ökonom den Schaden für den Einzelnen: Geringere Kompetenzen bedeuten über das Berufsleben weniger Einkommen. Der Durchschnittsverlust von 3 bis 4 Prozent klingt klein, trifft aber einen ganzen Jahrgang über rund 40 Berufsjahre.
Warum Kompetenzen so stark auf die Wirtschaft durchschlagen, zeigt die Forschung zum sogenannten Wissenskapital. Eine Standardabweichung auf der PISA-Skala, also rund 100 Punkte, geht nach den Schätzungen der Ökonomen Eric Hanushek und Ludger Wößmann mit etwa 2 Prozentpunkten mehr jährlichem Wachstum einher. Das Modell der beiden Ökonomen erklärt über drei Viertel der Unterschiede im langfristigen Wachstum zwischen Volkswirtschaften. Gemessen werden dabei Testergebnisse in Mathematik und Naturwissenschaften, keine Schuljahre.
Wie viel eine Trendwende brächte, hat das ifo im Dezember 2025 für die Bertelsmann Stiftung durchgerechnet. Grundlage sind die sogenannten Bildungsziele 2035: 50 Prozent weniger Schülerinnen und Schüler unter dem Mindeststandard, 20 Prozent mehr am Regelstandard, 30 Prozent mehr in der Spitzengruppe. Gelänge das, stiege das Kompetenzniveau um 31,7 PISA-Punkte, etwas mehr als ein Schuljahr. Bis 2105 brächte das 20,9 Billionen Euro zusätzliche Wirtschaftsleistung, knapp das Fünffache des heutigen Bruttoinlandsprodukts.
Selbst die bescheidenste Variante lohnt sich. Eine Reform, die nur den unteren Rand hebt und das Niveau um 14,1 Punkte steigert, ergäbe laut Studie noch 8,8 Billionen Euro. Die Zahlen sind diskontiert und über 80 Jahre gerechnet, also bewusst langfristig. Die Werte zeigen die Größenordnung, nicht den Kontostand eines einzelnen Jahres.
Was der Staat direkt verliert
Auch die öffentlichen Kassen spüren den Absturz. Das FiBS hat in einer eigenen Kosten-Nutzen-Analyse, die auf den Daten des IQB-Bildungstrends beruht, durchgerechnet, was die sinkenden Kompetenzen für die Kohorte des Jahres 2040 bedeuten. Zwischen 2024 und 2040 sinkt die Quote der Studienberechtigten demnach um 11,7 Prozentpunkte, der Anteil mit Hauptschulabschluss steigt um 8,1 Punkte. Pro Kopf ergibt das einen fiskalischen Nettobarwert von minus 11.862 Euro, für die ganze Kohorte minus 8,1 Milliarden Euro.
Gemeint ist die Bilanz für die öffentlichen Haushalte über das Erwerbsleben, abgezinst auf heute. Das FiBS bezeichnet die Werte ausdrücklich als Untergrenzen. Die Rechnung erfasst zudem nur einen einzigen Jahrgang, jeder weitere mit ähnlichen Lücken käme hinzu.
Auch im Innovationsvergleich verliert Deutschland an Boden. Im Global Innovation Index der Weltorganisation für geistiges Eigentum rutschte das Land 2025 auf Rang 11 von 139, nach Rang 8 in den Jahren 2022 und 2023. Das European Innovation Scoreboard 2026 stuft Deutschland zwar als starken Innovator ein, bei den Humanressourcen aber nur auf Rang 16 der EU.
Die Expertenkommission Forschung und Innovation nennt den Fachkräftemangel in ihrem Gutachten 2026 ein zentrales Innovationshemmnis, besonders im Mittelstand. Künstliche Intelligenz verändere nach Ansicht der Kommission die Kompetenzanforderungen an Absolventen grundlegend. In jedem Industriebetrieb würde eine Kennzahl, die sich binnen zehn Jahren verdoppelt, eine Krisensitzung auslösen. Beim Anteil der Jugendlichen ohne Mathe-Grundlagen ist genau das zwischen 2015 und 2025 passiert.
- Wachstumshebel: Rund 100 PISA-Punkte mehr gehen mit etwa 2 Prozentpunkten mehr Wachstum pro Jahr einher.
- Innovation: Im Global Innovation Index 2025 fiel Deutschland auf Rang 11, im European Innovation Scoreboard liegt das Land bei den Humanressourcen nur auf Rang 16 der EU.
- Mittelstand: Die Expertenkommission Forschung und Innovation nennt den Fachkräftemangel ein zentrales Innovationshemmnis.
Lernen Jugendliche, was die Arbeitswelt künftig verlangt?

Nur zum Teil. Arbeitgeber weltweit stellen analytisches Denken, Flexibilität und Kreativität an die Spitze ihrer Wunschliste, doch diese Fähigkeiten setzen sicheres Lesen und Rechnen voraus. Genau dort bröckelt in Deutschland das Fundament. Hinterfragen lässt sich ein Text erst, nachdem man ihn verstanden hat.
Der Future of Jobs Report 2025 des Weltwirtschaftsforums zeigt, wohin sich die Anforderungen verschieben. Bis 2030 ändern sich demnach 39 Prozent der Kernkompetenzen, die Beschäftigte im Beruf brauchen, in Deutschland 34 Prozent. Ganz oben stehen analytisches Denken mit 69 Prozent der befragten Arbeitgeber, Resilienz, Flexibilität und Agilität mit 67 Prozent sowie kreatives Denken mit 57 Prozent. Lesen, Schreiben und Rechnen nennen dagegen nur 21 Prozent als Kernkompetenz.
Der Schluss, die Grundlagen verlören an Bedeutung, wäre falsch. Arbeitgeber nennen Lesen und Rechnen selten, weil sie diese Fähigkeiten bei Bewerbern voraussetzen. Ohne Zahlenverständnis bleibt analytisches Denken bloße Meinung. Die Future Skills stehen auf den Basiskompetenzen wie ein Stockwerk auf dem Fundament.
Wie gut deutsche Jugendliche bei den neuen Anforderungen abschneiden, messen die PISA-Studien seit einigen Jahren mit eigenen Testteilen. Die Bilanz fällt gemischt aus, mit einer echten Stärke.
| Zukunftskompetenz | Messung | Deutschland | OECD-Schnitt |
|---|---|---|---|
| Probleme mit digitalen Werkzeugen lösen | PISA 2025, modellbasiertes Problemlösen | 498 Punkte, 24 % unter Stufe II | 500 Punkte, 22 % unter Stufe II |
| Kreatives Denken | PISA 2022 | 32,5 von 60 Punkten | 32,7 von 60 Punkten |
| Teamarbeit | PISA 2015, kollaboratives Problemlösen | 525 Punkte | 500 Punkte |
| Fakt und Meinung trennen | PISA 2018, Leseaufgabe | 45 % richtige Antworten | 47 % richtige Antworten |
Beim gemeinsamen Problemlösen lagen deutsche Jugendliche 2015 sogar deutlich vorn, mit 525 Punkten gegenüber 500 im OECD-Schnitt. Beim kreativen Denken und beim digitalen Problemlösen landet Deutschland im Mittelfeld. Die Daten zur Teamarbeit sind allerdings elf Jahre alt. Seither haben die Basiskompetenzen deutlich nachgelassen. Beim neuen Problemlösen stellt der nationale PISA-Bericht fest, dass die Jugendlichen etwas schwächer abschneiden, als ihre Leistungen in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften erwarten ließen.
