Serverpreise auf das Sechsfache, Lieferzeiten von 30 Wochen: Der Hardware-Markt steckt tief im sogenannten RAMageddon. Hostinger hat rechtzeitig über 3.000 Server geordert und in Düsseldorf ein neues Rechenzentrum eröffnet.

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Hostinger stemmt sich mit der bislang größten Serverbestellung der Firmengeschichte gegen einen der härtesten Angebotsschocks am Speichermarkt. Bestellungen für Server-Hardware brauchen inzwischen teils ein halbes Jahr bis zur Lieferung, die Preise liegen um ein Vielfaches über dem Vorjahr.

Das Wichtigste in Kürze

  • Hostinger hat über 3.000 Server bei führenden Herstellern gesichert, genug Kapazität für den gesamten Jahresbedarf.
  • Der neue Standort Düsseldorf bringt deutsche Datenhaltung, zusätzlich wachsen die Kapazitäten in Paris und im US-amerikanischen Asheville.
  • Die Serverpreise sind je nach Konfiguration auf das Fünf- bis Sechsfache des Vorjahres geklettert, einzelne Komponenten kosten sogar das Sechs- bis Achtfache.
  • Marktforscher führen den Engpass auf den Speicherhunger der KI-Rechenzentren zurück, der Fachbegriff dafür lautet RAMageddon.

Was steckt hinter dem RAMageddon?

Geöffneter oranger Safe mit gestapelten Computermodulen und Schild „VORRAT“, weißer Grund
Samsung, SK Hynix und Micron drosseln Consumer-DRAM-Produktion massiv zugunsten von KI-Speichern. Micron zieht sogar Crucial-Marke zurück

Der Speichermarkt erlebt 2026 einen Angebotsschock historischen Ausmaßes. Die drei Hersteller Samsung, SK Hynix und Micron kontrollieren über 95 Prozent der weltweiten DRAM-Produktion und haben ihre Fertigung massiv auf hochprofitable KI-Speicher umgestellt. Micron zog im Februar sogar die Consumer-Marke Crucial zurück, um sich ganz auf Rechenzentren und HBM-Speicher zu konzentrieren. Laut einem Bloomberg-Bericht vom Juli 2026 schossen die DRAM-Spotpreise binnen eines Jahres um fast 700 Prozent nach oben.

Die Ursache liegt im Hunger der KI-Infrastruktur. Server-Speicher treibt inzwischen mehr als die Hälfte der gesamten DRAM-Nachfrage, die HBM-Kapazitäten für 2026 gelten bei mehreren Herstellern als ausverkauft. Analysten von Gartner rechnen mit einem Kostenanstieg um rund 130 Prozent und einer Knappheit bis mindestens 2027. SK Hynix warnt sogar, der Engpass könne über 2030 hinaus andauern.

RAMageddon: Der Speicher­engpass in Zahlen

Warum Server-Hardware 2026 knapp und teuer wurde, und wie groß Hostingers Vorratskauf ausfällt.

RAM
ALERT
Drei Hersteller kontrollieren über 95 Prozent der weltweiten DRAM-Produktion. Der Umbau auf KI-Speicher hat den Markt für alle anderen leergefegt.
Vier Zahlen, die den Engpass greifbar machen
~700 %
Anstieg der DRAM-Spotpreise binnen zwölf Monaten
30 Wo.
Lieferzeit für Server-Hardware, 2025 noch wenige Wochen
5–6×
höhere Serverkosten je Konfiguration gegenüber dem Vorjahr
3.000+
von Hostinger vorab gesicherte Server für den Jahresbedarf
Ein 32-GB-DDR5-Kit im Preisverlauf
Mitte 2025rund 95 $
Q2 2026rund 550 $

Vorab gesicherte Kapazität verlagert das Beschaffungsrisiko weg vom Kunden. Planungssicherheit schlägt den Tagespreis.

Warum kauft Hostinger jetzt auf Vorrat?

Hostinger hat den Umschwung früh erkannt und über 3.000 Server von führenden Herstellern gesichert. Diese Rekordbestellung deckt den Bedarf des Unternehmens für das gesamte Jahr und markiert die größte Order der Firmengeschichte. In der neuen Flotte stecken die aktuellen AMD-Architekturen Genoa und Turin. Dazu kommen leseintensiver NVMe-Speicher für schnellere Ladezeiten, DDR5-RAM für datenintensive Seiten und RAID-Verbünde, die Kundendaten gegen Ausfälle absichern.

Für Entscheider verschiebt der Engpass eine alte Rechnung. Eigene Hardware zu beschaffen bindet in dieser Marktlage Kapital und Geduld: bis zu 30 Wochen Lieferzeit, Preise auf dem Fünf- bis Sechsfachen. Ein Hoster, der ein Jahr Kapazität im Voraus eingekauft hat, nimmt genau dieses Risiko von den Schultern seiner Kunden. Planungssicherheit wird damit zum eigentlichen Produkt eines Hosters, weit mehr als der einzelne Gigabyte Arbeitsspeicher.

Sobald Hardware zur Mangelware wird, kauft der kluge Anbieter nicht bloß Server, sondern die Ruhe seiner Kunden. Hostinger hat vorgesorgt, als andere noch auf fallende Preise gewartet haben.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bringt der Standort Düsseldorf?

Der neue Standort Düsseldorf trifft einen wunden Punkt vieler internationaler Hoster. In unserem vServer-Vergleich galt die überwiegend außerhalb Deutschlands liegende Infrastruktur bislang als Schwäche von Hostinger. Ein deutsches Rechenzentrum verkürzt Latenzen für Besucher aus dem DACH-Raum und erleichtert Projekte mit strengen Anforderungen an die Datenhaltung. Parallel wächst die Kapazität in Paris und im US-amerikanischen Asheville.

Für den Mittelstand lohnt vor jeder Migration ein nüchterner Blick auf die Lieferketten des Anbieters. Ein Hoster mit gesicherter Hardware und deutschem Standort federt den Preissturm ab, den einzelne Betreiber gerade schmerzhaft spüren. Der Hardware-Engpass wird so vom Kostentreiber zum Argument für ausgelagerte Infrastruktur.

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