Die Investitionsinitiative „Made for Germany“, die Siemens-Chef Roland Busch mit Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing angestoßen hat, meldet Zusagen von mehr als 850 Milliarden Euro bis 2028. Das Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) findet in den Jahresabschlüssen der Mitglieder bislang keinen klaren Zusatzeffekt. Busch selbst lenkt den Großteil einer Siemens-Milliarde für industrielle KI in die USA.

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Vor dem Treffen mit Kanzler Friedrich Merz in Berlin zog „Made for Germany“ am Mittwoch Bilanz: 147 Unternehmen und Investoren haben sich angeschlossen, allein 2025 sollen mehr als 200 Milliarden Euro geflossen sein.[1] Beim ersten Treffen im Juli 2025 standen 61 Mitglieder und 631 Milliarden Euro auf der Liste.[2] Wie viel davon über ohnehin geplante Projekte hinausging, blieb schon damals offen.

Das Wichtigste in Kürze

  • 147 Mitglieder sagen bis 2028 mehr als 850 Milliarden Euro für Deutschland zu, gut 200 Milliarden Euro mehr als zum Start im Juli 2025.
  • Laut ZEW investierten die beteiligten Unternehmen 2025 im Inland 52 Milliarden Euro, 5,7 Prozent mehr als im Vorjahr.
  • Einen klaren Zusatzeffekt der Initiative sieht das ZEW in diesen Daten nicht.
  • Busch nennt industrielle KI eine „Jahrhundertchance für Deutschland“, die KI-Basismodelle von Siemens entstehen aber vor allem an der US-Westküste.

Was hat „Made for Germany“ am Mittwoch gemeldet?

Ein Glas-Sparschwein mit Münzen und einem Anhänger mit dem Wort „ZUSAGE“
Initiative verzeichnet Investitionszuwachs im niedrigen zweistelligen Milliardenbereich. Energieversorger und Investoren erhöhen Pläne, Infrastrukturbetreiber und Pharmabranche halten zurück

Den Netto-Zuwachs der Investitionspläne bei Firmen, die bis Februar beigetreten waren, beziffert die Initiative auf einen niedrigen zweistelligen Milliardenbetrag. Energieversorger und Investoren stockten ihre Pläne auf, während Infrastrukturbetreiber bremsten und die Pharmabranche zurückhaltender plante. Von der Bundesregierung verlangen die Mitglieder erneut Reformen, die Unternehmen wie Bürger entlasten und die Kapitalmärkte stärken. Ähnliche Forderungen stehen in der Agenda 2033 von Joe Kaeser, dem Aufsichtsratschef von Siemens Energy.

Busch mahnte, bei den Reformen „Tempo“ zu machen und „vor allem unsere Chance bei industrieller KI“ zu nutzen.[1] Kanzler Merz nahm die kleineren Firmen in die Pflicht: „Der Mittelstand in Deutschland muss seine Daten besser nutzen.“[3] Einen selbsttragenden Aufschwung sieht der Kanzler noch nicht. Über mehr Flexibilität am Arbeitsmarkt soll kommende Woche der Koalitionsausschuss beraten.

Wie viel davon ist zusätzliches Geld?

Zusätzliche Investitionen durch die Initiative belegen die bisherigen Zahlen nicht. Für Table.Briefings hat das ZEW die Jahresabschlüsse 2025 und die Investitionsplanungen der beteiligten Unternehmen ausgewertet.[4] Im Inland investierten die Firmen demnach 52 Milliarden Euro, 5,7 Prozent mehr als 2024. Weltweit wuchsen ihre Investitionen um 3,5 Prozent auf 122 Milliarden Euro.

ZEW-Projektleiter Christian Rammer sagte Table.Briefings: „In den bislang verfügbaren Daten, den Jahresabschlüssen 2025 der beteiligten Unternehmen und ihren Investitionsplanungen, sehen wir keinen klaren zusätzlichen Investitionseffekt.“ Das Plus im Inland reicht laut der Auswertung nicht, um das ursprüngliche Ziel von 631 Milliarden Euro bis 2028 zu erreichen. Zum Stand der Investitionen äußerten sich die Initiatoren auf Nachfrage von Table.Briefings nicht.

Direkt vergleichen lassen sich die beiden Zahlen für 2025 nicht, weil die Zählweise abweicht. Die Initiative addiert die Angaben von 147 Unternehmen sowie Finanzinvestoren und mischt dabei bereits geplante mit neuen Projekten. Das ZEW wertet dagegen die Jahresabschlüsse der beteiligten Firmen aus. Der gesamtwirtschaftliche Rückstand bleibt groß: Laut McKinsey fielen 2024 die Nettoinvestitionen auf 0,2 Prozent der Wirtschaftsleistung.