Kritisches Denken beginnt beim Lesen
Der Beruf verlangt heute, hinter eine Nachricht zu blicken und nach Absender, Interesse und Datenbasis zu fragen. Die Fähigkeit, anhand versteckter Hinweise zwischen Fakten und Meinungen zu unterscheiden, ordnet PISA erst der Lesestufe 5 zu. 2025 erreichten diese Stufe in Deutschland nur 7 Prozent der 15-Jährigen. Eine veröffentlichte Leseaufgabe aus PISA 2018 zur Trennung von Fakt und Meinung lösten 45 Prozent der deutschen Schülerinnen und Schüler richtig.
Auch Erwachsene tun sich schwer. Die Stiftung Neue Verantwortung testete im Herbst 2020 mehr als 4.000 Internetnutzer ab 18 Jahren auf ihre Nachrichtenkompetenz. Im Schnitt erreichten die Befragten 13,3 von 30 Punkten, nur 23 Prozent erkannten einen als Anzeige gekennzeichneten Beitrag als Werbung. Knapp ein Drittel hielt einen Meinungskommentar für einen Tatsachenbericht.
Neu hinzu kommt die künstliche Intelligenz. Die Hälfte der deutschen 15-Jährigen nutzt laut PISA 2025 mindestens einmal pro Woche einen KI-Chatbot zum Lernen, mehr als im OECD-Schnitt. Jugendliche, die KI häufiger für Schulaufgaben einsetzen, erreichen in den Naturwissenschaften rund 13 Punkte weniger als seltene Nutzer. Die OECD beobachtet zugleich, dass Vielnutzer besser abschneiden, sobald sie gelernt haben, KI-Antworten auf Qualität zu prüfen. Mit KI wird Urteilsvermögen also wichtiger statt überflüssig.
Beunruhigend ist die Haltung zur Schule selbst. 33 Prozent der deutschen 15-Jährigen halten die Schule für Zeitverschwendung, im OECD-Schnitt 24 Prozent. Nur 25 Prozent widersprechen der Aussage, die Schule bereite Jugendliche kaum auf das Erwachsenenleben vor, im OECD-Schnitt 51 Prozent. Bei schwierigen Aufgaben strengen sich nur noch 64 Prozent besonders an. Wie sich eine Schule anders organisieren ließe, beschreibt unser Beitrag über die Schule der Zukunft ohne 45-Minuten-Takt.
Zukunftskompetenzen wie analytisches Denken und Kritikfähigkeit setzen Lesen und Rechnen voraus. Deutsche Jugendliche liegen beim Problemlösen im Mittelfeld, doch nur 7 Prozent lesen so sicher, dass sie Fakt und Meinung zuverlässig trennen.
Bereiten die Hochschulen besser auf die Arbeitswelt vor?

Die Hochschulen erben die Lücken der Schulen. Nach der jüngsten Berechnung des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung bricht an Universitäten jeder dritte Bachelorstudent ab, in Mathematik und Naturwissenschaften jeder zweite. Die Mathe-Lücken reichen dabei oft bis in den Stoff der Mittelstufe zurück.
Die Abbruchquoten stammen aus dem Jahr 2022 und betreffen den Anfängerjahrgang 2016/17. Über alle Bachelorstudiengänge lag die Quote bei 28 Prozent, an Universitäten bei 35, an Hochschulen für angewandte Wissenschaften bei 20 Prozent. Besonders hoch fiel die Quote in den Fächern aus, die der Arbeitsmarkt am dringendsten braucht. Die Kohorten mit den schwächsten PISA-Werten sind in diesen Zahlen noch gar nicht enthalten.
| Studienbereich (Bachelor) | Universitäten | Hochschulen für angewandte Wissenschaften |
|---|---|---|
| Alle Fächer | 35 % | 20 % |
| Mathematik und Naturwissenschaften | 50 % | 39 % |
| Informatik | 42 % | 30 % |
| Elektrotechnik | 44 % | 44 % |
| Ingenieurwissenschaften | 35 % | 30 % |
Die Fachgesellschaften für Mathematik warnen seit Jahren. In einer gemeinsamen Stellungnahme schrieben die Deutsche Mathematiker-Vereinigung, die Gesellschaft für Didaktik der Mathematik und der Verband MNU schon 2017, die Hochschulen stellten seit über zehn Jahren fest, dass einem Großteil der Studierenden bei Studienbeginn viele mathematische Grundkenntnisse fehlten. Gemeint waren auch Bruchrechnung und Potenzgesetze, also Stoff der Mittelstufe.
Eingangstests belegen den Trend. An 15 Fachhochschulen in Nordrhein-Westfalen schrieben zwischen 2002 und 2016 mehr als 40.000 Erstsemester denselben Mathe-Test. Der Mittelwert sank von 4,0 auf 3,1 von 10 Punkten, nur 16 Prozent erreichten mindestens 6 Punkte. In Sachsen fand ein Arbeitskreis 2023 bei rund 2.100 Erstsemestern in Wirtschafts- und MINT-Fächern gravierende Defizite bei Brüchen, Potenzen und Termumformungen. Die guten sächsischen Abiturnoten, so der Bericht, zeigen die Studierfähigkeit nur begrenzt an.
Bessere Noten, schwächere Leistungen
Die Abiturnoten entwickeln sich gegenläufig zu den Testergebnissen. Nach einer Auswertung der Länderdaten der Kultusministerkonferenz durch Dr. Web erhielten 2012 bundesweit 1,32 Prozent der Abiturienten eine glatte 1,0. 2024 lag der Anteil bei 3,05 Prozent, mehr als doppelt so hoch. Der Notenschnitt verbesserte sich im selben Zeitraum von etwa 2,46 auf 2,34, während die Neuntklässler im IQB-Test in Mathematik deutlich zurückfielen.
Andreas Schleicher, Bildungsdirektor der OECD, fand nach PISA 2025 im Radiosender WDR 5 deutliche Worte: „Das Bildungssystem in Deutschland ist ambitionslos geworden. Minderleistungen nimmt man oft einfach so in Kauf.“ Für Arbeitgeber folgt daraus eine unbequeme Einsicht. Ein Abiturzeugnis verrät heute weniger über die tatsächlichen Fähigkeiten als vor gut zehn Jahren, gerade bei den Bestnoten.
