Moore Threads gilt als Chinas Antwort auf Nvidia. Am 7. September fiel die Aktie ans Tageslimit und verlor rund 6,4 Milliarden Euro Börsenwert, weil die Sperrfrist für Altaktionäre auslief. Der Absturz trifft nicht nur einen Wert, sondern das ganze Börsenquartett heimischer GPU-Bauer.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenMoore Threads verlor am 7. September 2026 an einem einzigen Handelstag rund ein Fünftel seines Börsenwerts. Schuld war der Kalender: An diesem Tag lief die Sperrfrist für frühe Investoren aus, die erstmals verkaufen durften. Der Absturz von Chinas bekanntestem GPU-Start-up wirft eine Frage auf, die weit über Schanghai hinausreicht.
Das Wichtigste in Kürze
- Moore Threads fiel am 7. September 2026 ans 20-Prozent-Tageslimit, rund 6,4 Milliarden Euro Börsenwert lösten sich an einem Tag auf.
- Auslöser war das Ende der Sperrfrist: Anteile im Wert von rund 137 Millionen Euro wurden handelbar, etwa 85 Prozent des Streubesitzes.
- Trotz 222 Millionen Euro Halbjahresumsatz und plus 147 Prozent bleibt die Firma defizitär, die Bewertung lag zuletzt bei rund 25 Milliarden Euro.
- Auch MetaX, Biren und Enflame gerieten unter Druck: Chinas ganzes GPU-Quartett steht auf dem Prüfstand.
Warum stürzt Moore Threads gerade jetzt ab?

Der Auslöser ist die auslaufende Sperrfrist, nicht die Geschäftslage. Beim Börsengang auf dem Schanghaier Star Market Ende 2025 blieben große Aktienpakete zunächst gesperrt. Am 7. September fielen diese Fesseln für rund 25,8 Millionen Aktien, etwa 85 Prozent des frei handelbaren Bestands.
Frühe Geldgeber, die zum Ausgabepreis eingestiegen waren, sitzen selbst nach dem Sturz auf einem Vielfachen ihres Einsatzes und verkauften. Dieses Überangebot drückte den Kurs laut dem Wirtschaftsportal TMTPost binnen Stunden ans gesetzliche Tageslimit von 20 Prozent.[1] Alle Beträge sind zum Tageskurs vom 8. September 2026 umgerechnet, 0,128 Euro je Yuan.
Wie tief reicht der Fall bei Chinas GPU-Bauern?
Moore Threads steht für ein ganzes Börsenquartett, das dieselbe Schwäche teilt. Der Wert war seit einem Hoch im Dezember um mehr als die Hälfte gefallen, gut 32 Milliarden Euro lösten sich seither auf.
Auch die Rivalen sackten ab: MetaX verlor am selben Tag fast zehn Prozent und steuert am 17. September auf die eigene Sperrfrist zu, der Hongkonger Konkurrent Biren gab ebenfalls nach. Erst im Sommer hatte Enflame das Quartett der heimischen Nvidia-Herausforderer an der Börse komplettiert. Alle vier verbindet dieselbe Rechnung: Eine hohe Bewertung trifft auf schmale Umsätze und rote Zahlen.
Chinas GPU-Champions werden an der Börse gehandelt, als hätten sie Nvidia schon eingeholt. Der Kurssturz zeigt, wie schmal die Basis unter dieser Erwartung noch ist.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet der GPU-Absturz für Europa?
Für europäische Chip-Strategen ist der Kurssturz ein Warnsignal, keine Randnotiz. Die Rally der heimischen GPU-Bauer speist sich aus den US-Exportkontrollen: Weil Peking Nvidias Spitzenchips nur eingeschränkt bekommt, fließt Kapital in Firmen wie Cambricon, die auf die Selbstversorgung setzen.
Genau diese Erzählung bläht die Kurse, während die Technik der Konkurrenz aus Kalifornien noch hinterherhinkt. Für Europa, das mit dem eigenen Chips Act um Souveränität ringt, führt Schanghai gerade vor, wie schnell eine staatlich befeuerte Chip-Euphorie kippt. Unternehmen, die Lieferketten planen, sollten Chinas GPU-Alternativen als Faktor kennen und ihre Reife nüchtern einschätzen.
Kurssturz vom 7. September 2026 am Schanghaier Star Market
FAQ: Moore Threads und Chinas GPU-Aktien
Was ist Moore Threads?
Moore Threads ist ein chinesischer Hersteller von Grafik- und KI-Chips, 2020 von einem früheren Nvidia-Manager gegründet. Die Firma gilt als heimische Alternative zu Nvidia und ging Ende 2025 an den Schanghaier Star Market. Ihre GPUs stecken in KI-Rechenzentren und in ersten Gaming-Grafikkarten.
Warum ist die Moore-Threads-Aktie abgestürzt?
Am 7. September 2026 lief die Sperrfrist für frühe Investoren aus. Rund 85 Prozent des Streubesitzes wurden auf einen Schlag handelbar, viele Anteilseigner verkauften mit hohem Gewinn. Das Überangebot drückte den Kurs binnen Stunden ans gesetzliche Tageslimit von 20 Prozent.
Was ist eine Sperrfrist beim Börsengang?
Eine Sperrfrist, auch Lock-up genannt, verbietet frühen Aktionären und Gründern, ihre Anteile in den ersten Monaten nach dem Börsengang zu verkaufen. Läuft die Frist aus, kann plötzlich viel Material auf den Markt kommen. Das erhöht das Angebot und drückt oft den Kurs, wie bei Moore Threads.
Welche GPU-Hersteller fordern Nvidia in China heraus?
Zu den heimischen Nvidia-Herausforderern zählen Moore Threads, MetaX, Biren und Enflame, dazu der KI-Chip-Spezialist Cambricon. Diese Anbieter profitieren von den US-Exportkontrollen, hängen der Technik von Nvidia aber noch hinterher und schreiben meist Verluste.
Quelle
[1] TMTPost: „Moore Threads verliert an einem Tag 50 Milliarden Yuan Börsenwert, Chinas GPU-Bauer verstummen im Chor“
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