„Made for Germany“: Zusagen und Bilanzen
Was die Initiative meldet und was das ZEW in den Jahresabschlüssen findet
Zusagen bis 2028

mehr als 850 Mrd. € von 147 Unternehmen und Investoren, Stand 30.09.2026

2025 laut Initiative

mehr als 200 Mrd. € investiert, eigene Angabe von „Made for Germany“

2025 laut ZEW

52 Mrd. € Inlandsinvestitionen in den Jahresabschlüssen der beteiligten Unternehmen

Wachstum 2025

plus 5,7 Prozent im Inland, weltweit plus 3,5 Prozent auf 122 Mrd. €

So wuchs die Liste der Zusagen
  1. Juli 202561 Mitglieder sagen im Kanzleramt mindestens 631 Mrd. € zu
  2. April 2026129 Unternehmen und über 800 Mrd. € beim Treffen auf der Hannover Messe
  3. 30.09.2026147 Mitglieder und mehr als 850 Mrd. € bei der Jahresbilanz in Berlin

850 Milliarden Euro sind eine Summe aus Zusagen, keine Buchung. Messen lässt sich „Made for Germany“ erst an den Bilanzen 2026, und dort muss das Inlandsplus deutlich über den 5,7 Prozent des Vorjahres liegen.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Warum entwickelt Siemens seine KI-Modelle trotzdem in den USA?

Busch begründet die Entscheidung mit dem Entwicklungstempo, verfügbaren Fachkräften und einer aus seiner Sicht geringeren Regulierungslast in den USA. Ende August sagte der Siemens-Chef der „Welt am Sonntag“, der Großteil einer geplanten Milliarde für industrielle KI fließe in die USA. Die Basismodelle entwickelt Siemens vor allem an der US-Westküste.

Auch andere DAX-Chefs messen den Standort offen am Ausland. SAP-Chef Christian Klein rechnete im September vor, SAP wäre mit einem Firmensitz in den USA rund 15 Prozent mehr wert. Im Inland baut Siemens trotzdem aus und investiert 300 Millionen Euro in zwei Werke für Schaltanlagen im Rhein-Main-Gebiet.

Was bedeutet das für Ihr Unternehmen?

Für Ihre Planung zählen die Gesetze hinter den Zusagen mehr als die Gesamtsumme. Zwei Punkte gehören auf die Liste:

  • Nutzen Sie die degressive Abschreibung von bis zu 30 Prozent für bewegliche Wirtschaftsgüter, die Sie bis Ende 2027 anschaffen. Ab 2028 sinkt die Körperschaftsteuer jährlich um einen Prozentpunkt, bis sie 2032 bei 10 Prozent liegt.[5]
  • Prüfen Sie, welche Maschinen- und Prozessdaten Ihr Betrieb heute schon erfasst, bevor Sie in KI-Werkzeuge investieren. Genau diesen Datenbestand meint Merz mit seinem Appell an den Mittelstand.

In knapp drei Wochen folgt in Berlin ein großer Investitionsgipfel. Weitere Meldungen zu Busch, Klein und anderen prägenden Köpfen der Branche sammelt das Themenarchiv Tech-Titanen.

FAQ: Roland Busch und „Made for Germany“: Wie viel der 850 Milliarden Euro ist neues Geld?

Was ist die Initiative „Made for Germany“?

„Made for Germany“ ist ein Bündnis von Unternehmen und Investoren, das Siemens-Chef Roland Busch und Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing im Juli 2025 angestoßen haben. Zum 30. September 2026 zählte die Initiative 147 Mitglieder und Investitionszusagen von mehr als 850 Milliarden Euro für Deutschland bis 2028.

Wer ist Roland Busch?

Roland Busch ist seit Februar 2021 Vorstandsvorsitzender der Siemens AG und gehört zu den Mitinitiatoren von „Made for Germany“. Der Physiker kam 1994 zu Siemens und leitete vor seiner Berufung zum Konzernchef unter anderem das Technologieressort im Vorstand.

Was versteht man unter industrieller KI?

Industrielle KI wertet Daten aus Maschinen, Anlagen und Produktionsprozessen aus, etwa um Störungen vorherzusagen, Ausschuss zu verringern oder Steuerungscode zu erzeugen. Anders als Chatbots für Verbraucher braucht industrielle KI Fachwissen aus Fabrik und Labor, über das gerade der deutsche Mittelstand in großem Umfang verfügt.

Wie hoch ist die degressive Abschreibung bis 2027?

Für bewegliche Wirtschaftsgüter, die nach dem 30. Juni 2025 und vor dem 1. Januar 2028 angeschafft werden, erlaubt das steuerliche Investitionssofortprogramm eine degressive Abschreibung von bis zu 30 Prozent im Jahr. Ab 2028 sinkt zusätzlich die Körperschaftsteuer schrittweise von 15 auf 10 Prozent im Jahr 2032.

Quellen

[1] t-online (dpa): „Initiative Made for Germany will 850 Milliarden investieren“ (30.09.2026)

[2] Bundesregierung: „Statement des Kanzlers zur Unternehmensinitiative ‚Made for Germany‘“ (Juli 2025)

[3] Stuttgarter Zeitung (dpa): „Merz sagt Investoren Reformen zu“ (30.09.2026)

[4] Table.Briefings: „Ein Jahr Initiative ‚Made for Germany‘: Investitionen steigen, das Ziel gerät außer Reichweite“ (CEO.Table, Ausgabe 104)

[5] Bundesfinanzministerium: Wachstumsbooster: steuerliches Investitionssofortprogramm

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