Zugleich hat das deutsche Hochschulsystem echte Stärken. Laut OECD-Bericht „Bildung auf einen Blick 2025“ kommen 35 Prozent der deutschen Bachelorabsolventen aus MINT-Fächern, der Spitzenwert unter den OECD-Staaten, deren Durchschnitt bei 23 Prozent liegt. Der Anteil der 25- bis 34-Jährigen mit Hochschulabschluss stieg seit 2019 von 33 auf 40 Prozent. Der OECD-Schnitt liegt bei 48 Prozent. Am unteren Ende steht Deutschland schlechter da: 15 Prozent der jungen Erwachsenen haben keinen Abschluss der Sekundarstufe II, mehr als im OECD-Schnitt von 13 Prozent.
Das Urteil der Unternehmen fällt gespalten aus. In einer Befragung des Stifterverbands unter 1.001 Führungskräften vom September 2026 sagen 49 Prozent, Hochschulabsolventen passten gut zum Bedarf, rund 20 Prozent sehen eine schlechte Passung, 30 Prozent sind unentschieden. Die größten Lücken nennen die Führungskräfte bei KI-Kompetenzen, gefolgt von Ambiguitätskompetenz mit 23,9 Prozent, kritischem Denken mit 23 und Kreativität mit 22,6 Prozent. Hinzu kommt ein Mengenproblem: Aus dem Jahrgang 2025 gingen rechnerisch 41,8 Prozent weniger Menschen mit einem Hochschul- oder vergleichbaren Abschluss hervor als aus dem Jahrgang 2000.
- Jeder Zweite: In Mathematik und Naturwissenschaften bricht an Universitäten die Hälfte der Bachelorstudierenden ab.
- Noteninflation: Der Anteil der 1,0-Abiture hat sich seit 2012 mehr als verdoppelt, die Mathe-Leistungen sind gesunken.
- MINT-Stärke: Mit 35 Prozent MINT-Absolventen liegt Deutschland an der Spitze der OECD.
Die Auszubildenden des Jahres 2040 sitzen heute in Kitas und Grundschulen. Was dort an Sprache und Rechnen fehlt, müssen die Betriebe später mühsam und teuer nachholen.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Liegt der Absturz an der Zuwanderung?

Zum Teil. Das FiBS schreibt rund ein Viertel des Mathe-Rückgangs seit 2015 der veränderten Zusammensetzung der Schülerschaft zu, in den Naturwissenschaften mehr als die Hälfte. Der größere Teil des Einbruchs in Mathematik und Lesen findet aber innerhalb der Schulformen und über alle Gruppen hinweg statt.
Kaum eine Frage wurde nach PISA 2025 so hitzig debattiert und so selten mit Zahlen unterlegt. Das FiBS hat die PISA-Mikrodaten von 2000 bis 2025 selbst ausgewertet und eine Gegenrechnung aufgestellt. Hält man die Zusammensetzung nach Zuwanderungsstatus und Familiensprache auf dem Stand von 2015 fest, bleiben vom Mathe-Rückgang von 42,2 Punkten noch 31,8 Punkte übrig. Der sogenannte Kompositionseffekt erklärt demnach 24,6 Prozent des Rückgangs in Mathematik, 30,2 Prozent im Lesen und 58,2 Prozent in den Naturwissenschaften.
Das nationale PISA-Konsortium kommt zu einem Befund, der dieser Rechnung auf den ersten Blick widerspricht. Nach Zuwanderungshintergrund zeigen sich zwar deutliche Kompetenzunterschiede. Betrachtet man soziale Herkunft, Geschlecht und Zuwanderungshintergrund aber gemeinsam, erweist sich die sozioökonomische Lage der Familie als mit Abstand wichtigster Faktor. Die Unterschiede nach Zuwanderung fallen dann deutlich geringer aus. Studienleiter Greiff setzt auf frühe Förderung: „Vor allem die Kenntnis der Unterrichtssprache ist der Schlüssel zu allen anderen Fächern.“
Der Widerspruch löst sich auf, sobald man genau betrachtet, was gemessen wird. PISA vergleicht einzelne Jugendliche zu einem Zeitpunkt. Die FiBS-Gegenrechnung erklärt, warum sich der Durchschnitt über die Jahre verändert hat. Die Leistung eines einzelnen Kindes hängt nach den PISA-Daten stärker von der sozialen Lage der Familie ab als von der Zuwanderungsgeschichte. Steigt aber der Anteil von Kindern, die zu Hause kein Deutsch sprechen und aus sozial schwächeren Familien kommen, sinkt der Durchschnitt trotzdem.
Für die Politik taugt der Befund weder zur Entwarnung noch zur Suche nach einem Sündenbock. Den Kompositionseffekt zu leugnen hieße, je nach Fach ein Viertel bis mehr als die Hälfte des Problems zu übersehen. Den Absturz allein der Zuwanderung anzulasten, blendet den übrigen Teil aus, der auch Kinder ohne Zuwanderungsgeschichte trifft. Der gemeinsame Hebel ist frühe Sprachförderung.
Kanada zeigt, was möglich ist. Nach Aussage von OECD-Bildungsdirektor Schleicher ist dort ein Zuwanderungshintergrund nach zwei Jahren in den Leistungen kaum noch sichtbar. Der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Leistung ist in Deutschland laut PISA-Team rund dreimal so stark wie in Kanada. Herkunft muss den Bildungsweg also nicht bestimmen, in Deutschland prägt sie ihn aber besonders stark.
Die veränderte Zusammensetzung der Schülerschaft erklärt nach FiBS-Rechnung ein Viertel des Mathe-Rückgangs, in den Naturwissenschaften mehr als die Hälfte. Der wichtigste Einzelfaktor bleibt laut PISA-Team die soziale Lage der Familie, der gemeinsame Hebel ist frühe Sprachförderung.
Was hilft nachweislich gegen den Leistungsabsturz?

Die Belege sprechen für vier Hebel: verbindliche Sprachförderung vor der Einschulung, mehr Lernzeit in Deutsch und Mathematik, Geld nach Bedarf statt nach dem Gießkannenprinzip und eine laufende Lernstandsbeobachtung. Hamburg zeigt, dass ein Bundesland den Abwärtstrend stoppen kann.
Im IQB-Bildungstrend 2024 hielten nur zwei Länder ihr Mathe-Niveau in der neunten Klasse, Berlin und Hamburg. Hamburg kam 2012 auf 489 Punkte, 2018 auf 488 und 2024 auf 482, statistisch ohne bedeutsamen Rückgang. Bundesweit verloren die Neuntklässler zwischen 2018 und 2024 im Schnitt 24 Punkte. Hamburg prüft den Sprachstand aller Kinder vor der Einschulung und erhöhte die Unterrichtszeit in der Grundschule schon 2011 von 26 auf 27 Wochenstunden.
