Eine aktuelle EY-Analyse zeigt: Bei den ausländischen Investitionsprojekten in Deutschland hält der Abwärtstrend an, mittlerweile im achten Jahr in Folge. Für Entscheider in mittelständischen Unternehmen ist das mehr als eine Statistik. Diese Entwicklung betrifft Lieferketten, Wettbewerb um Talente und die eigene Standortarithmetik.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenSie planen 2026 die nächste Expansion und fragen sich, ob ausländische Konkurrenten gerade an Ihnen vorbeiziehen. Bei den ausländischen Direktinvestitionen in Deutschland geben die Zahlen wenig Anlass zur Hoffnung. Im Gegenteil: Der Sinkflug der Investitionsprojekte hat sich verfestigt und macht aus einem konjunkturellen Problem ein strukturelles.
Das Wichtigste in Kürze
- Zum achten Mal in Folge sinkt die Zahl ausländischer Investitionsprojekte in Deutschland (Stand: aktuelle EY-Analyse von Mai 2026)
- 2024 waren es noch 608 Projekte, ein Minus von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr und der niedrigste Stand seit 2011
- Seit dem Rekordjahr 2017 hat Deutschland 46 Prozent seiner Investitionsprojekte verloren, kein anderer größerer europäischer Standort verzeichnet einen so starken Rückgang
- China überholte 2024 erstmals die USA als größter Investor in Deutschland
Was zeigt die EY-Analyse genau?

Die Standortstudie von EY zählt seit 2006 angekündigte Investitionsprojekte ausländischer Unternehmen, die zu neuen Standorten und Arbeitsplätzen führen. Übernahmen und Fusionen sind ausgeklammert. Die Methode misst also die echte Ansiedlungsdynamik, nicht die Kapitalflüsse großer Konzerntransaktionen. Für 2024 ergab sich: 608 Projekte, minus 17 Prozent zum Vorjahr, niedrigster Stand seit 2011, siebter Rückgang in Folge. Die aktuelle EY-Fortschreibung schreibt diesen Trend nun ins achte Jahr fort.
Im europäischen Vergleich verliert Deutschland besonders schnell an Boden. Frankreich lag 2024 mit 1.025 Projekten weit vorn, Großbritannien mit 853 deutlich davor. Beide Länder gaben zwar ebenfalls nach, jedoch nicht so dramatisch wie Deutschland. Spanien und Polen gehören zu den wenigen größeren europäischen Standorten mit deutlich steigenden Werten.
Henrik Ahlers, Vorsitzender der EY-Geschäftsführung, formulierte zur letztjährigen Studie: „Das ist ein weiteres Alarmsignal für den Standort Deutschland. Wir werden abgehängt, andere europäische Standorte entwickeln sich deutlich besser.“ Die Diagnose hat seitdem an Härte nicht verloren.
Warum wenden sich US-Investoren ab?

Besonders schmerzhaft ist der Rückzug amerikanischer Konzerne. 2024 sank die Zahl der US-Investitionsprojekte in Deutschland um 27 Prozent auf nur noch 90. Zum Vergleich: In ganz Europa lag das Minus bei den USA bei 11 Prozent, in Frankreich bei 11, in Großbritannien sogar nur bei 7. Der Inflation Reduction Act zieht Investitionen zurück in die USA, die Zollpolitik der aktuellen US-Regierung verunsichert Großunternehmen zusätzlich.
Wenn ausländische Firmen das achte Jahr in Folge weniger nach Deutschland tragen, ist das kein Konjunkturzyklus mehr, sondern ein Vertrauensschaden. Bürokratieabbau, niedrigere Steuern und Verlässlichkeit zählen jetzt mehr als jedes Investitionspaket.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Welche Reformen jetzt zählen

Das milliardenschwere Investitionspaket der Bundesregierung und die degressive Abschreibung von 30 Prozent für die Jahre 2025 bis 2027 sind richtige Signale. Diese Maßnahmen wirken aber nicht über Nacht. Drei Hebel müssen parallel anspringen: spürbarer Bürokratieabbau bis hin zum Bestandsrecht, schnellere Genehmigungsverfahren in Wochen statt Monaten und ein wettbewerbsfähiger Steuersatz. Ohne diese Reformen bleibt die Standortdebatte ein Schlagabtausch ohne Ergebnis.
Für Geschäftsführer in deutschen Mittelständlern heißt das: Wettbewerb um Investoren findet 2026 nicht mehr nur in Berlin oder Brüssel statt, sondern in Madrid, Warschau und Lyon. Setzen Sie auf den deutschen Standort, sollten Sie Ihre Lieferketten und Tochtergesellschaften zugleich international aufstellen. Der Bitkom-Länderindex 2026 liefert dafür eine erste Orientierung, welche Bundesländer digital arbeitsfähig bleiben.
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