China erstattet beim Export von Elektroautos und Plug-in-Hybriden ab dem 1. April 2027 nur noch 9 statt 13 Prozent Mehrwertsteuer. Die Deutsche Bank schätzt, dass BYD dadurch rund 670 Euro Gewinn je exportiertem Auto verliert. Neben dem EU-Ausgleichszoll wirkt die Kürzung klein, an den Exportgewinnen der Hersteller zehrt sie trotzdem.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenSteuerliche Hilfen sollten zum Entwicklungsstand einer Branche passen, sagte Luo Zhiheng, Chefvolkswirt des Brokers Yuekai Securities, der Wirtschaftszeitung Yicai zur gekürzten Erstattung für den E-Auto-Export.[2] Finanzministerium und Steuerverwaltung in Peking nannten in ihrer Bekanntmachung vom 12. Oktober keinen Grund.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Mehrwertsteuer-Erstattung für exportierte E-Autos sinkt am 1. April 2027 von 13 auf 9 Prozent.
- Vier Prozentpunkte des Exportwerts bleiben damit als Kosten beim Hersteller.
- Von Januar bis September exportierte China 4,0 Millionen Fahrzeuge mit Elektro- oder Plug-in-Antrieb, 130 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
- Autos aus BYDs künftigem Werk in Ungarn betrifft die Kürzung nicht.
Was ändert Peking beim Export?

Die neue Quote von 9 Prozent gilt für Fahrzeuge mit E-Antrieb, die ab dem 1. April 2027 ausgeführt werden; maßgeblich ist das Datum auf der Zollanmeldung.[1] Die Produktliste umfasst CnEVPost zufolge reine Elektroautos, Plug-in-Hybride, Elektrobusse und elektrische Sattelzugmaschinen.[2]
Für Photovoltaik-Produkte strich Peking die Erstattung schon zum 1. April 2026 ganz, für Batterien sank sie am selben Tag von 9 auf 6 Prozent und entfällt ab dem 1. Januar 2027.[3] Ökonomen bringen die Kürzungen mit der gewachsenen Wettbewerbsfähigkeit der Branchen und dem Versuch in Verbindung, Preiskämpfe einzudämmen.[2]
Warum kostet die Kürzung die Hersteller Geld?
Autobauer zahlen in China Mehrwertsteuer auf Teile und Vorleistungen und holen sie bei der Ausfuhr zurück. Solange die Erstattung dem Steuersatz von 13 Prozent entspricht, bleibt der Export frei von dieser Steuer. Ab April 2027 bleiben vier Prozentpunkte des Exportwerts als Kosten an den Herstellern hängen.
Die Deutsche Bank rechnet bei BYD mit rund 5.000 Yuan weniger Gewinn je exportiertem Auto, zum EZB-Kurs vom 12. Oktober etwa 670 Euro.[2] Von Januar bis September verkaufte BYD 1,34 Millionen Autos im Ausland, rund 43 Prozent seines Großhandelsabsatzes. Auf diese Menge gerechnet würden knapp 900 Millionen Euro fehlen, dabei sank BYDs Gewinn im ersten Halbjahr schon um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Druck erwartet die Bank auch bei Chery, Geely, Leapmotor und Xpeng.
Im Inland sank Chinas Absatz von Fahrzeugen mit E-Antrieb im September laut dem Branchenverband CAAM gegenüber dem Vorjahresmonat um 9,4 Prozent, die Ausfuhren stiegen um 160 Prozent auf 571.000.[2] Leapmotor exportierte im September jedes vierte Auto.
Die vier Prozentpunkte aus Peking zahlen BYD und Co. aus der Marge, die Preise in Europa diktiert der Wettbewerb.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet die Kürzung für Käufer in Europa?
Auf reine Elektroautos aus China verlangt die EU seit Oktober 2024 zusätzlich zum Einfuhrzoll von 10 Prozent Ausgleichszölle zwischen 7,8 und 35,3 Prozent, bei BYD 17 Prozent.[4] Gegen die 27 Prozent, die BYD damit zahlt, fallen vier Prozentpunkte weniger Erstattung klein aus, zumal sich beide Sätze auf einen ähnlichen Warenwert beziehen. Für Plug-in-Hybride aus China haben sich Brüssel und Peking auf eine Mengenregelung verständigt.
Weil das Ausfuhrdatum zählt, lohnt sich für Hersteller jedes Auto, das vor dem 1. April 2027 China verlässt. Wie viele Autos vorher verschifft werden, begrenzt der Frachtraum: BYD fehlen schon heute Autofrachter. Für Autos aus dem ungarischen Werk in Szeged entfallen Zoll und Kürzung, dort will BYD noch 2026 mit der Montage beginnen.
Fuhrparkleiter, die für 2027 Elektroautos chinesischer Marken einplanen, sollten Preis und Liefertermin schriftlich fixieren. Privatkäufer vergleichen am besten den Endpreis nach der staatlichen Förderung für E-Autos, denn Rabatte chinesischer Marken können ab dem Frühjahr 2027 schrumpfen.
Quellen
4 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Finanzministerium der Volksrepublik ChinaBekanntmachung zur Anpassung der Exportsteuererstattung für bestimmte Produkte (Nr. 29/2026, 12. Oktober 2026, chinesisch)
- CnEVPostChina cuts NEV export tax rebates, testing profitability of automakers‘ overseas growth (12. Oktober 2026, nach CAAM, Deutsche Bank und Yicai)
- Finanzministerium der Volksrepublik ChinaBekanntmachung zur Anpassung der Exportsteuererstattung für Photovoltaik und weitere Produkte (Nr. 2/2026, Januar 2026, chinesisch)
- Europäische KommissionEU Commission imposes countervailing duties on imports of battery electric vehicles (BEVs) from China
Mehr Newshunger?
- Aito plant den EU-Start 2027, die Akkus liefert weiter CATL
- Hybride aus China: Brüssel will die Einfuhr per Zollkontingent deckeln
- Xpeng hebt sein Deutschland-Ziel für 2027 auf 22.000 Zulassungen
- Geely kommt 2027 nach Kanada: 6,1 Prozent Zoll statt 28,8 wie in der EU
- Xiaomi bringt seine E-Autos 2027 nach Deutschland, trotz EU-Zoll
- Geely übernimmt 34 Prozent von Fords Werk in Valencia