Der frühere Hamburger Schulsenator Ties Rabe hält gerade die Unterrichtszeit für unterschätzt. Im Deutschen Schulportal schlägt Rabe je eine zusätzliche Wochenstunde Deutsch und Mathematik für alle Grundschulkinder vor. Über vier Jahre ergäbe das nach dieser Rechnung drei Viertel bis ein ganzes Schuljahr mehr Lernzeit in beiden Fächern. Rund 11.000 zusätzliche Lehrkräfte wären nötig, theoretisch eine Milliarde Euro im Jahr, wobei Rabe auf Synergien mit dem Ganztag setzt.
Die OECD-Daten stützen den Ansatz. Deutsche Grundschüler haben 725 Zeitstunden Pflichtunterricht pro Jahr, der OECD-Schnitt liegt bei 804. Zudem dauert die Grundschule hierzulande meist nur vier Jahre, in vielen OECD-Staaten sechs. Rabe beruft sich auf die Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz, nach deren Befund zusätzliche Unterrichtszeit zu höheren Fachleistungen führt.
| Hebel | Beleg | Stand in Deutschland |
|---|---|---|
| Sprachstand vor der Einschulung prüfen und Förderung verpflichtend machen | PISA-Konsortium: Die Unterrichtssprache ist der Schlüssel zu allen Fächern. | Acht Länder prüfen alle Kinder, in acht Ländern ist die Förderung danach Pflicht. |
| Mehr Lernzeit in Deutsch und Mathematik | SWK-Befund zu Unterrichtszeit, Hamburger Erfahrung seit 2011 | 725 Stunden Pflichtunterricht pro Jahr in der Grundschule, OECD 804 |
| Mittel nach Bedarf verteilen | England verteilt Mittel seit rund 20 Jahren gezielt nach Bedarf. | Startchancen-Programm mit 20 Mrd. Euro für gut 4.000 Schulen |
| Lernstand laufend messen | Kanada begleitet die Lernentwicklung mit regelmäßigen, kurzen Tests. | Bildungsverlaufsstatistik von Bund und Ländern im Aufbau |
Auch England liefert Hinweise. Das Land hielt seine Mathe-Leistung bei PISA 2025 mit 492 Punkten stabil, während der OECD-Schnitt deutlich fiel. In den Naturwissenschaften verbesserte sich England signifikant auf 516 Punkte. Seit 2012 prüft England die Lesefertigkeit aller Kinder im ersten Schuljahr mit einem Lautier-Test, die Bestehensquote stieg von 58 auf 80 Prozent. Ob diese Maßnahme den Unterschied erklärt, ist wissenschaftlich allerdings offen.
Gute Schulen wirken, mehr Geld allein kaum
Der vielleicht wichtigste Befund stammt aus der Auswertung der PISA-Mikrodaten durch das FiBS. Schulen derselben Schulform mit fast gleicher Schülerschaft liegen im Schnitt ein volles Schuljahr auseinander. Dreizehn gemessene Schulmerkmale erklären zusammen 27,5 Prozent dieses Unterschieds. Von diesen 27,5 Prozent entfallen 12 Prozentpunkte auf Klima und Beziehungen an der Schule, 9,8 auf die Schullaufbahn und nur 2,5 auf Personal und Ausstattung. Die Wirkung einer guten Schule ist dabei für sozial schwache und starke Jugendliche gleich groß.
Für die Debatte um immer neue Förderprogramme ist dieser Befund unbequem. Mittel helfen, sofern sie gezielt dort landen, wo der Bedarf am größten ist, wie beim Startchancen-Programm. Den Ausschlag gibt aber, wie eine Schule geführt wird und wie Lehrkräfte und Jugendliche miteinander arbeiten. Weshalb Schulleitungen hierzulande kaum über ihr eigenes Personal verfügen, beschreibt unser Beitrag zur Frage, warum eine Schule keine eigenständige Firma ist.
Politisch ist einiges angestoßen. Die Bildungsministerkonferenz hat im März 2026 mit Bundesbildungsministerin Karin Prien eine Roadmap beschlossen, die den Anteil der Schülerinnen und Schüler unter den Mindeststandards binnen zehn Jahren deutlich senken soll. Zur Roadmap gehören eine Bildungsverlaufsstatistik und eine verpflichtende Sprachstandsfeststellung bei Vierjährigen. Bundeskanzler Friedrich Merz forderte am 9. September im Bundestag eine „wirklich große Kraftanstrengung“ und nahm die Eltern in die Pflicht: „Man kann Bildung und Erziehung nicht an den Staat outsourcen.“ Weitere Investitions- oder Bundesprogramme sind nach Auskunft eines Regierungssprechers derzeit nicht geplant.
- Hamburg: Pflicht-Sprachtest für alle Kinder und mehr Unterrichtsstunden, das Mathe-Niveau blieb stabil.
- Lernzeit: Deutsche Grundschüler haben 725 Stunden Pflichtunterricht im Jahr, der OECD-Schnitt liegt bei 804.
- Schulqualität: Klima und Beziehungen erklären nach FiBS-Analyse fast fünfmal so viel wie Personal und Ausstattung.
Was können Unternehmen jetzt tun?

Betriebe sollten nicht auf die Wirkung der Schulreformen warten. Nötig sind eine eigene Eingangsdiagnostik, gezielte Förderung von Grundkompetenzen im Betrieb, Partnerschaften mit Schulen und eine Weiterbildung, die den kritischen Umgang mit KI einschließt. Die Jugendlichen der schwachen PISA-Jahrgänge sitzen schon heute in den Bewerbungsgesprächen.
Ein Abiturzeugnis mit 1,3 garantiert kein sicheres Bruchrechnen. Umgekehrt schließt ein Hauptschulzeugnis Talent nicht aus. Für Personalabteilungen heißt das: Kompetenzen messen, statt Noten zu vertrauen. Die gute Nachricht: Auf jede Neueinstellung kommen heute deutlich mehr Bewerbungen als noch 2022. Die Auswahl ist also größer, nur müssen die Werkzeuge dafür genauer werden.
Fünf Schritte lassen sich ohne großes Budget umsetzen:
- Grundlagen testen: Ein kurzer Eingangstest in Rechnen und Deutsch zu Beginn der Ausbildung zeigt, wo Förderung nötig ist. Der Test soll Lücken finden, nicht Bewerber aussortieren.
- Förderung nutzen: Die Assistierte Ausbildung der Arbeitsagenturen bietet Azubis Stütz- und Förderunterricht sowie Begleitung bis zur Abschlussprüfung. Für Ausbildungsbetrieb und Azubi entstehen dabei keine Kosten.
