Die dringendste Gefahr durch künstliche Intelligenz sieht Bill Gates in den kommenden zwölf Monaten bei Kriminellen, die Modelle ohne Schutzvorkehrungen für Erpressung und Cyberangriffe nutzen. Große Folgen eines Kontrollverlusts über die KI erwartet der Microsoft-Mitgründer erst in einigen Jahren. In Deutschland richteten Deepfakes laut Bitkom zuletzt bei 8 % der Unternehmen Schaden an, doppelt so häufig wie im Vorjahr.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenKI-Cyberangriffe werden nach Einschätzung von Bill Gates im kommenden Jahr zur sichtbarsten Folge der neuen Modelle. „Im Laufe des nächsten Jahres werden wir vor allem im Cyberbereich viele negative Überraschungen erleben“, sagte der Vorsitzende der Gates Foundation am Sonntag in der CNN-Sendung „State of the Union“.[1]
Das Wichtigste in Kürze
- Gates rechnet binnen eines Jahres mit vielen KI-Cyberangriffen, vor allem zur Erpressung.
- Als Ursache nennt er Modelle, deren Schutzvorkehrungen Nutzer entfernen dürfen.
- Binnen eines Jahres erwartet Gates staatliche Aufsichtsstellen für KI statt reiner Selbstkontrolle der Branche.
- 82 % der deutschen Unternehmen gehen laut Bitkom davon aus, dass Angreifer verstärkt KI einsetzen.
Warum erwartet Gates zuerst Cyberangriffe?

Gates begründet die Prognose mit einem eingespielten Geschäftsmodell: Angreifer drohen mit einem Schaden und verlangen Geld, oder sie lösen eine Störung aus, die Börsenkurse oder Wettquoten verschiebt. Akut gefährlich seien Menschen mit böser Absicht, die neueste Modelle ohne Schutzvorkehrungen nutzen. „Wir bauen Schutzvorkehrungen gegen Bioterrorismus ein, aber im Moment darf man all diese Schutzvorkehrungen herausnehmen“, sagte der Microsoft-Mitgründer.
Am leichtesten lassen sich die Sperren bei Modellen mit offenen Gewichten entfernen, die jeder auf eigenen Rechnern nachtrainieren kann. Das Weiße Haus prüft vor dem Start nur geschlossene US-Spitzenmodelle, chinesische Open-Weight-Modelle wie DeepSeek bleiben außen vor. Anthropic verlangt dagegen Pflichttests für jedes leistungsfähige Modell, offen wie geschlossen.
Wie weit sind KI-Angriffe schon?
In Taiwan knackten im Juli bis zu acht KI-Agenten 85 Behördenkonten in vier Tagen, gebaut aus frei verfügbaren Frameworks ohne die Sperren kommerzieller Anbieter. Im September beschrieb Anthropic Angreifer, die ihre Schadsoftware so lange von Agenten umbauen ließen, bis kein Scanner mehr anschlug. Laut CNN machte Anthropic am Freitag zudem öffentlich, dass eigene Agenten auf Behördenseiten Visa beantragten und der Polizei in Philadelphia einen falschen Hinweis zu einem Tötungsdelikt schickten.
Ende September hatte Gates bei NBC US-Gesetze für KI verlangt und im Podcast der New York Times seine Robotersteuer konkretisiert. Bei CNN nannte er erstmals einen Zeitrahmen: Binnen eines Jahres werde die Branche über die Selbstkontrolle hinausgehen, Aufsichtsstellen wie für Flugzeuge und Medikamente würden folgen. „Ich werde mich dafür auf jeden Fall starkmachen“, sagte Gates. Auf ein Gespräch mit Präsident Trump und dessen wichtigsten Leuten hofft der Stiftungschef nach eigenen Worten noch.
Kriminelle erpressen Firmen oder bewegen Kurse mit Modellen ohne Schutzvorkehrungen. Gates erwartet viele negative Überraschungen.
Die großen Folgen eines Kontrollverlusts über die KI liegen nach Gates’ Einschätzung noch Jahre entfernt. An Gegenmitteln müsse die Branche aber schon jetzt arbeiten.
gehen sicher oder vermutlich davon aus, dass Angreifer verstärkt KI einsetzen.
der Unternehmen meldeten einen Schaden, doppelt so viele wie im Vorjahr (4 %).
der Unternehmen meldeten einen Schaden, im Vorjahr waren es 3 %.
Eine Schutzvorkehrung, die jeder Nutzer ausbauen kann, hält nur ehrliche Kunden auf.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was heißt die Warnung für Unternehmen in Deutschland?
Den KI-Einsatz der Angreifer bemerken deutsche Firmen schon heute: Von 1.003 Unternehmen, die der Bitkom befragt hat, beobachten 31 % sicher mehr KI bei Angriffen, weitere 51 % hegen einen Verdacht.[2] Als Indiz nennen 53 % automatisch angepasste Angriffsversuche, 48 % täuschend echte Audio- und Videofälschungen.
Klassische Erpressung per Ransomware richtete zuletzt bei 25 % der Firmen Schaden an, nach 34 % im Vorjahr. Häufiger schadeten KI-gestützte Methoden: Schäden durch automatisierte Anrufe meldeten 14 % statt 3 % der Firmen, durch Deepfakes 8 % statt 4 %.
Zwei Abläufe sollten Sie vor dem nächsten verdächtigen Anruf prüfen:
- Lösen Sie Zahlungen und Freigaben erst nach einem Rückruf über eine bekannte Nummer aus, nie allein auf Stimme oder Video hin.
- Spielen Sie den Notfallplan für Erpressung durch, mit Sicherungskopien außerhalb des Netzes und, sofern Ihr Unternehmen unter NIS2 fällt, mit der Erstmeldung erheblicher Vorfälle an das BSI binnen 24 Stunden.
Die Mindestausstattung kleiner Firmen beschreibt der Ratgeber zu den Cybersecurity-Grundlagen. Eigene KI-Agenten sollten Unternehmen zudem so einhegen, wie Microsoft-Chef Satya Nadella am Samstag vorschlug: mit einer Notbremse außerhalb des Modells.
Quellen
2 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- CNN TranscriptsState of the Union with Jake Tapper, Interview mit Bill Gates
- BitkomWirtschaftsschutz 2026, Studienbericht, Kapitel 4.3 und 4.4
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