Die US-Verkehrsaufsicht NHTSA prüft eine Petition, nach der Teslas fahrerlose Robotaxis in aktiven Schulzonen das Tempolimit überschreiten. Betroffen sind rund 1.000 Model Y und Cybercabs aus dem Modelljahr 2026. Eine ähnliche Schwäche zeigte Teslas Assistenzsystem FSD im Juli bei einem Test vor Brüsseler Schulen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDrei Videolinks schickte ein ungenannter Petent am 23. September an die NHTSA, nach seiner Darstellung zeigen alle Aufnahmen Tesla-Robotaxis, die in aktiven Schulzonen zu schnell fahren. Am 9. Oktober eröffnete die Behörde dazu die Akte DP26010.[1] Einen Defekt hat die NHTSA damit nicht festgestellt.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine Petition wirft Teslas Robotaxis vor, in aktiven Schulzonen zu schnell zu fahren, die NHTSA prüft den Vorwurf.
- Erfasst sind Model Y und Cybercab aus dem Modelljahr 2026 mit eingeschaltetem Fahrsystem.
- Bis spätestens 21. Januar 2027 entscheidet die Behörde, ob eine förmliche Untersuchung folgt.
- In Europa fiel Teslas Assistenzsystem FSD mit einem ähnlichen Muster in Brüsseler Tempo-30-Zonen auf.
Was genau prüft die NHTSA?

Die Petition richtet sich gegen das automatisierte Fahrsystem der Robotaxis, also gegen Fahrten ohne menschlichen Fahrer. Laut Petent überschreiten die Wagen in aktiven Schulzonen das ausgeschilderte Tempolimit. Die NHTSA schätzt den Kreis laut Bloomberg auf rund 1.000 Fahrzeuge. Tesla äußerte sich auf Anfrage von Bloomberg zunächst nicht.
Die Petition steht am Anfang der US-Verfahrenskette: Nach Bundesrecht muss die Behörde binnen 120 Tagen nach Eingang entscheiden, ob sie dem Antrag folgt.[2] Erst danach käme eine förmliche Untersuchung, an deren Ende ein Rückruf stehen kann. Parallel läuft seit dem Start in Austin das Prüfverfahren zur Selbstzertifizierung des Cybercabs.
Warum stolpert die Software über Schulzonen?
US-Schulzonen kennen meist ein bedingtes Tempolimit: Die niedrige Grenze gilt nur zu Schulzeiten oder solange gelbe Warnleuchten blinken. Ein Kamerasystem muss also neben dem Schild auch Zusatztafel, Uhrzeit oder Blinklicht auswerten und das Ergebnis in seine Tempovorgabe übernehmen.
An genau dieser Übergabe scheiterte FSD im Juli in Brüssel. Die Initiative Johanna.be maß in 16 von 29 Tempo-30-Abschnitten, viele vor Schulen, zu hohe Geschwindigkeiten von im Schnitt 44 km/h. Das System erkannte das Schild häufig, richtete sich aber nach einem höheren Wert.[3] Die UN-Regelung 171 verlangt in diesem Fall, die eingestellte Höchstgeschwindigkeit automatisch zu senken.
Auch Waymo geriet an Schulen ins Visier: Die NHTSA ermittelt laut Bloomberg seit Ende 2025, weil Waymo-Fahrzeuge an haltenden Schulbussen nicht vollständig stoppten. Die Unfallbehörde NTSB eröffnete später ein eigenes Verfahren.
Ein Schild zu erkennen reicht vor einer Schule nicht. Das Auto muss auch wissen, ob gerade Unterricht ist.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für Europa?
Berlin hat Tesla gerade eine Tempo-Toleranz zugestanden: Nach der Einigung mit dem Bundesverkehrsministerium darf FSD das Limit um höchstens 10 Prozent überschreiten, die Verantwortung bleibt beim Fahrer.[4] Die Toleranz deckt nur den gewollten Aufschlag, nicht den Fehler beim Lesen eines Schulzonen-Schilds. Über die EU-weite Zulassung von FSD ist noch nicht entschieden.
Fahrerlose Robotaxis brauchen in Deutschland zudem eine Betriebserlaubnis des Kraftfahrt-Bundesamts und einen von der Landesbehörde genehmigten Betriebsbereich. Für Kommunen, die Robotaxi-Piloten wie Ubers Pläne für München begleiten, ergeben sich zwei Prüfpunkte:
- Lassen Sie sich nachweisen, wie das System zeitlich begrenzte Tempolimits vor Schulen und Kitas erkennt und umsetzt.
- Fordern Sie Fahrtprotokolle aus dem Testbetrieb an, getrennt nach Tempo-30-Zonen und Schulwegen.
Flottenmanager mit FSD-Fahrzeugen in freigegebenen EU-Ländern sollten Fahrer anweisen, vor Schulen selbst auf das Tempo zu achten. Das Bußgeld trägt der Mensch am Steuer.
Quellen
4 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- NHTSADP26010: Exceeds posted speed limits in active school zones, eröffnet am 9. Oktober 2026
- eCFR49 CFR 552.8, Notification of agency action on the petition
- Johanna.beTestbericht Tesla FSD in Brüsseler Tempo-30-Zonen
- Bundesministerium für VerkehrAktueller Stand Tesla-Assistenzsysteme
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