- Grundbildung im Betrieb anbieten: Rund 6,2 Millionen Erwachsene in Deutschland können laut LEO-Studie von 2018 nicht ausreichend lesen und schreiben, die Mehrheit von ihnen ist erwerbstätig. Arbeitsplatznahe Kurse erreichen diese Beschäftigten dort, wo sie ohnehin sind.
- Mit Schulen kooperieren: Praktika, Projekttage und Ausbildungsbotschafter bringen Betriebe früh an die Jugendlichen heran. Das PISA-Konsortium empfiehlt ausdrücklich, die Kooperation zwischen Schule, Familie und Sozialraum dauerhaft zu verankern.
- KI-Urteilskraft trainieren: Bei Schülern stellt die OECD fest, dass Vielnutzer von KI besser abschneiden, sobald sie gelernt haben, KI-Antworten auf Qualität zu prüfen. Dieselbe Prüfroutine gehört in die betriebliche Ausbildung, zumal Führungskräfte bei KI-Kompetenz die größte Lücke sehen.
Die Förderung am unteren Rand zahlt sich doppelt aus. Im Herbst 2025 suchten 84.400 junge Menschen vergeblich eine Ausbildungsstelle, während 54.400 Plätze leer blieben. Ein Teil dieser Lücke ließe sich schließen, sofern Betriebe Bewerber mit schwächeren Zeugnissen einstellen und gezielt nachschulen. Die Bundesagentur für Arbeit führt derzeit 157 Engpassberufe.
Auch die Belegschaft von heute braucht Aufmerksamkeit. Im OECD-Erwachsenentest PIAAC schneiden deutsche Erwachsene zwar besser ab als der OECD-Schnitt, doch 20 Prozent liegen in Alltagsmathematik auf der untersten Stufe oder darunter, 22 Prozent beim Lesen. Beim lebenslangen Lernen landet Deutschland im European Innovation Scoreboard 2026 nur auf Rang 23 der EU. Weiterbildung, die bei den Grundlagen ansetzt, ist deshalb Standortpolitik im Kleinen.
Noten sagen weniger als früher, deshalb gehören Rechnen und Lesen zu Beginn der Ausbildung auf den Prüfstand. Die Assistierte Ausbildung der Arbeitsagenturen hilft Betrieben kostenlos, schwächere Azubis zum Abschluss zu bringen.
Ist der Absturz bis 2040 noch aufzuhalten?

Aufhalten ja, schnell umkehren kaum. Nach dem PISA-Schock von 2000 hat Deutschland schon einmal aufgeholt, im Lesen von 484 Punkten auf 509 Punkte im Jahr 2015. Für die Zielmarke 2040 bräuchte das Land aber ein Tempo, das Deutschland noch nie erreicht hat. Entscheidend ist, wie schnell die bekannten Hebel wirken.
Die Bundesregierung setzt auf Zusammenarbeit statt auf Gipfel. „Anders als beim PISA-Schock 2000 haben wir heute einen Plan“, sagte Bundesbildungsministerin Karin Prien am Tag der Veröffentlichung. Konkrete Beschlüsse der Bildungsministerkonferenz sind für Dezember 2026 angekündigt. Die Roadmap von Bund und Ländern rechnet in Zeiträumen von zehn Jahren, was zur Trägheit des Systems passt, zum Tempo des Absturzes aber nicht.
Ein Vergleich der Größenordnungen zeigt, wie günstig Gegensteuern wäre. Ties Rabe veranschlagt für zusätzliche Grundschulstunden in Deutsch und Mathematik höchstens eine Milliarde Euro im Jahr. Ein einziger schwächerer Jahrgang kostet die öffentlichen Kassen nach FiBS-Rechnung mindestens 8,1 Milliarden Euro über das Erwerbsleben. Die beiden Zahlen messen Verschiedenes, doch das Missverhältnis ist deutlich genug.
Unsere Einschätzung: Das Szenario für 2040 ist kein Naturgesetz, aber auch kein Schreckgespenst, das sich von selbst verflüchtigt. Die eigene Prognose des FiBS für PISA 2025 war zu optimistisch. Zudem hat die Streuung der Leistungen 2025 in allen drei Fächern zugenommen. Solange Sprachförderung vor der Einschulung in der Hälfte der Länder nicht verpflichtend ist, fehlt der wichtigste Baustein für alle weiteren.
Studienleiter Greiff ordnet den Befund nüchtern ein: „Die Ergebnisse geben Anlass zur Sorge, aber sie sind kein Schicksal.“ Die nächsten Messpunkte stehen fest. Die Grundschulstudie IGLU 2026 soll ihre Ergebnisse im Dezember 2027 liefern und zeigen, ob die jüngsten Jahrgänge besser starten. Kompetenzen verzinsen sich über ein ganzes Erwerbsleben, Lücken leider auch.
- Aufholen ist möglich: Nach 2000 stieg die Lesekompetenz bis 2015 um 25 Punkte.
- Tempo fehlt: Bund und Länder planen in Zehnjahreszeiträumen, konkrete Beschlüsse folgen im Dezember 2026.
- Nächster Test: IGLU 2026 zeigt im Dezember 2027, ob die Grundschulen besser werden.
Glossar: 16 wichtige Fachbegriffe zur Bildungskrise

Ausbildungsreife
Ausbildungsreife bezeichnet die Grundvoraussetzungen, die Jugendliche für den Start einer Berufsausbildung mitbringen sollten: sicheres Lesen, Schreiben und Rechnen, dazu Belastbarkeit und Zuverlässigkeit. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer fragt diese Merkmale jährlich bei Ausbildungsbetrieben ab, 2026 sahen 94 Prozent Mängel.
Basiskompetenzen
Basiskompetenzen sind in der PISA-Studie die Fähigkeiten ab Kompetenzstufe II. Jugendliche unterhalb dieser Stufe können nach Definition der Studie Anforderungen in Ausbildung, Beruf und Alltag nicht sicher bewältigen. In Deutschland betraf das 2025 rund ein Drittel der 15-Jährigen in Mathematik und Lesen.
Bildungsverlaufsstatistik
Bildungsverlaufsstatistik heißt ein geplantes Datensystem, das anonymisiert nachzeichnet, welche Wege Kinder und Jugendliche durch Kita, Schule, Ausbildung und Studium nehmen. Bund und Länder haben den Aufbau im März 2026 in ihrer gemeinsamen Roadmap nach dem IQB-Bildungstrend vereinbart.
EduSim
EduSim ist das Bildungsmodell des Berliner Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS). Das Modell verfolgt einen Geburtsjahrgang von der Kita bis in den Arbeitsmarkt und rechnet aus veränderten Kompetenzen die Folgen für Abschlüsse, Übergänge, Erwerbsverläufe und öffentliche Haushalte, für Deutschland und alle 16 Länder.
