Ein Robotaxi von Pony.ai hat am 3. Oktober in Shenzhen einem Fahrgast drei Finger in der Tür eingeklemmt. Am Steuer saß niemand. Einen solchen Fall habe das Unternehmen noch nicht erlebt, räumte ein Mitarbeiter ein.

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Im Video, das chinesische Medien am Wochenende verbreiteten, steht der Mann neben dem Pony.ai-Robotaxi, stampft vor Schmerz auf und bittet Passanten um Hilfe. Gegenüber dem Portal Sina Tech schilderte Pony.ai den Hergang so: Ein Begleiter habe die Tür beim Einsteigen von Hand zugedrückt.[1] Die Verkehrspolizei wertete den Vorfall nach Sichtung des Videos als Unglück, nicht als Verkehrsunfall. Der Fahrgast ist laut Pony.ai ohne ernste Verletzung wieder zu Hause.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Polizei wertet den Vorfall nicht als Verkehrsunfall.
  • Notknopf und Kundendienst-Button sitzen im Wagen, der eingeklemmte Fahrgast stand draußen.
  • Elektrische Zuziehhilfen drücken zum Schluss mit rund 30 Kilogramm, meist ohne Einklemmschutz.
  • Pony.ai und Uber planen über 2.000 Robotaxis in Europa.

Wo bleibt die Hilfe, wenn kein Fahrer an Bord ist?

Modell-Kleintransporter mit „Finger weg“-Aufkleber und Absperrgitter auf einem Sockel
Fahrgast im fahrerlosen Pony.ai-Taxi mit Finger in der Tür kann nur per Telefon Hilfe rufen, da Notknopf und Tablet-Button im Innenraum sind

Ein Pony.ai-Mitarbeiter verwies gegenüber dem Nachrichtenportal Dingduan auf drei Wege: den Notknopf im Wagen, einen Kundendienst-Button auf dem Tablet und eine Servicenummer.[2] Zwei davon liegen im Innenraum, für den dritten braucht der Fahrgast ein Telefon. Der Mann in Shenzhen stand draußen, die Finger in der Tür.

Im fahrerlosen Betrieb überwacht eine Leitstelle die Flotte aus der Ferne. Den Moment am Straßenrand, in dem jemand mit der Hand in der Tür feststeckt, erreicht diese Hilfekette nur über Umwege.

Warum klemmen elektrische Autotüren Finger ein?

Welche Türtechnik im Wagen in Shenzhen steckt, hat Pony.ai nicht gesagt. Chinesische Medien verweisen trotzdem auf eine Debatte, die seit dem Sommer läuft: Elektrische Zuziehhilfen ziehen eine halb geschlossene Tür per Motor ins Schloss. Die Wirtschaftszeitung Yicai zählte im Juni mehrere Dutzend Verletzungen durch solche Türen, von Schwellungen bis zu Brüchen.[3]

Der Motor bringt laut Yicai 12 bis 20 Newtonmeter auf, was etwa 30 Kilogramm Druck entspricht. Einen Einklemmschutz haben die meisten Systeme in dieser letzten Phase nicht, weil er dem Zweck widerspricht: Ein Sensor, der bei Widerstand die Tür aufspringen lässt, würde jedes Zuziehen gegen den normalen Gegendruck abbrechen. BYD und Huawei-Manager Yu Chengdong haben öffentlich eingeräumt, dass ihre Zuziehtüren in dieser Phase nicht vor Einklemmen schützen.

Nio und FAW Bestune verkleinern den Spalt, ab dem der Motor zieht, auf höchstens 8 Millimeter, dünner als ein Erwachsenenfinger. In den USA verlor 2016 ein BMW-X5-Besitzer durch die Zuziehhilfe eine Daumenkuppe; eine Jury sprach ihm laut Yicai rund 1,65 Millionen Euro zu, obwohl das Handbuch vor dem Risiko warnte.

Ein Robotaxi ohne Fahrer braucht eine Tür, die auch ohne Fahrer sicher ist. Den Notknopf erreichen nur Fahrgäste, die schon drinsitzen.

Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
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Robotaxi-Tür: was beim Zuziehen passiert
Kräfte, Gegenmittel und Kosten elektrischer Zuziehhilfen
30 kg
Druck übt der Motor beim Zuziehen auf einen Finger im Türspalt aus
8 mm
Startspalt bei Nio und FAW Bestune, zu schmal für einen Erwachsenenfinger
270–400 €
kosten vier Zuziehhilfen den Hersteller in China
2.000+
Robotaxis wollen Pony.ai und Uber in Europa einsetzen

Was Chinas Normen regeln und was nicht

Stand 5. Oktober 2026
GB 15086-2013
TürschlossHalbrast und Vollrast sind Pflicht
Kein EinklemmschutzZuziehhilfen bleiben ungeregelt
GB 48001-2026
Türgriffemechanische Öffnung innen und außen ab 1. Januar 2027 für neue Typen
Kein Einklemmschutzfür Zuziehhilfen nach Angaben von Yicai
Hersteller
Kleiner SpaltNio und FAW Bestune ziehen erst ab 8 mm
SensorenLi Auto L9 Livis erkennt Finger an der Türkante

Was bedeutet der Fall für Robotaxis in Europa?

Pony.ai und Uber wollen über 2.000 Robotaxis nach Europa bringen. WeRide plant fahrerlose Taxis im Großraum Zürich, in Hamburg bereitet die Volkswagen-Tochter Moia einen eigenen Dienst vor. Das deutsche Gesetz zum autonomen Fahren ersetzt den Fahrer seit 2021 durch eine Technische Aufsicht, die Fahrzeuge aus der Ferne überwacht. Eine eingeklemmte Hand befreit diese Aufsicht nicht.

Bei Türgriffen hat Peking bereits nachgeschärft: Die Norm GB 48001-2026 verlangt ab 1. Januar 2027 für neue Modelle Türgriffe, die sich innen und außen mechanisch öffnen lassen.[4] Anlass war die Debatte um versenkbare Griffe. Die Zuziehhilfe kommt in der Norm laut Yicai nicht vor.

Kommunen und Verkehrsbetriebe, die Robotaxi-Dienste genehmigen oder bestellen, sollten deshalb die Türtechnik mitprüfen: Stoppt die Tür auch in der letzten Schließphase, oder zieht der Motor erst ab 8 Millimetern? Ebenso gehört ein Notruf an die Außenseite des Wagens, über den die Leitstelle die Tür sofort entriegelt.

Quellen

[1] Sina Tech: „Pony.ai reagiert auf eingeklemmte Hand eines Fahrgasts: mit der Verkehrspolizei aufgeklärt, Unglück statt Verkehrsunfall“ (chinesisch)

[2] Dingduan News: „Mann von Tür eines fahrerlosen Autos eingeklemmt, Unternehmen kümmert sich“ (chinesisch)

[3] Yicai: „Dutzende Quetschverletzungen legen Sicherheitsrisiko elektrischer Zuziehtüren offen“ (chinesisch)

[4] Wirtschafts- und Technologieentwicklungszone Peking: „Vollständig versenkte Türgriffe verboten, gültig ab 1. Januar“ (chinesisch)

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