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Auf 15 Android-TV-Boxen für je rund 48 € ließ Anthropic ein Sprachmodell mit 26 Milliarden Parametern laufen. In einem abgeschotteten Testnetz verbreitete sich ein Agent mit dem offenen Modell GLM-5.2 in vier von fünf Läufen auf alle acht Rechner. Anthropic rechnet damit, dass kleine Modelle dieses Niveau bis Ende 2026 erreichen.

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„Wie bei Coding-Agenten im Jahr 2024 sehen wir Lebenszeichen von KI-Würmern“, schreiben William Zhou und Daniel Freeman vom Frontier Red Team des Unternehmens.[1] Ein Rechenzentrum bräuchten solche Würmer nicht: Zusammengeschaltete TV-Boxen, Smart-Öfen, Mähroboter und Überwachungskameras genügen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das kleine Modell Qwen3.5-9B brachte auf acht von neun getesteten Hardwaretypen selbstständig ein Sprachmodell zum Laufen.
  • Von den getesteten offenen Modellen kopierte sich nur GLM-5.2 zuverlässig durch das Testnetz.
  • Ein solcher Wurm würde sich nur im Tagestakt verdoppeln, ließe sich ohne zentralen Server aber schwer abschalten.
  • Bereits verkaufte Geräte erfasst der Cyber Resilience Act nicht.

Wie passt ein Sprachmodell auf eine TV-Box?

Schwarze Box, Karottenende mit Anhänger „UNTERMIETER“
Anthropic zerlegte Gemma4-26B-A4 auf 15 Boxen à 4 GB RAM, erreichte aber nur 0,39 Token/Sekunde. Qwen3.5-9B konfigurierte sich auf acht Hardwaretypen selbstständig

Anthropic zerlegte das Modell Gemma4-26B-A4B in Teilstücke: Jede der 15 Boxen mit je 4 GB Arbeitsspeicher hielt zwei Schichten und reichte ihr Zwischenergebnis an die nächste Box weiter. Heraus kamen 0,39 Token pro Sekunde, weit unter dem Tempo eines Chatbots. Auf acht von neun getesteten Hardwaretypen, vom Jetson Nano bis zum Mac, richtete das kleinere Qwen3.5-9B die Inferenz selbstständig ein.[1]

Als Vorbild dient das Botnetz Kimwolf mit über zwei Millionen befallenen Geräten, überwiegend No-Name-Boxen mit Android.[1] Die Sicherheitsfirma Synthient führt die Infektionen vor allem auf die Debug-Schnittstelle ADB zurück: Viele Boxen öffnen diesen Zugang ab Werk ohne Anmeldung.[2] Über einen solchen offenen ADB-Port sprang auch der Wurm in Anthropics Testnetz von Rechner zu Rechner. Die Forscher nennen diesen Einbruch eine Vereinfachung, auf billigen Boxen gehört der offene Port zum Werkszustand. Ähnlich nutzte schon das Popa-Botnetz Millionen TV-Boxen als heimliche Proxy-Knoten.

Wie nah sind kleine Modelle am selbstständigen Wurm?

Nur GLM-5.2 des chinesischen Anbieters Zhipu schaffte den ganzen Kreislauf: Der Agent suchte das Netz ab, kopierte sich auf freie Rechner und startete dort ein Sprachmodell. Kleine Modelle bis 30 Milliarden Parameter legen im Epoch Capabilities Index jährlich 13,7 Punkte zu und erreichen bei diesem Tempo das Niveau von GLM-5.2 bis Ende 2026.[1] Den Nachfolger GLM-5.3 ließ Anthropic bereits Exploits für Chrome bauen.

Jede Generation von Qwen3.5-9B erbte die Notizen ihrer Vorgängerin, die Erfolgsquote bei der Einrichtung stieg dadurch von 45 % auf 61 bis 84 %. Auf eine Flotte von Kimwolfs Größe hochgerechnet, ergäben rund 133.000 Kopien zusammen die Rechenleistung von etwa 40 Nvidia-H100-Beschleunigern.[1] Ganz ohne eigene Hardware kopierten sich im Juli versteckte Anweisungen über Copilot von Word-Datei zu Word-Datei.

Eine TV-Box für 48 Euro mit offenem Debug-Port verschenkt künftig Rechenzeit an jeden KI-Wurm, der vorbeikommt.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Was sollten Unternehmen jetzt prüfen?

Anthropic setzt auf Netzbetreiber, denn mehrere Gigabyte Modellgewichte fallen in Verkehrsdaten auf. Beim Mirai-Botnetz bereinigte ein Provider mit Quarantäne und Kundenhinweis 92 % der Infektionen binnen 14 Tagen, ohne Hinweis 74 %.[1] Ab dem 11. Dezember 2027 verbietet der Cyber Resilience Act schwache Standardpasswörter in neu auf den Markt gebrachten Produkten.[3] Wie verwundbar vernetzte Technik in Betrieben ist, zeigte zuletzt der Angriff auf Kühlregale in Frankreich.

  • Erfassen Sie alle vernetzten Geräte, auch Überwachungskameras und die TV-Box am Empfang.
  • Trennen Sie diese Geräte per eigenem Netzsegment von Rechnern mit Kundendaten.
  • Prüfen Sie per Portscan, ob ein Gerät den ADB-Port 5555 offen hält, und tauschen Sie solche Boxen aus.
  • Lassen Sie sich beim Kauf zusichern, wie lange der Hersteller Sicherheitsupdates liefert.

Quellen

3 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. AnthropicAI models may be capable of self-replicating without access to a datacenter12.10.2026
  2. SynthientA Broken System Fueling Botnets
  3. BSICyber Resilience Act

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