Fachkräfteengpassanalyse
Fachkräfteengpassanalyse nennt die Bundesagentur für Arbeit ihre jährliche Auswertung darüber, in welchen Berufen Fachkräfte knapp sind. Die Analyse bewertet mehr als 1.200 Berufsgattungen anhand mehrerer Indikatoren, etwa wie lange Stellen unbesetzt bleiben. Die Ausgabe für 2025 weist 157 Engpassberufe aus.
IGLU
IGLU steht für Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung, in anderen Ländern als PIRLS bekannt. Die Studie misst alle fünf Jahre die Lesekompetenz von Kindern am Ende der vierten Klasse. 2021 erreichte gut ein Viertel der deutschen Viertklässler nicht die Kompetenzstufe III.
IQB-Bildungstrend
IQB-Bildungstrend heißt die nationale Vergleichsstudie des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen an der Humboldt-Universität zu Berlin. Die Studie prüft, ob Schülerinnen und Schüler die Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz erreichen. Zugleich liefert der Test einen Ländervergleich. Getestet werden abwechselnd die vierte und die neunte Klasse.
Kompositionseffekt
Kompositionseffekt meint den Teil einer Veränderung im Durchschnitt, der allein daraus entsteht, dass sich die Zusammensetzung einer Gruppe verschiebt. Im Bildungsbereich betrifft der Effekt etwa den Anteil von Kindern, die zu Hause kein Deutsch sprechen. Das FiBS beziffert den Effekt für den Mathe-Rückgang seit 2015 auf 24,6 Prozent.
Mindeststandard
Mindeststandard bezeichnet in den Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz das Kompetenzniveau, das alle Schülerinnen und Schüler zu einem bestimmten Zeitpunkt mindestens erreichen sollen. Schülerinnen und Schüler darunter gelten als Risikogruppe. In Mathematik verfehlten 2024 rund 34 Prozent der Neuntklässler den Mindeststandard für den mittleren Schulabschluss.
PIAAC
PIAAC ist die Abkürzung für das Programme for the International Assessment of Adult Competencies der OECD, oft als PISA für Erwachsene bezeichnet. Die Studie misst Lesekompetenz, alltagsmathematische Kompetenz und adaptives Problemlösen der 16- bis 65-Jährigen. Die jüngsten Ergebnisse erschienen im Dezember 2024.
PISA
PISA steht für Programme for International Student Assessment. Die OECD-Studie testet alle drei bis vier Jahre, wie gut 15-Jährige Aufgaben in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften lösen. 2025 nahmen rund 760.000 Jugendliche in 91 Staaten und Regionen teil, in Deutschland rund 6.700.
Seiteneinsteiger
Seiteneinsteiger sind Lehrkräfte ohne Lehramtsausbildung, die mit einem anderen Hochschulabschluss oder Berufsweg in den Schuldienst wechseln. In der Statistik der Kultusministerkonferenz heißen Seiteneinsteiger sonstige Lehrkräfte. 2025 stellte diese Gruppe 13,4 Prozent der Neueinstellungen, in einzelnen ostdeutschen Ländern deutlich mehr.
Sozialer Gradient
Sozialer Gradient beschreibt, wie stark die Leistungen von Schülerinnen und Schülern mit der sozioökonomischen Lage ihrer Familien zusammenhängen. In Deutschland erklärt die soziale Lage 19 Prozent der Leistungsunterschiede in den Naturwissenschaften, im OECD-Schnitt 12 Prozent. Ein steiler Gradient gilt als Zeichen geringer Chancengerechtigkeit.
Startchancen-Programm
Startchancen-Programm heißt das größte Schulförderprogramm von Bund und Ländern. Seit dem Schuljahr 2024/25 fließen über zehn Jahre bis zu 20 Milliarden Euro an gut 4.000 Schulen mit vielen sozial benachteiligten Kindern. Ziel ist, den Anteil unter den Mindeststandards an diesen Schulen zu halbieren.
Studienabbruchquote
Studienabbruchquote bezeichnet den Anteil eines Anfängerjahrgangs, der das Hochschulsystem ohne Abschluss verlässt. Ein Wechsel des Fachs oder der Hochschule zählt nicht als Abbruch. Das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung berechnet die Quote regelmäßig, zuletzt 2022 mit 28 Prozent im Bachelor.
Wissenskapital
Wissenskapital ist ein Begriff der Bildungsökonomie für die tatsächlich erworbenen Kompetenzen einer Bevölkerung, gemessen in standardisierten Schulleistungstests statt in Schuljahren oder Abschlüssen. Nach Schätzungen von Eric Hanushek und Ludger Wößmann erklärt dieses Maß über drei Viertel der Unterschiede im langfristigen Wachstum von Volkswirtschaften.
FAQ: Die Bildungskrise schlägt bis 2040 auf die Betriebe durch
Was versteht man unter der Bildungskrise?
Mit Bildungskrise ist der anhaltende Rückgang der Schulleistungen in Deutschland gemeint, den PISA, der IQB-Bildungstrend und IGLU seit etwa 2015 messen. 2025 fehlten rund einem Drittel der 15-Jährigen in Mathematik und Lesen die Grundkompetenzen. Zum Befund gehören auch der Lehrkräftemangel und die starke Abhängigkeit des Schulerfolgs von der sozialen Herkunft.
Wie gut ist das deutsche Schulsystem im internationalen Vergleich?
Deutschland liegt bei PISA 2025 in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften nur noch im OECD-Durchschnitt und erreicht zugleich seine schlechtesten Werte. Estland, Kanada, die Schweiz und Österreich schneiden bei vergleichbaren Bedingungen deutlich besser ab. Eine Stärke bleibt der hohe Anteil der MINT-Absolventen an den Hochschulen.
Warum ist Bildung in Deutschland Ländersache?
Das Grundgesetz weist die Zuständigkeit für die Schulen den Ländern zu, man spricht von der Kulturhoheit der Länder. Der Bund darf Schulen nur in engen Grenzen mitfinanzieren, etwa über das Startchancen-Programm. Abgestimmt wird die Schulpolitik in der Bildungsministerkonferenz der Länder.
Wie gerecht ist das deutsche Schulsystem?
In kaum einem anderen Staat hängen Schulleistungen so stark von der sozialen Lage der Familie ab wie in Deutschland. Laut PISA 2025 liegen zwischen privilegierten und benachteiligten Jugendlichen in den Naturwissenschaften 125 Punkte, im OECD-Schnitt 85. Der Zusammenhang ist so stark wie nie seit der ersten Erhebung im Jahr 2000.
Hat sich Deutschland nach dem PISA-Schock 2000 verbessert?
Zunächst deutlich: Im Lesen stiegen die Leistungen von 484 Punkten im Jahr 2000 auf 509 Punkte im Jahr 2015. Seit rund zehn Jahren fallen die Werte wieder, 2025 lag Deutschland im Lesen bei 465 Punkten und damit unter dem Ergebnis des ersten Tests.
