Biren Technology will mit 130 Millionen neuen Aktien rund 461 Millionen Euro einsammeln, je Aktie ein Drittel billiger als im Juli. Der Konzern steckt 70 Prozent des Nettoerlöses in Vorauszahlungen, reservierte Fertigungskapazität und Lagerbestände für die nächste Chipgeneration. Dieselbe Knappheit bei Speicher und Fertigung, die Samsung knapp 72 Milliarden Euro operativen Gewinn im Quartal einbringt, zwingt den chinesischen GPU-Entwickler zum Einkauf auf Vorrat.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenFür die zweite Kapitalerhöhung seit dem Börsengang im Januar unterschrieb Biren Technology am 8. Oktober einen Platzierungsvertrag mit den Banken CICC und UBS.[1] Mindestens sechs Anleger sollen 130 Millionen neue H-Aktien zu je 31,08 Hongkong-Dollar übernehmen, umgerechnet 3,54 Euro. Der Preis liegt 9,76 Prozent unter dem Schlusskurs vom 7. Oktober.
Das Wichtigste in Kürze
- Biren platziert 130 Millionen neue Aktien und erlöst brutto rund 461 Millionen Euro (4,04 Milliarden Hongkong-Dollar).
- 70 Prozent des Nettoerlöses sind für Vorabkäufe, reservierte Kapazität und Lagerpuffer der neuen Chipgeneration vorgesehen.
- Die Platzierung steht unter Vorbehalt: Unter anderem muss die Börse Hongkong die neuen Aktien bis zum 15. Oktober zum Handel zulassen.
- Speicherhersteller verdienen an derselben Knappheit: Samsung erwartet für das dritte Quartal knapp 72 Milliarden Euro operativen Gewinn.
Wofür braucht Biren das Geld so schnell?

Die neue Chipgeneration hat laut Biren den ersten Einschalttest bestanden und steckt in der Validierung am fertigen Silizium, schneller als im Juli geplant.[1] Muster für Kunden und die Serienfertigung sollen in den kommenden Quartalen folgen. Das chinesische Börsenmagazin STAR Market Daily nennt das Modell BR20X. Für den Serienstart will Biren Material und Fertigungskapazität schon jetzt sichern, parallel zur laufenden Prüfung.
Die Lieferbedingungen haben sich seit Juli verschärft. Biren nennt deutlich gestiegene Preise für Schlüsselmaterialien, Bauteile und Produktionskapazität, längere Lieferzeiten sowie Zulieferer, die Reservierungen und Vorauszahlungen verlangen. Großkunden wie Internetkonzerne fordern zugleich volle Lager und die Zusage, große Bestellungen pünktlich zu liefern. Immer mehr Kunden bestellen zudem komplette Server-Racks mit vielen GPUs samt Netzwerk, Speicher, Stromversorgung und Kühlung, die Biren vorfinanzieren muss.
Das Geld aus dem Juli reicht dafür nicht mehr. Von den damals erlösten 7,04 Milliarden Hongkong-Dollar netto, rund 802 Millionen Euro, hatte Biren bis Ende September erst 14 Prozent ausgegeben. Der Anteil für die neue Chipgeneration, umgerechnet rund 388 Millionen Euro, soll nun bis Ende 2026 größtenteils aufgebraucht sein, ein Jahr früher als geplant.
Wer verdient an der Knappheit?
Am anderen Ende der Lieferkette stehen die Speicherhersteller. Samsung rechnet für das dritte Quartal mit einem operativen Gewinn von rund 107,4 Billionen Won, knapp 72 Milliarden Euro, nach 12,17 Billionen Won ein Jahr zuvor.[2] Die Speicherpreise steigen seit Monaten, weil KI-Rechenzentren große Mengen Hochleistungsspeicher abnehmen. Qualcomm gab die Mehrkosten schon im Juli als zweistellige Preiserhöhung an die eigenen Kunden weiter.
Die Großkunden schieben das Lagerrisiko inzwischen in der Kette nach unten. Tencent zahlte im zweiten Quartal mehr als 6,4 Milliarden Euro im Voraus für Speicherchips, bei fertigen Rechenkarten erwarten die Internetkonzerne dagegen, dass der Lieferant das Lager füllt. Für Biren wiegt das Vorfinanzieren besonders schwer: Seit Washington das Unternehmen 2023 auf die Entity-List setzte, fertigt TSMC nicht mehr für Biren, und trotz kräftig gestiegener Umsätze schreibt der Konzern weiter Verluste.
Biren muss Speicher und Fertigung bezahlen, bevor der erste Chip der neuen Generation verkauft ist.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Zwei Platzierungen in drei Monaten
Was heißt das für IT-Einkäufer in Europa?
Europäische Abnehmer kaufen auf denselben Märkten ein. Der Hoster Hostinger orderte über 3.000 Server auf Vorrat, um steigenden Preisen und langen Lieferzeiten zuvorzukommen. IT-Leiter, die für 2027 eigene KI-Server oder GPU-Kapazität einplanen, sollten Lieferzeiten von mehreren Monaten einrechnen und Rahmenverträge mit festen Preisen und Lieferterminen verhandeln.
Verlangt ein Lieferant Vorkasse, wandert dessen Ausfallrisiko zum Käufer. Eine Anzahlungsbürgschaft der Hausbank des Lieferanten sichert die Vorauszahlung ab, falls die Ware ausbleibt. Bei jungen Hardware-Herstellern, die wie Biren noch Verluste schreiben, gehört vor jeder Anzahlung zusätzlich ein Blick in die aktuelle Bilanz.
Quellen
[1] Shanghai Biren Technology: „Placing of New H Shares under General Mandate“, Mitteilung an die Börse Hongkong vom 8. Oktober 2026 (englisch, PDF)
[2] Samsung Electronics: „Samsung Electronics Announces Earnings Guidance for Third Quarter 2026“, 8. Oktober 2026
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