Ein Bedienpanel für Kälteanlagen klingt nach einem Nischenprodukt, doch an der neuen Anlagensteuerung GEA Omni NG lässt sich der Umbau der Industrie ablesen. GEA tauscht das jahrzehntelang übliche Windows gegen Linux, verlegt die Rechenleistung in ein Funkmodul und lässt Servicepartner per Tablet auf die Maschine schauen. Der eigentliche Treiber steht nicht im Datenblatt, sondern im EU-Amtsblatt.

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Das Wichtigste in Kürze

  • GEA stellt die Steuerungsplattform Omni NG von Windows auf Linux um und ersetzt den Industrie-PC durch ein WLAN-fähiges G-Plex-Modul mit separatem Touchscreen.
  • Fernzugriff über Tablet und mobile Geräte sowie eine Anbindung an die GEA Cloud machen aus dem Panel eine vernetzte, aber angreifbare Schnittstelle.
  • GEA richtet das Gerät auf vier Regelwerke aus: die EU-Maschinenverordnung 2023/1230, den Cyber Resilience Act, die NIS2-Richtlinie und das NIST-Rahmenwerk CSF 2.0.
  • Ab dem 20. Januar 2027 gehört Cybersicherheit für Maschinen zur CE-Kennzeichnung, und NIS2 nimmt Lebensmittel-, Getränke- und Chemiebetriebe als wichtige Einrichtungen in die Pflicht.

Was steckt technisch in der Omni NG?

Ein Schloss mit der Aufschrift „2027 SICHERUNG“ ist an isolierten Rohren befestigt
GEA ersetzt Windows-basierte Steuerung durch Linux-Kern und führt G-Plex-Modul mit WLAN und separatem Touchscreen ein. Bestehende Anlagen sind aufrüstbar

GEA baut die Steuerung von Grund auf um. Linux statt Windows bildet den Kern und soll das Panel schneller, anpassbarer und schwerer angreifbar machen. An die Stelle des klassischen Industrie-PC tritt ein WLAN-fähiges Elektronikmodul namens G-Plex mit einem separaten Touchscreen, und bestehende Omni-Installationen lassen sich laut Hersteller ohne Bruch aufrüsten.[1]

Die Öffnung hat eine Kehrseite. Größere Angriffsfläche entsteht genau dort, wo der Bedienkomfort wächst: Ein Panel, das Betreiber, Servicepartner und Facility-Manager per Tablet erreichen und das Betriebsdaten in die Cloud spiegelt, ist kein isoliertes Gerät mehr, sondern ein Netzknoten. Frühere Anlagensteuerungen liefen oft auf ungepatchten Windows-Versionen tief im Maschinenpark, physisch abgeschottet und deshalb selten aktualisiert. Sobald so ein System ans Netz geht, wird jede offene Tür zum Einfallstor, wie die Angriffe auf US-Wasserwerke zeigten, deren Steuerungen zeitweise nur noch von Hand liefen.

Echtzeitdaten sind der Gegenwert für das Risiko. Die Omni NG wertet laufende Messwerte zu Anlagenleistung, Energieverbrauch und Wartungsbedarf aus und macht daraus Handlungshinweise, ein Muster, das auch andere Hersteller wie Krones in der vernetzten Fabrik verfolgen.

Warum härtet ein Kältetechnik-Bauer seine Steuerung?

Der Auslöser liegt in Brüssel, nicht im Wettbewerb. GEA nennt vier Regelwerke, an denen sich die Omni NG ausrichtet: die EU-Maschinenverordnung 2023/1230, den Cyber Resilience Act, die NIS2-Richtlinie und das NIST-Rahmenwerk CSF 2.0.[1] Ab dem 20. Januar 2027 löst die Maschinenverordnung die alte Maschinenrichtlinie ab und macht Cybersicherheit zur Bedingung für das CE-Zeichen: Eine Maschine, deren Steuerung sich manipulieren lässt, gilt dann als nicht sicher.[2]

Kein Einzelfall ist dieser Schritt. Siemens musste zu seinen S7-Steuerungen eine Warnung der US-Behörden vor KI-gestützten Angriffen hinnehmen, der Videotechnik-Konzern Dahua wirbt mit dem IEC-62443-Zertifikat um verlorenes Vertrauen, und in deutschen Produktionshallen wird NIS2 gerade zur Haftungsfalle. Die Linie ist überall dieselbe: Regulierung und Angriffsdruck treffen zeitgleich auf eine Fabrik, deren Steuerungen nie für das offene Netz gebaut wurden.

Sicherheit wandert bei Industrieanlagen vom Zusatz zur Zulassungsvoraussetzung. Ein Bedienpanel ohne belastbares Update-Konzept ist ab 2027 kein günstiges Gerät, sondern ein juristisches Risiko.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Was bedeutet das für Betreiber im DACH-Raum?

Für deutschsprachige Betriebe verschiebt sich die Verantwortung. NIS2 zieht Lebensmittel-, Getränke- und Chemiehersteller als wichtige Einrichtungen in ihren Geltungsbereich, samt Pflicht zu Risikomanagement und Meldewegen; die deutsche Umsetzung im NIS2-Umsetzungsgesetz ist überfällig, die Vorgaben gelten trotzdem als Maßstab. Ein Kältesystem in einer Molkerei oder einem Pharmalager ist damit kein reines Betriebsmittel mehr, sondern Teil der meldepflichtigen Infrastruktur.

Fristen laufen bereits. Seit dem 11. September 2026 greifen die Meldepflichten des Cyber Resilience Act für Hersteller vernetzter Produkte, und Ende 2027 folgt die volle Wirkung mit Sicherheitspflichten über den gesamten Produktlebenszyklus.[2] Ein Betreiber, der heute eine Anlagensteuerung kauft, bindet sich für zehn Jahre und länger, also reicht die Frage nach Update-Versorgung und Schwachstellenmeldung weit über die Inbetriebnahme hinaus.

Die Steuerung unter Regeldruck

Warum GEA seine Kältetechnik-Steuerung Omni NG auf Linux umbaut und an vier Regelwerken ausrichtet.

Linux
löst Windows als Betriebssystem der Omni-Steuerung ab, bei voller Aufwärtskompatibilität
20.01.2027
ab dann verlangt die EU-Maschinenverordnung 2023/1230 Cybersicherheit für das CE-Zeichen
24 / 72 Std.
NIS2-Meldefristen: 24 Stunden Frühwarnung, 72 Stunden für die vollständige Meldung eines Vorfalls
11.09.2026
seit diesem Tag gelten die Meldepflichten des Cyber Resilience Act für Hersteller vernetzter Produkte

Drei Schritte lohnen sich vor der nächsten Beschaffung. Betreiber sollten den Support-Zeitraum und die Patch-Zusagen des Herstellers schriftlich fixieren, die vernetzten Steuerungen im eigenen Haus inventarisieren und segmentieren und die Meldeketten für einen Vorfall vorab klären. Ob am Ende ein GEA-Panel, eine offene Festo-Steuerung oder ein anderes System steht, entscheidet weniger der Preis als die Frage, wer die Sicherheit über die Jahre verantwortet.

Quellen

[1] GEA Group: „GEA Omni NG: neues Bedienpanel für digitale Steuerung und erweiterte Cybersicherheit“

[2] Amt für Veröffentlichungen der EU: Verordnung (EU) 2023/1230 über Maschinen

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