Wie verlässlich sind Bildungsprognosen wie EduSim?
Bildungsprognosen zeigen Szenarien, keine sicheren Vorhersagen. Das FiBS-Modell EduSim traf bei PISA 2025 die Richtung in allen sechs geprüften Werten, lag bei der Höhe aber teils daneben und unterschätzte den Anteil schwacher Schülerinnen und Schüler. Tabellen und Rechenweg gibt das Institut auf Anfrage heraus.
Quellen
OECD | PISA 2025 Ergebnisse (Band I), Ländernotiz Deutschland | https://www.oecd.org/content/dam/oecd/de/publications/reports/2026/09/pisa-2025-results-volume-i-country-notes_88d1164e/germany_20677961/8a1ce578-de.pdf | besucht am 28.09.2026
Technische Universität München | PISA-Ergebnisse auf neuem Tiefstand | https://www.tum.de/aktuelles/alle-meldungen/pressemitteilungen/details/pisa-ergebnisse-auf-neuem-tiefstand | besucht am 28.09.2026
Zentrum für internationale Bildungsvergleichsstudien (ZIB) | PISA 2025, Zusammenfassung | https://www.zib.education/fileadmin/Dokumente/PISA/PISA_2025/PISA2025-Zusammenfassung.pdf | besucht am 28.09.2026
Zentrum für internationale Bildungsvergleichsstudien (ZIB) | PISA 2025, Nationaler Berichtsband | https://www.zib.education/fileadmin/Dokumente/PISA/PISA_2025/PISA2025-Nationaler-Berichtsband.pdf | besucht am 28.09.2026
Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) | IQB-Bildungstrend 2024, Pressemappe | https://www.iqb.hu-berlin.de/media/documents/IQB_Bildungstrend2024_Pressemappe-4.pdf | besucht am 28.09.2026
Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) | IQB-Bildungstrend 2024, Berichtsband | https://www.iqb.hu-berlin.de/media/documents/IQB_Bildungstrend2024_Berichtsband-6.pdf | besucht am 28.09.2026
Bundesministerium für Bildung und Forschung | IGLU 2021: Lesekompetenz von Grundschulkindern | https://www.bmftr.bund.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2023/05/160523-IGLU21.html | besucht am 28.09.2026
Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS) | Prognose EduSim | https://www.fibs.eu/forschungsfelder/prognose-edusim/ | besucht am 28.09.2026
Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS) | PISA 2025: Die Debatte zum Nachlesen | https://www.fibs.eu/pisa-2025-nachlese/ | besucht am 28.09.2026
Neomera | Evidence Lab | https://neomera.de/evidence-lab/ | besucht am 28.09.2026
ifo Institut | PISA-Abstieg gefährdet unseren Wohlstand | https://www.ifo.de/pressemitteilung/2026-09-08/pisa-abstieg-gefaehrdet-unseren-wohlstand | besucht am 28.09.2026
Bertelsmann Stiftung | Volkswirtschaftliche Erträge besserer Bildung | https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/user_upload/Volkswirtschaftliche_Ertraege_besserer_Bildung.pdf | besucht am 28.09.2026
Statistisches Bundesamt | Pressemitteilung N039 vom 23. Juni 2026 zu Erwerbspersonen im Rentenalter | https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/06/PD26_N039_13.html | besucht am 28.09.2026
Kultusministerkonferenz | Schülerzahlen: Demografischer Wandel erreicht die Schulen früher | https://www.kmk.org/aktuelles-1/artikelansicht/schuelerzahlen-demografischer-wandel-erreicht-die-schulen-frueher.html | besucht am 28.09.2026
Deutsche Industrie- und Handelskammer | DIHK-Ausbildungsumfrage 2026 | https://www.dihk.de/resource/blob/184324/b02a38def867b74612c8519bdaeaf818/fachkraefte-dihk-ausbildungsumfrage-2026-data.pdf | besucht am 28.09.2026
Bundesinstitut für Berufsbildung | Pressemitteilung 40/2025 zum Ausbildungsmarkt | https://www.bibb.de/de/pressemitteilung_215396.php | besucht am 28.09.2026
Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung | IAB-Stellenerhebung: Rückgang der offenen Stellen im zweiten Quartal 2026 | https://iab.de/presseinfo/iab-stellenerhebung-rueckgang-der-offenen-stellen-im-zweiten-quartal-2026-auf-rund-1-million/ | besucht am 28.09.2026
IAB-Forum | IAB-Stellenerhebung 2/2026: Fast drei von vier Bewerbungen sind aus betrieblicher Sicht ungeeignet | https://iab-forum.de/iab-stellenerhebung-2-2026-fast-drei-von-vier-bewerbungen-sind-aus-betrieblicher-sicht-ungeeignet/ | besucht am 28.09.2026
Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend | Berufsbildungsbericht 2026 | https://www.bmbfsfj.bund.de/resource/blob/285644/38be499c91a9d292b6f619800515afa6/berufsbildungsbericht-2026-data.pdf | besucht am 28.09.2026
Statistisches Bundesamt | Bildungsindikatoren: Absolventen und Abgänger | https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bildung-Forschung-Kultur/Bildungsindikatoren/absolventen-tabelle.html | besucht am 28.09.2026
Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) | Fachkräftereport März 2026 | https://www.kofa.de/media/Publikationen/KOFA_Kompakt/Fachkraeftereport_Maerz_2026.pdf | besucht am 28.09.2026
MINT Zukunft schaffen | MINT-Arbeitskräftelücke bei 153.300 Personen | https://mintzukunftschaffen.de/2026/09/09/mint-arbeitskraefteluecke-bei-153-300-personen-mint-arbeitsmarkt-august-2026/ | besucht am 28.09.2026
Institut der deutschen Wirtschaft / Gesamtmetall | MINT-Frühjahrsreport 2026 | https://www.gesamtmetall.de/app/uploads/MINT-Fruehjahrsreport-2026_Arbeitsmarktbericht.pdf | besucht am 28.09.2026
Bundesagentur für Arbeit | Fachkräfteengpassanalyse | https://statistik.arbeitsagentur.de/DE/Statischer-Content/Statistiken/Themen-im-Fokus/Fachkraeftebedarf/Fachkraefteengpassanalyse/Fachkraefteengpassanalyse.html | besucht am 28.09.2026
World Economic Forum | Future of Jobs Report 2025 | https://reports.weforum.org/docs/WEF_Future_of_Jobs_Report_2025.pdf | besucht am 28.09.2026
Expertenkommission Forschung und Innovation | Gutachten 2026 | https://www.e-fi.de/fileadmin/Assets/Gutachten/2026/EFI_Gutachten_2026_27126.pdf | besucht am 28.09.2026
Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) | Global Innovation Index 2025: Germany | https://www.wipo.int/gii-ranking/en/germany | besucht am 28.09.2026
Europäische Kommission | European Innovation Scoreboard 2026, Country Profile Germany | https://ec.europa.eu/assets/rtd/eis/2026/ec_rtd_eis-country-profile-de.pdf | besucht am 28.09.2026
