ANTA Sports hat den Einstieg bei Puma abgeschlossen und ist mit 29,06 Prozent der neue größte Aktionär des Sportartikelherstellers aus Herzogenaurach. An die Pinault-Holding Artémis zahlte der chinesische Konzern dafür rund 1,5 Milliarden Euro. Bis zur Schwelle, ab der das deutsche Übernahmerecht ein Angebot an alle Aktionäre verlangt, fehlen ANTA 0,94 Prozentpunkte.

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„Für uns ist das langfristige Engagement von ANTA Sports ein großer Vertrauensbeweis in unsere Strategie, unser Managementteam und unsere Zukunft“, sagte Puma-Chef Arthur Höld am 7. Oktober.[1] Wie viel Einfluss ein Anteil knapp unter 30 Prozent trotzdem verschafft, zeigt eine Rechnung mit den Stimmen der letzten Hauptversammlung.

Das Wichtigste in Kürze

  • ANTA hat die 29,06 Prozent von Artémis übernommen, zum im Januar angekündigten Preis von 35 Euro je Aktie.
  • Ab 30 Prozent der Stimmrechte verlangt das Übernahmerecht ein Pflichtangebot an alle Aktionäre, ANTA bleibt knapp darunter.
  • Bei der Präsenz der Hauptversammlung vom Mai 2026 stünde das Paket rechnerisch für rund 57 Prozent der abgegebenen Stimmen.
  • Nach der Ankündigung des Einstiegs bestellten chinesische Großhändler laut Puma zurückhaltender.

Warum bleibt ANTA unter 30 Prozent?

Weißer Sneaker unter Holzstange mit orangefarbenem „30%“-Schild vor weißem Hintergrund
ANTA hält 29,06 Prozent der Stimmrechte und bleibt damit knapp unter der 30-Prozent-Schwelle für Kontrollübernahmen nach deutschem Wertpapierrecht

Als Kontrolle gilt nach § 29 des Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetzes das Halten von mindestens 30 Prozent der Stimmrechte.[2] Ein Erwerber, der diese Schwelle erreicht, muss den Kontrollerwerb veröffentlichen und den übrigen Aktionären ein Angebot vorlegen.[3] Mit 29,06 Prozent greift diese Pflicht für ANTA nicht. Schon im Januar schloss der Konzern ein Übernahmeangebot aus, kündigte aber an, angemessen im Aufsichtsrat vertreten sein zu wollen.

Das Gegenbeispiel liefert Hugo Boss. Die britische Frasers Group überschritt dort im Juli 2026 die 30-Prozent-Marke und musste ein Pflichtangebot vorlegen. Mit zuletzt rund 48 Prozent der Stimmrechte übt Frasers in Metzingen eine Kontrolle ohne Mehrheit aus.

Wie viel Gewicht hat ein Paket von 29 Prozent?

Auf der Hauptversammlung am 19. Mai 2026 lagen gültige Stimmen für 50,94 Prozent des Grundkapitals vor.[4] Ein Rechenbeispiel: Bei gleicher Präsenz stünden die 29,06 Prozent von ANTA für rund 57 Prozent der abgegebenen Stimmen. Bei Beschlüssen mit einfacher Mehrheit, etwa zur Entlastung oder zur Wahl von Aufsichtsräten, gäbe das Paket damit den Ausschlag. Artémis besaß denselben Hebel, neu ist der Eigentümer: Mit ANTA hält ihn jetzt ein Wettbewerber.

Im Großhandel zeigte sich der Wechsel schon vor dem Abschluss. Pumas Umsatz in Großchina wuchs im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahresquartal währungsbereinigt nur um 0,9 Prozent, nach der Ankündigung des ANTA-Einstiegs bestellten die Großhändler dort zurückhaltender.[5] Puma steckt ohnehin im Umbau und wies für das Quartal einen Nettoverlust von 72,8 Millionen Euro aus.

Mit 29,06 Prozent bekommt ANTA bei Puma fast den Einfluss einer Mehrheit, das Angebot an die übrigen Aktionäre spart der Konzern.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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ANTA bei Puma: knapp unter der Kontrollschwelle
Anteil, Kaufpreis und Stimmgewicht des neuen größten Aktionärs
29,06 %
der Puma-Aktien hat ANTA von der Pinault-Holding Artémis übernommen
35 €
je Aktie zahlt ANTA, zusammen rund 1,5 Milliarden Euro
30 %
der Stimmrechte gelten im Übernahmerecht als Kontrolle und lösen ein Pflichtangebot aus
≈ 57 %
der abgegebenen Stimmen hätte das Paket rechnerisch bei der Präsenz der Hauptversammlung vom Mai 2026
Hauptversammlung vom 19. Mai 2026 in Prozent des Grundkapitals
Gültig abgegebene Stimmen
50,94 %
Paket von ANTA
29,06 %
Der Weg zum größten Aktionär
Januar 2026
ANTA vereinbart mit Artémis den Kauf des Pakets und schließt ein Übernahmeangebot aus
September 2026
Chinas Marktaufsicht SAMR gibt den Kauf ohne Auflagen frei
7. Oktober 2026
Puma meldet den Abschluss, ANTA ist größter Aktionär

Wer ist ANTA, und was folgt daraus für Pumas Partner?

ANTA setzte 2025 rund 80,2 Milliarden Yuan um, umgerechnet etwa 10,7 Milliarden Euro,[6] Puma kam auf 7,3 Milliarden Euro.[7] Neben der Hauptmarke führt ANTA in China Fila, Descente und Kolon Sport, außerdem ist der Konzern größter Aktionär von Amer Sports mit Arc’teryx, Salomon und Wilson. Seit 2025 gehört auch die deutsche Outdoormarke Jack Wolfskin zu ANTA, gekauft für umgerechnet rund 260 Millionen Euro. Zugleich greift JD.com aus China nach dem MediaMarkt-Mutterkonzern Ceconomy.

Für Lieferanten und Händler mit Puma-Verträgen lohnt ein Blick in die Kontrollwechsel-Klauseln. Knüpft ein Vertrag das Sonderkündigungsrecht an eine feste Beteiligungsschwelle von 30 oder 50 Prozent, läuft dieses Recht bei einem Paket von 29,06 Prozent ins Leere, obwohl ANTA auf der Hauptversammlung rechnerisch die Mehrheit stellen könnte. Prüfen Sie gerne, ob Ihre eigenen Verträge auf Stimmrechtsschwellen oder auf tatsächlichen Einfluss abstellen.

Quellen

[1] PUMA SE: „PUMA begrüßt ANTA Sports als neuen größten Aktionär“ (07.10.2026)

[2] Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetz: § 29 Begriffsbestimmungen

[3] Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetz: § 35 Verpflichtung zur Veröffentlichung und zur Abgabe eines Angebots

[4] PUMA SE: „Abstimmungsergebnisse zur ordentlichen Hauptversammlung am 19.05.2026“ (PDF)

[5] PUMA SE: „PUMA Q2 2026 geprägt von Reset-Maßnahmen und schwächerer Nachfrage“ (31.07.2026, PDF)

[6] ANTA Sports: „ANTA Sports’ 2025 Revenue Grows 13.3% to Over RMB80.2 Billion“ (Umrechnung zum EZB-Referenzkurs vom 07.10.2026)

[7] PUMA SE: Geschäftsbericht 2025

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