Rund 100 Wafer bestellt ein indisches Chip-Startup für den Anfang, große Hersteller ordern Zehntausende im Monat. Vervesemi-Gründer Rakesh Malik sagte der Zeitung Nikkei Asia, die Fertiger verlangten von seiner Firma 50 Prozent mehr als von anderen Kunden. Indiens Förderprogramm hat die Entwürfe bis zum fertigen Chip gebracht, für günstige Preise in der Serie fehlen den Firmen die Stückzahlen.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenAnanta Agarwal berichtete am Montagmorgen für Nikkei Asia aus Bengaluru über die Startups, die mit Geld aus dem indischen Halbleiterprogramm Chips entworfen haben (Stand: Montag, 26. Oktober, 11:00 Uhr).[1] Die Entwürfe sind fertig, die ersten Chips gebaut. Offen bleibt, wie viele der geförderten Firmen Kunden für die Serie haben.
Das Wichtigste in Kürze
- Startups bestellen zum Start rund 100 Wafer, Vervesemi zahlt dafür laut Gründer Rakesh Malik 50 Prozent Aufschlag.
- Die meisten indischen Montagewerke verlangen laut Malik das Zwei- bis Dreifache ausländischer Preise.
- Die erste Förderrunde finanzierte 24 Entwicklungsprojekte, das Nachfolgeprogramm Semicon 2.0 hat ein Budget von rund 12 Mrd. €.
- Fermionic Design liefert Funkchips aus der Fertigung von GlobalFoundries in mittleren Stückzahlen.
Warum kostet derselbe Chip in kleiner Serie mehr?

Chipfabriken rechnen pro Wafer ab, der runden Siliziumscheibe, auf der einige tausend Chips entstehen. Für jeden Chipentwurf fallen vorab feste Kosten an, allen voran der Maskensatz für die Belichtung. Laut Nikkei ergibt ein Wafer rund 5.000 fertige Chips.[1] Bei einer Startbestellung von 100 Wafern verteilen sich diese Fixkosten auf etwa 500.000 Stück, bei einem Großkunden mit Zehntausenden Wafern im Monat auf mehr als hundert Millionen.
Teurer als im Ausland ist auch die Montage, bei der ein Werk den Chip in ein Gehäuse setzt. Von den fünf Montagewerken in Indien nannten die meisten Malik das Zwei- bis Dreifache ausländischer Preise.[1] Eine Zollfrage zu den Wafern kostete Vervesemi drei Monate.
Was bezahlt der Staat, und wo endet die Hilfe?
In der ersten Runde übernahm das indische Halbleiterprogramm die Hälfte der Entwicklungskosten von 24 Projekten, höchstens 150 Mio. Rupien (rund 1,4 Mio. €) je Projekt, dazu bis zu 6 Prozent des späteren Umsatzes.[1] 105 Startups und Mittelständler bekamen Zugang zu teurer Entwurfssoftware.[2] Orvis-Semi-Gründer Mukul Sarkar hält 24 geförderte Projekte für zu wenig.
Im Juli beschloss das indische Kabinett das Nachfolgeprogramm Semicon 2.0 mit 1,275 Billionen Rupien (rund 12 Mrd. €) für Chipentwicklung und Fertigung.[2] Laut Nikkei zahlt die neue Phase Startups einen Zuschuss von 9 Prozent ihres Nettoumsatzes mit Chips und richtet sich an Firmen, die schon einen Chip gebaut haben.[1] Die erste Chipfabrik des Landes soll 2028 in Betrieb gehen.[2] Ob das Werk zu den Chiptypen der Startups passt, bezweifelt laut Nikkei ein Regierungsvertreter.
Den Schritt in die Fertigung hat Fermionic Design geschafft: GlobalFoundries fertigt seit einer Vereinbarung vom Juni Funkchips der Firma, Gründer Gautam Singh spricht von mittleren Stückzahlen und will langsam wachsen.
- Runde 124 Entwicklungsprojekte, die Hälfte der Kosten bis 150 Mio. Rupien (rund 1,4 Mio. €) je Projekt
- Juli 2026Semicon 2.0 mit 1,275 Billionen Rupien (rund 12 Mrd. €), laut Nikkei ein Zuschuss von 9 % des Nettoumsatzes mit Chips
- 2028Die erste Chipfabrik des Landes soll in Betrieb gehen
Was heißt das für Unternehmen aus Deutschland?
Indiens Startups können Chips entwerfen, ihnen fehlen die Kunden für Millionen Stück.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
In Europa teilen sich Hochschulen und ihre Ausgründungen die Wafer, um dieselben Fixkosten zu senken. Der EU-geförderte Dienst Europractice lässt ihre Entwürfe gemeinsam auf einem Wafer fertigen, in mehr als 90 Fertigungstechniken.[3] Ein solcher Sammelwafer liefert Prototypen, keine Serie.
GlobalFoundries, der Fertiger von Fermionic, will in Dresden die Kapazität verdoppeln. Applied Materials baut in Indien Zulieferer auf, keine eigenen Fabriken. Für Einkäufer und Entwickler in Deutschland folgt daraus:
- Bei Chips indischer Chipentwickler nach Fertiger, Montagewerk und Stückzahl fragen: Kleine Serien schlagen auf den Stückpreis durch.
- Für Lieferungen aus Indien einen Zeitpuffer für den Zoll einplanen.
- Prototypen aus Hochschulprojekten über Europractice auf gemeinsam genutzten Wafern fertigen lassen.
Quellen
3 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Nikkei Asia, Ananta AgarwalIndia’s chip design startups struggle with final commercial hurdle (26. Oktober 2026, hinter Bezahlschranke)
- Press Information Bureau, Regierung von IndienCabinet approves Semicon 2.0
- EuropracticeEuropractice 2.0 (Projektseite, Förderung durch das Chips Joint Undertaking bis)
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