Technische Universität München / ZIB | PISA 2022: Kreatives Denken | https://www.pisa.tum.de/fileadmin/w00bgi/www/Berichtsbaende_und_Zusammenfassungungen/9783830949190_KREA-open_access.pdf | besucht am 28.09.2026
Technische Universität München | PISA Study: Good results in teamwork | https://www.tum.de/en/news-and-events/all-news/press-releases/details/34321 | besucht am 28.09.2026
Vodafone Stiftung Deutschland | Lesen im 21. Jahrhundert | https://www.vodafone-stiftung.de/wp-content/uploads/2021/05/Studie_Vodafone-Stiftung_Lesen-im-21-Jahrhundert.pdf | besucht am 28.09.2026
Stiftung Neue Verantwortung | Quelle: Internet? Digitale Nachrichten- und Informationskompetenzen der deutschen Bevölkerung im Test | https://futureins.org/media/pages/schwerpunkte/resiliente-gesellschaft/quelle-internet/9cc742869c-1728053243/snv_quelleinternet_messmersaengerlaubschulz_210319.pdf | besucht am 28.09.2026
Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) | DZHW Brief 05/2022: Studienabbruchquoten | https://www.dzhw.eu/pdf/pub_brief/dzhw_brief_05_2022.pdf | besucht am 28.09.2026
DMV, GDM und MNU | Gemeinsame Stellungnahme zum Übergang Schule und Hochschule (2017) | https://www.mathematik-schule-hochschule.de/images/Stellungnahmen/pdf/Stellungnahme-DMVGDMMNU-2017.pdf | besucht am 28.09.2026
TH Köln | Eingangstest Mathematik an Fachhochschulen in NRW | https://www.nt.th-koeln.de/fachgebiete/mathe/knospe/aktuelles.html | besucht am 28.09.2026
Sächsischer Arbeitskreis Schulmathematik / TU Chemnitz | Bericht zur Lernstandserhebung 2023 | https://www.tu-chemnitz.de/mathematik/akschulmathematik/Bericht_LSE_Sa%CC%88chsicher%20Arbeitskreis%20Schulmathematik.docx-6.pdf | besucht am 28.09.2026
Kultusministerkonferenz | Abiturnoten im Ländervergleich 2024 | https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/pdf/Statistik/Dokumentationen/Aus_Abiturnoten_2024.pdf | besucht am 28.09.2026
Kultusministerkonferenz | Abiturnoten 2006 bis 2013 | https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/pdf/Statistik/Aus_Abiturnoten_2006_2013.zip | besucht am 28.09.2026
News4teachers | PISA-Chef Schleicher über Deutschlands Absturz | https://www.news4teachers.de/2026/09/pisa-chef-schleicher-ueber-deutschlands-absturz-das-bildungssystem-ist-ambitionslos-geworden/ | besucht am 28.09.2026
OECD | Education at a Glance 2025: Country Note Germany | https://www.oecd.org/en/publications/2025/09/education-at-a-glance-2025-country-notes_9749f4ff/germany_52735cfb.html | besucht am 28.09.2026
OECD | Bildung auf einen Blick 2025 | https://www.oecd.org/content/dam/oecd/de/publications/reports/2025/09/education-at-a-glance-2025_c58fc9ae/9783763979257.pdf | besucht am 28.09.2026
Stifterverband | Welche Future Skills fehlen in deutschen Unternehmen? | https://www.stifterverband.org/sites/default/files/2026-09/welche_future_skills_fehlen_in_deutschen_unternehmen.pdf | besucht am 28.09.2026
Deutsches Schulportal | Ties Rabe: Warum reden wir nicht endlich über die Unterrichtszeit? | https://deutsches-schulportal.de/kolumnen/ties-rabe-warum-reden-wir-nicht-endlich-ueber-die-unterrichtszeit/ | besucht am 28.09.2026
Deutscher Bildungsserver | Sprachstandserhebungen und Sprachförderkonzepte der Bundesländer | https://www.bildungsserver.de/elementarbildung/sprachstandserhebungen-und-sprachfoerderkonzepte-der-bundeslaender-2308-de.html | besucht am 28.09.2026
Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend | Nach IQB-Bildungstrend: Bildungsministerkonferenz beschließt Roadmap | https://www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/aktuelles/pressemitteilungen/nach-iqb-bildungstrend-bildungsministerkonferenz-beschliesst-roadmap-282492 | besucht am 28.09.2026
Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend | Fragen und Antworten zum Startchancen-Programm | https://www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/themen/bildung/schule/fragen-und-antworten-zum-startchancen-programm-278580 | besucht am 28.09.2026
Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend | PISA 2025 zeigt deutlich: Basiskompetenzen stärken, Bildungschancen verbessern | https://www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/aktuelles/pressemitteilungen/pisa-2025-zeigt-deutlich-basiskompetenzen-staerken-bildungschancen-verbessern-293974 | besucht am 28.09.2026
Deutscher Bundestag | Plenarprotokoll 21/92 vom 9. September 2026 | https://dserver.bundestag.de/btp/21/21092.pdf | besucht am 28.09.2026
Jan-Martin Wiarda | Was ist Merz’ große Bildungsansage wert? | https://www.jmwiarda.de/blog/2026/09/17/was-ist-merz-grosse-bildungsansage-wert | besucht am 28.09.2026
UK Department for Education | PISA 2025: National Report for England | https://assets.publishing.service.gov.uk/media/6aa0073962ec7fe7bedf5160/pisa-2025-national-report-for-england.pdf | besucht am 28.09.2026
UK Department for Education | Phonics Screening Check Attainment | https://explore-education-statistics.service.gov.uk/find-statistics/phonics-screening-check-attainment | besucht am 28.09.2026
Kultusministerkonferenz | Einstellung von Lehrkräften 2025 | https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/pdf/Statistik/Dokumentationen/EvL_2025.pdf | besucht am 28.09.2026
Universität Hamburg | Neue LEO-Studie zu eingeschränkten Lese- und Schreibkompetenzen | https://www.uni-hamburg.de/newsroom/presse/2019/pm26.html | besucht am 28.09.2026
Bundesagentur für Arbeit | Assistierte Ausbildung (AsA), Informationen für Jugendliche | https://www.arbeitsagentur.de/vor-ort/datei/flyer-assistierte-ausbildung-asa-flex_ba075482.pdf | besucht am 28.09.2026
OECD | Survey of Adult Skills 2023: Country Note Germany | https://www.oecd.org/content/dam/oecd/en/publications/reports/2024/12/survey-of-adults-skills-2023-country-notes_df7b4a60/germany_264dd624/5f81cb66-en.pdf | besucht am 28.09.2026