Die ausländischen Direktinvestitionen in Deutschland erreichten 2025 rund 96 Milliarden Euro, mehr als doppelt so viel wie die 43 Milliarden des Vorjahres.[1] Erstmals seit über zwei Jahrzehnten floss damit mehr Kapital herein, als deutsche Konzerne im Ausland anlegten, den Corona-Ausreißer 2020 ausgenommen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Institut der deutschen Wirtschaft nennt einen unmodischen Grund für den Zulauf: Berechenbarkeit. Hinter der Rekordzahl steckt allerdings so viel deutsche Zurückhaltung wie ausländischer Zulauf.
Das Wichtigste in Kürze
- Ausländische Investoren steckten 2025 rund 96 Milliarden Euro in deutsche Töchter, nach 43 Milliarden im Vorjahr.
- Der Netto-Saldo lag mit plus 10 Milliarden Euro erstmals seit 2003 im Plus, außerhalb des Corona-Jahres 2020.
- Deutsche Firmen legten mit 86 Milliarden Euro zugleich weniger im Ausland an als im langjährigen Schnitt von 95 Milliarden.
- Das IW führt den Zulauf auf Rechtssicherheit und Planbarkeit zurück, nicht auf einen neuen Aufschwung.
Warum verdoppelt sich die Zahl ausgerechnet jetzt?

Der Zulauf entsteht durch Berechenbarkeit: Während Zölle und Kehrtwenden in den USA jede Planung erschweren, wirken stabile Gesetze und verlässliche Gerichte in Deutschland wie ein Standortvorteil. Genau diese Verlässlichkeit zieht das Kapital an. Jürgen Matthes, beim IW für internationale Wirtschaftspolitik zuständig, bringt den Befund auf eine Formel: „In einer immer unsichereren Welt zählt Berechenbarkeit mehr als früher.“
Steckt hinter dem Rekord wirklich neue Stärke?
Nur halb: Der Netto-Überhang entsteht auch, weil deutsche Konzerne mit 86 Milliarden Euro so wenig wie lange nicht im Ausland investierten, und weil Direktinvestitionen Firmenkäufe und reinvestierte Gewinne mitzählen, nicht nur neue Fabriken.
Der langjährige Schnitt liegt bei 95 Milliarden. Die schwache Konjunktur im eigenen Land bremste den Kapitalabfluss. Nach Jahren, in denen Investoren Deutschland mieden, fällt die Umkehr umso stärker auf. Ob dahinter neue Fabriken stehen oder eine Handvoll Übernahmen, verrät erst die Aufschlüsselung, und damit auch, ob Arbeitsplätze entstehen.
Deutschland gewinnt gerade nicht, weil hier alles glänzt, sondern weil anderswo die Regeln über Nacht wechseln. Verlässlichkeit ist die neue harte Währung.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Direktinvestitionen in Milliarden Euro, Datenbasis Deutsche Bundesbank (Januar bis November 2025, Dezember hochgerechnet)
Warum das Kapital kommt
- Rechtssicherheit und stabile Gesetze
- kalkulierbare Regulierung
- Zoll-Chaos und Kehrtwenden in den USA
Warum Vorsicht bleibt
- schwache Binnennachfrage
- Firmenkäufe zählen wie neue Fabriken
- der Dezember ist erst hochgerechnet
Was heißt das für Entscheider im Mittelstand?
Für Gründer und Geschäftsführer wird ein oft belächelter Faktor zum Verkaufsargument: Rechtssicherheit, DSGVO-konforme Prozesse und stabile Verträge gelten international nicht mehr als Bürde, sondern als Zusage an nervöse Partner.
Anbieter digitaler Dienste dürfen den Standort offensiv nennen, statt sich für ihn zu entschuldigen. Zugleich taugt die 96-Milliarden-Zahl nicht als Konjunkturjubel: Die Binnennachfrage bleibt schwach, und ein Gutteil des Kapitals sucht Schutz, nicht Wachstum. Vor jeder Strategie lohnt der Blick auf die Aufschlüsselung der Bundesbank, sobald die Revision im Frühjahr vorliegt.
Die nüchterne Botschaft für 2026: Stabilität schlägt gerade Dynamik. Dieser Vorsprung hält aber nur, solange die Politik ihn nicht verspielt.
Quelle
[1] Institut der deutschen Wirtschaft (IW): „Ausländische Direktinvestitionen in Deutschland 2025 mehr als verdoppelt“ (26. Januar 2026)
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